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WWDC 2020: So wird iPadOS 14 deutlich besser

01.06.2020 | 08:28 Uhr | Thomas Hartmann

Das iPad ist Apples Plattform mit dem größten Wachstumspotenzial. Hoffen wir, dass die WWDC zeigt, dass sie weiter voranschreitet, meint Macworld-Autor Jason Snell.

Es waren ein paar große Monate für das iPad. Apple hat nicht nur ein (leicht aktualisiertes) iPad Pro herausgebracht, sondern auch ganz neues Zubehör wie das Magic Keyboard. Überraschenderweise wurde iPadOS aktualisiert, um Bildschirmzeiger zu unterstützen – ein Upgrade, das sich viele iPad-Nutzer seit Jahren gewünscht haben und das in ein kleines Software-Update in der Mitte des Jahreszyklus gesteckt wurde.

Da aber Apples alljährliche Entwicklerkonferenz WWDC bevorsteht, fragen wir uns, was steht als Nächstes für das iPad ansteht? Letztes Jahr stellte Apple das Konzept des iPadOS als eine von iOS separierte Version vor, die nur dem iPad gewidmet ist. Dieses Jahr wird Apple diese Versprechen auf der WWDC aber auch einlösen müssen: Apple konnte einst einen Mangel an iPad-Updates in einer größeren iOS-Version verbergen, aber dieses Jahr werden wir uns alle fragen, was es Neues für das iPadOS gibt.

Nachdem das mit den Zeigegeräten geklärt ist, was sind die größten Lücken im iPadOS, und was wird wahrscheinlich nächsten Monat auf der WWDC angekündigt? Hier ist eine Liste mit einigen der eklatantesten Mängel in Apples Tablet-Betriebssystem.

Ein Schwerpunkt auf die Tastatur gelegt

Während iPadOS 13.4 die Unterstützung von Mauszeigern einführte, ist auf dem iPad ein noch wichtigeres optionales Eingabegerät die Tastatur. Und die Tastaturunterstützung des iPad verdient ein Upgrade.

Keine der beiden iPad-Tastaturen von Apple – Magic Keyboard und Smart Keyboard – bietet Funktionstasten oberhalb der Zahlenreihe. Welche sollten das sein, mag man fragen. Apple hat das Layout der Tasten vor Jahren neu angeordnet und sie der Medien- und Gerätekontrolle zugewiesen. Wenn Sie ein iPad mit einer Tastatur mit Funktionstasten verwenden, dienen diese Tasten zum Abspielen und Anhalten von Medien, zum Anheben und Absenken der Lautstärke, zum Wechseln zwischen Audiotracks und zum Einstellen der Bildschirmhelligkeit. Da Apple bei einem Software-Update keine Funktionstasten hinzufügen kann, sollte es das Nächstbeste tun und Tastaturkürzel bereitstellen, die mit seiner aktuellen Tastatur funktionieren. (Eine Möglichkeit bestünde darin, den Benutzern die Option zu geben, eine Modifikatortaste für die Funktionen zu setzen, sodass das Drücken der Globus-Taste dem Äquivalent von F1 entspricht).

Noch besser wäre es allerdings, wenn Apple den Benutzern eine Vielzahl von konfigurierbaren systemweiten Verknüpfungen zur Verfügung stellen würde. Apple kann die Standardeinstellungen festlegen, aber ich hätte gern die Möglichkeit, diese Verknüpfungen nach meinen eigenen Bedürfnissen neu zuzuordnen. Seit den 90er Jahren benutze ich auf meinem Mac Command-Option-Leertaste als Play/Pause-Kurzbefehl und die Command-Option-Pfeiltasten für die Lautstärke- und Spursteuerung. Ich würde diese Funktionalität gern auf mein iPad importieren.

Wenn das erledigt ist, ist es natürlich nur ein kurzer Schritt, um andere Befehle an Tastaturkürzel zu binden, vor allem an das Apple-eigene Benutzer-Automatisierungssystem Shortcuts. Ich wäre gern in der Lage, ein Tastaturkürzel zu setzen und wissen, dass es überall, wo ich bin, das gleiche Ereignis auslöst.

Es ist höchste Zeit, dass das iPad-Multitasking neu überdacht wird, aber auch wenn Apple nicht bereit ist, das System komplett zu überarbeiten, sollte es zumindest klarer machen, welche Seite einer geteilten Ansicht Eingaben über die Tastatur akzeptiert, und Tastaturkürzel zum Umschalten zwischen ihnen bereitstellen.

Abschließend weise ich Sie auf Guilherme Rambos jüngste Twitter-Demonstration hin , wie ein interaktiverer Emoji-Picker unter iPadOS aussehen würde. Ein Tastaturkürzel, das eine schwebende Suchleiste aufruft, mit der Sie nach dem richtigen Emoji suchen und es an der richtigen Stelle einfügen können? Ja, bitte.

Die Shortcuts-App kommt zu ihrem Recht

Die Shortcuts-App, die mit iOS 12 eingeführt wurde, war weitgehend die gleiche App wie Workflow, die App eines Drittanbieters, welche Apple gekauft hat. Sie erhielt im letzten Jahr einen soliden Schub, aber die Arbeit ist noch nicht getan.

Shortcuts muss seine derzeitige Freiformschnittstelle um eine Organisationsstruktur erweitern. Sobald Sie mehr als eine Handvoll Verknüpfungen erstellt haben, ist es ein Durcheinander, und es gibt keine Ordner oder Tags oder irgendeine Möglichkeit, Ihre Verknüpfungen zu filtern.

Es muss auch mehr Instrumente geben, um die Einrichtung von Shortcuts zu erleichtern. Sie können derzeit nicht mehrere Befehle innerhalb einer Verknüpfung zum Kopieren und Einfügen auswählen – das macht es äußerst schwierig, wenn Sie eine Reihe von Befehlen in einer anderen Verknüpfung wiederverwenden wollen. Verknüpfungen zu teilen sollte weniger undurchsichtig sein als derzeit – Sie müssen einen beängstigend klingenden Schalter in der Anwendung "Einstellungen" umlegen, um gemeinsam genutzte Automatisierungen herunterzuladen.

Und in den meisten Fällen zeigt Ihnen die Anwendung Shortcuts die Befehle, die sie gerade ausführt, Schritt für Schritt an. (Stellen Sie sich vor, jede Anwendung, die Sie laufen haben, scrollt durch ihren Quellcode, während sie aktiv ist!) Benutzer sollten die Möglichkeit haben, eine sauberere, einfachere Methode zu wählen, die nur einen Fortschrittsbalken anzeigt – oder vielleicht sogar überhaupt nichts – wenn eine Verknüpfung ausgeführt wird.

Leistungsfähigere Anwendungen ermöglichen

Ein Gerät ist nur so leistungsfähig wie die Anwendungen, die darauf laufen. Und das iPad hinkt meinem Mac in zahlreichen Bereichen immer noch hinterher. iPadOS 14 muss Maßnahmen ergreifen, um anspruchsvollere Apps zu ermöglichen.

Nehmen Sie iPad-Audio, das so primitiv ist, dass ich ohne Hacks und Hardware-Add-Ons immer noch nicht wirklich einen Podcast auf meinem iPad aufnehmen kann. Ich möchte, dass Apps in der Lage sind, System-Audio, mehrere Audioeingänge und mehr aufzunehmen, während andere Apps ebenfalls ausgeführt werden. Ich möchte das Äquivalent zu Rogue Amoeba's Audio Hijack für das iPad.

Oder denken Sie an die Health-App, ein Eckpfeiler der Strategie von Apple für Apple Watch und iPhone. Sie existiert nicht auf dem iPad (und übrigens auch nicht auf dem Mac), und ich kann mir beim besten Willen keinen guten Grund dafür vorstellen. Manchmal möchte ich meine Gesundheitsdaten auf meinem iPad sehen. Ich möchte auch einige Bluetooth-basierte Gesundheitsgeräte mit meinem iPad statt mit meinem iPhone koppeln.

Und es gibt professionelle Apps, die auf iPadOS immer noch nicht vorhanden sind. Muss Apple in iPadOS 14 Änderungen vornehmen, um Logic Pro, Final Cut Pro und xCode endlich auf das iPad zu bringen? Wenn ja: Ran an die Arbeit!  Wenn wir schon dabei sind, würde ich gern eine Terminal-Anwendung auf dem iPad sehen. Sie haben mich schon verstanden. Apple sollte Programmierern (und Entwicklern von Workflows) Zugriff auf die Leistungsfähigkeit der Befehlszeile geben, die Mac-Benutzer seit zwei Jahrzehnten haben. Macht es sicher, aber lasst uns Unix-Skripte ausführen und aus dem Quellcode kompilieren, ohne auf clevere Workarounds oder Zusatzhardware zurückgreifen zu müssen.

Gebt mir mehr

Meine iPadOS-Wunschliste ist viel länger als alle meine Listen für Apples andere Plattformen. Das liegt nicht nur daran, dass ich mein iPad Pro viel benutze, sondern auch daran, dass das iPad am meisten Platz für Wachstum und Verbesserung bietet.

Ich akzeptiere, dass die meisten, wenn nicht sogar alle meine Punkte wahrscheinlich nicht von iPadOS 14 erfüllt werden. Das Wichtigste, was ich mir von Apple auf der WWDC wünsche, ist die kontinuierliche Veränderung und Verbesserung des iPad. Apple muss beweisen, dass iPadOS nicht nur ein Name ist – es ist eine Verpflichtung, das iPad bei jeder Gelegenheit besser zu machen. Wenn Apple das tut, werde ich glücklich sein, auch wenn ich nicht alles bekomme, was ich will.

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