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Was Googles Stadia für das Mac-Gaming bedeutet

21.03.2019 | 13:05 Uhr |

Google will Spiele auf den PC streamen. Aber eben auch auf den Mac und sogar iOS-Geräte. Was das bedeutet.

Hat Google gerade die Zukunft des Mac-Gamings gesichert? Die Firma aus Mountain hat Apple zwar bei der Vorstellung ihres Spiele-Streaming-Service Stadia auf der Game Developers Conference nicht erwähnt , aber Stadia klingt fast wie maßgeschneidert für Mac-Anwender. Ein Dienst, mit dem Sie Spiele von einem entfernten Server direkt in Ihren Browser streamen können! Die Möglichkeit, die neuesten Spiele zu spielen, ohne in ausgefallene eGPUs, Grafikkarten und sogar PCs investieren zu müssen! Selbst 2019 klingt das noch sehr nach Science Fiction.

Ich liebe meinen Mac, aber dessen Unzulänglichkeiten zwingen mich, einen riesigen PC zu Hause laufen zu lassen, damit ich grafisch intensive Spiele wie "The Division 2" oder "Devil May Cry 5" spielen kann, sobald sie veröffentlicht sind. Wie wir alle wissen, kommen viele dieser Spiele auch überhaupt nicht auf den Mac. Wenn Stadia so gut funktioniert, wie es Google andeutet, werde ich mich nie wieder zurück gesetzt fühlen müssen, wenn ich nur einen Mac zum Spielen benutze. Google selbst würde die Last des Processings tragen, alles, was ich brauche, ist ein Browser.

Shadow – "Assassin's Creed" auf einem Mac zocken

Alles fließt – sanft

Die Präsentation von Google ließ viele Fragen offen, aber wir haben doch so einiges erfahren. Stadia ist eine Plattform, mit der Sie Spiele von Googles Servern auf jedes Gerät streamen können, auf dem der Chrome-Browser läuft (obwohl der Anbieter die Geräte zunächst einschränken kann). Google selbst wird die gesamte Hardware stellen, diese soll besser sein als das, was wir auf der Play Station 4 und Xbox One finden. Als die Spezifikationen auf dem Bildschirm angezeigt wurden, ähnelten sie denen der Radeon RX Vega 56. Angeblich funktioniert Stadia so gut, dass Sie ein so grafikintensives Spiel wie Doom Eternal in 4K-Auflösung bei 60fps streamen können. Wie gesagt: Alles in einem handelsüblichen Browser. Letztendlich müssen Sie nur eine im Moment in der Höhe unbekannte monatliche Abogebühr sowie Ihre Internetkosten bezahlen, Google verkauft jedoch auch noch seinen eigenen Controller.

eGPU adé: Wenn es läuft, wie versprochen, braucht man dank Stadia keine externe Grafik mehr.
Vergrößern eGPU adé: Wenn es läuft, wie versprochen, braucht man dank Stadia keine externe Grafik mehr.
© Leif Johnson / IDG

Keine üblen Aussichten also: Stadia könnte für Mac- und iOS-Gamer alles auf den Kopf stellen. Nicht nur durch die Betriebssysteme bedeuten Einschränkungen, auch die Inkompatibilität des Mac mit Nvidia-Karten und anderer PC-Gaming-Hardware setzt Grenzen. Wenn Stadia nun so gut funktioniert wie beschrieben, reißt es alle Barrieren nieder, mit denen Mac-Anwender seit Jahren zu tun haben. Mit einem solchen Service in der Hinterhand müssten wir uns nicht einmal große Sorgen machen, wenn Apple anfangen würde, eigene Prozessoren für die Macs zu entwickeln – die in Sachen Gaming weitere Einschränkungen bedeutet hätten.

Und doch klingt das ein wenig zu schön, um wahr zu sein. Das ist nicht so sehr die Schuld von Google, sondern die Schuld der Netzinfrastruktur und Limits beim Highspeedvolumen ( in den USA auch im Festnetz ein Thema, hierzulande (noch) nicht, Anm. d. Red. ), was nicht auf den dauerhaften Betrieb von Spielen mit 4K-Auflösung bei 60fps ausgelegt ist. Selbst wenn Sie das Glück haben, einen Tarif ohne Highspeedlimit zu nutzen, können Sie einer der vielen Internetnutzer im ländlichen Raum sein, der sich mit Download-Geschwindigkeiten beschäftigt, die kaum schneller sind als die Rinder, die draußen vor der Tür grasen.

Und dabei geht es nicht einmal um die Frage, wie gut Stadia vor allem mit Apple-Geräten funktionieren wird. Ich habe einen Google-Repräsentanten mit Fragen bombardiert: Werden wir Stadia sowohl auf macOS als auch auf iOS nutzen können? Wird es sowohl auf Safari als auch auf Chrome funktionieren? Kann man Stadia mit einem MFi-Controller nutzen?

Seine Antworten waren zwar ausweichend, aber nicht ablehnend: "Wir geben keine Details preis, die über das hinausgehen, was in der Keynote mitgeteilt wurde." Er wiederholte, dass Stadia mit dem Browser Chrome nutzbar sein werde, der für "viele Bildschirme" verfügbar sei, von Fernsehern und Laptops bis hin zu Smartphones und Tablets. "Uns hilft es, zunächst mit dem Pixel zu starten, aber das schließt nicht aus, dass wir weitere Handys hinzufügen", erklärte der Google-Sprecher. Natürlich spannen sie uns noch ein wenig auf die Folter.

Die Antwort auf all diese Fragen sieht dennoch wie "Ja" aus. Zumindest irgendwann. Und ich persönlich weiß, dass wir einen guten Grund haben, uns darauf zu freuen. Letztes Jahr war ich einer der Glücklichen, die Googles Project Stream ausprobieren konnten – das ist im Wesentlichen der Testlauf für Stadia gewesen – und so spielte ich "Assassin's Creed Odyssey" in meinem Chrome-Browser kostenlos. Ich erinnere mich, dass ich zunächst skeptisch war; schließlich hatte ich den ähnlichen GeForce-Now-Dienst von Nvidia in Anspruch genommen (der die Spiele auf Steams Servern hostet) und ich wusste, wie sehr meine private Internetverbindung damit zu kämpfen hatte. Ich habe voll und ganz erwartet, dass sich der Datenstrom bis zu einem gewissen Grad verlangsamt, bevor ich überhaupt den Ladebildschirm erreicht habe.

Aber das ist nicht passiert. Tatsächlich habe ich in meinem Chrome-Browser – direkt auf meinem Mac – gesehen, wie sich Ubisofts Vision vom alten Griechenland auf meinem Bildschirm auf eine Weise entfaltete, die ich nicht erwartet hatte. Ich habe sogar einen Controller angeschlossen: Es hat gut funktioniert. Zum ersten Mal seit langer Zeit erweckte ein neuer Technologieansatz bei mir den Eindruck, dass ich wirklich in die Zukunft blicke.

Doom Eternal ist bisher das einzige Spiel, das für die Stadien angekündigt wurde.
Vergrößern Doom Eternal ist bisher das einzige Spiel, das für die Stadien angekündigt wurde.
© id Software

Und ich bin bereit dafür. Ich hasse es schon lange, sowohl einen PC als auch einen Mac in meiner Wohnung zu haben, da ich den Mac für alles außer Spielen bevorzuge. Mir würde zwar der Spaß beim Bau eines PC fehlen – und es ist zudem wahrscheinlich, dass ich auch auf Modding verzichten müsste, da es bei Stadia nicht so aussieht, als ob es das unterstützen könnte – aber ich würde fast sicher eine Menge Geld und Platz sparen. Ich bin wirklich nur besorgt, dass Stadia eine eigene Plattform ist, was bedeutet, dass man PC-Spiele nicht einfach so streamen kann, wie man es mit GeForce Now kann. Und um ehrlich zu sein, das ist wahrscheinlich der Grund, warum Stadia so gut funktioniert. Entwickler müssen ihre Spiele also speziell dafür anpassen. Zumindest auf den ersten Blick ist das geeignet, die Anzahl der unterstützten Spiele stark einzuschränken. Andererseits: Schauen Sie sich nur die Wartezeiten an, die wir ertragen müssen, bevor ein Spiel auf den Mac portiert wird.

Ich sehe keine Gründe, warum Stadia nicht auch auf iOS und macOS kommen sollte. Ich gestehe, dass ich Google immer als Dienstleistungsunternehmen bewundert habe, vor allem für seine alte Einstellung aus den 90er Jahren, dass alles, was wir brauchen, über unsere Browser erledigt werden kann. Es wollte uns alle zu einem Teil der Party machen, und diese Inklusivität wird in seinem bunten Logo in Erinnerung gerufen (das zum Teil an Apples eigenes Regenbogenlogo aus den 80er Jahren erinnert). Ein Dienst wie Stadia zeigt die Kraft des Internets, uns alle zusammenzubringen, und ich wünsche mir oft, dass Google an dieser Idee festgehalten hätte, anstatt zu versuchen, auch mit Hardware zu experimentieren.

Ich weiß natürlich, dass ich meinen Optimismus mit dem Wissen mildern sollte, dass Google sehr wahrscheinlich gerne meine Daten an die nächsten Werbetreibenden verkaufen wird. Aber im Moment hänge ich gerne noch meinen Träumen nach.

Apple, dein Job

Können wir als Folge von Stadia auch etwas von Apple erwarten? Es gibt ein vages Gerücht über einen Apple Gaming-Abo-Service, aber wie ich bereits sagte, weiß Apple kaum, was mit den Streaming-Diensten anzufangen, die schon heute für iOS existieren. In diesem Zusammenhang schießt sich Apple mit Spielen wirklich in den Fuß. Der Mac ist zum einen praktisch spielefeindlich. Was MFi-Controller betrifft, so hat Apple bizarrerweise jahrelang keine Controller zertifiziert, bei denen man auf die Thumbstick-Tasten drücken kann, was einige Konsolenports unspielbar machte. Glücklicherweise hat Apple einige seiner Richtlinien mit iOS 12 gelockert, aber das kann zu spät sein, um den Rückstand aufzuholen.

Ich bezweifle daher sehr stark, dass ein Apple-Spiele-Dienst kommt. Aber es ist mir egal. Wenn es Google gelingt, Stadia so gut funktionieren zu lassen, wie es klingt, dann können ich und viele andere Mac-Spieler uns darauf stürzen. Als Bonus, wenn Stadia und ähnliche Dienste sich als beliebt genug erweisen, werden sie vielleicht eine Reform in Bezug auf die willkürlichen und oft veralteten Highspeed-Beschränkungen auslösen, mit denen viele von uns zu tun haben.

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