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Jetzt oder nie: Warum Apple sich beim Gaming schwer tut

13.04.2021 | 13:00 Uhr |

Spiele und Apple. Apple und Spiele. Zwei tolle Geschmäcker, die... nun ja, nicht immer gut zusammenpassen. Unser amerikansicher Kollege Dan Moren verfolgt schon lange Apples Versuche, in der Spielebranche Fuß zu fassen. Seiner Meinung nach muss Apple einiges anders machen, wenn das Vorhaben letzendlich glücken soll.

Apple hat im Laufe der Jahre mehrere Versuche unternommen, in den Spielemarkt einzusteigen – erinnert sich noch jemand an Pippin oder Game Sprockets? Und jedes Mal, genau wie die Bosskämpfe in klassischen Nintendo-Spielen, waren diese Bemühungen weitgehend vergeblich. Spiele schienen für Apple so oft wie ein nachträglicher Gedanke, ein Lippenbekenntnis, während sich das Unternehmen auf andere Bereiche konzentrierte, die ihm eindeutig mehr am Herzen lagen wie Musik.

Mit iOS schien es, als ob Apple endlich auf Gold gestoßen wäre und eine Plattform für Hunderte von Spielen zur Verfügung gestellt hätte, von denen Millionen von Menschen besessen sind. Aber obwohl sich die mobile Plattform des Unternehmens als profitabel für Spiele erwiesen hat, kann nur ein Teil dieses Erfolgs direkt auf Apples eigene Füße zurückgeführt werden. Schließlich handelt es sich hier um ein Unternehmen, das sich anfangs sogar dagegen sträubte, Dritten zu erlauben, native Apps für sein Smartphone zu entwickeln.

Der letzte Vorstoß des Unternehmens in die Spiele-Arena war Apple Arcade, und während es vielversprechend begann, ist das Interesse weitgehend erloschen, bis vor ein paar Wochen, als Apple eine Änderung vornahm, die sich als ein Schuss in den Arm für die Bemühungen des Unternehmens erweisen könnte – oder sich sehr gut als ein weiteres Beispiel dafür herausstellen könnte, dass eine stehengebliebene Uhr zweimal am Tag recht hat.

Ganz viel Arcade

Zum Start war das Versprechen von Apple Arcade einfach: gut gemachte Titel, die Sie auf keiner anderen mobilen Plattform oder einem anderen Abo-Dienst bekommen konnten, für fünf Euro jeden Monat. Aber als die Monate vergingen und neue Spiele nur sporadisch erschienen, stagnierte die Begeisterung für Apple Arcade weitgehend. Es tauchten Berichte auf, in denen behauptet wurde, dass Apple das Konzept des Dienstes überdenken wolle.

Daher die Ankündigung am 2. April, die eine Reihe von neuen Titeln für den Dienst brachte, viele davon bekannte Spiele aus der Vergangenheit und Gegenwart von iOS. Diese Änderung soll Arcade zu einem weitaus attraktiveren Angebot machen, das näher an die Konkurrenz der Abo-Dienste von Microsoft und Google heranreicht.

Ein Problem bei der Unterstützung eines Dienstes mit Originalen (wie Apple bei Apple TV+ und anderen Projekten herausgefunden hat) ist, dass es in den ersten Tagen keinen Maßstab dafür gibt, ob diese Originale bei den Nutzern gut ankommen. Sicher, hinter vielen der produzierten Titel stehen große Namen, aber selbst ein talentierter Schöpfer produziert manchmal einen Reinfall. Es dauert eine Weile, bis sich die Dynamik einstellt, und selbst dann sind ihre Durchbruch-Hits vielleicht rar gesät.

Aus diesem Grund ist das neue Angebot von Apple viel interessanter: Sie bieten Spiele an, die das Beste von dem zeigen, was iOS zu bieten hat und die sich bewährt haben. Es ist so, als würde man einen Katalog mit Games anbieten, die Kunden bereits kennen und sie spielen wollen.

Infolgedessen muss das Unternehmen nicht viel Zeit damit verbringen, den Nutzern Spiele wie "Threes" und "Monument Valley" schmackhaft zu machen – diese Aufgabe wurde bereits erledigt. Und die Anwender haben jetzt einen, mit Verlaub, besseren Vergleich: Sicher, sie könnten 6 Euro für "Threes" und 4 Euro für "Monument Valley" bezahlen... aber Apple Arcade kostet nur 5 Euro pro Monat für diese und eine Reihe anderer Spiele. Es ist eine Idee, die für Kunden viel einfacher zu verstehen ist.

Sie zahlen 4 Euro nur für Monument Valley oder 5 Euro pro Monat für Apple Arcade und erhalten dann auch Zugriff auf verschiedene andere Spiele.
Vergrößern Sie zahlen 4 Euro nur für Monument Valley oder 5 Euro pro Monat für Apple Arcade und erhalten dann auch Zugriff auf verschiedene andere Spiele.
© ustwo games

Die eigentliche Frage, die im Hintergrund steht, ist: Ist das ein Strohfeuer oder eine nachhaltige Strategie? Ein Zustrom von 30 neuen Titeln und zwei neuen Spielkategorien deutet auf einen echten Wandel hin, aber wird Apple weiterhin weitere Titel zu seinen Sammlungen "Timeless Classics" und "App Store Greats" hinzufügen, und wenn ja, in welchem Tempo?

Und, was noch wichtiger ist, bedeutet diese Veränderung, dass die Leute, die für Apples Spiele-Strategie verantwortlich sind, endlich Spiele verstehen? Ich bin noch nicht ganz überzeugt.

Gaming: Überall, wo man sein möchte

Ein typisches Beispiel: Es gab Gerüchte, dass Apple das Apple TV überarbeitet, um es in eine attraktivere Spielekonsole zu verwandeln, möglicherweise durch einen stärkeren Chip und eine bessere Grafikleistung. Aber diese Art von Updates scheinen den Punkt zu verfehlen: Es ist nicht die Leistung, die Apples Gaming-Ambitionen zurückhält. Wer so denkt, verkennt das Segment des Spielemarktes, in dem Apple sich bewegt.

Das Apple TV wird im Kern niemals mit einer Xbox oder einer PlayStation konkurrieren können – oder sogar mit einer Nintendo Switch, obwohl das ein besserer Vergleich in Bezug auf die Hardwareleistung ist – hauptsächlich, weil diese Geräte speziell für Spiele entwickelt wurden. Einfach einen Controller in die Apple-TV-Box zu stecken, löst das Problem nicht.

Benutzen Leute wirklich das Apple TV, um Spiele zu spielen, die für mobile Geräte entwickelt wurden? Wenn ja, dann sind es nicht sehr viele Leute.
Vergrößern Benutzen Leute wirklich das Apple TV, um Spiele zu spielen, die für mobile Geräte entwickelt wurden? Wenn ja, dann sind es nicht sehr viele Leute.
© Apple

Hier ist die Sache: Das ist okay. Mobile Spiele auf einer Set-Top-Box zu spielen, mag für einige attraktiv sein, aber für die meisten Spieler – und ich wette, Apples Metriken würden dies wahrscheinlich bestätigen – bleiben Spiele, die auf Apples mobilen Geräten gespielt werden, so ziemlich ausschließlich auf Apples mobilen Geräten.

Und Apple sollte sich mit der Tatsache abfinden, dass das in Ordnung ist. Gaming ist keine Sache mehr, die nur im Wohnzimmer stattfindet, so wie das Hören von Musik mit dem Walkman und dem iPod eine persönliche Audio-Revolution erlebt hat und das Streamen von Videos zu etwas geworden ist, das man im Flugzeug macht. Der adressierbare Markt für diejenigen, die Spiele auf ihren Smartphones und Tablets spielen, ist viel, viel größer als diejenigen, die nur auf Konsolen oder PCs spielen.

Die jüngste Entscheidung von Apple bezüglich Arcade legt den Fokus wieder auf den wichtigsten Teil der Spiele-Gleichung: die Spiele. Wenn Apple das beibehält, werden sie vielleicht endlich erkennen, dass sie zu sehr damit beschäftigt waren, nach dem zu suchen, was man haben könnte, anstatt sich auf das zu konzentrieren, was man bereits hat.

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