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Apple kauft NextVR für angeblich 100 Mio USD

15.05.2020 | 10:25 Uhr | Peter Müller

Apple kauft ein Virtual-Reality-Unternehmen, aber erwarten Sie in nächster Zeit kein Headset. NextVR kümmert sich um Inhalte, nicht um Hardware.

Während der Rest der Welt ihre Börsen fest verschließt, gibt Apple weiterhin Geld aus. Nach einem Monat der Spekulation hat Apple bestätigt, dass es NextVR gekauft hat, ein Startup-Unternehmen, das sich auf die Übertragung von Großereignissen in virtueller Realität konzentriert.

Der Apple-Sprecher, der die Übernahme gegenüber Bloomberg bestätigte, lieferte keine Details über den Standardkommentar des Unternehmens hinaus: "Apple kauft von Zeit zu Zeit kleinere Technologieunternehmen, und wir diskutieren im Allgemeinen nicht über unseren Zweck oder unsere Pläne".

Die Website von NextVR wurde vollständig von allen Inhalten gestrichen und stellt lediglich fest: "NextVR geht in eine neue Richtung. Vielen Dank an unsere Partner und Fans auf der ganzen Welt für die Rolle, die Sie beim Aufbau dieser großartigen Plattform für Sport-, Musik- und Unterhaltungserlebnisse in der virtuellen Realität gespielt haben".

Das Interesse von Apple an dem Unternehmen deckt sich mit seinem Vorstoß in die erweiterte Realität. Auf seiner Website rühmt sich Apple "der weltweit größten AR-Plattform mit Hunderten von Millionen AR-fähigen Geräten sowie Tausenden von AR-Apps im App Store", und Tim Cook hat deutlich gemacht, dass AT eine Priorität für das Unternehmen ist. Die neuesten Sensoren und Prozessoren von Apple sind so gebaut, dass sie die ARKit-Plattform auf ein neues Niveau heben.

Kürzlich erhielt das iPad Pro einen LiDAR-Scanner, der "die Entfernung zu umgebenden Objekten in einer Entfernung von bis zu 5 Metern misst, sowohl im Innen- als auch im Außenbereich funktioniert und auf Photonenebene mit Nanosekunden-Geschwindigkeiten arbeitet". Der neue Sensor verbessert die Objektverfolgung und Bewegungserfassung, um die reale und die virtuelle Welt nahtlos miteinander zu verschmelzen.

Die NextVR-Akquisition wird wahrscheinlich zu ähnlich kleinen Schritten führen. Während wir gerne davon träumen würden, dass Apple ein VR-Headset auf den Markt bringen wird, konzentriert sich NextVR mehr auf Inhalte, insbesondere auf große Sport- und Unterhaltungsveranstaltungen.

Nach Angaben des Unternehmens bietet NextVR "ein tiefes Eintauchen, um Sie bei NBA-Spielen, WWE, Boxen, NHRA, ICC-Fußball, Konzerten, exklusiven Musikerlebnissen hinter den Kulissen und Stand-up-Comedy-Events direkt ins Geschehen zu versetzen". Apple wird die Technologie wahrscheinlich als eine Möglichkeit nutzen, um neue Wege zur Bereitstellung von Inhalten entweder über Apple TV+ oder über virtuelle Veranstaltungen zu erkunden.

Beispielsweise hat der Coronavirus Apple gezwungen, die WWDC zu einer virtuellen Veranstaltung zu machen, die in der Apple Developer App und auf der Apple Developer Website für alle Entwickler kostenlos angeboten wird. Eine Virtual-Reality-Komponente würde wesentlich dazu beitragen, künftige virtuelle Veranstaltungen attraktiver zu gestalten als ein FaceTime-Anruf oder ein QuickTime-Video.

9to5Mac berichtet erstmals im Apri l über die Übernahme und davon, dass der Kauf werde "voraussichtlich einen Wert von rund 100 Millionen Dollar haben". Das wäre dann kein "kleines Unternehmen", sondern eher schon eines der mittleren Kategorie. Zur Erinnerung: Apple hatte Ende 1997 Steve Jobs' Firma NeXT für 400 Millionen US-Dollar übernommen, die bisher größte einzelne Akquise war die von Beats im Jahr 2014 für über drei Milliarden US-Dollar.

Kuo: Headset nicht vor 2022

Ein Apple-Headset für virtuelle Realität, mit dem man an einer Keynote so teil nehmen könnte, als säße man im Steve Jobs Theater in der ersten Reihe oder beim Fußball direkt am Spielfeldrand, bringt die Übernahme von NextVR allenfalls indirekt näher, Apple hat damit Technologien zur Verbreitung von Inhalten gekauft, aber keine Hardware-Entwicklung. Zumal Apple eher auf AR zu setzen scheint. Stadionbesucher oder TV-Zuschauer könnten mit einer spekulierten Apple-Brille aber mehr über den Spieler am Ball oder dem Wurfhügel erfahren, fokussieren sie auf den Akteur.

Mit dem Championsleague-Endspiel in München (Mai 2022) könnte es knapp werden, sofern das nicht mindestens um ein Jahr verschoben wird, um es mit einer Apple-AR/VR-Brille anzusehen. Wie der immer gut informierte Analyst von TF Securities, Ming-Chi Kuo, in seiner jüngsten Anlegernotiz schreibt , wird Apple nicht vor 2022 eine Brille anbieten.

Dabei werde Apple seiner Ansicht nach auch eher auf AR setzen, also digitale Inhalte der realen Welt hinzufügen. Die Linsen, auf die eine Schicht laminiert werde, die für die Anzeige der Projektionen verantwortlich zeichnet, werde aber recht teuer.

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