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Was Apples Quartalszahlen Q2/2019 zu bedeuten haben

02.05.2019 | 10:04 Uhr | Peter Müller

Sinkende iPhone-Umsätze? Es gibt genügend Gründe zur Zuversicht – auch für Apples Flaggschiff.

Nach dem kollektive Seufzen über Apples schlechte Performance im letzten Geschäftsquartal waren die Ergebnisse dieses Quartals erfrischend langweilig. Apple meldete mit 58 Milliarden Dollar Umsatz, mehr oder weniger das, was das Unternehmen schon vor drei Monaten in Aussicht gestellt hatte. Der Gewinn von 11,6 Milliarden Dollar ist wirklich ein Jammern auf extrem hohem Niveau.

Dennoch finden sich  immer wieder Leckerbissen in  den von Apple vorgelegten Zahlen und der darauf folgenden stundenlangen Telefonkonferenz mit Finanzanalysten. Wir finden einige Hinweise darauf, wie sich Apples Geschäft entwickelt. Hier sind fünf Schlussfolgerungen

Optimismus rund um das iPhone

Der Umsatz mit dem Smartphone ging im Vergleich zum Vorjahresquartal um ganze 17 Prozent zurück, zum zweiten Mal in Folge ein zweistelliger Rückgang. Der iPhone-Bauchplatscher des letzten Quartals hat aber schon alle Überraschungen und Dramen aus diesen Fakten eliminiert, so dass die Zahlen zwar immer noch schmerzhaft anzusehen sind, aber zumindest nicht sonderlich überraschen. Apple sagt, der Blick auf die Details gäbe viele Gründe für Optimismus.

Apple-CEO Tim Cook und der CFO Luca Maestri erklärten, dass November und Dezember die schlimmsten Monate in Bezug auf die iPhone-Verkäufe waren, was darauf hindeutet, dass die ersten Monate des Jahres 2019 eine Verbesserung zeigten. Cook fügte hinzu, dass der März der stärkste Monat des Quartals für das iPhone gewesen sei und dass die letzten Wochen des Monats März noch stärker waren.

Im Dialog zwischen Maestri und Morgan-Stanley-Analystin Katy Huberty wies Huberty darauf hin, dass das dritte Geschäftsquartal von Apple im Allgemeinen um rund 15 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal sinke, dass die Prognose von Apple für das nächste Quartal jedoch nur um acht Prozent niedriger läge. Maestri sagte, dass das kleinere Defizit auf der Zuversicht gründe, die Verkäufe des iPhone würden sich verstärken.

Insbesondere wies Cook mehrfach darauf hin, dass die Schwäche des Unternehmens in China die Ursache für viele seiner rückläufigen Zahlen ist und wies darauf hin, dass Apple "von Jahr zu Jahr in den entwickelten Märkten gewachsen ist", mit "Rekordergebnissen in einer Reihe von wichtigen Märkten, darunter die Vereinigten Staaten, Kanada, Großbritannien und Japan".

China hinkt unterdessen hinterher. Aber Cook und Maestri sagten beide, dass stärkere Verkäufe im Laufe des Quartals, getrieben von fiskalischen Anreizen der chinesischen Regierung und verbesserten Handelsgesprächen zwischen den USA und China, ihnen Hoffnung gaben, dass es besser werden würde. China ist für Apple ein so wichtiger Markt, dass ein Scheitern dort gute Nachrichten in anderen Märkten überfluten kann, und das scheint im Moment der Fall zu sein. Aber es klingt so, als ob Apples Status in China in eine positive Richtung zurückkehren könnte.

Nicht auf Wearables ausruhen

Im letzten Quartal hat Apple seine Bilanz mit Methoden des Marketings aufgepeppt, indem es seine Kategorie "Andere Produkte" in "Wearables, Home und Zubehör" umbenannt hat. Die wichtigsten Produkte in dieser Kategorie sind die Apple Watch und die Airpods, und während die Uhr ihr bisher bestes Quartal außerhalb der Weihnachtszeit hatte, schien Apple vor allem vom Erfolg der Airpods zu profitieren.

Apples Umsätze mit Wearables steigen und steigen.
Vergrößern Apples Umsätze mit Wearables steigen und steigen.
© Jason Snell

Cook freute sich über eine "unglaubliche"  Nachfrage nach Airpods, das Unternehmen arbeite immer noch daran, die Kundennachfrage zu decken. Airpods seien "kulturelles Phänomen".

Insgesamt belief sich die neue Kategorie Wearable/Home/Accessories auf 9 Prozent des Gesamtumsatzes von Apple für das Quartal – mehr als das iPad und knapp vor dem Mac. Es mag einfach gewesen sein, diese langweilige alte Kategorie "Andere Produkte" zu unterschätzen, aber diese neue Kategorie ist in ihrer Größe mit dem Mac und iPad vergleichbar. Das ist bemerkenswert.

iPad wieder auf Kurs?

Das iPad, das mehr als vier Jahre lang sich immer schlechter verkaufte, scheint aus dem Niedergang ausgebrochen zu sein. Der Umsatz in diesem Quartal stieg im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent, und Apple führt den größten Teil dieses Wachstums auf die anhaltend starken Verkäufe der Ende 2018 eingeführten iPad-Pro-Modelle zurück. (Die neuen iPad Air und iPad Mini, die Ende des Quartals auf den Markt kamen, werden voraussichtlich einen größeren Beitrag zum Ergebnis des dritten Quartals von Apple leisten.)

Der iPad-Umsatz wuchs um den größten Betrag seit sechs Jahren.
Vergrößern Der iPad-Umsatz wuchs um den größten Betrag seit sechs Jahren.
© Jason Snell

Wie gut war dieses iPad-Quartal im Detail? Es zeigt das größte Wachstum gegenüber dem Vorjahr, das das Produkt seit sechs Jahren verzeichnet hat. Es ist auch das zweite Quartal in Folge mit zweistelligem Wachstum für das iPad, das sechs der letzten acht Quartale gewachsen ist. Das iPad scheint sich zumindest vorerst bei 20 Milliarden US-Dollar pro Jahr zu stabilisieren.

Apple wirft Intel allmählich von Bord

Wir alle vermuten, dass es einige ernsthafte Spannungen in der Beziehung zwischen Apple und Intel gibt. Intel hat Apple offenbar enttäuscht, wenn es um die Entwicklung von 5G-Funkmodems für iPhone und iPad ging, was zu Apples rechtlichem und finanziellem Vergleich mit Qualcomm führte. Es wird auch allgemein angenommen, dass Apple plant, in naher Zukunft eigene Prozessoren für den Mac, wie auch für seine anderen Geräte, zu entwickeln. Die Beziehung scheint nicht mehr lange halten zu können.

Aber ich war wirklich ein wenig entsetzt, wie scharf Apple Intel in der Bilanzpressekonferenz anging. CFO Luca Maestri hatte einen Schwarzen Peter zu vergeben: "Der Mac-Umsatz betrug 5,5 Milliarden Dollar, verglichen mit 5,8 Milliarden Dollar vor einem Jahr, wobei der Rückgang hauptsächlich auf Prozessorbeschränkungen bei bestimmten beliebten Modellen zurückzuführen ist."

Es ist schwer, daraus nicht zu schließen, dass Apple behauptet, der Mac wäre gewachsen, hätte Intel nur genügend Prozessoren geliefert, um die Nachfrage zu decken. Ein weiteres Indiz, dass sich die Apple-Intel-Beziehung einem hässlichen Ende nähert.

Services: Ja, immer noch gewaltig

Apple spricht seit einigen Jahren von einem Wachstum im Servicegeschäft und widmete im März eine ganze Veranstaltung den neuen Diensten rund um TV, Zeitschriften, Spiele und Bezahlung.

Apples Services wachsen und wachsen
Vergrößern Apples Services wachsen und wachsen
© Jason Snell

Die Dienstleistungsumsätze wachsen für Apple zwar weiterhin in einem lächerlichen Tempo, das aber noch vor der Aufnahme neuer Umsatzquellen in diesem Sommer und Herbst. Das Business hat aber enorme Gewinnmargen – über 60 Prozent in diesem Quartal! – und machte 20 Prozent des Gesamtumsatzes von Apple aus. Sie haben richtig gelesen: Apples Service-Geschäft ist heute so groß wie das mit Mac und iPad zusammen.

Aus diesem Grund spricht Apple ständig über seine Dienstleistungen. Cupertino erwirtschaftete damit im letzten Quartal einen Umsatz von 11,5 Milliarden US-Dollar, die Services wachsen weiterhin rasant und sind hinter dem iPhone mit Abstand der zweitgrößte Teil des Apple-Geschäfts. Apple ist offenbar als Dienstleistungsunternehmen angekommen, um zu bleiben.

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