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Apples Schritte gegen Corona helfen – aber reichen nicht

27.03.2020 | 13:30 Uhr |

Apple unternimmt bereits viele Schritte, um den Kampf gegen den Coronavirus zu unterstützen. Doch das reichste Unternehmen der Welt könnte noch mehr tun. Ein Kommentar von Michael Simon.

Während die Welt aufgrund der Coronavirus-Pandemie zum Stillstand kommt, sind die Auswirkungen auf große und kleine Unternehmen spürbar. Im ganzen Land werden die Geschäfte geschlossen, Filme erscheinen ohne Kinolaufzeit und Millionen von Menschen sind plötzlich auf absehbare Zeit ohne Lohn.

Apple gehört natürlich zu den am stärksten betroffenen Unternehmen. Bereits im Februar war es eines der ersten Unternehmen, das seine Prognose für das erste Quartal aufgrund "einer langsameren Rückkehr zu normalen Bedingungen" revidierte. Zwar hat sich das Fertigungsgeschäft inzwischen verbessert, aber die Auswirkungen auf die Ergebnisse des zweiten Quartals bleiben abzuwarten, und es wird wahrscheinlich unschön werden. Auch wenn ein neues iPad Pro und ein neues Macbook Air erhältlich sind, bleiben die beliebten Apple Stores weltweit geschlossen und werden wahrscheinlich noch Wochen lang geschlossen bleiben.

Das hat Apple aber nicht davon abgehalten, sich für andere Betroffene von COVID-19 einzusetzen. Das beginnt bei den eigenen Mitarbeitern. Zwar hat Apple weltweit mehr als 300 Läden geschlossen und eine "Work-from-home"-Politik eingeführt, doch werden alle Mitarbeiter weiterhin auf Stundenbasis bezahlt, "in Übereinstimmung mit dem "business as usual"-Betrieb. Darüber hinaus hat das Unternehmen seine Krankenurlaubspolitik erweitert, um persönliche oder familiäre Gesundheitsbeschwerden im Zusammenhang mit COVID-19 zu berücksichtigen, einschließlich obligatorischer Quarantänen und Herausforderungen bei der Kinderbetreuung aufgrund von Schulschließungen.

Tim Cook kündigte außerdem an, dass Apple 15 Millionen Dollar für die weltweiten Bemühungen zur Bekämpfung von COVID-19 bereitgestellt hat, sowie "eine beträchtliche Spende einschließlich medizinischer Hilfsgüter an die Protezione Civile in Italien, um den heldenhaften Ersthelfern, dem medizinischen Personal und den Freiwilligen zu helfen". Außerdem wird Apple die COVID-19-bezogenen Mitarbeiterspenden im Verhältnis zwei zu eins aufdoppeln. Und Anfang dieser Woche kündigte Vizepräsident Mike Pence an, dass Apple neun Millionen Gesichtsmasken an Mitarbeiter im Gesundheitswesen im ganzen Land spenden wird, die Tim Cook später auf 10 Millionen erhöhte.

Das sind zweifellos noble Bemühungen. Apple nimmt seit Beginn des Ausbruchs des Coronavirus eine klare und konsequente Führungsrolle bei der Verantwortung von Unternehmen ein und wird zweifellos so lange weitermachen, wie die Krise andauert. Die Verkäufe werden zwar sicherlich einen deutlichen Rückgang verzeichnen, aber das Markenimage ist so stark wie eh und je, und es ist gut geeignet, die Unsicherheit zu überwinden.

Freies Spiel für Arcade

Während ein großer Teil der Stärke des Unternehmens auf die vielfältige Produktpalette zurückzuführen ist, schadet es nicht, über 200 Milliarden Dollar an Bargeld zu verfügen. Das ist zwar niedriger als der Höchststand von 245 Milliarden Dollar im Januar 2019, aber es ist immer noch ein beträchtlicher Betrag, für den die meisten Unternehmen sterben würden. Cook und CFO Luca Maestri haben eine bewundernswerte Arbeit geleistet, um Investoren, Mitarbeiter und Kunden bei Laune zu halten und gleichzeitig eine beträchtliche Kriegskasse aufzubauen.

Doch trotz allem, was Apple für seine Angestellten, Mitarbeiter im Gesundheitswesen und die von dem Coronavirus betroffenen Gemeinden getan hat, haben seine Kunden keine Erleichterung erfahren (obwohl Apple, um fair zu sein, die Tastatur des neuen, preisgünstigeren MacBook Air aktualisiert hat). Während Unternehmen wie Google, Microsoft, Peloton, die NBA und sogar Mobilfunkbetreiber die Testphase verlängern oder Dienstleistungen zu geringeren Kosten anbieten, hat Apple während der Quarantäne noch keinen seiner Dienste vergünstigt.

Mit ein paar kostenlosen Monaten Apple Arcade wären vielen Eltern geholfen
Vergrößern Mit ein paar kostenlosen Monaten Apple Arcade wären vielen Eltern geholfen
© Shutterstock.com/Postmodern Studio

Zwar bietet es jedem, der ein neues Apple-Gerät kauft, ein Gratisjahr Apple TV+ an, aber es wäre ein nettes Angebot, ein paar Gratismonate für Nicht-Apple-Nutzer einzuschließen. Oder vielleicht Apple Music drei Monate lang für jeden zu öffnen. Oder wie wäre es, den iCloud-Speicher von 5 GB auf 50 GB für Leute zu erhöhen, die von zu Hause aus arbeiten?

Aber das Beste, was Apple für Familien tun kann, die mit Arbeit und Kinderbetreuung nicht zurechtkommen, sind sechs Monate kostenlose Apple Arcade. Ja, ich weiß, dass es nur 5 Dollar pro Monat kostet, aber gerade das ist es, was es zu einem so perfekten Kandidaten macht. Apple kann die Kosten problemlos übernehmen, und Familien würden eine weitere Möglichkeit erhalten, ihre Kinder zu unterhalten, ohne dass sie ein weiteres Abonnement abschließen müssten. Apple Arcade ist voll mit Spielen für alle Altersgruppen, und es wäre ein Segen für alle - Eltern, Kinder und Entwickler gleichermaßen.

Den "Cut" kürzen

Apropos Entwickler, Apple könnte auch mehr tun, um ihnen zu helfen. Viele von ihnen sind Ein- und Zweipersonenbetriebe, so dass sie, auch wenn sie nicht unbedingt Gefahr laufen, ihren Job zu verlieren, die Auswirkungen des Coronavirus zu spüren bekommen. Und da mehr Menschen als je zuvor zu Hause Apps und Spiele streamen und herunterladen, sind der Stress und die Erschöpfung wahrscheinlich so hoch wie nie zuvor.

Und ich denke, es ist eine großartige Zeit für Apple, den Entwicklern zu zeigen, wie wertvoll sie sind. Cook liebt es, damit zu prahlen, wie viel Geld Apple an die App-Hersteller ausgezahlt hat, aber jede Zahl hat einen Vorbehalt: Apple's Cut. Im Januar gab Apple bekannt, dass die Verkäufe im App Store dazu geführt haben, dass seit 2008 $155 Milliarden an die Entwickler gezahlt wurden, was sicherlich eine beträchtliche Summe ist, aber es bedeutet auch, dass Apple etwa $15 Milliarden verdient hat.

Ich verüble es Apple sicherlich nicht, dass es für jeden App Store Verkauf eine Gebühr verlangt, insbesondere wenn man Marketing, Lieferung und Hosting mit einbezieht. Aber wenn es jemals einen Zeitpunkt gab, an dem Apple seinen Anteil aussetzen konnte, dann ist es jetzt. Eine zusätzliche Zahlung von 30 Prozent an die Entwickler wäre sowohl ein Zeichen des Vertrauens als auch der Dankbarkeit gegenüber einer Gruppe von Mitarbeitern, auf die Apple angewiesen ist und von denen viele so engagiert sind wie die eigenen Mitarbeiter von Apple.

Und seien wir ehrlich, Apple würde eine Flut von positiver Presse erhalten. Es sind extrem schwierige Zeiten für alle, und Apple hat sicherlich seinen Teil dazu beigetragen. Und es wird sicherlich noch viel mehr tun, bevor das alles vorbei ist.

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