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Warum 5G-iPhone alle Androiden wegsteckt

05.05.2020 | 10:22 Uhr |

iPhone 12 wird höchstwahrscheinlich ein 5G-Modem eingebaut bekommen. Warum Apple von der Verspätung profitiert.

Auch wenn das iPhone 12 vielleicht erst in den Handel kommt, wenn wieder ausgehöhlte Kürbisse vor den Türen stehen, wissen wir bereits sehr viel über Apples Pläne. Vor allem wird es Berichten zufolge zum ersten Mal vier iPhone-Modelle geben, mit einer neuen 5,4-Zoll-Modelloption als Einsteiger-iPhone und das Flaggschiffmodell soll auf 6,7 Zoll wachsen.

Doch selbst mit größeren Bildschirmen und einem Wechsel zu OLED bei allen Modellen, berichtete Jon Prosser Ende letzten Monats, dass sich die Preise nicht allzu sehr ändern werden:

5,4-Zoll iPhone 12: 649 US-Dollar
6,1-Zoll-iPhone 12: 749 US-Dollar
6,1-Zoll-iPhone 12 Pro: 999 US-Dollar
6,7-Zoll iPhone 12 Pro Max: 1.099 US-Dollar

Diese Preise bedeuten, dass Sie mit den Pro-Modellen mehr Bildschirm für den gleichen Geldbetrag erhalten, ein besseres Display für nur 50 Dollar mehr als das iPhone 11 und einen neuen niedrigeren Einstiegspreis für preisbewusste Käufer. Für sich genommen wäre das schon beeindruckend, aber die neuen iPhones sollen auch alle mit 5G-Modems ausgestattet sein, die vermutlich sowohl die Sub-6GHz- als auch die mmWave-Netze von T-Mobile und Verizon unterstützen werden.

An sich wäre es logisch, für ein 5G-iPhone mehr zu verlangen. Allein in diesem Jahr stiegen das Galaxy S20 und das OnePlus 8 Pro im Vergleich zu ihren früheren LTE-Vorgängern um Hunderte Dollar, wobei das S20 in der höchsten Konfiguration auf satte 1.600 US-Dollar kletterte. Unter der Annahme, dass der Preis für die iPhone-Kapazität gleich bleibt, sind das 150 Dollar mehr als bei einem iPhone 11 Pro Max mit den gleichen 512 GB Speicherplatz. Und das 8 Pro war das erste OnePlus-Smartphone, das die Tausend-Dollar-Grenze überschritten hat.

Warum erhöht Apple also nicht die Preise wie seine Android-Konkurrenz? Wir alle wissen, dass Apple seine 38-prozentigen Gewinnmargen liebt, also wird das Unternehmen nicht sein meistverkauftes Produkt opfern, um nur einfach nett zu sein. Vielmehr ist eine Kombination aus Timing, Intelligenz und Apples langfristiger Strategie dabei, sich im großen Stil auszuzahlen.

Bereit für die Hauptsendezeit

Als Samsung und andere im vergangenen Jahr die ersten 5G-Handys auf den Markt brachten, richteten sich alle Augen auf Apple. Aber als die Präsentation des iPhone 11 kam und ging, ohne dass 5G erwähnt wurde, hätte das keine Überraschung sein sollen. Die ersten 5G-Smartphones waren nicht nur groß, teuer und überhitzungsgefährdet, sondern die Netzwerke, mit denen sie verbunden waren, waren auch unzuverlässig und wenig ausgebaut. Apple setzt nur selten auf eine neue Technologie, bevor diese breit verfügbar ist, und als das iPhone 11 in der Entwicklung war, war 5G alles andere als fertig.

Das hat sich in den letzten Monaten geändert, zumindest in den USA. Während die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie die Markteinführung verzögert haben, verfügen die großen Netzbetreiber über eine anständige 5G-Abdeckung in den USA, wobei T-Mobile (und in der Folge Sprint) eine Abdeckung von Ostküste zu Westküste aufweist und Verizon auf Dutzende von Städten und größere Veranstaltungsorte expandiert. Aber die 5G-Verbreitung verblasst immer noch im Vergleich zu LTE. Selbst wenn Sie sich also für einen 5G-Tarif entscheiden, werden die meisten iPhone-12-Nutzer weiterhin LTE nutzen, in Deutschland noch eher als in den USA.

Apple wird seinen Benutzern also keinen Aufpreis für einen Dienst berechnen, den sie gar nicht erst nutzen werden. 5G ist in der Theorie ganz nett und es spricht einiges für die Zukunftssicherheit, aber die Hersteller von Android-Smartphones zocken ihre Kunden im Grunde genommen ab, indem sie eine Funktion hinzufügen, die die Anwender nicht brauchen, nicht wirklich nutzen werden und vielleicht nicht einmal wollen. Wenn das 5G-iPhone zum gleichen Preis wie das 4G-iPhone auf den Markt kommt, werden das S20, OnePlus 8 Pro und jedes andere 5G-Android-Smartphone, das bis dahin auf den Markt kommt, noch überteuert erscheinen.

Qualcomms Dual-Chips mit doppelten Boden

Es mag den Anschein haben, dass Samsung und OnePlus ihre treuesten Kunden ausnutzen, aber die Preise für ihre 5G-Smartphones sind nicht allein ihre Schuld. Die Android-Smartphones der Spitzenklasse verwenden alle den neuesten High-End-Prozessor Snapdragon von Qualcomm und der diesjährige Preis des Chips 865 ist laut den Smartphone-Herstellern in den Himmel geschossen.

Auf die Frage, warum im Poco X2 ein Snapdragon 730G-Chip statt des Snapdragon 865 verwendet wurde, a ntwortete General Manager Manmohan Chandolu : "Im Moment sind mobile Prozessoren, alle mobilen Prozessoren der 800er-Serie, extrem teuer. Und [der Snapdragon 865] mit 5G-Modem ist einfach viel teurer." Und es gibt einen Haken. Der 865 ist zwar ein Chip der 5G-Generation, aber zum ersten Mal seit dem Snapdragon 810 im Jahr 2015 ist darin kein Modem integriert. Darüber hinaus hat Qualcomm dafür gesorgt, dass die beiden Teile – das Snapdragon 865 und das neueste x55 5G-Modem – zusammen gekauft werden müssen, auch wenn der Hersteller nur den mobilen Prozessor benötigt, weil er (noch) ein 4G-Smartphone baut.

Neben dem inhärent höheren Preis gibt es auch zusätzliche technische Kosten. Externe Modems benötigen mehr Platz für die richtige Wärmeableitung, um ordnungsgemäß zu funktionieren, auch wenn sie nicht an 5G-Netzwerke angeschlossen sind, sodass die Smartphones automatisch größer werden. Und da externe Modems weniger stromsparend sind als integrierte Modems, müssen interne Teile komplett umgerüstet werden, um Platz dafür zu schaffen. Wenn man all das zusammenzählt, erhält man ein Smartphone, dessen interner Aufbau wesentlich teurer ist.

Das iPhone 12 wird dieses Problem nicht haben. Zum einen stellt Apple sein eigenes SoC (System-on-a-Chip) her, sodass es nicht auf den Snapdragon von Qualcomm angewiesen ist. Zum anderen baut Apple seit Jahren iPhones mit externen Modems und kennt daher den Strom- und Wärmebedarf sehr genau. Selbst wenn das x55 5G-Modem mehr kostet als das Intel XMM7660 im iPhone 11, wird es nicht annähernd an den exorbitanten Anstieg heranreichen, den die Hersteller von Android-Smartphones verzeichnen.

Apple kann den 5G-Preiszuwachs leichter wegstecken als die Hersteller von Android-Smartphones und 5G für alle iPhone-Modelle gleichzeitig liefern, ohne den Preis zu erhöhen oder auf Pro-Modelle zu reduzieren. Es ist eine Strategie der Geduld und der Kontrolle der ganzen Lieferkette, die dem iPhone seit Langem gut gedient hat, aber sie könnte Apple mit 5G einen noch größeren Vorteil verschaffen.

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