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Warum ich das 12-Zoll-Macbook vermissen werde

10.07.2019 | 13:03 Uhr | Peter Müller

Apple hat ein 2015 vorgestelltes und in den beiden Folgejahren aktualisiertes Produkt aussortiert, weil seine Zeit gekommen ist. Unser Macworld-Kollege Leif Johnson bedauert dies. Hier sein Abgesang.

Apple hat das veraltete 12-Zoll-Macbook offiziell aus dem Angebot genommen und ich suhle mich in Trauer. Das Laptop war sicherlich nicht für jeden geeignet, aber es war das perfekte Macbook für mich und Leute wie mich – namentlich Autoren ohne Auto, die auf ein Laptop schnell zugreifen wollen, um innerhalb kürzester Zeit Texte zu erstellen oder zu bearbeiten, egal, wo sie sich aufhalten. Ich wartete für einen Neukauf auf ein neues Modell, am besten mit den membrangepolsterten Tastaturen, die wir in den neuesten Macbooks finden. Aber jetzt muss ich mich mit einem 2017er-Modell mit dem besten Prozessor aus dem Restbestand begnügen, um noch so viel Nutzen wie möglich aus dem Gerät zu ziehen.

Das 12-Zoll-Macbook war nicht das passen Gerät für Videobearbeiter oder Fotografen – schon gleich gar nicht für Zocker. Aber es war das Macbook für diejenigen unter uns, die Portabilität über alles andere schätzen. Mit einem Gewicht von nur einem Kilogramm und einem Profil, das schlanker war als das einiger Pads, verschwand es praktisch in meiner Tasche. (Ich hatte manchmal Angst, dass ich es versehentlich zu Hause gelassen hätte.) Selbst das nur etwas größere Gewicht und die kaum größeren Ausmaße des neuen Macbook Air reichen aus, um mich auf dessen Anwesenheit in meiner Tasche aufmerksam zu machen, und das macht einen Unterschied, wenn man wie ich nachmittags einen Laptop (und anderen Müll) die steilen Hügel von San Francisco hinauf schleppt. Ich nahm mein 12-Zoll-Macbook zu Gelegenheiten mit, zu denen ich sonst einen Laptop zu Hause gelassen hätte und ich war immer froh, dass ich es dabei hatte.

Das schlanke Profil erforderte einige Opfer, aber ich fand diese nie so ärgerlich, wie einige Leute sich das vorgestellt hatten. Nehmen Sie den einzelnen USB-C-Anschluss an der Seite. Theoretisch war es ein Ärgernis, da man den gleichen Anschluss zum Laden und für alle Peripheriegeräte, Adapter oder zum Anschließen an einen externen Monitor verwenden musste. Wenn Sie z.B. Dateien von einer SD-Karte herunterladen wollten, konnten Sie das Macbook nicht mehr weiter aufladen.

Ich bin immer verwirrt von der Tatsache, dass es so schwer ist, einen USB-C-Hub zu finden, der andere USB-C-Ports hat.
Vergrößern Ich bin immer verwirrt von der Tatsache, dass es so schwer ist, einen USB-C-Hub zu finden, der andere USB-C-Ports hat.
© Roman Loyola, IDG

In der Praxis war dies selten ein Problem. Wiederum benutzte ich es hauptsächlich zum Schreiben – und ich sollte sagen, ich habe leistungsfähigere Maschinen, wenn eben mehr Leistung benötige –, so dass es ohnehin nicht viel Grund gab, etwas anderes anzuschließen. Normalerweise trage ich Apples ultraflache Magic Mouse 2 mit sich, so dass ich nicht einmal eine Maus per Kabel anschließen musste. Und ohne die zusätzliche Rechenleistung anderer Macbook-Modelle schien die Batterie ewig zu halten, so dass ich mein Cinema Display über einen halben Tag lang als Zweit-Monitor im Büro aufbewahren konnte, ohne mir Sorgen um die leere Batterie zu machen. (Selbst mit dieser geringeren Leistung könnte das Macbook 2017 erträglich mit "World of Warcraft" umgehen.) Mir gefiel, dass es einen Großteil der Erfahrungen lieferte, die Menschen mit Chromebooks verbinden, aber mit dem Komfort und der Vielseitigkeit einer Vollversion von macOS.

An dieser Stelle könnte ich von den Lesern ein wenig Gegenwind bekommen: Es war das einzige Modell des Macbook, bei dem ich die von vielen so kritisierte Schmetterlingstastatur von Apple wirklich liebte (abgesehen von ihrem lauten Klappern beim Tippen), da die leichte Neigung der Tastatur und das beinahe mit dem Tisch verschmelzende dünne Gehäuse des Macbook perfekt zum Design zu passen schienen. Die Tasten waren für meine Finger perfekt angeordnet, und sogar die Handflächenauflagen und das Trackpad waren angenehmer dimensioniert als das, was wir in Apples größeren Laptops finden. Das machte es für mich zu einem perfekten Schreibgerät. Verdammt, ich liebte es sogar, dass es keine Touch Bar hat, die unwichtigste der jüngsten "Innovationen" von Apple.


Ich hoffe, dass wir eines Tages wieder so etwas wie das dahin geschiedene Macbook sehen werden, denn kein aktuelles Apple-Laptop erfüllt diese Rolle so gut. Sowohl das 13-Zoll- als auch das 15-Zoll-MacBook Pros sind leistungsfähige Geräte, die sich aber bei längerem Tragen lästig anfühlen. Das neue Macbook Air hat einen zusätzlichen Anschluss, eine verbesserte Tastatur und sogar eine Touch ID, aber wie gesagt, es ist immer noch groß genug, um sich wie eine kleine Last anzufühlen. Der Rest der Macbooks von Apple wirkt wie Maschinen der Desktop-Klasse, die so konzipiert sind, dass sie leicht zu bewegen sind, während das bescheidene Macbook für den Einsatz auf der Straße gemacht wurde. Es war ein minimalistischer Rechner eines Unternehmens, das für sein minimalistisches Design bekannt ist, und ich möchte sogar sagen, dass das Weglassen alles Schnickschnacks mir geholfen hat, eine klare Fokussierung zu erreichen, die ich mit den größeren Brüdern des Macbook nicht erreichen kann.

Man könnte  argumentieren, dass Apple diese Philosophie nicht ganz aufgegeben hat, denn ich glaube, Apple möchte, dass diejenigen von uns, die diese Art von Erfahrung bevorzugen, nun zum iPad wechseln. Zu diesem Zweck führt das kommende iPadOS 13 eine Vielzahl von Änderungen ein, die Apples Tablet eher wie einen Mac funktionieren lassen, bis hin zu einer besseren Dateiverwaltung, verbessertem Multitasking und der Möglichkeit, alle Peripheriegeräte über den einzelnen Port anzuschließen. Wie das Macbook sind auch die bloßen iPads so schlank und leicht, dass man sie in der Tasche kaum bemerken wird. Apple weist uns nicht nur mit der Nase in diese Richtung – mit dem Ende des Macbooks fühlt es sich wie ein gewaltiger Schubs an.

Aber ich bleibe dabei: Das iPad ist kein Macbook. Es ist viel besser für komplexe Aufgaben geeignet als früher, aber es fehlt immer noch die Art von unkomplizierter Viel-Fenster-Unterstützung, die wir auf dem Mac haben und die neue Mausunterstützung hat einen beträchtlichen Nachteil . Das Schreiben mit einer Tastatur auf einem iPad erfordert die Anschaffung einer Tastaturhülle, und sobald sie angebracht ist, sieht man das iPad in ein Gerät verwandelt, das technisch komplexer ist als das Macbook je war. Selten gibt eine Tastaturhülle ein so komfortables Tippgefühl, wie man es von einem echten Macbook gewohnt ist. (Aber, hey, zumindest sind sie leiser.)

Apple hatte für das 12-Zoll-Macbook groß geplant, wie der eigenständige Name schon sagt: Es sollte für die meisten Menschen das perfekte Macbook sein. Wie sich herausstellte, war es nur wirklich perfekt für Autoren, die unterwegs waren – und dann bevorzugten sogar einige von uns andere Optionen. Auf irgendeiner Ebene ist sein Verschwinden eine gute Nachricht, da Apples Produktlinie allmählich wieder unübersichtlich wurde, besonders angesichts der Gerüchte, dass ein 16-Zoll-Macbook-Pro später in diesem Jahr fallen wird. Ich mache mir keine Illusionen, dass es ein beliebtes Gerät war.

Tatsache ist jedoch, dass kein anderes Macbook mir genau das gibt, was ich will. Sobald ich mein neues Macbook habe, werde ich wie eine dieser Personen sein, die sich jahrelang an die Vor-Schmetterling Macbooks Pro gehalten haben, aus leisem Protest und einer Vorliebe für die altbewährten Wege. Und im Moment kann ich sie gut verstehen.

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