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Stößt Apple mit dem A15-Prozessor an eine Grenze?

15.09.2021 | 15:45 Uhr |

Der A15 scheint nicht spektakulär besser als der A14 zu sein: Tauscht Apple womöglich Geschwindigkeit gegen Akkulaufzeit ein? Eine Analyse von Jason Snell.

Das iPhone macht den Großteil von Apples Umsatz aus, daher kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Ankündigung der vier neuen iPhone-Modelle am Dienstag die wichtigste Apple-Ankündigung des Jahres ist. Aber die Bedeutung geht über das iPhone selbst hinaus, denn Dienstag war auch der Tag, an dem Apple den A15 Bionic ankündigte, seinen Prozessor der nächsten Generation.

Heutzutage wird so ziemlich alles, was Apple herstellt – von Macs über iPads bis hin zu iPhones – von Prozessoren angetrieben, die Apple selbst entwickelt hat. Die Ankunft des A15 ist der Beginn einer neuen Grundlage für Geräte, die Apple bis ins Jahr 2023 herausbringen wird. So wie der A14-Prozessor aus dem letzten Jahr die Grundlage für das M1-SoC der ersten Apple-Silicon-Macs und möglicherweise eine aufgemotzte M1X-Version in kommenden Macbooks Pro war, wird das Kerndesign des A15 wahrscheinlich für zukünftige Macs und iPad-Pro-Modelle verwendet werden.

Anzahl der CPU-Kerne bleibt gleich

Der A15 ist dem A14 in vielerlei Hinsicht ähnlich. Beide Chips verfügen über ein Sechs-Kern-Prozessor-Design, mit vier hocheffizienten Kernen und zwei Hochleistungskernen. Die meiste Zeit erledigen die stromsparenden Kerne die ganze Arbeit, aber in den Momenten, in denen sie gebraucht werden, kurbeln die schnellen Kerne hoch und verleihen den Apple-Geräten ihre Spitzenleistung. Beide Chips verfügen außerdem über eine Neural Engine mit 16 Kernen, die für Aufgaben des maschinellen Lernens wie das Scannen von Fotos nach Objekten und Gesichtern optimiert ist.

Der deutliche Unterschied zwischen dem A14 und dem A15 liegt in der Grafikverarbeitung: Während der A15-Prozessor im iPhone 13 wie der A14 über vier GPU-Kerne verfügt, hat der im iPhone 13 Pro und im neuen iPad Mini verwendete A15-Prozessor fünf GPU-Kerne.

Auf dem Papier weist der neue A15 Bionic viele Ähnlichkeiten mit dem A14 auf, den er ersetzt.
Vergrößern Auf dem Papier weist der neue A15 Bionic viele Ähnlichkeiten mit dem A14 auf, den er ersetzt.
© Apple

Wenn Apple in der Vergangenheit die Anzahl der GPU-Kerne in ein und derselben Chipreihe variiert hat (vielleicht am bemerkenswertesten beim M1-Prozessor, den es sowohl in Varianten mit sieben als auch mit acht Kernen gab), gibt es in Wahrheit wahrscheinlich nur einen M1-Prozessor, und Apple verwendet eine Technik, die als Binning bekannt ist, um die ausgefallenen GPU-Kerne auf Chips zu deaktivieren und sie trotzdem in Produkten zu verwenden.

Es ist interessant zu sehen, wie Apple das GPU-Binning in die iPhone-Reihe einführt und damit eine leichte Trennung zwischen dem iPhone 13 und dem iPhone 13 Pro schafft. Das Fehlen eines fünften GPU-Kerns bedeutet, dass das iPhone 13 mit 80 Prozent der Grafikleistung des iPhone 13 Pro laufen wird – aber das Pro-Modell könnte diese zusätzliche Grafikleistung brauchen, um die 120-Hz-Bildwiederholrate seines Pro-Motion-Displays zu unterstützen.

Wie man Fortschritt misst

Bei der Ankündigung des A15 Bionic am Dienstag gab es eine lustige Sache: Apple hat seine Leistung nicht mit der des A14 verglichen. In der Vergangenheit hat Apple die Leistung seiner iPhones mit den Vorgängermodellen verglichen. Doch in diesem Jahr hat sich Apple entschieden, zu verkünden, dass der A15 im iPhone 13 Pro eine 50 Prozent bessere Grafik- und CPU-Leistung "als die Konkurrenz" hat.

In Anbetracht der Tatsache, dass Apple seiner Smartphone-Konkurrenz in Sachen Prozessorleistung in der Regel voraus ist, deutet dies darauf hin, dass der A15 gegenüber dem A14 weniger Verbesserungen aufweist als gegenüber den Qualcomm-Prozessoren in führenden Android-Handys. Und ich frage mich, ob Apple vielleicht versucht, einen neuen Chip zu vermarkten, der nicht viel schneller ist als das ältere Modell.

Im Gegensatz dazu war Apple froh, direkte Vergleiche mit dem iPhone 12 anstellen zu können, wenn es um Langlebigkeit ging, denn die iPhone-13-Modelle bieten alle zwischen 1,5 und 2,5 Stunden zusätzliche Akkulaufzeit – eine große Verbesserung. Könnte es sein, frage ich mich, dass Apple sich entschieden hat, die Rohleistung des A15 zu begrenzen und ihn gleichzeitig energieeffizienter zu machen?

Das können wir erst dann mit Sicherheit sagen, wenn wir den A15-Chip in den neuen iPhones und dem iPad Mini tatsächlich testen können und herausfinden, wie er abschneidet. Aber ich muss zugeben, dass ich keinen großen Geschwindigkeitsschub erwarte.

Das neue iPad Mini ist wie das iPhone 13 mit einem A15 ausgestattet. Die Vergleiche auf der iPad-Mini-Website beziehen sich auf den A12 im Vorgängermodell.
Vergrößern Das neue iPad Mini ist wie das iPhone 13 mit einem A15 ausgestattet. Die Vergleiche auf der iPad-Mini-Website beziehen sich auf den A12 im Vorgängermodell.
© Apple

Wir können es nachrechnen. Auf seiner iPad-Mini-Website behauptet Apple, dass das neue iPad Mini mit A15-Prozessor einen Leistungssprung von 40 Prozent gegenüber dem iPad Mini mit A12-Prozessor bietet. Der Geekbench-Browser gibt Benchmark-Ergebnisse von 1114 (Single-Core) und 2685 (Multi-Core) für das alte iPad Mini an. Wenn die Behauptungen von Apple mit den Geekbench-Ergebnissen übereinstimmen (was nicht unbedingt der Fall sein muss, denn es ist kompliziert), würde das neue Modell Werte in der Größenordnung von 1560 und 3760 erreichen. Das Problem dabei ist, dass der A14-Prozessor etwa 1583 und 4198 Punkte erzielt – mehr als die hochgerechneten A15-Werte.

Glaube ich wirklich, dass der neue A15-Prozessor langsamer ist als sein Vorgänger? Es scheint unwahrscheinlich, und die Tatsache, dass Apple den günstigeren Vergleich mit der Android-Konkurrenz gewählt hat, deutet darauf hin, dass die Zahlen nicht so beeindruckend sein werden, wie wir vielleicht erwartet haben.
In den letzten Jahren hat jede aufeinanderfolgende Chip-Generation eine Verbesserung der Single-Core-Leistung um etwa 20 Prozent gebracht. Dieses Jahr könnte es anders sein. Während die Einführung eines neuen Prozessors der A-Serie immer bedeutend ist, bleibt die Frage offen, wie groß der Fortschritt des A15-Prozessors wirklich sein wird.

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