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Welche Prioritäten Apple 2021 für den App Store setzen sollte

02.01.2021 | 10:10 Uhr |

Apple hat im Jahr 2021 viel vor, aber der App Store könnte mehr Aufmerksamkeit als sonst erhalten.

Während das Jahr 2021 naht (und mit ihm etwas Hoffnung), ist es an der Zeit, einen Blick auf das kommende Jahr zu werfen – unter den für Apple wichtigen Aspekten.

Während es in Cupertino an Plänen für die nächsten zwölf Monate nicht mangelt, scheint ein Bereich, der mehr Aufmerksamkeit als sonst zu bekommen scheint, der App Store zu sein – Apples wichtigste Verkaufsstelle. Dienstleistungen sind weiterhin ein gutes Geschäft für Apple und der App Store ist ein wesentlicher Bestandteil dieses Marktes, aber er steht vor Herausforderungen.

Apple hat bereits einige Änderungen an seinen seit Langem bestehenden App-Store-Praktiken vorgenommen und die jüngsten Entwicklungen haben auch deutlich gemacht, dass weitere Änderungen geplant sind. Worauf müssen wir uns also im Jahr 2021 einstellen?

Schluss mit der  hohen "Apple Steuer"

Apples neu vorgestelltes Programm für kleine Unternehmen zielt darauf ab, eine seit Langem bestehende Zahl zu ändern: 30 Prozent. Das ist der Anteil an den Erlösen aus dem App Store, den Apple seit der Gründung des Stores eingenommen hat. Letzten Monat kündigte Apple jedoch an, dass Entwickler, die in einem bestimmten Kalenderjahr weniger als eine Million Dollar an Einkünften erzielen, berechtigt sind, eine Reduzierung des Anteils von Apple auf nur 15 Prozent zu beantragen – mit einigen Nebenbedingungen.

Das ist eine bedeutende Nachricht. Einige Analysten sagen, dass bis zu 98 Prozent der Entwickler im App Store weniger als eine Million Dollar verdienen; von denjenigen, die diese Grenze überschreiten, sind die meisten große Unternehmen, die weit mehr als diese Summe einnehmen. Aber es bleiben Fragen zu denjenigen, die genau in der Mitte liegen.

Ein Haken an dem Programm ist, dass wenn Sie diese eine Million Dollar in einem Kalenderjahr erreichen, der Rest Ihres Jahreseinkommens wieder auf diese 30 Prozent steigt – und Sie müssen das nächste Jahr  30 Prozent auf alles abführen. Nur wenn die Einnahmen des Folgejahres wieder unter die 1-Million-Dollar-Marke fallen, sind Sie berechtigt, den 15-Prozent-Deal im Folgejahr zu beantragen.

Dieses Ping-Pong-Spiel hat einige Entwickler beunruhigt und sogar zu Ideen geführt, dass Entwickler ihre Anwendungen zum Ende des Kalenderjahres aus dem Geschäft nehmen könnten, wenn ihre Einnahmen sich der 1-Million-Dollar-Marke nähern.

Ist dies nur ein Testballon von Apple? Das ist schwer zu sagen. Die 30-Prozent-Gebühr ist nicht nur in der Mobilfunkbranche, sondern auch auf anderen digitalen Plattformen wie Spielkonsolen weitgehend Standard. Apples Schritt könnte diejenigen wieder mehr in Blick rücken, die stur an der 30-Prozent-Marke festhalten. Aber obwohl Apple diesen Rückgang der Einnahmen aus dem App Store ziemlich leicht verkraften kann, geraten Konkurrenten – wie etwa Konsolenhersteller, die die Hardware oft mit Verlust verkaufen und ihre Investitionen über diese Gebühren wieder hereinholen – vielleicht  in Schwierigkeiten.

Aber Sie können darauf wetten, dass Apple genau beobachten wird, wie dieses Programm in den nächsten zwölf Monaten verläuft, nicht nur für die Entwickler, sondern auch für sich selbst. Nicht zuletzt deshalb, weil auch der App Store einige damit verbundene Herausforderungen vor sich hat.

Kartellrechtliche Überprüfung erwünscht

Wie der Rest von Big Tech stand auch Apple im vergangenen Jahr im Fadenkreuz der Gesetzgeber und Regierungsbehörden. Im Fall von Apple liegt es am App Store, der laut der Ankläger in wettbewerbswidriger Art geführt sei.

Apples Kürzung der App-Store-Gebühr könnte ein Versuch sein, sich dieser Prüfung zu entziehen, aber angesichts der Tatsache, dass die Beschwerden von Entwicklern und Kunden nur zum Teil den gezahlten Geldbetrag betreffen und sich stattdessen mehr mit Apples Regeln und Einschränkungen bezüglich dessen befassen, was innerhalb des Stores selbst getan werden kann und was nicht, wird die Reduzierung auf 15 Prozent wahrscheinlich nicht viel dazu beitragen, Kritiker dauerhaft zum Schweigen zu bringen.

Obwohl in den USA ein Regierungswechsel ansteht und die Biden-Administration vielleicht ein wenig freundlicher mit Big-Tech-Unternehmen umgehen könnte, bleibt es aber sehr wahrscheinlich, dass dem App Store im Laufe des Jahres 2021 mehr und nicht weniger Aufmerksamkeit zuteil wird. Das Small Business Program könnte jedoch nur der erste Versuch von Apple sein, diese Art von Bedenken auszuräumen – vielleicht stehen noch weitere Veränderungen an.

iOS-Apps laufen bald überall

Was schließlich die technische Seite betrifft, so sind wir in eine neue Ära eingetreten, in der Anwendungen, die für iOS entwickelt wurden, auf Macs mit Apples eigenen Prozessoren ausgeführt werden können. Das bedeutet, dass die Entwickler von Anwendungen nun Entscheidungen darüber treffen müssen, wie und ob sie Macs als potenzielle Märkte für ihre Produkte ins Auge fassen.

Bisher waren die iOS-Anwendungen, die ihren Weg auf M1-basierte Macs gefunden haben, eher unspektakulär – sie sind wirklich nicht mehr oder weniger als Transplantate von der mobilen Seite, mit all den Fallstricken und Mängeln, die mit dem Wechsel zu einer Plattform mit einem grundlegend anderen Interaktionsmodell einhergehen.

Aber der Weg in die Zukunft ist gewiesen. Apples Mac-Catalyst-System bietet eine Möglichkeit, iOS-Anwendungen zu erstellen, die sich wie Mac-Apps anfühlen und das Unternehmen hat auf sein SwiftUI-System als die letztendliche Richtung für Anwendungen hingewiesen, die auf allen seinen Plattformen laufen sollen. Der Übergang zu Apple Silicon auf dem Mac befindet sich im frühesten Stadium, und die Entwickler werden eine Vielzahl verschiedener Ansätze für diesen neuen Markt verfolgen. Aber in zwölf Monaten werden wir – und der App Store – vielleicht an einem ganz anderen Ort sein als heute.

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