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Was Apple an der Familienfreigabe verbessern muss

06.05.2019 | 13:27 Uhr |

Die Familienfreigabe ist praktisch, hat aber ihre Schwächen. Es gibt aber Ansätze zur Verbesserung.

Apple hat eine Reihe neuer Dienste auf dem Weg gebracht. Apple News+ ging gerade in USA und Kanada an den Start. Apple TV+ kommt diesen Herbst, Apple Arcade auch – zu bisher nicht bekannten Preisen. Ende dieses Jahres wird die einzige Möglichkeit, das Beste aus dem Apple-Ökosystem herauszuholen, darin bestehen, einen oder mehrere dieser Dienste zu abonnieren, wahrscheinlich zusammen mit aktuellen Diensten wie erweitertem iCloud-Speicher oder Apple Music. Das könnte sehr schnell teuer werden, mit Apples Abbuchen von 30 bis 50 Euro im Monat von Ihrem Bankkonto werden Sie dafür einkalkulieren müssen.

Aber es gibt einen Silberstreif am Horizont! Apple erinnert uns an einen Kernbestandteil seiner Dienstleistungen: die Familienfreigabe. Denn Abonnements wie für Apple Arcade ist nicht nur für Sie, sondern auch für Sie und fünf weitere Familienmitglieder bestimmt – zum gleichen Preis! Das verringert die Ausgaben wirklich: Wenn Apple Arcade mit geschätzt 10 Euro pro Monat zu teuer erscheint, wie klingen dann 2 Euro pro Monat? Holen Sie sich einfach vier Familienmitglieder hinzu und teilen Sie sich die Kosten!

Leider hat die Familienfreigabe ein ernsthaftes Problem, die sie für sehr viele Menschen unbrauchbar macht.

Wenn Sie die Kauffreigabe aktivieren, belasten Sie zwangsweise für jeden Kauf, den Ihre Familie tätigt, das Konto einer einzelnen Person. Alles, was von jedem gekauft wird, wird diesem einen Individuum in Rechnung gestellt, ohne Ausnahme. Das ist einfach verrückt. Und obwohl es die meisten Abonnement-Services von Apple nicht betreffen sollte, werden diese Dienste viel mehr Menschen dazu bringen, die Familienfreigabe zu aktivieren. Für Apple wäre es jetzt also an der höchsten Zeit, das System zu reparieren.

Die große Schwachstelle der Kauffreigabe

Wenn Sie die Familienfreigabe für Ihre Apple ID einrichten, können Sie bis zu fünf weitere Familienmitglieder hinzufügen, also insgesamt sechs Personen. Eine von ihnen ist der "Organisator" – die Person, die die Familie gründet und Personen hinzufügen oder entfernen kann – und jeder andere ist entweder ein Erwachsener oder ein Kind (mit eingeschränkten Rechten).

Sie haben dann die Möglichkeit, verschiedene Freigabe-Funktionen ein- oder auszuschalten. Wenn Sie ein Familienkonto für Apple Music haben, können Sie dieses aktivieren. Wenn Sie für iCloud-Speicher bezahlen, können Sie das Volumen für die anderen freigeben. Ortsfreigabe, Bildschirmzeit und Apple-News+-Freigabe können einzeln aktiviert oder deaktiviert werden.

Das Versprechen der Kauffreigabe klingt großartig. Nicht im Bild: Die Ansage, dass einer alles zahlen darf.
Vergrößern Das Versprechen der Kauffreigabe klingt großartig. Nicht im Bild: Die Ansage, dass einer alles zahlen darf.

Das Problem ist die Kauffreigabe. Wenn Sie diese aktivieren, kann jeder in Ihrer Familie (mit Ausnahme von eingeschränkten Kinderkonten) alle Filme, Fernsehsendungen, Bücher und Musik, die Sie in iTunes gekauft haben, sowie die meisten Ihrer kostenpflichtigen Apps (aber keine In-App-Käufe) nutzen. Das ist ein großer Vorteil. Aber dieser kommt noch ohne schwerwiegenden Nachteil.

Aktivieren Sie die Kauffreigabe und der Organisator Ihrer Familie bezahlt alles, was jedes Familienmitglied im App Store, iTunes oder Apple Books kauft. Dazu gehören auch Inhalte, die nicht freigegeben werden können! Es gibt keine Ausnahmen. Es gibt keine Möglichkeit, das für bestimmte Familienmitglieder zu deaktivieren. Sie können eine Funktion namens "Kaufanfrage" aktivieren, die dem Organisator die Möglichkeit gibt, Kaufanträge zu genehmigen, aber das ist alles – es gibt keine Möglichkeit für Familienmitglieder, jemals selbst etwas zu kaufen.

Sie können es so einstellen, dass Familienmitglieder den Organisator bitten müssen, Einkäufe zu tätigen, aber sie können trotzdem nie selbst etwas kaufen.
Vergrößern Sie können es so einstellen, dass Familienmitglieder den Organisator bitten müssen, Einkäufe zu tätigen, aber sie können trotzdem nie selbst etwas kaufen.

Zum Beispiel: Ich bin der Organisator meiner Familie, zu der meine Frau, meine Eltern, meine Schwester und ihre Tochter gehören. Es ist ein ziemlich typisches Arrangement. Wenn ich die Kauffreigabe einschalte, können sich die anderen fünf Personen die Filme ansehen, die ich in iTunes gekauft habe und viele der von mir gekauften kostenpflichtigen Anwendungen ausführen. Aber meinem Konto wird jeder Kauf in iTunes oder im App Store in Rechnung gestellt. Die einzige Möglichkeit, die Einkäufe meiner Schwester nicht zu bezahlen, besteht darin, sie aus der Familie zu entfernen (was bedeutet, dass sie keinen iCloud-Speicher mehr freigeben, nicht auf das gemeinsame Familienfotoalbum zugreifen oder das gemeinsame Apple-Music-Konto anhören kann). Wenn sie einen Kauf tätigt (für den ich bezahlen muss) und dann die Familiengruppe verlässt, behält sie ihn, nicht ich.

Das ist eine schreckliche Situation in einer Familie voller Erwachsener, aber noch schlimmer ist es in einer gemischten Familie von Erwachsenen und Kindern. Möglicherweise möchten Sie die Kauffreigabe für das Konto Ihres Kindes aktivieren, aber nicht für andere Erwachsene in der Familie. Das ist nicht möglich: Es geht nur um alles oder nichts.

Mehrere Möglichkeiten, das Problem zu beheben

Es ist sinnvoll, Überschneidungen bei Käufen und Verwechslungen mit einem einzigen Verkaufspunkt zu vermeiden, aber der Ansatz von Apple beschränkt sich auf den Punkt der Absurdität und macht es schwer zu rechtfertigen, dass die Kaufteilung in allen außer den am stärksten begrenzten Fällen möglich ist. Es gibt viele Möglichkeiten, dies zu beheben.

Möglicherweise wäre der beste Weg, um die Funktion der Kauffreigabe zu optimieren, eine Umkehrung des derzeitigen Systems. Lassen Sie jedes Familienmitglied standardmäßig seine eigenen Einkäufe tätigen und um die Kauffreigabe auf seinen eigenen Konten zu aktivieren oder zu deaktivieren und seine eigenen Einkäufe mit anderen Familienmitgliedern zu teilen. Der Organisator kann mit seiner Zustimmung alle Einkäufe für Kinder- und individuelle Erwachsenenkonten tätigen. Anstatt dass jeder über ein einziges Konto abrechnet, haben sie alle ihr eigenes, mit einem Opt-in zum Einkauf des Familiengründers.

Apple könnte auch das aktuelle System beibehalten, aber die Funktion "Kaufanfrage" anpassen. Wenn der Organisator diese eingeschaltet hat und ein Familienmitglied ein Anfrage stellt,  könnte die der Organisator diese gewähren und den Kauf bezahlen, oder das Familienmitglied muss selbst kaufen

Die einfachste Lösung wäre, allen Familienmitgliedern beim Kauf ein Popup-Fenster zu öffnen: entweder den Organisator bitten, den Artikel zu kaufen (in diesem Fall wird er geteilt) oder ihn selbst zu kaufen (in diesem Fall wird der das nicht). Dies ist möglicherweise die sauberste Option, aber nicht die wünschenswerteste.

Abonnements nicht betroffen

Glücklicherweise hat Apple separate Freigabemöglichkeiten für Abonnementdienste wie Apple Music und Apple News+, so dass Sie diese mit Ihren Familienmitgliedern teilen können, ohne die Kauffreigabe einzuschalten. Da Apple Arcade und Apple TV+ später in diesem Jahr auf den Markt kommen, würde das Unternehmen vermutlich auch für diese Personen individuelle Sharing-Schalter hinzufügen. Selbst wenn Apple das Problem des "Single Purchase Account" der Famielienfreigabe also nie behebt, könnten Sie diese Dienste theoretisch gemeinsam nutzen, ohne die Kauffreigabe überhaupt einzuschalten.

Apple kann das Problem der Kauffreigabe vermeiden, indem es die Dienste als separate Freigabekategorien hinzufügt.
Vergrößern Apple kann das Problem der Kauffreigabe vermeiden, indem es die Dienste als separate Freigabekategorien hinzufügt.

Das entlässt Apple aber nicht aus der Pflicht zur Verbesserung. Mit der neuen Kanalfunktion von iOS 12.3 können Sie Pay-TV-Streaming-Dienste wie Showtime und HBO direkt in der TV-App abonnieren. Diese arbeiten mit der Familienfreigage, aber Sie müssen die Kauffreigabe aktivieren, damit sie Zugriff darauf haben.

Die neuen Dienste von Apple werden der Familienfreigabe einen großen Mehrwert verleihen. Mehr Benutzer werden sie wahrscheinlich aktivieren, und selbst wenn die Kauffreigabe nicht erforderlich ist, um diese Dienste freizugeben, werden sie App Store und iTunes-Käufe freigeben wollen. Dann werden sie auf diese Sperre stoßen. Es ist an der Zeit, dass Apple sich mit seiner völlig unflexiblen Zahlungsstruktur auseinandersetzt, bevor die Familienfreigage durch Abonnementdienste noch populärer wird.

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