2623636

Apples Tastaturen sind wieder langweilig und das ist gut so

13.11.2021 | 19:20 Uhr |

Nach einem halben Jahrzehnt der Experimente kehrt Apple zurück zu den Ursprüngen. Lässt sich die Tastatur überhaupt revolutionieren?

Nachdem die Touchbar von den neuen Macbooks Pro 14″ und 16″ verschwunden ist – der Sensenmann kommt auch noch zum 13-Zoll-Macbook Pro mit Touchbar – ist Apples Ära der Tastaturexperimente vorbei. Raus mit der Schmetterlingstastatur von 2015, raus mit der Touchbar von 2016, rein mit dem Magic Keyboard und einer Reihe von Funktionstasten in voller Höhe.

Aus irgendeinem Grund beschloss Apple Mitte der 2010er-Jahre, dass es an der Zeit sei, die Funktionsweise von Tastaturen auf Laptops neu zu erfinden. Das war eine Fehlentscheidung, die das Unternehmen seit Jahren zu korrigieren versucht. Von allen Innovationen aus dieser Zeit ist nur der Touch-ID-Sensor an der Einschalttaste erhalten geblieben. Der Rest der Änderungen ist nur noch eine schlechte Erinnerung. Und was nun?

Zeitlose Klassiker

Man soll niemals "Nie" sagen, aber man hat das Gefühl, dass Apple seine Lektion gelernt hat – oder zumindest schon lange genug für seine Entscheidungen verprügelt wurde. Es ist zwar nicht sehr Apple-typisch, einen Bereich seiner Produkte als vollständig ausgereift und unempfindlich gegenüber Innovationen zu betrachten und als Apple die Tastatur revolutionieren wollte, schlug die Tastatur (und ihre Benutzer) zurück. Hart.

Apple scheint in dem Bereich nicht mehr viel erfinden zu wollen. Die Wahrheit ist, dass wir uns auf unsere Computer und ihre Tastaturen verlassen, um unsere Arbeit zu erledigen, tagein, tagaus. Das ist nicht immer spektakulär, egal ob es sich um das Senden einer E-Mail, das Schreiben einer Studienarbeit oder das Ausfüllen eines Webformulars handelt, aber es ist in der Regel wichtig.

Verlässlichkeit ist wichtig. Vor allem bei der Tastatur eines Laptops, da sie mit dem Rest des Geräts verbunden ist. Bei einem iMac kann ich die mitgelieferte externe Tastatur von Apple gegen eine andere austauschen, die mir besser gefällt. Bei einem Macbook habe ich diese Möglichkeit nicht. Und wenn eine externe Tastatur kaputtgeht, kann man sie durch eine neue ersetzen und weiterarbeiten – aber bei einem Laptop muss man sie zur Reparatur bringen und auf den ganzen Computer eine Weile verzichten.

Und dann ist da noch die Tatsache, dass Tastaturen schon seit Jahrzehnten recht gut funktionieren und mehr oder weniger so aussehen wie heute. (Tatsächlich schreibe ich heute auf einer mechanischen Tastatur, die so aussieht und klingt, als hätte ich darauf schon in den 1980er Jahren geschrieben). Langlebigkeit führt auch zur Allgegenwärtigkeit und Allgegenwärtigkeit bedeutet Vertrautheit. So gut wie jeder weiß, wie eine Tastatur funktioniert, und wir alle können einen Computer einschalten und ihn benutzen, ohne uns mit der Texteingabe vertraut machen zu müssen.

Das ist langweilig und nicht mehr zeitgemäß... aber es ist trotzdem mächtig.

Weltkugel-Icon auf der Macbook-Tastatur
Vergrößern Weltkugel-Icon auf der Macbook-Tastatur
© Apple

Die einzig wirkliche Neuerung, die Apple in letzter Zeit bei der Tastatur eingeführt hat, ist die Umbenennung der ehrwürdigen Fn-Taste, die zum Umschalten zwischen den Funktionen in der Funktionstastenreihe verwendet wird, in die Weltkugel-Taste. iPadOS 15 setzt verstärkt auf die Weltkugel-Taste für globale Tastenkombinationen, die gleiche Weltkugel taucht nun auf dem Mac auf, allem Anschein nach könnte Apple die neue Taste als zusätzliche Ebene für Tastenkombinationen nutzen. 

Schwer zu widerstehen

Und doch ist es schwer vorstellbar, dass Apple seinen Traum aufgegeben hat, die Tastatur zu verbessern oder neu zu erfinden. Trotz der Narben, die Cupertino seit Mitte der 2010er Jahre davongetragen hat, denke ich, dass sich die Designer und Ingenieure von Apple auch weiterhin fragen, wie sie die Eingabeerfahrung auf Macbooks verbessern können. Im Laufe der Jahre meldete Apple Patente für verschiedene "Verbesserungen" der Tastatur an, die auf eine Zukunft ohne physische Tastatur ersetzt durch einen zweiten Touchscreen hindeuteten. Keine beweglichen Teile, kein Tastenhub, aber vielleicht ein wenig taktiles Feedback. Der endgültige Sieg der Touch Bar.

Das scheint jetzt viel unwahrscheinlicher. Im Jahr 2020 stellte Apple das Magic Keyboard für das iPad vor, was ein solides Eingeständnis dafür ist, dass physische Tasten und ein Trackpad die Lösung sind, nicht nur für den Mac, sondern für jedes Laptop-ähnliche Gerät.

Dennoch könnte Apple die Tastatureingabe auf dem Mac auf andere Weise verändern. Den Mac-Bildschirm in ein Touchscreen zu verwandeln, ist nach wie vor eine Möglichkeit, auch wenn Apple sich bisher strikt dagegen geäußert hat. Ein künftiger Mac mit Apple-Pencil-Unterstützung ist ein weiterer Gedanke, obzwar aus ergonomischen Gründen ein recht gewagter.

Das Trackpad, das Apple immer weiter vergrößert, ist eine interessante Möglichkeit für einen Touch-Bar-Nachfolger. Stellen Sie sich ein größeres Trackpad mit einem Display darunter vor, sodass die Oberfläche-Abschnitte verschiedenen Funktionen mit visuellem Feedback ausführen können. Das ist technisch möglich, allerdings recht unwahrscheinlich, weil Apple wohl nach einem Jahrzehnt der Tastatur-Fehler nicht noch das Trackpad vermasseln will.

Es gibt jedoch einen weiteren spannenden Bereich bei den Tastaturen, und vielleicht könnte Apple davon lernen: Makropads wie das Stream Deck von Elgato und das Loupedeck Live von Loupedeck kombinieren eine tastengesteuerte Oberfläche mit benutzerdefinierter Software, die es den Tasten ermöglicht, benutzerdefinierte Beschriftungen anzuzeigen und ihr Aussehen in verschiedenen Modi zu ändern.

Elgato Stream Deck
Vergrößern Elgato Stream Deck
© Elgato

Ich frage mich, ob es etwas gibt, das die Anziehungskraft der Touch Bar mit dem taktilen Feedback der traditionellen Funktionstastenreihe kombinieren könnte. Ich benutze ein Stream Deck Mini, und obwohl ich alle seine Tasten-Funktionen den Funktionstasten meiner Tastatur zuweisen könnte, ist es viel besser, wenn ich genau sehen kann, was ich beim Drücken der Taste erhalten werde.

Vielleicht wird sich Apple eines Tages dazu hinreißen lassen, die traditionelle Tastatur wieder aufzugreifen. Ich würde gerne programmierbare Beschriftungen im Stil von Stream Deck bei den Funktionstasten sehen. Oder vielleicht beschließt Apple, die Touch Bar neu zu erfinden, wie der Kollege Simon vorgeschlagen hat . Aber wissen Sie was? Wenn der Preis für Apples Experimente mit der Touch Bar und der Schmetterlingstastatur eine zuverlässige traditionelle Mac-Tastatur für die nächste Dekade ist, dann ist es das eindeutig wert.

Wir alle haben die Alternative gesehen. Langweilig und traditionell ist schließlich gar nicht so schlecht. 

Macwelt Marktplatz

2623636