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Warum Apple neue Funktionen im Februar ausrollt

13.02.2020 | 10:42 Uhr |

Der Sommer gilt eigentlich als die produktivste Zeit für neue iOS- und macOS-Funktionen: im Juni WWDC, im September – die iPhone-Keynote.

Es hat sich schon eingependelt, dass Apple in einem jährlichen Zyklus neue Betriebssystemfunktionen vorstellt. Die Entwickler kündigen sie im Juni an, liefern sie im September oder Oktober aus und verbringen den Rest des Herbstes und des Frühjahrs damit, Fehler zu beheben und die Funktionen hinzuzufügen, die nicht rechtzeitig fertiggestellt wurden.

Aber diesen Monat hat Apple neue Vorabversionen seiner Betriebssysteme herausgebracht, die mehr als nur Fehlerbehebungen und Einlösung der Versprechen vom letzten Juni sind. (Obwohl es immer noch schön zu sehen ist, dass die Ordnerfreigabe endlich auf iCloud Drive zu kommen scheint).

Ich habe nichts gegen überraschende Spätsommergeschenke von Apple, aber ich muss die offensichtliche Frage stellen: Warum ausgerechnet jetzt?

Auf dem Weg zu einem einheitlichen App Store

Als Apple Mac-Catalyst ankündigte, die Technologie, die es den Entwicklern von iPad-Apps erleichtert, diese Apps auf das macOS zu bringen, gab es eine Beschränkung, die vielen Entwicklern nicht bewusst war: Mac-Catalyst-Apps konnten nicht an ihre iOS-Äquivalente im App Store angehängt werden.

Für einige Anwendungen ist das keine große Sache. Viele Entwickler verlassen sich auf separate Verkäufe an Mac und iOS, um mehr Einnahmen zu erzielen (und gleichzeitig die einzelnen Preise niedriger zu halten). Das Problem ist, wenn Entwickler Mac- und iOS-Versionen jedem anbieten wollen, der die Anwendung gekauft hat, oder Upgrades über In-App-Käufe einbauen oder die Nutzung per Abo erlauben wollen. Für diese Funktionen müssen die Mac- und iOS-Apps dieselbe App-ID verwenden – und Apple hat dies nicht erlaubt.

Schon bevor es Mac-Catalyst gab, war dies ein Problem für App-Entwickler. Aber Mac-Catalyst schien diese Verbindung zu benötigen – und Apple hat es nicht geschafft, sie zu liefern. Es sah so aus, als könnten die Entwickler ihre Apps frühestens im Herbst 2020 miteinander verbinden. Einige Entwickler legten ihre Mac-Catalyst-Entwicklungspläne auf Eis und gingen zu anderen Themen über.

Anscheinend hat Apple den Aufschrei zumindest einiger Entwickler gehört, denn die neuesten Beta-Versionen erlauben es jeder Mac-Anwendung – nicht nur Catalyst-Programmen – ihre Anwendungs-ID mit einem iOS-Äquivalent zu teilen. Und Apple hat den Entwicklern gesagt, dass sie damit rechnen können, dass diese Funktion im März in den öffentlichen App Store kommt.

Warum also jetzt? Meine Vermutung ist, dass Apple von einigen großen Entwicklern gehört hat, dass die fehlende Kontinuität beim Kauf von Anwendungen ein Stolperstein für sie war. Apple stellt sein Geschäftsmodell darauf um, seine Service-Umsätze zu erhöhen – und der Kauf von Apps und Abonnements sind Einnahmen aus Dienstleistungen. Außerdem scheint dies ebenso eine politische wie eine technische Entscheidung zu sein, die relativ wenig Entwicklungsarbeit in Bezug auf Apps und Back-End-Systeme erfordert.

Vermutlich hat jemand bei Apple nachgerechnet und erkannt, dass dies keine Änderung ist, die bis zum Herbst dieses Jahres warten muss. Wahrscheinlich werden dadurch auch viele unangenehme Gespräche bis zum WWDC im Juni vermieden. Entwickler, die diese Funktion nicht wollen, können sie ignorieren – aber viele Entwickler werden sich freuen, sie endlich zu implementieren.

Das iPad-Tastatur-Rätsel

Hier ist eine weitere große Überraschung in den Veröffentlichungen dieses Monats: Eine ganze Reihe von Tastatur-bezogenen Funktionen für das iPad. Man sollte meinen, dass Apple versuchen würde, iPad-spezifische Funktionen zu bündeln, um diese Neuerungen mit iPadOS 14 vorzustellen, aber das ist hier nicht geschehen.

Apple hat den Entwicklern direkten Zugriff auf die Steuerung jeder Taste auf der Tastatur gegeben. Das gibt es auf dem Mac natürlich schon ewig, aber iPad-Apps waren nicht in der Lage, das Verhalten einfach zu ändern, je nachdem, ob eine bestimmte Taste gedrückt war oder nicht. (Denken Sie daran, das Verhalten zu ändern, wenn Sie die Optionstaste gedrückt halten und auf den Bildschirm tippen). Spielentwickler haben sich insbesondere über die Einschränkungen der iPad-Tastatursteuerung beschwert.

Plötzlich, nach jahrelangen Beschwerden, gibt es Mitte Februar eine Beta-Version, die Zugang zu Tastatursteuerung gewährt. Was könnte das bedeuten?

Es gibt mehr Anzeichen dafür, dass sich etwas anbahnt. Die neue iPadOS-Beta-Version fügt auch eine Reihe neuer Tastatureinstellungen hinzu. Zum ersten Mal können Sie Modifikationstasten global neu zuordnen. Wenn Sie eine Tastatur, die für Windows entwickelt wurde, an einen Mac anschließen, können Sie in den Systemeinstellungen die Positionen der Befehls- und Optionstasten umdrehen – aber das war auf dem iPad bis zur letzten Beta nie eine Option. Benutzer der iPadOS 13.4-Beta-Version können die Tasten Caps Lock, Control, Option, Command und Tasturumschaltung (Weltkugel-Icon) auf andere Funktionen umstellen. (Ich drücke immer versehentlich das Weltkugel-Icon, wenn ich die Smart Keyboard benutze).

Also... das sind eine Menge Tastatur-bezogener Funktionen, finden Sie nicht? Als jemand, der viel auf meinem iPad mit externen Tastaturen schreibt, bin ich froh, das zu sehen. Aber nochmals, hier ist die Frage: Warum gerade jetzt? Warum nicht in diesem Herbst in iPadOS 14?

Die Antwort muss ein neues iPad Pro sein, bei dem der Schwerpunkt auf der Tastatur liegt. Es kursieren Gerüchte, dass Apple bald neue iPad-Pro-Modelle und damit eine neue Version der Smart Keyboard ankündigen wird. Diese Software-Änderungen ermöglichen es Apple, im Rahmen der Produkteinführung eine umfassendere Geschichte über die allgemeine Tastaturfreundlichkeit des iPad Pro zu erzählen.

Mir gefällt der Gedanke, dass Apple zwischen der Bereinigung der letzten großen Version von iOS und macOS und der Vorbereitung auf die WWDC und die nächste große Version ein wenig Zeit benötigt hat, um einige Funktionen einzuführen, die nicht bis zum Herbst warten müssen. Mir gefällt das sehr gut. So sehr, dass ich denke, dass Apple diese Version zur Mitte des Zyklus in seine Entwicklungspläne von nun an einbauen sollte.

Eine Software-Veröffentlichung im Winter gibt Apple die Möglichkeit, Probleme zu lösen, die nach der Veröffentlichung der großen Betriebssystemversionen auftreten. Sie lässt Funktionen, die nicht ein ganzes Jahr warten müssen, genügend Aufmerksamkeit seitens Nutzern und Entwicklern – bei der Fülle neuer Vorstellungen im Herbst können manche kleinere und dennoch nützliche Features schlicht untergehen. Sie ermöglicht es Apple sogar, Funktionen zu priorisieren, die für die Produkte im Frühjahr bestimmt sind.

Ich bin schon auf den nächsten Winter 2021 gespannt.

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