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Wann ist die nächste Apple Keynote?

07.07.2020 | 13:00 Uhr | Peter Müller

Ob Großveranstaltungen bald wieder möglich werden, bleibt mehr als fraglich. So geht es bei Apple weiter.

Für das Wort des Jahres gibt es schon einige Kandidaten. Geisterspiele. Videokonferenz. Oder virtuelle Keynote. Die Pandemie hat Massenveranstaltungen unmöglich gemacht, zumindest in der gewohnten Weise. Ein Oktoberfest kann man nicht ohne Publikum aufführen wie ein Fußballspiel oder ein Theaterstück. Ist zwar ohne Publikum nicht das gleiche, aber man gewöhnt sich daran. Was aber sehr gut geht: Messen und Pressekonferenzen zu virtualisieren. Das bleibt vielleicht in der Zeit nach der Pandemie, von der man nicht weiß, wann sie kommen wird: Nicht für alles und jedes muss man quer durch das Land oder gar über den halben Erdball fliegen, wenn man sichm sein Unternehmen und dessen Produkte und Services auch komplett online präsentieren kann.

Und hier hat Apple schlicht und ergreifend neue Maßstäbe gesetzt. Die erste komplett online abgehaltene WWDC gab der global agierenden Entwicklergemeinde auch so alle wichtigen Informationen über macOS Big Sur, iOS 14, iPadOS 14, tvOS 14 und watchOS 7 an die Hand. Die interessierte Öffentlichkeit sah am Abend des 22. Juni (MESZ) wie man eine Keynote auch ohne Publikum perfekt aufführte. Was nur wie "live" wirkte, hatte Apple vorproduziert, die einzelnen Teile aber so nahtlos, genial und an manchen Stellen auch witzig ineinander übergehen lassen, wie das bei einer herkömmlichen Inszenierung kaum möglich gewesen wäre. Aber auch Keynotes pflegt Apple vorzuproduzieren und die Abläufe so zu üben, dass am Tag der Aufführung alles passt. Die Keynote zur WWDC 2020 war wie ein abgefilmtes Theaterstück, weniger wie ein Spielfilm. Also noch so "live" wie das eben ohne Publikum geht.

Lesen Sie hier die WWDC-Show in unserem Ticker nochmals nach

Dennoch wünschen wir, dass die WWDC 2021 wieder mit Publikum im Saal und 5000 Entwicklern sowie 1000 Apple-Ingenieuren vor Ort stattfinden kann. Man wird aber geduldig sein müssen und die Entwicklungen abzuwarten haben.

Wie es in naher Zukunft mit Apple Shows weiter geht, ist noch völlig offen. Die in den USA wieder stark ansteigenden Infektionszahlen und die Ignoranz und Inkompetenz des Weißen Hauses gegenüber des Geschehens lassen befürchten, dass in diesem Herbst noch keine traditionellen Keynotes möglich sein werden.

Das Online-Format hat sich aber bewährt,  Apple wird das gewiss auch im Herbst bei der Vorstellung neuer iPhones so handhaben, die mutmaßlich iPhone 12 und iPhone 12 Pro heißen werden und in jeweils zwei Größen kommen. Der Umstieg auf 5G und andere Innovationen wären für eine bloße Ankündigung per Presseaussendung schon fast zu groß, wie es sie im Frühjahr zu iPad Pro, iPhone SE und Macbook Pro 13'' gegeben hatte.

Das erwarten wir jedenfalls in den nächsten zwölf Monaten an Veranstaltungen und Ankündigungen:

iPhone – die nächste Runde

Allem bisherigen Anschein nach wird Apple den Produktzyklus des iPhone nicht in die Länge ziehen uns es bei Releases im Jahrestakt belassen. Mit den iPhone 12 und 5G könnte aber so etwas beginnen, was Analysten gerne einen "Superzyklus" nennen. Zuletzt hatte Apple das iPhone eher evolutionär weiter entwickelt, das grundsätzliche Design ist seit 2017 unverändert. Das wird sich im September oder Oktober 2020 ändern, der genaue Termin hängt von weiteren Infektionsgeschehen ab. Alles in allem ist Apples Lieferkette aber produktionsfähig, bis Frühjahr 2021 wird man auf die neue iPhone-Generation nicht warten müssen.

Ganz ohne eine Show  wird Apple die vier neuen Geräte iPhone 12, iPhone 12 Max, iPhone 12 Pro und iPhone 12 Pro Max nicht ankündigen, dazu sind die Neuerungen zu bedeutend. Die fünfte Generation des Mobilfunks bedeutet einen gewaltigen Sprung. Die Infrastrukturen hierfür sind noch nicht ausreichend ausgebaut, im Jahr 2019 hätte ein 5G-iPhone wenig Sinn ergeben. Im Herbst 2020 wird das eine andere Sache sein – und die Prognose ist nicht sehr weit hergeholt, dass Apple noch einige andere Dinge am iPhone ändern könnte. So wäre der Umstieg auf USB-C (dann schon auf dem Standard USB 4 basierend?) denkbar – oder gar ein völlig portloses iPhone . Fortschritte bei der Kameratechnologie könnten die Notch der 11er zwar nicht überflüssig, aber womöglich doch kleiner werden lassen? Das ist alles noch sehr vage, in den nächsten Wochen und Monaten werden aber immer mehr Informationen über die iPhone-Generation von 2020/21 bekannt werden. Man kann sagen, dass wir uns auf eine iPhone-Keynote im Herbst so freuen würden wie noch nie zuvor auf eine – selbst als Geisterkeynote könnte sie uns begeistern.

Was vom Jahre übrig bleibt

Nach dem iPhone beginnt das Weihnachtsgeschäft – Apple hat aber immer noch etwas, was kein Smartphone ist. Nicht jedes Jahr gibt es eine Keynote, letzten Herbst begnügte sich Apple wieder mit Ankündigungen per Presseaussendung. Was neben dem iPhone noch auf der Agenda für 2020 stehen dürfte, sind neue iPads, speziell iPad Mini und iPad Air. Vor allem aber rückt Apple wieder den Mac in den Mittelpunkt. Wie das Unternehmen auf der WWDC 2020 ankündigte, werde man 15 Jahre nach der letzten Transition wieder den Prozessor wechseln: Von Intels x86-Plattform auf die von ARM definierte. Apple konstruiert auf dieser Basis seine eigenen Chips, die der Vertragsfertiger TSMC in Taiwan baut: Apple Silicon. Erste Rechner sollten noch im Jahr 2020 kommen, vermutlich kann Apple schon im Herbst erste Rechner ankündigen und diese noch vor Weihnachten auf den Markt bringen. Mit der Hauptwelle ist zwar erst ab Apple Silicon ausstatten, binnen zwei Jahren sollte der Umstieg abgeschlossen sein.  Eine zweite (virtuelle) Keynote nach der für das iPhone 12 ist aber eher unwahrscheinlich, entweder handelt Apple diese Themen in einer Show ab – oder es gibt für den Rest des Jahres weitere Presseaussendungen.

Auf ein Neues in 2021

Nächstes Jahr wird alles anders – hoffentlich. So wie zuvor wird es nicht mehr werden, so groß ist der angerichtete Schaden. Aber schon ab dem 20. Januar 2021 kann die Zeit nach Trump beginnen und vielleicht auch eine neue Freiheit nach der Pandemie. Für die Inauguration von POTUS 46 werden aber vermutlich noch weniger Leute vor Ort sein als 2017, aufgrund der dann immer noch notwendigen Kontaktbeschränkungen.

Apple wird nicht völlig unbeschadet aus der Krise kommen, hat aber die besten Aussichten, wie weit glimpflicher zu überstehen als etwa Fluggesellschaften. Von daher wird Apple auch im Frühjahr 2021 Neues zu zeigen haben, Hardware, Software, Services. Wie das aussieht, lässt sich heute schlecht vorhersagen, 2021 wird aber das große Thema "Der Mac wechselt von Intel aus Apple Silicon" setzen. Und was heute ein schöner Traum ist, wird im März 2021 vielleicht ja doch wahr: Eine klassische Frühjahrskeynote vor Publikum. Und spätestens im Juni 2021 wieder eine WWDC, wie wir sie kannten: Live und in Farbe.

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