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Projekt Marzipan: Wie iOS-Apps den Mac letzendlich besser machen

18.04.2019 | 09:24 Uhr |

Mac-Anwender werden sich umgewöhnen müssen, wenn immer mehr iOS-Apps den Weg auf den Desktop finden. Am Ende ist das aber auch ein Gewinn für den Mac, meint Jason Snell.

Wer hätte gedacht, dass ein Bericht, nachdem Apple iTunes durch neue Anwendungen ersetzen werde, die von iOS auf den Mac kommen , eine Büchse der Pandora voller Angst um den Mac öffnen würde?

Aber das kommt wirklich nicht so überraschend. 2019 verspricht ein großes Jahr der Veränderung für den Mac zu werden, zum großen Teil, weil das  macOS-Update in diesem Herbst die Schleusen für Apps öffnen wird, die ursprünglich für iOS entwickelt wurden. Wenn man die Funktionen von iTunes (das für den Mac vor fast zwei Jahrzehnten entwickelt wurde) mit der iOS-Music-App (für das iPhone gebaut und für Apple Music nachgerüstet) vergleicht, ist es schwer, nicht das Gefühl zu haben, dass der Mac extrem vernachlässigt ist.

Es ist unbestreitbar, dass die direkt auf den Mac umgezogenen iOS-Anwendungen weitaus weniger leistungsfähig sind als die App, die sie ersetzen. iTunes begann sein Leben als MP3-Jukebox und war die Anlaufstelle für alle Medien- und Gerätesynchronisierungsaufgaben, die Apple in den beiden letzten Jahrzehnten auf den Mac übertrug.

iTunes wurde zu einer Zeit entwickelt, als es lächerlich erschien, Musik auf einem Computer zu hören, da man doch einen CD-Player in die Stereoanlage integriert hatte. Gibt es einen besseren Weg, einen Anreiz für den Wechsel zu MP3s zu schaffen, als die App mit Funktionen zu versehen, die nur ein Computer bieten kann, wie Wiedergabelisten (einschließlich dynamischer regelbasierter, auf Song-Metadaten basierender) und einem coolen Visualisierer? Es stellt sich heraus, dass der eigentliche Anreiz einige Monate später in Form des iPods kommen sollte.

Die iOS-App Musik – die zu Beginn der iPhone-Ära noch "iPod" hieß – wurde in einer anderen Zeit für einen anderen Zweck entwickelt. Sie ist einfach und begrenzt, mit einer Benutzeroberfläche, die auch heute noch nicht richtig für größere iPad-Bildschirme optimiert zu sein scheint. Auf dem Mac würde die Anwendung noch unpassender aussehen. Es sei denn, Apple aktualisiert die App. Ich bin auch zuversichtlich, dass Apple nicht nur einfach die iOS-Version von Musik auf den Mac bringen und es dabei belassen wird. Die Übertragung der Musik-App auf den Mac ist eine Gelegenheit, ihr ein Upgrade zu spendieren – sowohl für den Mac als auch für das iPad! –, das sie zu einer leistungsfähigeren Anwendung macht.

Ein weiterer aktueller Bericht spekulierte , dass iOS 13 Funktionen für mehrere Fenster hinzufügen wird. Es ist schwer, diesen Bericht nicht mit der Tatsache zu verknüpfen, dass iOS-Apps auf den Mac kommen, was es Apps auf beiden Plattformen ermöglicht, komplexere und konsistentere Schnittstellen zu haben. Ich bin zuversichtlich, dass Apple diese neuen Funktionen nutzen wird, um das Design von Musik und anderen Apps zu aktualisieren, damit sie nicht nur auf dem Mac, sondern auch auf dem iPad besser aussehen und funktionieren.

Dennoch werden einige Funktionen  nicht erhalten bleiben. Die intelligenten Wiedergabelisten sind ein lustiges iTunes-Feature, das ich viel benutze, obwohl es sich ein wenig fummelig anfühlt. Es ist eben ein Feature für "Power-User", das für das Apple von 2001 sinnvoll war, das aber für die meisten Apple-Nutzer von 2019 (und sogar von 2009) zu komplex wäre. Es gibt jedoch noch andere Möglichkeiten, Benutzer zufrieden zu stellen, die Funktionen wie Smart Playlists wünschen. Mit der Shortcuts-App können Sie bereits unglaublich komplexe Tools für Apple Music erstellen. Es ist nicht schwer vorstellbar, dass wir es irgendwann schaffen werden, die einfachen Apps von Apple dazu zu bringen, komplexere Dinge zu tun, aber dies kann ein mehrjähriger Prozess sein.

Turbulente Phase

Ich bin mir sicher, dass wir in eine Phase der Instabilität für macOS eintreten. Die neue Technologie von Apple, mit der Apps, die für iOS entwickelt wurden, auch unter macOS ausgeführt werden können, wird zu zahlreichen Situationen führen, die der mit iTunes gleichen: Viele alte Mac-Anwendungen werden durch neue Versionen ersetzt, die zwischen iOS und macOS geteilt werden, und viele Benutzer werden durch die Entfernung von Funktionen und das unterschiedliche Erscheinungsbild der neuen Anwendungen frustriert sein.

Über solcherlei Veränderungen ist immer leicht zu jammern. Aber auf lange Sicht ergeben sich viele potenzielle Vorteile. Apple hat die letzten zehn Jahre damit verbracht, angesichts des harten Wettbewerbs schnell ein neues mobiles Betriebssystem zu entwickeln, eigene native Anwendungen zu schreiben und ein Entwicklungsrahmenwerk für Anwendungen von Drittanbietern zu schaffen. Während dieser Zeit war es beinahe zwangsläufig, dass Apple macOS und den darauf laufenden Anwendungen weniger Aufmerksamkeit schenkte.

Aber iOS ist gereift, und Apple kündigte im Juni letzten Jahres an, dass es Wert darauf lege, viele der zugrunde liegenden Technologien auf iOS und macOS zu synchronisieren, die sich in den letzten zehn Jahren voneinander unterschieden haben. Apple ist damit beschäftigt, viele seiner Apps zu vereinheitlichen, so dass sie auf iPhone, iPad und macOS laufen. Das Ergebnis sollte ein Apple mit reduzierter Leistungsfähigkeit für die App-Entwicklung sein, da es doppelte Arbeit für iOS und Mac hat, sowie für die Mac-Anwendungen, die noch einige Funktionen mehr haben, die Apple nicht von iOS übertragen wollte. (Stellen Sie sich eine neue Messenger-App auf dem Mac vor, die genauso leistungsfähig ist wie die auf iOS! Das wäre ein großes Upgrade.) Apples Apps haben aber nun die Möglichkeit, auf allen Geräten, einschließlich des Mac, besser und schneller zu werden.


Ja, es wird Apps geben, die es derzeit auf dem Mac nicht gibt, die ab Herbst dieses Jahres erscheinen werden, und einige dieser Apps werden sehr nützlich sein und wir werden froh sein, sie endlich auf dem Mac zu haben. Aber jenseits dieses ersten Ansturms von Apps, können Sie sich auf eine Welt freuen, in der ein Entwickler die Wahl hat, ob er eine neue, professionelle App einmal erstellen und gleichzeitig auf dem iPad und dem Mac einsetzen möchte. Wenn Sie heute für Apples Plattformen eine aufwändige Anwendung für Profis erstellen wollen, ohne zwei verschiedene Versionen zu entwickeln, haben Sie eben nur die Wahl zwischen iOS oder Mac. Ab diesem Herbst wird das nicht mehr der Fall sein. Entwickler, die eine Pro-App für iPad Pro in Betracht gezogen haben, werden auch das Mac-Publikum erreichen können, ohne eine völlig neue Art, Apps zu schreiben, erlernen zu müssen.

Veränderungen fallen nie leicht und die nächsten paar Jahre werden sich Mac-Anwender schwer tun, denn die Dinge werden seltsam und anders sein und wir werden neue Wege lernen müssen, die Arbeit zu erledigen. Aber schließlich denke ich, dass wir ein macOS bekommen, das aktiver und lebendiger ist als in den letzten zwölf Jahren, in denen Apple sein Hauptaugenmerk auf das iPhone legte.

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