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Drei Regeln: So verstehen Sie Apples Preisgestaltung

03.01.2021 | 11:00 Uhr |

Der Preis der Airpods Max tut einem richtig weh: Hat sich Apple bei der Preisgestaltung verrechnet oder ist das eine bestimmte Strategie?

Es ist so regelm├Ą├čig wie die vier Jahreszeiten. Apple k├╝ndigt ein neues Produkt an, und dann kommen die Beschwerden, dass es ├╝berteuert sei. Nun bin ich der Erste, der zugibt, dass der Verkauf eines Kopfh├Ârers f├╝r ├╝ber 600 Euro ein bisschen viel erscheint. Werden die Airpods Max (alle Infos) ein Erfolg sein? Das bleibt abzuwarten ÔÇô und Apple sch├Ątzt seine Preise manchmal falsch ein, wie es beim urspr├╝nglichen Homepod der Fall war.

Aber im Allgemeinen sollte es keinen ├╝berraschen, wenn Apple ein Produkt zu einem hohen Preis verkauft. Die Preisstrategie von Apple ver├Ąndert sich von Produkt zu Produkt und von Jahr zu Jahr, aber es lohnt sich, einige Grundregeln der Apple-Preisgestaltung zu beachten.

Hier gibt es keine Schn├Ąppchen, bitte gehen Sie weiter!

Regel 1 : Apple wird niemals die billigsten Produkte in einer Kategorie anbieten. W├Ąhrend die Kritiker behaupten, dass Apples Produkte endlos ├╝berteuert sind, ist es wohl eher, dass das Unternehmen nicht daran interessiert ist, Billigprodukte herzustellen, um mit weiteren Billigprodukten auf irgendeinem Markt zu konkurrieren.

K├Ânnte Apple einen Mac-Laptop f├╝r 500 Euro oder ein iPad f├╝r 200 Euro herstellen? Sicher, aber es geht mehr um die Herstellung von Produkten, die dazu beitragen, die Markenidentit├Ąt von Apple als Hersteller hochwertiger, erstklassiger Produkte zu wahren. Ein billiges Macbook aus Plastik ist schwer vorstellbar, ÔÇô und obwohl Apple daf├╝r Beifall bek├Ąme, w├╝rde es unter dem Strich Apple┬á wirklich Gewinn bringen? Und wie stark w├╝rde es das Image des Unternehmens untergraben?

Als Marke f├╝r Verbraucher geht es Apple darum, dass die Kunden etwas mehr bezahlen und im Gegenzug etwas Sch├Âneres bekommen. Apple steigt nicht im Billigsegment in den Markt ein. Wenn Sie ein Mac-Notebook m├Âchten, m├╝ssen Sie 1000 Euro ausgeben, um ein Macbook Air zu bekommen ÔÇô und Sie bekommen einen wirklich guten Rechner f├╝r Ihr Geld! Das ist das Markenversprechen von Apple.

Der Preis wird immer doppelt so hoch sein

Regel 2 : Was auch immer Sie f├╝r ein in der Ger├╝chtek├╝che zubereitetes neues Apple-Produkt bezahlen wollen, es wird mehr als das sein. Deshalb nimmt ja auch Apple das viele Geld ein. Es lockt seine Kunden mit Produkten, die so ├╝berzeugend sind, dass sie (die Kunden) mehr daf├╝r ausgeben, als sie wollen.

Meine drei├čigj├Ąhrige Erfahrung als Apple-Kunde und zwanzigj├Ąhrige Erfahrung als Apple-Autor lie├č mich auf folgende Gesetzm├Ą├čigkeiten schlie├čen:

  • Stellen Sie sich das Produkt vor, dass Apple angeblich vorstellen wird. Sie wollen es, richtig? Nat├╝rlich wollen Sie es.

  • Nun stellen Sie sich vor, was es Ihrer Meinung nach kosten wird. Nicht, was es Ihrer Meinung nach kosten soll, sondern realistisch gesehen, was es Ihrer Meinung nach kosten wird.

  • Jetzt erh├Âhen Sie den Preis. Das tut weh, aber denken Sie daran, dass Sie es selbst zu diesem Preis wahrscheinlich immer noch kaufen w├╝rden.

  • Jetzt f├╝gen Sie 50 oder 100 Euro mehr dazu. Das ist der Preis, den Apple verlangen wird. Und Sie werden es wahrscheinlich kaufen, nach vielen internen Diskussionen, mit sich selbst und dem heimischen Finanzminister.

Wenn Sie diese Strategie wann immer m├Âglich anwenden, werden Sie selten von dem entt├Ąuscht sein, was Apple ank├╝ndigt ÔÇô und Sie werden gelegentlich ├╝berrascht sein, wenn bei Apple tats├Ąchlich etwas weniger kostet, als Sie erwartet haben!

Der Preis ist heutzutage nicht mehr wichtig

Regel 3 : Geduld und Markt├╝bersicht

Lange Zeit waren die Preise von Apple wie in Stein gemei├čelt. Wof├╝r auch immer das Unternehmen ein Produkt in seinen eigenen L├Ąden verkaufte, es war der Preis, den man anderswo bezahlte. Mit Ausnahme einiger Erm├Ą├čigungen f├╝r alte oder eingestellte Produkte gab es selten Rabatte oder Schn├Ąppchen.

Das ist seit ein paar Jahren nicht mehr der Fall. Apple scheint heutzutage eine andere Strategie zu verfolgen, indem das Unternehmen die Preise f├╝r seine Produkte etwas h├Âher ansetzt, um Raum f├╝r Schn├Ąppchen, Angebote und andere Marketingma├čnahmen zu schaffen.

Diese Strategie wurde deutlich, als Apple 2018 das Retina Macbook Air f├╝r mehr als knapp 1400 Euro eingef├╝hrt hat. Wir hatten alle gehofft, dass es zum "bew├Ąhrten" Preis von rund tausend Euro f├╝r das Macbook Air auf den Markt kommen w├╝rde, aber wie Ted Lasso uns gelehrt hat, ist es die Hoffnung, die einen umbringt. Es kostete 1349 Euro. Oh nein, die alten Regeln (siehe oben) sind ├╝berholt!

Wenn der Preis f├╝r ein Apple-Produkt einem nicht gef├Ąllt, der beste Rat ist, unterschiedliche Dritt-Anbieter wie hier in Deutschland Telekom, Saturn, Media Markt etc. zu beobachten.

Das Lustige an diesem Macbook Air war, dass es sehr bald nach seiner Einf├╝hrung h├Ąufig bei verschiedenen Online-H├Ąndlern f├╝r eben diese tausend Euro erh├Ąltlich war. Ein weiterer Hinweis auf diese Strategie: Apple bietet manche Produkte ├╝berraschend fr├╝h in seinem General├╝berholt-Store an. Der Preis von 1349 Euro war f├╝r Menschen gedacht, die nicht bereit waren, intelligent einzukaufen und gute Rabatte lieber ausschlagen.

Dies ist nach wie vor g├╝ltig. K├╝rzlich gab es auf Twitter eine Aufregung ├╝ber einige M1-Macs, die bei verschiedenen Online-H├Ąndlern bereits mit Rabatten lieferbar waren. Schrecklich! War dies das Zeichen f├╝r schlechte M1-Verk├Ąufe? Wahrscheinlich nicht. Apples Strategie in Sachen Rabatte und Schn├Ąppchen hat sich ge├Ąndert. Es ist seltsam, besonders f├╝r diejenigen von uns, die sich daran erinnern, dass die Preise von Apple extrem stabil sind, aber so ist es nun einmal. Es gibt jetzt Rabatte f├╝r Apple-Produkte, so seltsam das auch klingt.

Die Macht der Marke

Also... diese 600-Euro-Kopfh├Ârer. Sind sie ├╝berteuert? Die einzig g├╝ltige Antwort auf diese Frage wird der Markt liefern. Wenn Menschen sie kaufen, hat Apple den richtigen Preis daf├╝r gew├Ąhlt. (Und wenn sie pl├Âtzlich bei Amazon f├╝r 500 Euro im Angebot erscheinen und jeder kauft sie dort, hat Apples Marketingstrategie funktioniert!). Wenn die Verk├Ąufe unter den Prognosen von Apple liegen, dann war der Preis ein Fehler.

Die Preisgestaltung f├╝r Produkte ist kein Beliebtheitswettbewerb. Ja, wenn Apple anscheinend gute Over-Ear-Kopfh├Ârer f├╝r 600 Euro verkauft, haben wohl die meisten recht, entt├Ąuscht zu sein. Auch das ist Teil der Macht von Marken. Sie k├Ânnen eigene Kunden entt├Ąuschen, wenn sie ein Produkt herstellen, das sie nicht wollen oder sich nicht leisten k├Ânnen.

Wenn Apple ein Produkt auf den Markt bringt, das zu kostspielig f├╝r die eigene Geldb├Ârse ist, ist der beste Rat, etwas nach der Produktvorstellung abzuwarten und sich auf den einschl├Ągigen Seiten wie bei uns im Macwelt-Preisvergleich nach entsprechenden Angeboten umzusehen. Wenn der Preis wirklich zu hoch war wie beim Homepod, wird Apple einlenken und nach einiger Zeit selbst im offiziellen Apple Store Preise daf├╝r senken.

Aber es wird immer noch nicht billig sein, Apple-Produkte zu kaufen. Ich glaube nicht, dass sich das jemals ├Ąndern wird.

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