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Warum kann Apple keine guten Mäuse bauen?

07.03.2020 | 13:25 Uhr |

Das Unternehmen, das die besten Trackpads der Welt herstellt, hat seit über 20 Jahren keine brauchbare Maus mehr gebracht.

Der ursprüngliche Macintosh war nicht der erste Computer für Endverbraucher, der mit einer Maus arbeitete, aber er war wahrscheinlich der erste populäre Computer, der mit einer Maus ausgeliefert wurde, da das Bedienkonzept vor allem darauf aufbaute. Die Apple-Maus des Macintosh von 1984, war die erste, die das Konzept der mausgesteuerten Computer wirklich populär machte.

Auch heute bedient man Mainstream-Computer mit den damals neuen Paradigmen des Zeigen und Klickens. Aber warum hat dann Apple – ein Unternehmen, das für seine Aufmerksamkeit für die Benutzerfreundlichkeit bekannt ist – seit über 20 Jahren nur  schreckliche Mäuse hergestellt?

Wie alles begann

Für das Jahr 1984 war die originale Apple-Maus gar nicht so schlecht.
Vergrößern Für das Jahr 1984 war die originale Apple-Maus gar nicht so schlecht.
© All about Apple

Der originale Macintosh kam mit der ersten Apple-Maus. Sie war kastenförmig mit abgeschrägten Kanten, die irgendwie wie der Macintosh aussahen, und hatte einen einzigen riesigen Knopf – die Tage der Mehrtastenmäuse waren noch Jahre entfernt. Nach heutigen Maßstäben war sie keine großartige Maus, aber alle Mäuse von damals waren schlecht. Sie benutzten Kugelmechanismen, in den sich Staub verfing und nicht gut in die Hand passten. Die Macintosh-Maus war nicht großartig, aber sie war mindestens genauso gut wie jede andere Maus.

Die ADB-Maus

Die erste ADB-Maus war eine ergonomische Verbesserung, wobei das blockige Design dem der damaligen Computer entsprach.
Vergrößern Die erste ADB-Maus war eine ergonomische Verbesserung, wobei das blockige Design dem der damaligen Computer entsprach.
© Christopher Phin

Mit der Umstellung auf den Apple Desktop Bus (ADB) verfeinerte Apple seine Maus. Sie war immer noch kastenförmig, aber das "dicke Ende" rückte nach hinten, und das Ganze war schlanker mit einer flacheren Taste. Dies war für die damalige Zeit eine rechtmäßig gute Maus mit einer hervorragenden Ergonomie. Sie kam zuerst mit dem Apple IIGS, später dann mit dem Mac.

Hier hätte Apple eine zweite Maustaste einführen sollen. Aus irgendeinem Grund würde die Abneigung von Apple, mehr als eine Maustaste zu haben, das Design für lange Zeit bestimmen. Apple verwechselt zusätzliche Tasten häufig mit zusätzlicher Komplexität, aber der Sekundärklick mit Halten der Control-Taste oder langes Klicken ist nicht einfacher und intuitiver als das Klicken mit einer rechten Maustaste. Hätten wir einen Finger statt vier, wären unsere Hände vielleicht einfacher, aber unsere Interaktionen mit der Welt wären wahrscheinlich komplizierter.

Die tränenförmige ADB-Maus II

Dies ist vielleicht die ergonomischste Maus, die Apple je hergestellt hat.
Vergrößern Dies ist vielleicht die ergonomischste Maus, die Apple je hergestellt hat.
© Stephen Edmonds

Einige Jahre später aktualisierte Apple die ADB-Maus mit einer neuen Kunststoffschale, die ihr eine Tropfenform mit einer bauchigen Rückseite gab. Obwohl sie immer noch eine rechte Maustaste haben sollte, war dies der klare Höhepunkt des Apple-Maus-Designs. Es war die ergonomischste und am besten gestaltete Maus (für ihre Zeit), die Apple jemals produziert hat. Und man konnte sie sogar in einer fantastischen mattschwarzen Farbe bekommen! Leider wäre diese Maus, die 1993 zum ersten Mal herausgebracht wurde, die letzte, die Apple herstellt, der ich eine Note besser als eine 3- geben würde.

Der Eishockey-Puck

Man kann nur vermuten, dass Apple diese Maus ausgeliefert hat, ohne dass Steve Jobs gezwungen war, sie fünf Minuten lang zu benutzen.
Vergrößern Man kann nur vermuten, dass Apple diese Maus ausgeliefert hat, ohne dass Steve Jobs gezwungen war, sie fünf Minuten lang zu benutzen.
© Wikimedia

Apples erste USB-Maus war der Beginn einer Serie von schlechten Maus-Designs, die bis heute anhält. Und während die folgenden Mäuse schlecht waren, war keine so schlecht wie diese.

Der iMac war der Dreh- und Angelpunkt von Steve Jobs' glorreicher Rückkehr zu Apple, aber er wurde von einer Maus begleitet, die bis heute ganz oben auf jeder Liste schlechter Apple-Produkte steht.

Der vollkommen runde "Hockey-Puck" (wie er genannt wurde) ist der ultimative Ausdruck von Form über Funktion. Es war fast unmöglich, ihn gerade zu halten, was die Benutzer frustrierte, die den Mauszeiger immer etwas schräg zu der Richtung bewegten, in die sie ihn bewegen wollten. Außerdem passte er nicht in die Hand, und Benutzer, die gerne etwas heftiger Klicken stellten fest, dass es dabei das hintere Ende der Maus anhebt.

Die Pro Maus

Die Pro-Maus war schön und brauchbarer als der "Hockey-Puck", aber immer noch keine großartige Maus.
Vergrößern Die Pro-Maus war schön und brauchbarer als der "Hockey-Puck", aber immer noch keine großartige Maus.
© Wikimedia

Als er die Pro-Maus im Sommer 2000 vorstellte, betrat Steve Jobs die Bühne und zeigte ein Zitat aus der Presse, das runde USB-Maus zur "schlechtesten Maus aller Zeiten" erklärte. Er sagte dann: "Einige Leute denken, dass dies die schlechteste Maus der Welt ist, und wir würden das gerne ändern". Stellen Sie sich eine solche Offenheit bei Apple heute vor!

Apples erste optische Maus, die Pro Maus, war zumindest nicht rund, obwohl sie dem fragwürdigen Design-Motiv des Power Mac G4 Cube mit "transparentem Gehäuse" folgte. Sie ist hübsch, solange sie neu ist, aber schon in kurzer Zeit kann sie übel verkratzen.

Schlimmer noch, sie hatte ein lächerlich kurzes Kabel, das anfällig für Ausfälle war. Ergonomisch gesehen war sie etwas klein und passte somit weder zum Klauen- noch zum Handflächengriff.

Zu dieser Zeit benutzte der Rest der Computerwelt bereits Zwei-Tasten-Mäuse mit einem Scrollrad, und die Fans bestanden darauf, dass Apple diese Norm übernimmt. Apples Antwort war, alle Tasten zu entfernen und gewissermaßen eine Null-Tasten-Maus zu bauen, da man auf den gesamten Mauskörper drückt, um zu klicken.

Das ließ die Maus zwar gut aussehen, aber in der Praxis war es ein Schritt zurück hinsichtlich Benutzerfreundlichkeit. Die Möglichkeit, irgendwo auf die Maus zu klicken, ist nicht wirklich eine Funktion, die die Leute brauchen, und die Kraft, mit der der gesamte Mauskörper heruntergedrückt wird, hat den Mauszeiger oft ein wenig bewegt, sodass man das, worauf man klickt, verpasst hat. Es gab eine Funktion zur Anpassung der Klickkraft, aber die Unterschiede waren so schwer zu bemerken, dass Apple bei späteren Mäusen darauf verzichtete. Später hat Apple eine drahtlose Bluetooth-Version entwickelt, die sich von der Kabelversion nicht sehr unterschied.

Mighty Mouse

Diese kleine Kugel war schmerzhaft zu reinigen und zu klein, um sie präzise zu verwenden.
Vergrößern Diese kleine Kugel war schmerzhaft zu reinigen und zu klein, um sie präzise zu verwenden.
© Wikimedia

Der Nachfolger der Pro-Maus war die Mighty Mouse, eine weitere Maus aus einer Reihe von Mäusen, die anscheinend jemandem entworfen hatte, der sie nie wirklich benutzen musste.

Sie führte die attraktive, aber nicht ergonomische Form der Pro-Maus fort, fügte aber einen winzig kleinen Trackball an der Spitze hinzu. Apples Antwort auf das Scroll-Rad, das zu dieser Zeit bei jeder anderen Maus üblich war, war ein sehr kleiner Trackball, der in jede Richtung scrollen konnte, aber so winzig war, dass das Scrollen durch Webseiten oder lange Dokumente anstrengend wurde.

Die Mighty Mouse hatte seitliche Drucksensoren, die sich leicht versehentlich auslösen ließen, indem man die Maus einfach nur festhielt und bewegte, und anstelle von Tasten verfügte sie über linke und rechte kapazitive Berührungssensoren.

Diese Maus klickt nicht wirklich – es gibt nur skeuomorphistische Klickgeräusche aus einem Lautsprecher im Inneren. Das Fehlen jeglichen taktilen Empfindens lässt das "Klicken" ziemlich merkwürdig erscheinen. Und obwohl dies die erste Apple-Maus mit einer Rechtsklick-Funktion war (obwohl ihr Betriebssystem seit Ewigkeiten nützliche Kontroll-Klick-Menüs hatte), war es fast unmöglich, sie wirklich zu benutzen.

Die Maus klickte nur dann rechts, wenn im Bereich der linken Maustaste keine Berührung wahrgenommen wurde. Man musste also zuerst einen Finger heben und dann mit dem anderen Finger auf die rechte Seite der Maus tippen. Es macht einen irre, dass irgendjemand bei Apple das Gerät tatsächlich benutzt hat und das hat durchgehen lassen.

Magic Mouse

Sicher sehr hübsch anzusehen, aber schwer zu halten – und Gesten sind nutzlos.
Vergrößern Sicher sehr hübsch anzusehen, aber schwer zu halten – und Gesten sind nutzlos.
© Apple

Apples Magic Keyboad ist fantastisch – eine wahrhaft magische Tastatur. Aber die Magic Mouse – nicht so sehr. Wieder einmal hat Apple es verabscheut, die schöne Maus mit unbedeutenden Tasten zu stören. Apple hat den gesamten Klickbereich in eine Art Multi-Touch-Trackpad verwandelt.

Dies ermöglicht Links- und Rechtsklicks und Scrollen (obwohl die Standardkonfiguration einen Ein-Tasten-Modus vorsieht), zusammen mit Gesten, um Dinge wie Dashboard oder Expose aufrufen. Gesten klingen nach einer guten Idee, sind aber auf einer Maus unpraktisch. Es ist fast unmöglich, sie zu verwenden, ohne die Maus versehentlich zu bewegen. Auf einem stationären Trackpad die Zangengeste zu nutzen, ist in Ordnung, aber es ist einfach keine gute Interaktion auf einem Gerät, das mühelos über Ihren Schreibtisch gleitet.

Die symmetrische Form ist ansprechend, aber sie bietet ansonsten keine gute Ergonomie für eine Maus. Die Neigung von vorne nach hinten passt nicht zu den Konturen der Hand. Sie ist zu niedrig und flach für einen  Griff mit der gesamten Handfläche und hat nicht genügend vertikale Kanten, um einen bequemen krallenähnlichen Griff zu ermöglichen.

Apple hat die Magic Mouse ursprünglich mit austauschbaren Batterien gebracht, die zweite Version lädt man nun über den Lightning-Port auf. An sich eine gute Idee, wenn Apple nur nicht die Buchse an der Unterseite der Maus angebracht hätte, so dass man die Maus zum Aufladen auf die Seite oder nach hinten kippen muss, was die Maus unbrauchbar macht. Wenn Sie diesen Anschluss einfach an der Vorderkante anbringen würden, könnten Sie Ihre Maus wie eine herkömmliche kabelgebundene Maus verwenden, während sie aufgeladen wird.

Hat niemand bei Apple jemals andere drahtlose Mäuse verwendet?
Vergrößern Hat niemand bei Apple jemals andere drahtlose Mäuse verwendet?
© Leif Johnson / IDG

Aber von all dem abgesehen ist die grundlegende Erfahrung mit der Verwendung einer Magic Mouse nicht so gut wie die der meisten Mäuse von Drittanbietern. Verglichen mit der Reaktionsfähigkeit und Präzision, die die besten Mäuse bieten, fühlt sich Apples Zeigegerät geradezu träge an.

Wie Apple sein Mausproblem lösen könnte

Die Trackpads von Apple sind glatt, präzise, intuitiv und angenehm zu bedienen. Im Vergleich dazu haben Apples Mäuse zwei Jahrzehnte lang den begehrten Platz des "ersten Dings, das Sie auf Ihrem Mac ersetzen sollten" eingenommen. Wenn ich glauben würde, dass Apple sich überhaupt noch für Mäuse interessiert, würde ich mir vorstellen, dass das manchen Leuten in Cupertino  peinlich ist. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Apple seine erste große Maus seit 20 Jahren herstellen will, hier ein paar einfache Vorschläge.

Echte Knöpfe: Wir wünschen echte, physische Tasten, die sich bewegen und spürbar klicken. Nichts übertrifft das tatsächliche taktile Empfinden von beweglichen Teilen, die sich richtig bewegen und Widerstand bieten. Fragen Sie einfach Ihre Tastaturdesigner! Wir brauchen eine linke und eine rechte Taste. Ich habe mehr als einen Finger an meiner Hand.

Scrollrad: Apple hat nie eine Maus mit einem richtigen Scrollrad hergestellt, aber es gibt einen Grund, sich dem zu verweigern. Scrollen mit einem schönen, fetten Rad fühlt sich gut an, funktioniert in jeder Anwendung, ist intuitiv und verschiebt die Maus nicht wie bei den Touchgesten auf dem Schreibtisch. Erfinden Sie das Rad nicht neu, sondern stellen Sie einfach das beste verdammte Rad auf dem Markt her.

Passend für alle Hände: Links-/Rechts-Symmetrie ist ein schönes Designziel (und Linkshänder sind Apple dafür dankbar), aber die Symmetrie zwischen Vorder- und Rückseite passt einfach nicht zur Form unserer Hände. Damit eine Maus guten Kontakt mit einer entspannten Hand hat, muss sie dicker sein als die Magic Mouse, vor allem in der Nähe des hinteren Endes.

Latenz und Tracking-Leistung : Apple arbeitet so fleißig daran, die Latenzzeit auf seinen Touchscreens und dem Apple Pencil zu verringern, weil es erkannt hat, dass sich der Einsatz der Technologie magisch anfühlt, wenn sie dieses Gefühl der Unmittelbarkeit erzeugt. Seltsam also, dass sich seine Mäuse im Vergleich dazu so träge und unempfänglich anfühlen. Die nächste Apple-Maus sollte eine Latenzzeit von Millisekunden, eine extreme Genauigkeit bei der Verfolgung und verrückt hohe Abtastraten aufweisen. Wie bei allen Eingabegeräten werden winzige Verzögerungen zwischen unserer physischen Bewegung und einer Reaktion auf dem Bildschirm gefühlt, bevor sie gesehen werden, und das Hauptziel von Apples Mäusen sollte es sein, sich erstaunlich anzufühlen - so, als wären Sie direkt mit Ihrem Computer verbunden.

Apple scheint oft einer falschen Logik zu unterliegen, dass etwas Sauberes, Symmetrisches und Minimalistisches de facto einfacher zu benutzen ist; dass es umso weniger komplex ist, je weniger komplex etwas aussieht. Das stimmt nicht immer – besonders wenn es um Geräte geht, die wir benutzen sollen, ohne sie anzuschauen! Das ist das Kernproblem bei der umstrittenen Touch Bar bei Macbooks und dem überwältigend verabscheuten Design der Siri-Fernbedienung für das Apple TV.

Wenn Apple die größte Maus der Welt herstellen will (und warum sollte es das nicht tun?), muss es sich von diesem "Eyes-first-Design" verabschieden. Eine Apple-Maus kann immer noch großartig aussehen, aber sie muss sich vor allem großartig anfühlen.

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