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Software-Fehler sind zu Apples größter Schwachstelle geworden

25.11.2019 | 14:17 Uhr |

Die Anzeichen deuten darauf hin, dass Apple seine Entwicklungspraktiken zur Bekämpfung von Softwarefehlern ändert. Das ist auch dringend nötig. Eine neue Stay-Foolish-Kolumne von Dan Moren.

Bugs haben viele der Apple-Softwareversionen in diesem Herbst geplagt, von iOS 13 über iPadOS bis macOS Catalina. Sogar der Homepod erhielt ein Update, das dazu führte, dass einige der smarten Lautsprecher nicht mehr reagierten, sodass Apple das Update vorübergehend zurückzog.

Bugs produzieren natürlich nicht nur die Leute aus Cupertino, aber dieses Jahr schien es besonders schlimm, vor allem im Vergleich zum relativ stabilen Veröffentlichungsprozess von iOS 12 im Herbst 2018. Das hat zu vielen Kommentaren geführt, dass Apple seine Software-Strategien überdenken und mehr Zeit damit verbringen sollte, Fehler zu beseitigen, als neue Funktionen zu implementieren.

Letzte Woche hatte Bloomberg berichtet, dass Apple Schritte in diese Richtung unternehmen wolle und seine Softwareentwicklungspraktiken ändere , um den frühen Builds der Software mehr Stabilität zu verleihen. Aber es gibt noch mehr zu tun, um die Benutzerfreundlichkeit der Apple-Software zu verbessern, und interne Änderungen sind nur eine Komponente.

Kein Platz für Bugs

Die großen Aktualisierungen, die Apple stets im Juni auf der jährlichen Worldwide Developers Conference (WWDC) vorstellt und anschließend im Herbst auf den Markt bringt, sind in der Regel die richtigen Gelegenheiten für das Unternehmen, um seine neuesten und besten Features zu präsentieren. Insbesondere die Veröffentlichung von iOS ist zeitlich auf die Ankündigung neuer iPhones abgestimmt, die seit sieben Jahren jedes Jahr im September wie ein Uhrwerk erscheinen.

Aber obwohl neue Funktionen für Apples Marketing-Maschine sicherlich großartig sind, ist das nur ein Teil der Geschichte. Updates sind auch für Apple eine Möglichkeit, um zu beheben, was nicht funktioniert – ob es sich nun um unzuverlässige Funktionen oder Oberflächendesigns handelt, die nicht ganz auf dem neuesten Stand sind.

Mit seltenen Ausnahmen – wie z.B. dem iOS 12 vom letzten Jahr, in dem Apple viel Wert darauf legte, dass das Update auf älteren Geräten gut funktioniert – haben sich diese Bugfixes im Laufe der Jahre immer spärlicher angefühlt. Es hilft nicht, dass neue Funktionen auch oft neue Fehler bedeuten, die mit denen einhergehen, die noch nicht ausgebessert wurden.

Anfang dieses Herbstes schrieb der ehemalige Apple-Ingenieur David Shayer einen Beitrag bei TidBITS und erklärte einige Gründe , warum die Software des Unternehmens so fehleranfällig sein könnte. Seiner Erfahrung nach war ein wichtiger Grund, dass Apple nicht viel Zeit damit verbringt, bereits bestehende Fehler zu beheben, – also solche, die schon in früheren Versionen defekt waren. Oder, um das alte Sprichwort zu paraphrasieren: Wenn es kaputt ist, warum dann reparieren?

Die Priorisierung neuer Features gegenüber der Behebung alter Fehler mag aus Marketing-Gesichtspunkten sinnvoll sein, aber langfristig summieren sich all diese alten Bugs, wie die Zinsen für ein Darlehen, und führen dazu, dass die gesamte Erfahrung weniger stabil wird.

Genauere Projektpläne erforderlich

Eine Möglichkeit, wie Apple in der Lage sein könnte, diese technische Verschuldung zu bekämpfen, wäre die Änderung des Entwicklungszyklus. Anstatt jeden Herbst ein großes Software-Update herauszubringen und die Dinge in nachfolgenden Patches zu beheben, könnte das Unternehmen die Funktionen im Laufe des Jahres schrittweise einführen. Apple hat dies bereits in einigen Fällen getan, mit Funktionen wie Apple Pay Cash, Messages in der Cloud und iCloud Shared Folders, die wiederholt auf Frühling nächsten Jahres verschoben wurden .

Aber in den meisten dieser Fälle hat Apple versucht, seinen Release-Terminplan unter den Teppich zu kehren, als ob es peinlich wäre, dass es diese Funktionen in der ersten Version nicht liefern konnte. Um erfolgreich zu sein, muss das Unternehmen den Ansatz verfolgen und seinen Entwicklern und Anwendern einen Terminkalender zur Verfügung stellen, wann welche Funktionen erscheinen. Dies ist eines der Dinge, die eine Veränderung der Unternehmenskultur erfordern – schließlich ist Apple keine Organisation, für die Transparenz selbstverständlich ist. Aber es gibt keinen Grund, warum es nicht einfach einen Zeitplan für die Funktionen von iOS 14, iOS 14.1, iOS 14.2 und so weiter aufstellen könnte. Es muss sich nur entscheiden, dies zu tun.

Außerdem, da Apple dies bereits ansatzweise tut, könnte das Unternehmen es genauso gut trotzdem positiv drehen.

Tick tock

So sehr es mich auch schmerzt, das zu sagen, aber iOS kommt in die Jahre. Dreizehn Jahre und dreizehn Veröffentlichungen mögen normal erscheinen, aber das klassischen Mac OS war in seiner Version 9 siebzehn Jahre alt. Jährliche Fassungen sind eine ziemlich neue Entwicklung in der Software-Welt: Selbst bei Mac-OS X hat es einmal zweieinhalb Jahre bis zu nächsten Hauptversion gedauert.

Lange Zeit hatte Apple bei Mac-OS X anscheinend eine Tick-Tock-Strategie von Mac-OS-Versionen verfolgt, die diejenigen, die wichtige neue Funktionen einführten, mit Pflege-Fassungen abwechselte, die sicherstellten, dass die Software zuverlässig funktionierte. Apple könnte sich entscheiden, eine ähnliche Strategie für iOS zu verfolgen.

Ich verstehe, dass das iPhone beliebter denn je ist, aber mit der Reifung von iOS ist es vielleicht an der Zeit für Apple, sein Tempo ein wenig zu verlangsamen. Wir haben erwartet, dass sich die Technologie jeder Laune unterwirft, aber wir hängen auch jeden Tag davon ab, und das bedeutet, dass wir, wenn sie nicht funktioniert, noch frustrierter werden. Frustrierte Benutzer, das muss nicht noch extra  gesagt werden, sind nicht zufriedene Benutzer. Und viele von uns hätten sichere und fehlerfreie Geräte gewiss lieber als solche mit glänzenden neuen Features.

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