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Was Apple bei Datenschutz und Privatsphäre besser machen muss

06.03.2021 | 12:59 Uhr |

Apple mag der unangefochtene Marktführer in Sachen Datenschutz sein, aber es ist nicht genug: Der App Store und Mail haben immer noch eklatante Lücken.

Seit Jahren betont Apple sein Engagement für die Privatsphäre seiner Kunden. Im Gegensatz zu den meisten seiner Konkurrenten erlaubt es Apples Geschäftsmodell (in erster Linie der Verkauf von Produkten und Dienstleistungen, nicht von Werbung), erfolgreich zu sein, ohne darauf angewiesen zu sein, persönliche Informationen von seinen Kunden zu sammeln. Das ist ein großer Vorteil, und Apple weiß das.

Aber wenn ich mir die Produktstrategie von Apple ansehe, bin ich überrascht, wie sehr das Unternehmen es versäumt hat, seine einzigartige Position auszunutzen. Von Betriebssystem-Funktionen bis hin zu neuen Diensten sollte sich das Unternehmen stärker auf den Datenschutz konzentrieren und den Vorsprung gegenüber der Konkurrenz ausbauen.

Vorreiter Safari – aber was ist mit anderen Apps?

Apple hat bei der Verwaltung der Privatsphäre innerhalb von Safari ziemlich gute Arbeit geleistet. Bei der Nutzung des Internets werden Informationen auf einige grundlegende Arten weitergegeben, aber Apple hat in Safari viele Technologien eingebaut, um Tracking und Profiling zu reduzieren. Und natürlich haben die neuen Tracking-Richtlinien von Apple Facebook sehr, sehr wütend gemacht .

Aber das Unternehmen kann noch mehr tun. Letzte Woche wies John Gruber von Daring Fireball auf die Datenschutzprobleme in Mail hin. Nachrichten können eingebettete Tracker in Form von unsichtbaren Bildern haben und standardmäßig lädt Apple Mail diese Bilder.

Ja, Sie können das automatische Laden von Bildern abschalten – aber das bedeutet, dass die meisten E-Mail-Nachrichten, die Sie erhalten, kaputt aussehen. Apple gibt Ihnen eine Möglichkeit, Bilder mit einem einzigen Knopf zu laden – aber dann sind alle Bilder sichtbar und somit das eingebettete Tracking aktiviert. Und Sie können Nachrichten von Personen und Diensten, denen Sie vertrauen, nicht so einstellen, dass alle Bilder automatisch geladen werden, sodass Sie dies jedes Mal tun müssen.

Apple könnte so viel besser machen. Zumindest sollte es aktiver sein und unsichtbare Tracking-Bilder daran hindern, überhaupt geladen zu werden. Da aber auch ein legitimes Bild als Tracker verwendet werden kann, könnte es sich lohnen, ein Proxy-System in Betracht zu ziehen, das es Mail erlaubt, entfernte Bilder über einen Apple-Server zu laden und so die eigene Identität zu verschleiern. Für den Moment gibt es Lösungen von Drittanbietern, auf die Sie zurückgreifen können.

Betrug und Spam im App Store stoppen

In den letzten Wochen agierte der Entwickler Kosta Eleftheriou als Ein-Mann-Betrugsdezernat und deckte betrügerische iOS-Apps mit lächerlichen Abo-Richtlinien, pornografische Apps, die auf Kinder abzielen, und endlose Ströme von gefälschten App-Store-Bewertungen auf. Das ist keine Neuigkeit. Entwickler berichten schon seit Jahren über die schier endlosen Betrügereien im App Store.

Ich verstehe, dass es eine schwierige Aufgabe ist, etwas so großes wie den App Store zu überwachen. Aber was auch immer Apple unternimmt, es ist einfach nicht genug. Apple muss alle seine Kunden schützen, indem es den App Store zu einem sichereren Ort macht, und das bedeutet, mehr Geld auszugeben und mehr Leute einzustellen, um betrügerischen Müll aus dem App Store zu entfernen. Es ist es nicht wert, Apples Ruf zu schädigen, wenn diese Art von Machenschaften im App Store betrieben wird, selbst wenn Apple einen gewissen Prozentsatz auch von jedem betrügerischen Verkauf einnimmt.

In den letzten Jahren hat Apple Apps die Möglichkeit gegeben, eingehende Telefonanrufe auf Spam zu filtern. Ich habe einige dieser Dienste ausprobiert, und sie funktionieren – in unterschiedlichem Maße. Aber es ist der falsche Ansatz, iPhone-Benutzer zu zwingen, herauszufinden, welche Abo-App einen guten Job beim Blockieren von falschen Anrufen macht – es liegt an für Apple, dies selbst zu tun. Ich möchte aber auch anmerken, dass dies zudem die Aufgabe der Telefongesellschaften ist – und einige davon bieten Spam-Blockierungsdienste an... gegen eine zusätzliche Gebühr. Was für eine Abzocke.

Aber lassen Sie uns das noch weiter ausdehnen. Ich habe in letzter Zeit jede Menge an SMS-Spam erhalten. Und Apple bietet im Grunde keine Werkzeuge, um diese Nachrichten herauszufiltern. Selbst das Blockieren von Nummern ist schwieriger als es sein sollte. Und schließlich... wie wäre es mit einer Spam-Mail-Filterung in Mail unter iOS? Wir haben das auf dem Mac schon seit Jahren. (Apple hat allerdings bereits vor Jahren eine Möglichkeit geschaffen, Spam-Nachrichten als solche zu kennzeichnen und diese so bei Apple zu melden – Anm. d. Red).

Datenschutz als Service

Die meisten meiner Vorschläge würden Apple viel Geld bei der Umsetzung kosten. Wenn es um die Integrität des App Stores geht, muss das Unternehmen aber zahlen und das Richtige tun. Da Apple ein beeindruckendes Geschäft mit dem Verkauf von Diensten an seine Benutzer aufgebaut hat, gibt es hier vielleicht eine Möglichkeit, die Privatsphäre durch die Bereitstellung eines Abonnementdienstes zu verbessern.

Vor einem Jahr, als ich über Apples (immer noch) mäßige Smart-Home-Strategie schrieb, schlug ich vor, dass Apple einen Router mit einem eingebauten VPN herstellen könnte . Wenn Sie nicht wissen, was ein VPN ist, ist es im Wesentlichen ein sicherer Tunnel , der Ihren gesamten Internetverkehr verschlüsselt, Ihre Adresse verschleiert und es für andere schwieriger macht, Sie zu verfolgen.

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Aber wer braucht schon einen Router? macOS und iOS unterstützen bereits VPNs. Apple könnte sein eigenes bevorzugtes VPN aufbauen und es zu einer bevorzugten, einfach zu nutzenden Option machen – so wie die Apple Card in Apple Pay. Ein VPN für jedes existierende Apple-Gerät zu betreiben, würde ein Vermögen kosten, was Apple nur ungern machen würde – aber was wäre, wenn es mit einem neuen, auf Datenschutz fokussierten Apple-Dienst verbunden wäre? Das Unternehmen könnte ein VPN und einige der anderen Funktionen, die ich hier erwähnt habe – das Proxy-Laden von Bildern in E-Mails, das Filtern von Spam-Anrufen und Spam-Sprachnachrichten – sowie weitere, die ich noch nicht erwähnt habe, in einen einfachen, leicht zu aktivierenden Dienst integrieren, der die Sicherheit auf all Ihren Apple-Geräten maximieren würde, egal wo Sie sich befinden und egal welche App Sie verwenden.

Wenn es ein großes Technologieunternehmen gibt, das mit dem Verkauf von Datenschutz als Service durchkommen könnte, dann ist es Apple.

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