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Warum das Macbook Air das Ende der konfigurierbaren Macs bedeuten könnte

16.11.2018 | 10:49 Uhr |

Apples Ansatz für iPads und iPhones kann die Art und Weise, wie wir in Zukunft für Macs einkaufen, dramatisch verändern.

In den letzten Monaten wurde viel über das mögliche Zusammenwachsen der Software geschrieben, die auf dem Mac und dem iPad läuft. 2019 wird ein spannende Jahr in dieser Hinsicht, denn Apples Geräte rücken näher zusammen als je zuvor.

Aber während der Fokus auf dem reibungslosen Zusammenwirken der Plattformen von Apple in erster Linie auf der Software (iOS-Apps, die auf dem Mac laufen) und der Hardware (das Potenzial zukünftiger Macs mit von Apple entwickelten ARM-Prozessoren) lag, brachte mich das neue Macbook Air dazu, über einen anderen Aspekt nachzudenken: Apples Strategie mit iPads und iPhones könnte in Zukunft möglicherweise drastisch verändern, wie wir Macs kaufen.

Solange es schwarz ist

Das Basismodell des neuen Macbook Air kostet 1.349 Euro und kommt mit einem 1,6 GHz Dual-Core Core i5 Prozessor mit Turbo Boost bis zu 3,6 GHz. Wenn Sie beim Kauf alle Build-to-order-Optionen ausreizen Spezifikationen ausschöpfen, werden Sie 3.089 Euro zahlen – und dafür den gleichen 1,6-GHz-Prozessor bekommen. Apple lässt Sie den Speicher (auf 1,5 TB) und RAM (auf 16 GB) erweitern, aber der Prozessor, den Sie erhalten, ist nun mal der Prozessor, den Sie erhalten.

Bei jedem anderen Mac-Modell in Apples Angebot - selbst beim 12-Zoll-Macbook! - können Sie aus verschiedenen Prozessoroptionen wählen. (Okay, beim Basismodell des 21,5-Zoll-Non-Retina-iMacs können Sie das auch nicht, aber es gibt andere 21,5-Zoll-IMacs.) Im Gegensatz dazu verkauft Apple keine verschiedenen Versionen desselben Produkts mit unterschiedlichen Prozessoren an anderer Stelle in seiner Produktlinie. Das neue iPad Pro kommt in einer einzigen Prozessoroption, dem A12X. Das iPhone XR und XS werden vom A12 betrieben. Das ist es.

Das bringt mich ins Grübeln: Das sieht doch sehr nach der Zukunft des Mac aus, zumindest bei den Consumergeräten. Für das neue Macbook Air hat Apple einen Prozessor genommen und ist dabei geblieben. Wäre einer von uns überrascht, wenn es bei einem zukünftigen Update des Macbook genauso ablaufen würde? Oder bei den nächsten Low-End iMacs?

Wenn Apple vielleicht bald schon Macs mit ARM-Prozessoren baut, wird es dann verschiedene Klassen von Prozessoren innerhalb dieser Modelle anbieten wollen? Unter iOS hat sich Apple entschieden geweigert, dies zu tun. Jeder Jahrgang eines bestimmten Modells wird im Allgemeinen vom gleichen Prozessor angetrieben.

Es ist zwar durchaus denkbar, dass Apple neue Macs mit ARM-Prozessor einführt und die Auswahl von unterschiedlichen Taktfrequenzen oder Anzahl der Kerne ermöglicht - aber selbst dann fällt mir die Vorstellung schwer, dass Apple es Kunden bei der Bestellung erlaubt, zu konfigurieren, welcher Prozessor in welchen Mac passt. Es scheint wahrscheinlicher, dass Apple die richtige Prozessorkonfiguration für ein Modell anbietet - und wenn Sie einen leistungsfähigeren Prozessor wünschen, müssen sie das nächst höhere Modell kaufen.

Es ist eine offene Frage, wie Apple dies für professionelle Macs angehen wird. Solange Intel der Chiplieferant von Apple ist und Intel eine Vielzahl verschiedener kompatibler Chips anbietet, wird Apple mit ziemlicher Sicherheit weiterhin die Wahl bleiben. Aber in dem Moment, in dem ARM ins Spiel kommt, verläuft die Sache anders.

Welche Möglichkeiten gibt es noch?

Auf der iOS-Seite erhalten die Käufer sehr begrenzte Möglichkeiten zur Anpassung ihres Geräts. Die Hauptunterscheidungsmerkmale sind Speicher und Bildschirmgröße. (Abgesehen von der Bildschirmgröße sind die beiden iPhone XS-Modelle und zwei iPad Pro-Modelle identisch.) Auf dem iPad können Sie auch gegen eine zusätzliche Gebühr einen Mobilfunkchip hinzufügen. Ich wäre begeistert, würde Apple mit dem Umstieg auf ARM auch ein Mobilfunk fähiges Macbook brächte, darauf spekuliere ich aber nicht.

Der RAM auf iOS-Geräten ist in einigen Fällen unterschiedlich - die neuen iPad Pro-Modelle haben 6 GB RAM statt 4 GB, wenn Sie sie mit 1 TB Speicher bestellen. Aber Apple spricht nicht darüber und vermarktet das nicht, und wenn man die Seiten von Experten nicht liest, würde man davon nie erfahren. Wie beim Prozessor könnte auch die Konfigurationsoption für den RAM verschwinden, wenn Apple den Wechsel zu ARM vollzieht. Stattdessen würde Apple eine RAM-Konfiguration auswählen, die für ein bestimmtes Produkt optimal wäre.

Wie sieht dann Mac-Kauf aus, wenn Sie nur wählen können, wie viel Speicherplatz und wie groß Ihr Display ist? Sehr ähnlich wie der eines iPad. Das ist nicht unbedingt eine schlechte Sache, besonders wenn man bedenkt, dass Apple derzeit sechs verschiedene Laptopmodelle herstellt. Selbst wenn es diese Zahl ein wenig reduziert, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Unternehmen Wahlmöglichkeiten anbieten wird. Selbst wenn das Macbook Pro mit einem ARM-Prozessor ausgestattet wäre, würde ich mir vorstellen, dass Apple bei der heutigen Strategie bleibe - nämlich ein paar verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Featiures zu verschiedenen Preisen anzubieten. Möglicherweise können Sie in einem zukünftigen ARM-Macbook-Pro keinen schnelleren Prozessor konfigurieren, aber Apple kann einfach ein flotteres Modell zu einem höheren Preis anbieten.

Weist die Einzelprozessoroption des Macbook Air also auf die Zukunft des Mac? Ich bin mir nicht einmal sicher, ob sich  Apple bereits dafür entschieden hat oder noch überlegt - schließlich fühlt es sich so an, als hätte Apple vor ein oder zwei Jahren nicht einmal im Traum daran gedacht, das Macbook Air zurückzubringen. Aber wenn ich raten müsste, würde ich voraussagen, dass die Tage der Konfiguration des gewünschten Prozessors in Ihrem neuen Mac gezählt sind.

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