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M1 Pro und M1 Max zeigen Intel den Mittelfinger

23.10.2021 | 09:30 Uhr |

Intel hofft, bald wieder bessere Chips herstellen zu können und so Apple als Kunden zurückzugewinnen.

In einem kürzlich veröffentlichten Axios-Interview sagte Intel-CEO Pat Gelsinger , er wolle das Geschäft von Apple zurückgewinnen, indem Intel bessere Produkte herstelle. "Apple hat entschieden, dass sie selbst einen besseren Chip herstellen können als wir", sagte er und ließ die Untertreibung des Jahres folgen: "Und, wissen Sie, sie haben einen ziemlich guten Job gemacht."

Der M1-Prozessor von Apple lieferte eine Leistung, die mit den leistungsstärksten Intel-Laptop-Chips mithalten konnte, und das bei einem Bruchteil des Stromverbrauchs. Als ich das M1 Macbook Air getestet habe, bin ich zu demselben Schluss gekommen wie die meisten anderen Tester auch: Das Apple Silicon ist gekommen um zu bleiben. Es ist einfach schockierend, wie viel besser es ist als ein vergleichbarer Intel-Chip. "Und das ist nur der Einsteiger-Chip", sagte ich damals. "Wartet, bis die großen Chips kommen!"

Und jetzt, mit dem M1 Pro und dem M1 Max, sind die Profi-Chips da, und Apple ist dabei, Intel wieder einmal zu blamieren.

Doppelt mit dem M1 Pro

Der M1 Pro nimmt alles vom M1 und verdoppelt es fast. Die leistungsstarken CPU-Kerne wurden von vier auf acht verdoppelt (interessanterweise wurden die hocheffizienten Kerne von vier auf zwei reduziert). Die GPU-Kerne wurden von acht auf 16 verdoppelt. Die Breite des Speicherbusses wurde von 128 auf 256 Bit verdoppelt, wodurch sich die Speicherbandbreite verdoppelt hat (Apple hat auch auf LPDDR5 umgestellt). Anstelle der Optionen 8 GB oder 16 GB wurde der Arbeitsspeicher auf 16 GB oder 32 GB verdoppelt.

Laut Apple ist die CPU-Leistung um bis zu 70 Prozent besser als beim M1, und die GPU ist bis zu doppelt so schnell. Natürlich sind das alles nur Angaben von Apple, die man mit Vorsicht genießen sollte, bis wir sie selbst überprüfen können. Aber unserer Erfahrung nach übertreibt Apple in diesem Bereich nur selten mit seinen Behauptungen. Die Leistungsvergleiche von Apple mögen frustrierend vage sein, aber sie sind kein Quatsch.

Wenn man unsere Erfahrungen mit Apples Leistungsangaben beim M1 und in jüngster Zeit beim A15-Prozessor im iPhone 13 Pro zugrunde legt, werden Apples Leistungsbeschreibungen im Allgemeinen stimmen. Wir glauben, dass Sie diese Leistung auch in der realen Welt sehen werden.

Intels Alder-Lake-Prozessoren sind auf dem Weg, dabei sollten sie die Tiger-Lake-Architektur deutlich verbessern, die das M1 bereits in Grund und Boden gestampft hat. Aber sind sie auch mehr als 70 Prozent besser? Ist der integrierte Grafikprozessor mehr als doppelt so gut? Ich bin mir sicher, dass die Alder-Lake-Desktop-CPUs beeindruckend werden, aber Intel wird nicht annähernd an diese Leistung in der Laptop-Klasse mit etwa 35-45 W herankommen.

Der M1 Pro verfügt über gewaltige 33,7 Milliarden Transistoren. Das ist größer als eine GeForce RTX 3090 Desktop-GPU.

Nochmals verdoppelt mit M1 Max

Reicht Ihnen die Verdoppelung des M1 nicht aus? Wie wäre es, wenn Apple sie noch einmal verdoppelt? Der M1 Max ist ein wahrer Tritt in den Hintern. Er hat dieselbe CPU wie der M1 Pro, verdoppelt aber die GPU auf 32 Kerne, verdoppelt den Arbeitsspeicher auf 32/64 GB und verdoppelt den Speicherbus und die Bandbreite auf erstaunliche 400 GB/Sek. Sogar die Medien-Engine ist doppelt so schnell wie die des M1 Pro.

Lassen Sie das auf sich wirken. Ein CPU, die es locker mit einem AMD Zen 2-Prozessor mit acht Kernen aufnehmen kann, ein 10,4 Teraflop-Grafikprozessor und ein universeller Arbeitsspeicher mit der Geschwindigkeit von 400 GB/s ... Apple hat im Grunde eine Playstation 5 in ein 14-Zoll-Notebook von unter zwei Kilo gepackt, das 17 Stunden Akkulaufzeit bietet!

Natürlich verfügen die Apple-Grafikprozessoren nicht über Hardware zur Beschleunigung von Raytracing (was sehr schade ist), dazu sind Macs in der Gamer-Community eher weiter hinten auf der Beliebtheits-Skala. Niemand würde Ihnen empfehlen, ein neues Macbook Pro zu kaufen, wenn Spiele Ihre größte Leidenschaft sind.

Aber Apple scheint sich Mühe gegeben zu haben, mehr zu tun als nur mehr Kerne in das Gerät zu stecken. Die neuen M1-Chips kombinieren die Erhöhung der Kernanzahl mit einer Erhöhung der Cache- und Speicherbandbreite, um Engpässe zu vermeiden. Sogar die SSDs sind atemberaubend schnell. Apple verspricht 7,4 GB/s, das ist doppelt so schnell wie die bereits wahnsinnig schnellen SSDs in den bisherigen M1-Macs.

Kein Wunder, dass der M1 Max atemberaubende 57 Milliarden Transistoren aufweist. Es gibt keinen anderen Laptop-Chip auf dem Markt, der auch nur annähernd so schnell ist. Selbst AMDs 64-Core Epyc Rome"-Prozessor für große Serverinstallationen kommt auf weniger als 40 Milliarden Transistoren.

Intel wird eine Weile brauchen

Die ersten durchgesickerten Geekbench-5-Ergebnisse für den M1 Max zeigen einen Single-Thread-Score im Bereich von 1.700 bis 1.800 und einen Multi-Thread-Score von 11.000 bis 12.000. Das sind etwa 15 Prozent mehr als bei den schnellsten Intel-basierten Laptops (die Geekbench-Ergebnisse für Intel-Chips hängen stark von der genauen Laptop-Konfiguration und Kühlung ab). Könnte ein Laptop mit Intels neuer Alder-Lake-Architektur diese Werte erreichen? Vielleicht, und wir könnten in den nächsten drei bis sechs Monaten sogar High-End-Laptops mit diesen Chips sehen.

Aber kein Alder-Lake-Chip wird an die Leistung des M1 Pro/Max herankommen, ohne viel mehr Strom zu verbrauchen. Und weder Intel noch AMD haben einen integrierten Grafikchip auf ihrer Roadmap, der auch nur annähernd an die Leistung des M1 Max heranreicht. Und Apple hat einen massiven Vorteil bei der Speicherbandbreite.

Es geht natürlich um mehr als nur CPU- und GPU-Leistung. Apple verfügt über eine rasante Neural Engine mit 16 Kernen und einen beeindruckenden Medienprozessor, der HEVC-Kodierung und -Dekodierung in atemberaubendem Tempo durchführt und dieses Jahr sogar ProRes-Kodierung und -Dekodierung anbietet. Alle Standard-Frameworks von Apple nutzen all diese "nicht zum Kern gehörenden" Teile des System-on-Chip und machen es Entwicklern relativ leicht, Software zum Fliegen zu bringen.

Die eigentliche Frage ist, wie lange Apple das durchhalten kann? Anandtech hat einen sehr detaillierten und faszinierenden Einblick in den A15 SoC gegeben und festgestellt, dass er noch schneller und energieeffizienter ist. Diese mikro-architektonischen Änderungen werden sicherlich im Laufe des nächsten Jahres ihren Weg in das M2, M2 Pro und M2 Max finden.

Sie können darauf wetten, dass wir im nächsten Jahr eine weitere Leistungssteigerung von 15 bis 20 Prozent sehen werden, an die weder Intel noch AMD bei gleichem Stromverbrauch auch nur annähernd herankommen. Die nächste Architektur wird einen fortschrittlicheren Herstellungsprozess verwenden, und der Siegeszug wird weitergehen. Aber kann Apple diese Leistungssteigerungen auch weiterhin jedes Jahr erzielen? Irgendwann muss es doch nachlassen, oder?

Apple hat mit seinen iPhone- und iPad-Prozessoren über die Jahre hinweg die Erwartungen übertroffen. Wir haben schon öfter gehört, dass der nächste Qualcomm-Chip Apples beste Leistung übertreffen wird und Apple schafft es immer wieder, zwei Schritte voraus zu sein. Es ist wahrscheinlich töricht von Herrn Gelsinger zu glauben, dass Intel oder irgendjemand anderes in den nächsten zwei oder drei Jahren ein überlegenes Produkt liefern wird, aber es besteht kaum ein Zweifel daran, dass die Versuche von Intel und AMD, den M1 Max" (und den M2 Max in einem Jahr und den M3 Max im Jahr darauf) zu schlagen, bessere Laptops für diejenigen bedeuten werden, die Windows-PCs kaufen.

Und ob Intel eine Chance hat, das Geschäft von Apple zurückzugewinnen? Nicht die geringste, Herr Gelsinger. Und eine alberne Werbekampagne, die direkt auf Apple abzielt, wird sicher nicht helfen.

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