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Apple und die Verantwortung für den App Store

16.02.2021 | 14:41 Uhr |

Der App Store ist eine große Umsatzquelle, aber auch ein Problemkind Apples. Byzantinische Regeln und Scam-Apps schaden Entwicklern und Nutzern.

Oft erweisen sich die größten Stärken auch als große Schwachstellen. Das gilt für Apple genauso wie für jeden anderen auch.

Während das iPhone sicherlich das Produkt ist, dem das Unternehmen aus Cupertino erst seinen kometenhaften Aufstieg zu verdanken hat, könnte man argumentieren, dass es ohne das Ökosystem rund um das Gerät – insbesondere den App Store – nicht in die Stratosphäre aufgestiegen wäre. Es ist nicht weit hergeholt, dass der Erfolg des App-Ökosystems auf iOS jenseits dessen liegt, was Apple erwartet hat, sodass das Unternehmen an den Aufgaben, mit denen der App Store konfrontiert ist, weiter wachsen muss.

Und selbst als das Prinzip "Es gibt eine App dafür" zum Markenzeichen der Smartphone-Ära wurde, blieb der App Store eine der größten Herausforderungen für Apple, sowohl in Bezug auf die Beziehungen mit der Konkurrenz als auch mit dem Verhältnis zu den Entwicklern. In den letzten ein oder zwei Jahren sind diese Herausforderungen sogar noch deutlicher geworden und haben dem Ruf eines Unternehmens geschadet, das es ansonsten weitgehend geschafft hat, ein Image von erhabenem Idealismus zu vermitteln.

Was ist nun mit dem App Store? Kann Apple ihn noch retten? Oder funktioniert er genau so, wie der Anbieter es beabsichtigt?

Das Problem mit den Betrügern

Der Entwickler Kosta Eleftheriou bietet eine App namens Flick-Type im App Store an, die eine QWERTY-Tastatur auf die Apple Watch bringt. In den letzten Wochen hat Eleftheriou in seinem Twitter-Feed über eine Reihe von Problemen mit dem App Store geklagt, dabei geht es unter anderem um Apps, die seine Anwendung schamlos kopiert haben, betrügerische Apps, die eine Abo-Gebühr kassieren, ohne irgendeine Funktionalität zu bieten, und die für skrupellose Entwickler offenbar einfach zu bekommenden gefälschten Bewertungen und Rezensionen.

Forscher entdecken zahlreiche Betrugs-Apps im App Store

Gefälschte Bewertungen sind ein besonders großes Problem, da sie die Algorithmen austricksen, die Apps in der Suche und in Charts auftauchen lassen, was diese Apps wiederum prominenter macht. Das erhöht nicht nur das Risiko, dass Verbraucher Geld für schlechte Apps bezahlen, sondern verdrängt auch seriöse Entwickler, deren Werke unter denen zahlreicher Nachahmer und Betrüger kaum noch zu finden sind. Die Bekämpfung von gefälschten und gekauften Rezensionen sollte für Apple beim App Store von höchster Priorität sein, sei es durch mehr Mitarbeiter, die diese Beiträge überwachen, oder durch den Einsatz einer Künstlichen Intelligenz, die gefälschte Bewertungen identifizieren kann.

In der Zwischenzeit sind Entwickler mit Apples recht schwammigen Regeln für den App Store konfrontiert, sei es bei Kommandozeilen-Apps oder einfach bei solchen, deren Namen falsch interpretiert wurden . In vielen Fällen werden diese Entscheidungen am Ende rückgängig gemacht, aber es ist doppelt frustrierend, wenn diesen Apps der Weg versperrt wird, während unbestreitbar schlechte Anwendungen immer noch durch die Prüfung schlüpfen können.

Die Überwachung des App Stores mit seinen Millionen von Programmen ist zweifellos ein schier endloser Kampf. Selbst bei einem detaillierten App-Review-Prozess kann es vorkommen, dass ab und zu etwas durch die Maschen rutscht. Apple hat kürzlich gegenüber " The Verge " erklärt, dass es im Jahr 2020 "mehr als eine halbe Million Entwicklerkonten wegen Betrugs gekündigt und mehr als 60 Millionen Nutzerbewertungen entfernt hat, die als Spam angesehen wurden"; laut BBC gab es im Jahr 2020 etwa 28 Millionen Entwicklerkonten im Store , und es ist unklar, wie viele betrügerische Entwicklerkonten noch im Umlauf sind.

Die Herausforderung ist riesig, aber Apple ist auch ein enorm profitables Unternehmen, das in seinem letzten Quartal mehr als 111 Milliarden Dollar verdient hat – Apple hat also genügend Ressourcen, um den App Store zu verbessern. Die eigentliche Frage ist, ob das Unternehmen den Anreiz dazu hat.

Image oder Umsatz – das ist die Frage

Hier kommt die große Dichotomie ins Spiel. Es gibt zwei funktionale Aspekte des App Stores, die sich hier gegenüberstehen: Image und Wachstum. In einer idealen Welt wären diese beiden Eigenschaften perfekt aufeinander abgestimmt: Je besser der App Store ist, desto schneller würde er wachsen.

Doch trotz der oben genannten Herausforderungen hat der App Store weiterhin  exponentielles Wachstum erlebt. Einerseits könnte das darauf hindeuten, dass der Store immer noch weitgehend so funktioniert, wie es sowohl Apple als auch die Verbraucher erwarten. Das liegt zum großen Teil daran, dass die meisten Nutzer des Stores wahrscheinlich recht selten mit diesen Problemen konfrontiert werden.

Aber es gibt auch das Problem, dass das Blockbuster-Wachstum Apple belohnt, unabhängig von seiner Quelle. Auf die gleiche Weise, wie soziale Netzwerke umstrittene Inhalte prominenter darstellen, weil ihr Erfolg auf Engagement basiert, spielen die App-Store-Umsätze in die Service-Sparte ein, die immer wichtiger bei Apple wird.

Kurz zusammengefasst: Auch eine betrügerische App bringt Apple die gleichen 30 Prozent von ihrem Umsatz, wie dies auch bei einer legitimen Apps der Fall ist. Apple erstattet vermutlich die Käufe aus solchen Spam-Apps zurück, da aber solche Apps immer wieder auftauchen, scheint sich das Geschäft zu lohnen.

Die Lösung in Sicht?

Trotzdem gibt es vielleicht noch Hoffnung auf Besserung. Ende letzten Jahres führte Apple das Small Business Program für den App Store ein und reduzierte die Provision für App-Verkäufe auf 15 Prozent für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als einer Million US-Dollar. Trotz einiger kleinerer Kritikpunkte wurde dies weithin als ein guter Schritt des Unternehmens gefeiert und gab Hoffnung, dass das Unternehmen nicht nur zuhört, sondern auch Änderungen vornimmt.

Apple ist offensichtlich bewusst, dass es einige Herausforderungen in der Öffentlichkeitsarbeit mit dem App Store hat. Im Jahr 2015 übernahm Apples Produktmarketing-Chef Phil Schiller die Leitung des App Stores von seinem Kollegen Eddy Cue; während Schiller vor Kurzem von seiner vorherigen Rolle zurücktrat, bleibt der App Store einer der zwei Bereiche, die er in seinem Portfolio behielt, was darauf hindeutet, dass Apple weiterhin um sein Image besorgt ist. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Bewusstsein zu weiteren Veränderungen führt, um den App Store noch näher an sein ursprüngliches Ziel zu bringen, ein sicherer Ort zu sein, an dem Menschen großartige Software finden können.

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