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Samsungs Galaxy Buds und Apples AirPods im Vergleich

28.02.2019 | 11:52 Uhr |

Samsung hat jetzt AirPod-ähnliche Ohrhörer, die besser passen und mit einem Gehäuse kommen, das drahtlos aufgeladen wird. Aber welche Lösung funktioniert mit dem iPhone besser?

Samsung kündigte Mitte Februar seine neuen kabellosen Ohrhörer Galaxy Buds an, und sie sind offensichtlich für die eigenen Galaxy-Handys von Samsung entwickelt worden. Netter Trick: Sie können sogar die kommenden Galaxy S10 verwenden, um die Galaxy Buds aufzuladen. In Design und Preis versucht Samsung jedoch eindeutig, diese EarBuds zu einer attraktiven Alternative zu Apples AirPods zu machen - vielleicht sogar für iPhone-Anwender.

Das könnte Ihr Interesse wecken? Wir haben es geschafft, vor dem Veröffentlichungstermin am 7. März ein Paar Galaxy Buds in die Finger zu bekommen, und ich habe ein paar Eindrücke davon gewonnen, wie gut sie mit einem iPhone XS Max funktionieren. In einigen Fällen erweisen sie sich tatsächlich als geeignet. In anderen erinnern sie vor allem daran, dass die AirPods einen weitaus höheren Wert bieten, als wir ihnen oft anrechnen.

Der Preis: Samsung ist günstiger

Die Galaxy Buds kosten 149 Euro , während Apple für die AirPods 179 Euro verlangt . Hier besteht also ein klarer Unterschied. Wenn Sie nur Geld sparen wollen, sind die Galaxy Buds die klare Empfehlung. Aber das bedeutet nicht, dass sie das beste Preis-Leistungs-Verhältnis haben.

Die Ladehülle: Apple ist noch nicht drahtlos

Die Galaxy Buds Hülle ist sowohl dicker als auch länger als die AirPods-Hülle. Es ist kein großer Unterschied, wenn man sie Seite an Seite auf einem Tisch sieht, aber ich merke es definitiv, wenn ich das größere Buds-Case in meine Tasche stecke. Die AirPods-Schachtel hat hier einen entscheidenden Vorteil.

Auch interessant: AirPods angehört im Praxis-Test

Das Galaxy-Buds-Gehäuse hat einige eigene Vorteile. Der größte: Sie können es drahtlos mit jedem Qi-zertifizierten Ladegerät aufladen, und eine kleine LED außen an der Hülle informiert Sie, wie weit das Gehäuse aufgeladen wird. Hingegen müssen Sie, um den Batteriestand der AirPods-Hülle zu sehen, Widgets auf Ihrem iPhones bemühen. Beide haben aber im Inneren ein Licht, das anzeigt, ob die Ohrhörer selbst aufgeladen sind.

Die Schachtel der AirPods (rechts) ist deutlich kleiner, verlangt aber nach einem Ladekabel.
Vergrößern Die Schachtel der AirPods (rechts) ist deutlich kleiner, verlangt aber nach einem Ladekabel.
© Leif Johnson/IDG

Apple hat längst ein neues Ladecase für die AirPods versprochen, das drahtlose Laden unterstützt. Im Lauf des Jahres wird das wohl erscheinen, vorerst bleibt es im Bereich der Gerüchte. Der kabelloses Ladebehälter ist ein echtes Plus für die Galaxy Buds, und ich finde es gut, dass man sie optional auch mit einem USB-C-Kabel aufladen kann. Die AirPods verlangen nach wie vor nach einem Lightning-Kabel.

Ich bewundere die Präsentation der Galaxy Buds in ihrem Gehäuse, aber ich finde es viel einfacher, die AirPods aus ihrem Behältnis zu ziehen. Verzeihen Sie die Analogie, aber die Entnahme eines AirPods ist so einfach wie das Herausziehen einer Zigarette aus der Schachtel. Ich mühe mich immer ab, die Galaxy Buds gut in die Hand zu bekommen, wenn ich sie aus dem Gehäuse entferne. So fürchte ich beispielsweise, sie auf einer holprigen Busfahrt zu verlieren, wenn ich sie verwenden will.

Insgesamt schlägt das Galaxy-Buds-Gehäuse in dieser Kategorie wahrscheinlich wegen der drahtlosen Ladung die Konkurrenz von Apple, aber es ist ein sehr knappes Ergebnis.

Installation und Kopplung: Klarer Vorteil AirPods

Hier ist die Sache recht schnell klar, zumindest wenn man plant, die Galaxy Buds mit einem iPhone zu verwenden. Der W1-Chip von Apple macht es wahnsinnig einfach, AirPods mit Ihrem iPhone zu koppeln, und dann koppelt er sie auch mit jedem anderen Gerät, das an Ihre Apple ID gebunden ist. Sie können das im Bluetooth-Menü Ihres iPhone im Detail anpassen.

Immerhin koppeln sich Samsungs Galaxy Buds mit dem iPhone wie jedes andere Bluetooth-Gerät. Sie werden eine einfachere Kopplung und mehr Individualisierung auf Samsung-Telefonen mit speziellen Apps erhalten, aber mit einem iPhone werden Sie sie gewissermaßen "out of the box" verwenden müssen.

Interaktion: AirPods besser für das iPhone geeignet

Die Galaxy Buds verfügen über ein cooles Tap-System, mit dem Sie Musik abspielen oder anhalten können, nachdem Sie einmal auf einen Hörer getippt haben. Sie können auch zweimal tippen, um zum nächsten Song zu springen, oder dreimal tippen, um zum vorherigen zurückzukehren. Und ja, man kann auch einen der Galaxy-Stöpsel gedrückt halten, um mit Siri zu sprechen, vor allem für Telefonate wichtig.

Das Problem ist, dass man diese Taps zumindest auf einem iPhone nicht ändern kann. Sie können die Aktion "Halten" auf einem Samsung-Telefon mit einer speziellen App zumindest anpassen, aber auf einem iPhone sind Sie an das gebunden, was aus der Verpackung kommt.

Sie können die Galaxy Buds mit jedem drahtlosen Ladegerät aufladen.
Vergrößern Sie können die Galaxy Buds mit jedem drahtlosen Ladegerät aufladen.
© Leif Johnson/IDG

Mit AirPods können Sie die Doppeltipp-Aktionen über das Bluetooth-Menü des iPhones anpassen,  ich persönlich haben Siri auf die  der linke Seite gelegt und Abspielen/Pausieren auf die rechte. Im Gegensatz zu den AirPods hören die Galaxy Buds leider nicht kurz mit der Musikwiedergabe auf, wenn man sie sich aus den Ohren nimmt.

Diese beiden letzten Merkmale machen die AirPods zu den klaren Gewinnern bei der Nutzung mit dem iPhone, aber in diesem Fall kommt der Vorteil vor allem von der Verwendung des richtigen Betriebssystems. So wie AirPods nicht alle ihre raffinierten Funktionen auf Android-Handys haben, sollten wir nicht erwarten, dass die Galaxy Buds auf einem iPhone ihr volles Potenzial entfalten würden.

Akkulaufzeit: Klarer Vorteil AirPods

Samsung sagt, dass eine Ladung der Galaxy Buds für etwa sechs Stunden Musikstreaming ausreicht, was zunächst wie eine große Verbesserung gegenüber den fünf Stunden aussieht, die von den AirPods angeboten werden.

Das ist aber nicht die große Sache, nach der es sich anhört. Einer der größten Vorteile der AirPods besteht darin, dass das Gehäuse etwa 19 Stunden mehr Energie liefern kann, während das Galaxy-Buds-Gehäuse nur sieben zusätzliche Stunden bietet. Sie können schon drei Stunden Musik aus den AirPods herausholen, wenn Sie sie im Koffer nur für 15 Minuten aufladen. Meines Wissens haben wir keine ähnliche Aussage von Samsung gehört.

Das Galaxy-Buds-Gehäuse schließt ebenfalls mit einem Druckknopf - aber es ist nicht so zufriedenstellend wie bei dem auf den AirPods.
Vergrößern Das Galaxy-Buds-Gehäuse schließt ebenfalls mit einem Druckknopf - aber es ist nicht so zufriedenstellend wie bei dem auf den AirPods.
© Leif Johnson/IDG

Für meine Zwecke sind die AirPods hier die klaren Gewinner. Ich trage meine AirPods jeden Tag, aber ich trage sie hauptsächlich während der  Busfahrt, auf dem Bürgersteig und beim Spaziergang durch die Stadt. Ich trage sie fast nie für sechs Stunden am Stück. Und natürlich, sobald ich sie weg gesteckt habe, fangen sie sofort wieder an zu laden. Ich kann sie in der Regel ein paar Tage lang nutzen, ohne mir Gedanken über das nächste Aufladen der Box zu machen

Lautsprecher: AirPods klingen besser

Die Galaxy Buds klingen nicht schrecklich, aber die AirPods bieten ein wesentlich besseres Hörerlebnis. Egal, ob ich Metallica, Eminem, Bach oder den Soundtrack des Herrn der Ringe höre, die Musik aus den Galaxy Buds fehlt es am Bass und sie klingen auf einigen Tracks sogar blechern. Details bestimmter Tracks, auf die ich Wert lege, verschwanden leider im Rauschen.

Dies blieb auch dann so, wenn ich verschiedene Equalizer-Presets über Apple Music wähle. Ich war so negativ überrascht von der Qualität, dass ich die Gegenprobe machen musste und die Galaxy Buds mit einem Samsung Galaxy S7 Edge testete: Die Erfahrung war aber ähnlich. Mit Musik machen, die nicht so basslastig ist, bekommt man womöglich einen anderen Eindruck, aber trotzdem lohnt es sich, die zusätzlichen 30 Euro zu zahlen, um ein paar AirPods zu kaufen, wenn einem guter Sound wichtig ist.

Mikrofonqualität: Auch hier liegen AirPods vorn

Auch beim Telefonieren punkten die AirPods mit ihren Mikrofonen. Sie sind einfach besser. Den Unterschied hören Sie klar im Macworld-Video . In Räumen waren die AirPods gegenüber den Galaxy Buds nicht so deutlich im Vorteil,  draußen aber enorm.

Lesen Sie auch: Die besten Alternativen für Apple AirPods im Vergleichstest

Passform und Komfort: Galaxy Buds passen besser

Ich bin einer dieser Leute mit Ohren, die perfekt für die AirPods gemacht zu sein scheinen. Sie fallen nicht heraus, auch wenn ich den Kopf schüttle, und sie hängen so perfekt, dass ich oft vergesse, dass ich sie trage, wenn die Musik aus ist. ( Das ist nicht jedem vergönnt, Anm. d. Red. )

Die Galaxy Buds werden jedoch mit austauschbaren Gummibefestigungen für die Ohrstöpsel und die Flügel für den Halt in der Ohrmuschel geliefert. Sie werden mit ziemlicher Sicherheit ein Zubehör finden, das perfekt für Ihre Ohren ist und das allein deswegen eine Verbesserung gegenüber den AirPods darstellt.

Ich habe bis jetzt nie wirklich bemerkt, dass Apple sein Logo nicht auf den AirPods angebracht hat. Das Logo von Samsung ist dezent, aber es nimmt der Eleganz des Designs ab.
Vergrößern Ich habe bis jetzt nie wirklich bemerkt, dass Apple sein Logo nicht auf den AirPods angebracht hat. Das Logo von Samsung ist dezent, aber es nimmt der Eleganz des Designs ab.
© Leif Johnson/IDG

Als Nebeneffekt ermöglichen insbesondere die Ohrstöpsel eine gute passive Geräuschunterdrückung, da sie die Ohren weitgehend abschirmen. Die AirPods haben bekannter Weise nichts dergleichen, obwohl ich das persönlich bevorzuge, da ich mir gerne der Gefahren des Verkehrs bewusst, während ich durch die Straßen von San Francisco laufe. Wenn Sie Ihre Ohrstöpsel typischerweise zu Hause oder im Fitnessstudio tragen, ist dies kein so großes Problem.

Dennoch haben die Galaxy Buds im Hinblick auf die Anpassung einer guten Passform und die passive Geräuschunterdrückung einen klaren Vorteil.

Farben: Mehr Auswahl bei den Galaxy Buds

Zumindest für den Moment liegen die Galaxy Buds im Vorteil. Man kann sie in einem Apple-freundlichen Weiß erhalten, aber auch in Schwarz. Für einige Länder gibt es auch eine gelbe Option. Auf der hellen (oder dunklen?) Seite bekommen wir angeblich noch in diesem Jahr ein schwarzes Gehäuse mit den aktualisierten AirPods.

Fazit

Die Galaxy Buds von Samsung erinnern daran, was für eine großartige Arbeit Apple mit den AirPods geleistet hat. Diese Ohrstecker kosten "nur" 30 Euro weniger als die AirPods, aber Apples True-Wireless-Ohrhörer eine viel bessere Lautsprecher- und Audioqualität auf dem iPhone, zusammen mit anpassbaren Gesten, einfacher Kopplung und einer Tasche, die viele Stunden Ladezeit bietet.

Die Galaxy Buds haben klare Vorteile in der Passform, der passiven Geräuschunterdrückung, einer kabellosen Ladehülle und dem Preis, aber die Einschränkungen sind so groß, dass ich mich immer noch sicher fühle, wenn ich empfehle, dass Sie für Ihr iPhone sich besser AirPods holen.

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