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Apple sollte das Smart Home groß denken

21.02.2019 | 10:23 Uhr |

Apple und das vernetzte Zuhause: Das hat viel Verbesserungspotenzial. Die Möglichkeiten sind aber schier grenzenlos.

Apples aktuelle Strategie im Smart-Home-Sektor sieht ein wenig düster aus. Im Jahr 2017 kamen Homepod ( in Deutschland erst im Frühjahr 2018, Anm. d. Red. ) und Apple TV 4K auf den Markt. Zuletzt schien der Homekit-Support viel breiter geworden zu sein, aber Apple hat auch die Airport-Produktlinie eingestellt und nur zugesehen, als Konkurrenten wie Google und Amazon Töchter wie Nest und Eero gründeten.

In der vergangenen Woche haben wir erfahren, dass das Unternehmen einen neuen Leiter für seine Smart-Home-Produkte eingestellt hat, weshalb sich die Frage stellt: Was genau erwartet Apple von Sam Jadallah? Ist es seine Aufgabe, Geschäfte mit Homekit-Partnern abzuschließen und den Homepod erfolgreicher zu machen? Oder zeigt das eher auf, dass Apple einen neuen Kurs einschlägt, weil Cupertino erkannt hat, dass die alte Strategie nicht mehr funktioniert?

Für Apple besteht kein Limit, Geräte für das Smart Home zu bauen. Es muss sich nur entscheiden, ob es auf diesem Markt konkurrenzfähig sein oder ob es das Segment für sich abschreiben will. Ich glaube immer mehr, dass Apple mehr und nicht weniger tun muss, um Produkte für das vernetzte Zuhause herzustellen.

Unterhaltungszentrale im Format eines Riegels

Neben Homekit hat Apple auch zwei Zubehör-Produkte für das Zuhause im Angebot: Apple TV und Homepod. Ohne auf die Details einzugehen, möchte ich nur sagen, dass Apple beide erschwinglicher machen muss. Aber es gibt noch eine andere Home-Entertainment-Produktkategorie, in die Apple einsteigen und sich recht gut behaupten könnte, und alles, was es braucht, ist eine Fusion seiner beiden bestehenden Produkte – zu einer Soundbar.

Die Soundbar ist eine relativ neue Ergänzung des Home-Hardware-Angebots. Es handelt sich hierbei um eine horizontale Box mit mehreren Lautsprechern, die normalerweise auf oder unter einem Fernsehapparat steht und modernen HDTVs einen guten Klang (und Surround-Sound-Effekte) verleiht, die im Allgemeinen großartig in Bildern und schlecht in Sachen Audio sind. Sonos verkauft zwei Varianten seiner Soundbar für 400 respektive 700 US-Dollar.

Diese Preise sind relevant, denn im Home-Entertainment-Markt hat Apple darum gekämpft, beim Preis wettbewerbsfähig zu sein - selbst Sonos (ein Unternehmen, dem nie vorgeworfen wurde, ein Billigheimer zu sein) bietet einen mit dem Homepod vergleichbaren vernetzten Lautsprecher zu einem viel niedrigeren Preis an. Die Soundbar-Welt scheint jedoch ein Ort zu sein, an dem Apple ein Produkt teurer als der Homepod anbieten und tatsächlich Erfolg damit haben könnte.

Hier mein Vorschlag: Apple sollte einen vernetzten intelligenten Lautsprecher bauen, der für die Kombination mit Flachbildfernsehern ausgelegt ist. Es wäre im Grunde genommen ein Homepod mit einem entscheidenden Unterschied - wenn der Fernseher eingeschaltet ist, wäre es auch ein Apple TV, das sowohl Eingaben aus dem Fernseher akzeptiert als auch als Videoquelle fungiert, die Videos von allen Diensten wiedergeben kann, mit denen Apple TV kompatibel ist, einschließlich des bevorstehenden TV-Services von Apple.

Dies ist kein bahnbrechendes Produkt, aber es fühlt sich für mich an, als würde es eine bestimmte Nische füllen und gut zu Apples Premium-Preisen zu verkaufen wäre. Dabei müsste das Produkt nur Technologie verwenden, die Apple schon seit einer Weile liefert. Ich würde eine solche Apple-Soundbar kaufen.

Heimnetzwerk und mehr

Mir drängt sich der Gedanke auf, dass Apple mit Unbehagen den aktuellen Stand der Dinge des Heimnetzwerk-Marktes betrachtet. Sowohl Amazon als auch Google bieten jetzt ausgefallene Mesh-Netzwerksysteme an, die Ihr Zuhause mit WLAN füllen, wenn Sie Smart-Home-Geräte anschließen. Apple hat aber seine Airport-Produkte eingestellt und hat der Konkurrenz somit nichts mehr entgegenzusetzen. Darüber hinaus ist Apple ein Unternehmen, das viel Wert auf den Schutz der Privatsphäre seiner Kunden legt - und doch werden viele seiner Kunden einen Router der Konkurrenz benutzen, die nicht so streng mit privaten Daten umgeht. Eine Situation, die Kundendaten potenziell preisgeben könnte, egal was Apple auf seinen eigenen Geräten macht.

Es muss doch jemanden bei Apple geben, der den Kauf von Eero durch Amazon als Beweis wertet, dass Apple ein eigenes Mesh-Netzwerksystem aufbauen muss. Eines mit garantiertem Datenschutz, vielleicht sogar mit optionalem Zugriff auf ein von Apple betriebenes Virtual Private Network (VPN). Die Einstellung der Airport-Entwicklung war eine verpasste Gelegenheit, aber es ist ein größeres, strategisches Problem, dass die Konkurrenten aus der Branche mit den Telekommunikationsunternehmen die Netzwerke in den Häusern ihrer Kunden kontrollieren können - sowohl hinsichtlich Datenschutz als auch für die Smart-Home-Kategorie.

Natürlich muss Apple nicht für jeden erdenklichen Bereich eigene Produkte herausbringen. Aber es könnte klug sein, sich seine Nischen zu suchen und vielleicht sogar seinen großen Schatz an Bargeld zu nutzen, um in einige Unternehmen zu investieren oder sie vollständig zu kaufen: solche, die Smart-Home-Produkte herstellen, die den Standards von Apple entsprechen. Das sollte Apple tun, bevor es die Konkurrenz macht. Ecobee etwa wäre mit seinem ziemlich guten intelligenten Thermostat ein Kandidat. Intelligente Schalter sind von Haus aus langweilig, aber sie sind ein notwendiger Teil der Heimsteuerung. Und Apple könnte sicherlich einen bauen, der attraktiv und einfach einzurichten wäre und sich gut im Apple Store verkaufen ließe.

Vielleicht wird Sam Jadallahs Aufgabe wirklich nur darin bestehen, Apple TV und Homepod voranzubringen. Aber ich hoffe, es ist mehr als das. Ich verstehe die Zurückhaltung von Apple, an kleineren Produktkategorien herumzubasteln und sich nicht auf die größten zu konzentrieren, aber wir leben in einer Welt, in der Apples Konkurrenten schnell erfolgreiche oder vielversprechende Home-Tech-Unternehmen auf den Markt bringen. Das Ergebnis werden Produkte sein, die sich auf eine gute Interaktion mit den Dienstleistungen, Produkten und strategischen Initiativen des Eigentümers konzentrieren - was alles im Widerspruch zu Apples Vision stehen kann, wie seine Kunden Heimtechnologie nutzen wollen.

Ich sage nicht, dass Apple in diesem Spiel mitspielen will. Ich meine aber, dass sich Apple angesichts dessen, was im Moment in diesem Bereich passiert, nicht leisten kann, nicht mitzuspielen.

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