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Was uns Apples jüngste Produkt-Vorstellungen verraten

11.05.2020 | 15:49 Uhr |

Manchmal ist Apples Schweigen ebenso informativ wie die wortreichen Pressemitteilungen der Firma.

Apple wählt seine öffentlichen Auftritte sehr sorgfältig aus, sodass man oft zwischen den Zeilen lesen muss, um herauszufinden, was das Unternehmen vorhat. Denn die Schritte, die Apple nicht geht, sind fast genauso bedeutend wie die, die Apple tatsächlich unternimmt.

Auch wenn es für Apple-Beobachter bisher kein ereignisloser Frühling war, so war es doch aufschlussreich zu sehen, welche Produkte das Unternehmen ausgeliefert hat, denn sie weisen den Weg zu den Bereichen, in denen Apple seine Kräfte stattdessen vor einigen gewichtigeren Schritten bündeln könnte.

Es sind noch etwa sechs Wochen, bis Apple seine virtuelle weltweite Entwicklerkonferenz mit den nächsten großen Ankündigungen startet, und wir haben noch etwas Zeit, bis unsere neuesten Theorien auf den Prüfstand kommen.

Ein Zoll daneben

Vor der Veröffentlichung der überarbeiteten 13-Zoll Macbooks Pro in der vergangenen Woche hatten Spekulationen bereits angedeutet, dass die kleineren Macbooks Pro eine Erneuerung erfahren würden, wie sie das 15-Zoll Modell im letzten Herbst erhielt, als es sich als 16-Zoll Macbook Pro entpuppt hat.

Gerüchte über ein 14-Zoll-Macbook Pro mit einem größeren Bildschirm und kleineren Rahmen schienen plausibel, aber letztendlich war das, was Apple herausbrachte, ein viel bescheideneres Update: Während die High-End-Modelle neue Prozessoren und RAM-Riegel passend zum Magic Keyboard und verdoppelten Speicher erhielten, sind die Einsteiger-Modelle kaum verändert.

Dies war keine Kurz-vor-Knapp-Entscheidung: Ein solches Update auf den Markt zu bringen, würde noch Monate dauern. Und wenn das 14-Zoll-Macbook Pro fertig wäre, hätte Apple es auch herausgebracht – es wäre sinnlos, etwas zurückzuhalten, das mit der Zeit an seinem Wert verliert. Gleichzeitig erscheint die Veröffentlichung eines weiteren neuen Modells im Herbst, nur etwa sechs Monate nach dem letzten Update, ebenfalls als potenziell seltsamer Zeitpunkt.

Es ist möglich, dass das Zurückhalten eines substantielleren Redesigns ein bedeutenderes Ereignis auf der Mac-Plattform einläuten könnte – etwa der lange kolportierte Übergang zum ARM-Prozessor? Ich hätte zwar nicht gedacht, dass das 14-Zoll-Macbook-Pro der erste Mac sein würde, der den Sprung geschafft hat, aber Apple hat die Umstellung auf Intel damit begonnen, das Powerbook in das Macbook Pro umzuwandeln, und die Geschichte wiederholt sich gern.

iPad Pro forma

Unterdessen hat das iPad Pro 2020 eine seltsam ähnliche Umwandlung erlebt. Abgesehen von einigen Verbesserungen bei der Grafikleistung und dem zusätzlichen LIDAR-Sensor sieht das neueste Modell von Apples High-End-Tablet, das erst vor wenigen Wochen überarbeitet wurde, verdächtig ähnlich aus wie das von 2018.

Und ähnlich wie beim MacBook Pro gab es auch beim iPad Pro Gerüchte über eine im Herbst fällige umfangreichere Aktualisierung mit Mini-LED-Display und vielleicht anderen wesentlichen Verbesserungen.

Natürlich ist ein Prozessorumstieg für die iPad-Reihe wahrscheinlich nicht geplant, sodass die Mac-Erklärung hier keinen Sinn ergibt. Abgesehen davon gibt es sicherlich einige andere wichtige Technologien, die mit einem späteren iPad erwartet werden, wie z. B. 5G-Funk. Aber da Gerüchten zufolge dieses substanziellere Update im Jahr 2021 kommen soll, ist es sicherlich sinnvoller, dass das iPad Pro 2020 eine Lücke füllen soll und, was noch wichtiger ist, die Veröffentlichung des Magic Keyboards begleitet.

iMac-Angriff

Zu den Produktlinien, die seit einiger Zeit nicht mehr aktualisiert wurden, gehören die meisten Desktop-Macs von Apple. Der Mac Mini wurde zuletzt im November 2018 aktualisiert, aber angesichts der Tatsache, dass zwischen den Aktualisierungen regelmäßig Jahre liegen, ist kaum überraschend, dass kein Mac Mini 2020 existiert. Und natürlich ist der Mac Pro immer noch brandneu.

iMac Pro und iMac

Der iMac und der iMac Pro sind jedoch unterschiedliche Geschichten. Ersterer wurde seit März 2019 nicht mehr aktualisiert, während letzterer seit seiner Einführung im Dezember 2017 mehr oder weniger unverändert geblieben ist. Einige hatten eine Theorie, dass der iMac Pro immer nur als Einzelausgabe gedacht war, um als Platzhalter in der Produktreihe bis zum Erscheinen des Mac Pro zu dienen, aber angesichts der Tatsache, wie teuer Apples High-End-Desktop ist, scheint es auf jeden Fall so, als gäbe es noch Platz in der Preismatrix für den iMac Pro.

Der iMac Pro kann auf der WWDC im Juni ein Update erhalten. Zum einen ist er ein Gerät für Profis, das wahrscheinlich ein Entwickler-Publikum ansprechen wird. Andererseits, wenn eine größere Design-Änderung ansteht – etwa ein iMac mit einem größeren Bildschirm und einem schmaleren Rahmen und einem Gerücht, dass der 23-Zoll-iMac das 21-Zoll-Modell ersetzen könnte – scheint es seltsam zu sein, zuerst den iMac Pro zu aktualisieren, nur um sein Design schnell wieder auf den neuesten Stand zu bringen.

Vielleicht ist der Herbst also ein besserer Zeitpunkt für neue Apple-Desktops. Der iMac scheint sich gerade in einem etwa achtzehn- bis zwanzigmonatigen Aktualisierungszyklus zu befinden, sodass dieser Herbst anscheinend angepeilt wird, was gut zu Intels kürzlicher Ankündigung eines Comet Lake Desktop-Prozessors passt, der für einen neuen iMac geradezu perfekt wäre. Vorausgesetzt natürlich, dass der Übergang zum ARM-Prozessor nicht zuerst die Desktop-Macs von Apple trifft.

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