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Warum die geplante Obsoleszenz des iPhones eine Mär ist

16.09.2019 | 12:00 Uhr |

Warum die Unterstellung geplanter Obsoleszenz Quatsch ist: Apple profitiert stark davon, wenn iPhones länger halten.

Es mag kontraintuitiv erscheinen, dass Apple die Lebensdauer seiner iPhones verlängert, aber es ist alles Teil eines klugen Plans des Unternehmens.

Zyniker könnten argumentieren, dass eine Verlängerung der Lebensdauer seiner Smartphones den Interessen von Apple zuwiderläuft. Denn je früher das iPhone kaputtgeht, desto eher müssen Kunden das Geld für ein neues aufbringen. Seit Jahren wuchern die Verschwörungstheorien der "geplanten Obsoleszenz", voll von Anekdoten über den Ausfall von iPhones, die just dann den Geist aufgeben, wenn die Garantie abgelaufen ist.

Aber diese Geschichten stehen im Widerspruch zur Realität. Würden Sie etwa, wenn Ihr teures neues Telefon nach einem Jahr kaputtgeht, wirklich sofort durch ein anderes Telefon desselben unzuverlässigen Herstellers ersetzen?

Noch wichtiger ist, dass Apple bewiesen hat, dass es sich dem Ziel verschrieben hat, die bestmögliche Lebensdauer seiner Smartphones zu erreichen, wie beispielsweise mit dem letztjährigen iOS-12-Update, das eine bessere Leistung auf älteren Geräten verspricht. Und mit dem iPhone 11 und 11 Pro setzt das Unternehmen in diesem Jahr den Trend fort und bietet eine Reihe von Features, die sie länger denn je zuverlässig arbeiten lassen sollen.

Schwachpunkt Batterie mit optimiertem Laden adressiert

Akkus werden im Lauf der Zeit immer schlechter, das hat physikalische Gründe. Die Batterie ist in der Regel auch die erste Komponente eines Smartphones, die in der Performance nachlässt, was unbequem ist, da ein iPhone ohne Batterie ziemlich nutzlos ist. ( Und der Austausch des Akkus kompliziert und/oder teuer sein kann, Anm. d. Red .)

Optimiertes Laden der Batterie in iOS 13 hilft, die Degradierung der Batterie Ihres iPhones zu verlangsamen.
Vergrößern Optimiertes Laden der Batterie in iOS 13 hilft, die Degradierung der Batterie Ihres iPhones zu verlangsamen.
© Macworld

Aber Apple hat viel getan, um den iPhones die  bestmögliche Akkulebensdauer zu verleihen. Das ist in der Vergangenheit nicht immer gut gelaufen: Die Drosselung der CPU-Performance bei schwächer werdendem Akku hatte Apple eingeführt , ohne seine Kunden darüber vorab zu informieren und erst zu einem späteren Zeitpunkt die Einstellung "Batteriegesundheit" dem System hinzugefügt . Aber das hat Apple nicht davon abgehalten, weitere Maßnahmen zu entwickeln, um die Akkus so lange und so gesund wie möglich zu halten. iOS 13 zum Beispiel fügt eine optimierte Akkuladefunktion hinzu, die maschinelles Lernen verwendet, um Ihre Akkuladegewohnheiten zu studieren und theoretisch zu verhindern, dass sich Ihr Akku während der Lebensdauer Ihres Telefons verschlechtert.

Ebenso warb Apple für die Batterieverbesserungen sowohl beim iPhone 11 als auch speziell bei den iPhone 11 Pro, dank Fortschritten wie einem effizienteren Display in den Pro-Modellen und einem von Apple eigens entwickelten Power-Management-Chip. Eine längere Akkulebensdauer hat nicht nur kurzfristig Vorteile, sondern trägt auch dazu bei, dass dann, wenn die unvermeidliche Degeneration einsetzt, die Batterie noch mehr Leben in sich hat, als es sonst der Fall wäre.

Hart im Nehmen

Apple widmete einige Zeit auf der diesjährigen iPhone-Keynote einem weiteren lebensverlängernden Feature: der Haltbarkeit. Das ist sinnvoll: Neben dem Absterben der Batterien ist ein weiterer häufiger Grund, warum Menschen ihre iPhones ersetzen (oder reparieren) müssen, der physische Schaden. Natürlich gibt es einige Herausforderungen, die dem Design von Smartphones innewohnen: Glas zum Beispiel ist anfällig für Risse, aber wenn man es gegen Kunststoff austauscht – was nicht so leicht bricht – bedeutet das, dass man die Geräte dem Risiko aussetzt, dass sie viel leichter zerkratzt werden, was wohl schlimmer ist.

Apple sagt, dass seine neuen Telefone das robusteste Glas bisher verwenden
Vergrößern Apple sagt, dass seine neuen Telefone das robusteste Glas bisher verwenden
© Apple

Wie Apple erklärt, bieten das iPhone 11 und 11 Pro das "härteste Glas in jedem Smartphone" auf Vorder- und Rückseite an, auch dank einer Technologie namens "Dualer Ionenaustausch". Corning, der Hersteller von Gorilla Glass, erklärt die Wissenschaft hinter dieser Technologie , aber das Ergebnis sind weniger defekte Bildschirme und damit länger haltende Smartphones.

Apple beschrieb ebenfalls Verbesserungen der Wasser- und Staubbeständigkeit, wobei das iPhone 11 Pro sich so weit steigert, dass es in der Lage ist, unter Wasser in einer Entfernung von vier Metern für 30 Minuten zu überleben (Das Unternehmen hat auch ausdrücklich die Beständigkeit gegen andere Flüssigkeiten, einschließlich Soft-Drinks und Tee, genannt, die für Smartphones aufgrund zusätzlicher Inhaltsstoffe wie Zucker noch schädlicher sein können). Ich würde darauf wetten, dass die Gefahr eines ins Wasser fallenden iPhones wahrscheinlich an zweiter Stelle hinter gesprungenen Bildschirmen steht, die Bekämpfung beider Fronten ist ein kluger Schachzug von Apple.

Apple Care

Zurück zu meinem Punkt oben: Es ist nicht nur zynisch zu denken, dass Apple seine Smartphones so gestaltet, dass sie nach gegebener Zeit kaputtgehen, sondern das wäre auch kurzsichtig. Wenn es eine Sache gibt, die Apple gezeigt hat, dann ist es, dass es Smartphones in einer Vielzahl von Preiskategorien anbieten will, vom iPhone 8 bis zum iPhone 11 Pro Max.

Aber einer dieser Preispunkte liegt auch bei null Euro: Die Kosten für den Erhalt Ihres alten iPhones. Und daraus zieht Apple immer noch Vorteile, denn es bedeutet, dass die Benutzer Kunden bleiben, die für all diese Zusatzdienste wie Apple Music und Apple TV+ bezahlen, den App Store nutzen und die Garantieverlängerung Apple Care buchen – die es jetzt auch als Monatsabonnement gibt, das scheinbar unbegrenzt laufen kann.

Und wenn für diese Benutzer an der Zeit ist, ihre Hardware doch zu aktualisieren, wird ihr iPhone länger durchgehalten haben – Apple erwähnt auf seiner Marketingseite zum iPhone 11 Pro sogar ausdrücklich, wie gut iPhones ihren Wert erhalten. Das bedeutet entweder eine Chance für Apple, in Zahlung gegebene Geräte als runderneuert (refurbished) weiter zu verkaufen, oder für Benutzer, das iPhone selbst weiter zu verkaufen ( und dabei womöglich einen höheren Preis zu erzielen, Anm. d. Red. ) – was bedeutet, dass Apple einen neuen Kunden für all die oben genannten Dienstleistungen gewinnt. Ein totes iPhone hingegen bringt Apple nichts, außer vielleicht einem unzufriedenen Kunden. Es scheint doch selbstverständlich zu sein.

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