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Greyhound auf Apple TV+: Gut, aber nicht erinnernswert

13.07.2020 | 13:28 Uhr |

Wahrscheinlich werden Sie sich in zwei Jahren überhaupt nicht mehr an "Greyhound" erinnern, aber einige werden ihn mögen.

In "Greyhound" spielt Tom Hanks Ernest Krause, einen U.S. Marineoffizier, dessen erstes Kommando eine Zerstörer-Eskorte im Zweiten Weltkrieg befehligt. Wir haben ihn bereits gesehen.

Dies ist erst der dritte nicht-dokumentarische Film, der auf Apple TV+ veröffentlicht wird, und es ist bei Weitem die "größte" Veröffentlichung bisher. Es ist ein bombastischer Kriegsfilm, der fantastisch aussieht und sich definitiv wie für die große Leinwand gemacht anfühlt. Ursprünglich ein Film von Sony Pictures, der für den Kinostart vorgesehen war, kaufte Apple die Vertriebsrechte, als Sony die für Juni geplante Premiere aufgrund von Covid-19 absagen musste.

Der Film ist sehenswert, vor allem für Liebhaber von Filmen, die im Zweiten Weltkrieg spielen – und da ist ja auch noch Tom Hanks. Aber die überraschend kurze Laufzeit (etwas mehr als 1 Stunde 20 Minuten bis zum Abspann) lässt keine Zeit für die Charakterentwicklung.

Keine Frage, mit "Greyhound" gehen Sie auf eine ernste und aufregende Fahrt. Das Aufeinandertreffen des Zerstörers mit deutschen U-Booten ist packend, angespannt und will scheinbar nicht enden. Sie haben keine Zeit, vor dem nächsten kritischen Notfall Luft zu holen, bis wieder dringende Befehle bellen (diese wiederholen sich), die Musik anschwillt und die Sirenen schmettern.

Dies ist letztlich der Fehler des Films. Während die Handlung intensiv ist, ist es sehr schwer, sich viel um das Schicksal von Figuren zu kümmern, die man nie kennenlernt. Nur Hanks' Kommandeur Ernest Krause wird überhaupt ausgearbeitet, und dann nicht annähernd genug.

Der Film würde von zusätzlichen 15 Minuten immens profitieren. Nur eine Handvoll Szenen, die Auszeiten zwischen den Crew-Mitgliedern zeigen und uns die Möglichkeit geben, Stephen Grahams XO Charlie Cole oder Rob Morgans Chefkoch George Cleveland kennenzulernen, würde einen großen Unterschied machen. Hin und wieder bekommt man das flüchtige Gefühl, dass es an diesen Männern etwas Interessantes zu entdecken gibt, aber man gibt ihnen nicht die Zeit auf der Leinwand oder dem Bildschirm.

Gibt es eine etwas längere, emotionalere Version dieses Films in irgend einem Schneideraum? Oder ist das Drehbuch von Tom Hanks so sehr darauf ausgerichtet, das Publikum unerbittlich von einem dramatischen Höhepunkt zum nächsten zu treiben, dass es das menschliche Element übersieht?

"Greyhound" ist ein guter Film und ein schönes Aushängeschild für Apple TV+, aber es ist nicht die Art von Film, an die Sie sich in zwei Jahren gerne erinnern werden. Sie werden nicht hinausstürmen und Ihren Freunden sagen, dass sie ihn "sehen müssen", denn er wird auf keiner der Bestenlisten des Jahres stehen. Dies wäre kein Problem für konkurrierende Streaming-Dienste, die über umfangreiche Kataloge mit bewährten Hits verfügen. Apple TV+, mit einer schmalen Auswahl nur neuer Originalinhalte, bräuchte einen Torerfolg und Greyhound schießt aus aussichtsreicher Position knapp daneben.

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