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Apple entwickelt eigene Suche für die Zeiten nach Google

31.10.2020 | 14:10 Uhr |

Eine mögliche Folge der Kartelluntersuchungen gegen Google: Wir werden künftig applen, um etwas im Netz zu finden.

Seit das erste iPhone mit nur einem Dutzend Apps auf den Markt kam, hat Google eine zentrale Rolle auf Apples Handy gespielt. Doch laut der Financial Times bereitet sich Apple auf eine Welt vor, in der dies nicht mehr der Fall ist.

Obwohl die Publikation keine direkten Informationen über Apples Post-Google-Strategie enthält, hat sie doch einige Anhaltspunkte zusammengetragen, die zu großen Veränderungen bei der Suche auf unseren iPhones führen könnten. In der neuen Spotlight-Suche von iOS 14 zum Beispiel hat Apple "damit begonnen, seine eigenen Suchergebnisse anzuzeigen und direkt zu Websites zu verlinken, wenn Benutzer Suchanfragen vom Startbildschirm aus eingeben".

Das ist eine subtile Änderung, die die meisten Benutzer wahrscheinlich nicht bemerken werden, aber wie die FT anmerkt, "stellt sie einen wichtigen Fortschritt in der internen Entwicklung von Apple dar und könnte die Grundlage für einen umfassenderen Angriff auf Google bilden".

Google wird derzeit vom US-Justizministerium wegen kartellrechtlicher Bedenken geprüft. Zu den Beschwerden gehören die "langfristigen Vereinbarungen mit Apple, die Google verpflichten, die standardmäßige – und de facto exklusive – allgemeine Suchmaschine auf Apples populärem Safari-Browser und anderen Apple-Suchtools zu sein". Berichten zufolge zahlt Google an Apple zwischen 8 und 12 Milliarden US-Dollar jährlich, um die Standardsuchmaschine auf iOS zu sein.

Neben der neuen Suchfunktion stellte Apple 2018 auch den ehemaligen Google-Suchguru John Giannandrea ein, und es wurden regelmäßig Stellenausschreibungen auf der Suche nach Suchingenieuren entdeckt. Web-Beobachter haben auch einen Aufwärtstrend bei der sogenannten Applebot-Aktivität festgestellt, die Apple intern zur Indizierung des Web verwendet wird.

Apple löste sich bereits vor acht Jahren von Google Maps mit der Einführung von Apple Maps, seinem eigenen Kartendienst, der einen Großteil der Funktionalität von Google Maps replizierte. Allerdings hatte es einen sehr holprigen Start und erreichte erst vor kurzem eine gewisse Parität mit dem Google-Dienst. Und offensichtlich hat Google einen noch größeren Vorsprung, wenn es um die Suche geht.

Aber Apples enormes iPhone-Ökosystem und sein Fokus auf den Datenschutz könnten ihm bei seinen Bemühungen, die Dominanz von Google zu brechen, gute Dienste leisten. Die meisten Nutzer werden sich nicht die Mühe machen, die Standardsuchmaschine zu ändern, sodass Apple ein eingebautes Publikum von Hunderten von Millionen Menschen haben wird.  Und mit einem Schwerpunkt auf Datenschutz und Anti-Tracking wie Duck Duck Go könnte eine Apple-Suchmaschine den Menschen einen Grund bieten, von Google komplett die Finger zu lassen.

Aber jeder Schritt weg von Google als dem Standard-Suchanbieter wird Zeit brauchen. Selbst wenn diese Hinweise auf einen Versuch von Apple hinauslaufen, eine Suchmaschine für Safari zu entwickeln, ist sie wahrscheinlich noch Jahre von ihrer Verwirklichung entfernt.

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