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Wann Apple auf Kritik hört – und wann nicht

08.09.2021 | 16:20 Uhr |

Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung hört Apple sehr wohl auf das Feedback seiner Kunden. Und wenn es darauf nicht reagiert, oft zurecht.

In diesem Jahr hat Apple zum ersten Mal überhaupt auf die Kunden gehört. Anders als all die anderen Male, die es das tat.

Mark Gurman, der für Bloomberg schreibt (das Magazin, von dem " The Big Hack " stammt, eine Geschichte, die von Vertretern der beteiligten Unternehmen, Sicherheitsexperten und Journalisten weithin bestritten wird), schreibt: " Apples Umkehr bei iOS 15 zeigt, dass es jetzt tatsächlich auf die Nutzer hört ." Außerdem: "Apple ist nicht gerade dafür bekannt, bei Designentscheidungen auf die Verbraucher zu hören..."

Es ist nicht dafür bekannt, und doch tut es das öfter, als man denkt.

Die meisten von Gurmans Beispielen dafür, dass Apple nicht zuhört, betreffen die Hardware: die Antenne des iPhone 4 , die Butterfly-Tastatur und die Touch Bar . Das ist ein etwas unfairer Vergleich, da es viel schwieriger ist, Hardware-Änderungen während der Entwicklung vorzunehmen als Software-Änderungen. Und oft wird die Hardware auf der Grundlage von Rückmeldungen geändert. Apple hat ein paar Jahre gebraucht, um größere Smartphones auf den Markt zu bringen, aber schließlich hat es geklappt. Das ist ein Beispiel dafür, dass das Unternehmen dem Markt hinterherläuft, so sehr sich die Macalope auch wünscht, dass es das nicht getan hätte.

Für das eine Beispiel, das Gurman anführt, das keine Hardware ist, nämlich iOS 7, merkt Gurman an, dass Apple zwar Änderungen auf der Grundlage von Feedback vorgenommen hat, aber nicht das ganze Konzept einfach verworfen hat. Es lohnt sich, darauf hinzuweisen, dass viele Beschwerden über iOS 7 auf Fragen der Benutzerfreundlichkeit und Zugänglichkeit beruhten, während andere sich darauf konzentrierten, dass Apple "männliche Farben" weggeworfen und iOS 7 in ein "östrogenverseuchtes Chaos für 13-jährige Mädchen" verwandelt hatte.

Es gibt einige Kritiken, auf die man einfach nicht hören sollte. Man sollte sie auf eine CD brennen, (soweit Sie noch den passenden Mac dafür haben – Anm. d. Red), und in die Sonne schießen. Siehe zum Beispiel das Beharren darauf, dass Apple Flash auf iOS bringen sollte. Apple hat die Beschwerden ignoriert und das ist auch gut so.

Aber auch wenn Apple manchmal hartnäckig bleibt, ist das Unternehmen seit Langem flexibel, wenn es angebracht ist. Es dauerte zwar mehrere Monate nach der Veröffentlichung von Leopard im Jahr 2007 (das war, bevor Apple öffentliche Betas anbot), aber Apple zog die durchsichtige Menüleiste zurück und fügte eine Option hinzu, um sie zu deaktivieren.

Alle sagen, dass Apple keine Fokusgruppen durchführt, aber das Unternehmen veröffentlicht seit sieben Jahren öffentliche Betas, und diese dienen nicht nur dazu, Fehler zu finden. Apropos öffentliche Betas: Apple veröffentlichte im Jahr 2000 eine öffentliche Beta-Version von Mac OS X. Sie enthielt übrigens ein Apple-Symbol in der Mitte der Menüleiste, das es zum Glück nicht in die Version 10.0 geschafft hat, weil die Leute es nicht mochten.

Es besteht kein Zweifel, dass Apple manchmal ziemlich starrköpfig sein kann. Es dauert zwar länger, Hardware-Änderungen vorzunehmen, aber die Tatsache, dass die Magic Mouse auch heute noch, im Jahr 2021, über einen Anschluss an der Unterseite der Maus aufgeladen wird, was sie während des Aufladens unbrauchbar macht, ist offen gesagt eine Frechheit gegenüber den Kunden. Wenigstens war die Hockey-Puck-Maus zu jeder Zeit das gleiche Minimum an Nutzbarkeit. (Die Hockey-Puck-Maus hat nur zwei Jahre gehalten. Die unten aufladbare Magic Mouse ist seit sechs Jahren dabei.)

Die Magic Mouse ist oft Grund für Ärger bei den Kunden, aber vergessen Sie nicht die Hockey-Puck-Maus.
Vergrößern Die Magic Mouse ist oft Grund für Ärger bei den Kunden, aber vergessen Sie nicht die Hockey-Puck-Maus.
© Wikimedia

Die Änderungen an Safari, die seit der Vorstellung von iOS 15 auf der WWDC vorgenommen wurden, sind sicherlich ein ziemlicher Rückschritt. Aber sie werden auch noch vor der allgemeinen Veröffentlichung behoben. Die Macalope kennt die Einzelheiten dieser vorgeschlagenen Änderungen nicht, aber es sieht fast so aus, als ob es sich um eine interne Meinungsverschiedenheit über das Design handelt, die in der Beta-Version ausgetragen werden durfte. Grob nach dem Motto: Jemandem gefiel die Idee sehr gut und andere sagten: "Mal sehen, was Leute dazu sagen, Gary.“
Und seitdem muss Gary alleine in der Kantine essen.

Apple hat sicherlich seine eigene Denkweise, aber das Unternehmen hört schon seit Langem auf das Feedback seiner Kunden.

Dieser Beitrag erschein zuerst bei unserer Schwesterpublikation Macworld.com. Übersetzt von Kris Wallburg

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