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Was Apple Music tun kann, um mit Spotify gleichzuziehen

25.02.2021 | 08:46 Uhr |

Vielleicht zeigen die Airpods Max, wie Apple wieder zum Marktführer in Sachen Musikqualität werden kann.

Apple löste mit iTunes die Revolution der legalen Musik-Downloads aus, war nochmals Pionier bei der Abschaffung des Kopierschutzes (DRM) bei seinen Musik-Downloads und führte 2007 mit der Einführung von iTunes Plus eine bedeutende Verbesserung der Qualität digitaler Musik ein.

Aber mehr als ein Jahrzehnt später sieht sich das Unternehmen als Nachzügler im Bereich Musik-Streaming. Wenn es um die Qualität der Musik geht, hat Apple nicht die Nase vorn, sondern ist in Rückstand geraten.

Es ist an der Zeit, dass Apple Music ein großes Upgrade erhält – und einige kürzlich eingeführte Apple-Technologien könnten es sogar ermöglichen, die Konkurrenz in Sachen Audioqualität zu übertreffen.

Die Fakten zur Audioqualität

Spotify hat in dieser Woche Highres-Audio als Option angekündigt, die im Laufe des Jahres kommen soll und schließt sich damit Amazon, Tidal und anderen Diensten an, die ihren Abonnenten verlustfreie Audioqualität anbieten.

Die meiste digitale Musik, egal ob sie heruntergeladen oder gestreamt wird, nutzt Algorithmen zur Datenkomprimierung, um die Dateigröße zu reduzieren. Dies war notwendig in den Zeiten, in denen sowohl der Speicherplatz auf Musikabspielgeräten als auch die Internet-Bandbreite begrenzt waren.

Diese Algorithmen erzeugen Dateien, die viel kleiner sind als der ursprüngliche Master-Track, allerdings um den Preis einer schlechteren Audioqualität. Bei niedrigen Bitraten klingt alles dumpf. Bei den gängigsten Bitraten der frühen MP3-Ära klang die Musik ziemlich gut, aber wenn man genau hinhörte, konnte man seltsame Artefakte hören. Für mich waren sie immer bei den Becken offensichtlich – das schimmernde Schlagzeug wurde zu einem zufälligen weißen Rauschen.

Mit der Einführung von iTunes Plus verdoppelte Apple die Standard-Bitrate. Heute ist das die Standard-Audioqualität von Apple Music. Die Standardqualität von Spotify liegt heute im gleichen Bereich – wenn Sie einen kostenpflichtigen Account haben. (Kostenlose Konten erhalten Zugang zu einem Stream mit viel geringerer Qualität.)

Alle diese Kompressionsalgorithmen werden als "verlustbehaftet" bezeichnet, weil sie im Austausch für kleinere Dateigrößen Audiodetails weglassen. Es gibt aber auch eine andere Methode zur Verkleinerung von Audiodateien, die als verlustfreie Komprimierung bezeichnet wird. Die Dateien sind viel größer (wenn auch immer noch viel kleiner als unkomprimierte Audiodateien!), aber es werden keine Informationen der ursprünglichen Audiodatei in "CD-Qualität" weggeworfen.

Ich persönlich denke, dass die aktuellen Bitraten beim Streaming ziemlich gut sind. Nur die anspruchsvollsten Ohren werden in der Lage sein, den Unterschied zwischen einer verlustbehafteten Datei mit hoher Bitrate und einer verlustfreien Datei zu erkennen. Dennoch werden einige Leute in der Lage sein, den Unterschied zu erkennen – und andere werden sich besser fühlen, wenn sie wissen, dass sie den Originalklang erhalten, auch wenn sie nicht sicher sind, ob sie den Unterschied hören können.

Unsere Serie der Ratgeber rund um High-Res-Audio finden Sie hier.

Apple hinkt hinterher

Unabhängig von der tatsächlichen Attraktivität von High-Resolution Audio für ein breites Publikum bleibt die Tatsache bestehen, dass Apple derzeit hinter all seinen Konkurrenten zurückbleibt. Das wird zu der Wahrnehmung führen, dass Apple sich nicht so sehr um die Audioqualität kümmert wie Spotify – und das ist nicht gut für den Wettbewerb, auch wenn die meisten Leute nicht den Wert darin sehen werden, für eine verlustfreie Version ihrer Musikbibliothek zu bezahlen.

Deshalb scheint es unausweichlich, dass Apple seine Streams aufrüsten und eine qualitativ hochwertige Version anbieten muss, die vermutlich mit Apples eigenem verlustfreien Codec, ALAC, kodiert ist. Das Unternehmen kann nicht zulassen, dass Spotify den Eindruck erweckt, Apple Music sei zweitklassig, wenn es um Audioqualität geht.

Wenn Apple diese Idee umsetzt, wird es wahrscheinlich einen Aufpreis für den Zugang zu hochqualitativen Streams verlangen, obwohl diese vielleicht in einige der Apple-One-Pakete integriert werden, besonders in das High-End-Premium-Paket – das es in Deutschland bisher noch nicht gibt.

Verlustfrei – und noch ein bisschen mehr

Ich glaube aber, dass Apple Spotify überholen kann, und dass einige der jüngsten Entwicklungen im Hardwarebereich dem Unternehmen dabei helfen könnten. Die Airpods Pro und Airpods Max sind nicht nur ziemlich hochwertige Kopfhörer, sondern unterstützen jetzt auch Spatial Audio, das Mehrkanalton aus Filmen und Fernsehsendungen dekodiert und die Klänge im Raum um den Zuhörer herum positioniert.

Die Musikindustrie experimentiert schon seit Jahren mit Mehrkanal-Audio. In den 2000er Jahren kaufte ich ein paar DVD-Audio-Discs, die eine hohe Audioqualität und einen Film-ähnlichen 5.1-Audiomix boten, der auf meinem Heimkinosystem abspielbar war. Diese Disc-basierten Audioformate floppten, aber die, die ich gekauft hatte, klangen großartig und gaben mir den Glauben, dass Mehrkanal-Audio populär sein könnte, wenn die Bedingungen stimmen.

Apple Music könnte also Zugang zu Mehrkanal-Audio bieten und in Kombination mit den Airpods Pro oder Airpods Max ein einzigartiges Audioerlebnis bieten.

Mit den Airpods und dem Apple TV hat Apple Hardware für Mehrkanal-Audioausgabe direkt in die Ohren der Kunden und in ihren Wohnzimmern, sofern sie Heimkino-Lautsprecher oder eine Soundbar angeschlossen haben.

Die Voraussetzungen sind gegeben. Apple hat wahrscheinlich den Einfluss (und das Geld), um Plattenfirmen zu ermutigen, Mehrkanal-Mixe zu veröffentlichen. Und es würde Apple wieder in eine Führungsposition bringen, statt hinter Spotify und so ziemlich jedem anderen hinterherzulaufen.

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