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iMessage auf Android? Niemals! Hört auf zu fragen…

20.08.2019 | 12:00 Uhr |

Android-Nutzer sind neidisch auf iMessages (Nachrichten) und fühlen sich ausgeschlossen. Das wird aber so bleiben. Die Gründe dafür.

Fragen Sie einen beliebigen Android-Benutzer, welche Apple-App er gerne auf seinem Galaxy- oder Pixel-Telefon haben möchte, und die Antwort wird fast überall die gleiche sein: iMessage (Nachrichten). Und der wahrscheinliche Grund für diese Antwort? Grüne Sprechblasen.

Während Android-Nutzer nicht wissen können, ob die Person, mit der sie texten, ein iPhone, Android oder ein Windows-Phone hat, macht Apple sehr deutlich, welches Gerät Sie und Ihre Freunde verwenden. Nachrichten von iPhone-Nutzern sind in heitere blaue Blasen gehüllt, während die Blasen aller anderen in einem grellen grünen Farbton gefärbt sind.

Und wir Android-Nutzer würden uns freuen, wenn sich das ändern würde. Wir sind es nicht nur leid, dass unsere iPhone-liebenden Freunde uns wegen des Verderbens von Gruppennachrichten tadeln, sondern wir würden auch gerne sehen, worum es bei dem ganzen Getue geht. Wir warten immer noch auf eine alles könnende Messaging-App auf Android, und ein Apple-Client ist sicherlich faszinierend, besonders für diejenigen, die noch immer den Verlust von Allo beklagen. Ich bin bereit zu wetten, dass ein von Apple im Play Store veröffentlichter Android-Client für iMessages schnell zu einer der am häufigsten heruntergeladenen Messaging-Anwendungen werden würde, die Googles eigenen Client, dazu WhatsApp und Signal herausfordern würde.

Es ist ein schöner Traum, aber der wird nie wahr werden. Es spielt keine Rolle, wie viele Tweets, Kommentare oder Leitartikel darüber geschrieben werden, Apple wird iMessage nie für etwas freigeben, das kein Apple-Gerät ist.

Blau vor Neid

Als Apple iMessage 2011 als Bestandteil von iOS 5 auf den Markt brachte, war die Anwendung so etwas wie der BlackBerry Messenger für iOS-Anwender. Apple beschrieb es als "einen neuen Messaging-Dienst, mit dem Sie ganz einfach Textnachrichten, Fotos und Videos zwischen allen iOS 5-Benutzern senden können", und so einfach war es wirklich: Schalten Sie es ein und Sie können mit Ihren Freunden über Wi-Fi oder Handy chatten, ohne Ihren Mobilfunktarif zu belasten. Nachrichten kommen sofort an, Indikatoren zeigten an, wann die Personen reagierten, und Lesebestätigungen informieren Sie, wenn jemand Ihre Nachricht angesehen hat.

iMessages sind nicht nur in einer schönen Farbe gehalten - sie bedeuten auch, dass Sie alle Funktionen von Messages nutzen können - und keine SMS-Gebühren anfallen.
Vergrößern iMessages sind nicht nur in einer schönen Farbe gehalten - sie bedeuten auch, dass Sie alle Funktionen von Messages nutzen können - und keine SMS-Gebühren anfallen.
© Leif Johnson / IDG

Etwa acht Jahre später ist iMessage der wohl am weitesten verbreitete Messaging-Dienst der Welt. ( Das geben die Zahlen von Statista aus dem Jahr 2017 zwar nicht her, doch scheint iMessages in die Statistik gar nicht erst eingegangen zu sein. Eine gute Milliarde Geräte hat die App jedenfalls installiert. Anm. d. Red. ) Es gibt ihn auf Macs und Apple Watches sowie auf Hunderten von Millionen iOS-Geräten. Sticker und Bildschirmeffekte können jedes Gespräch aufpeppen. Und man kann Sprachnachrichten von einem animierten Kothaufen vorlesen lassen.

Was sich nicht geändert hat, sind die hellgrünen Blasen. Da iMessage immer beliebter wird, sind die grünen Blasen immer lästiger geworden, so dass, wenn ein Android-Benutzer an einem Gruppengespräch teilnimmt, es die Party für alle verdirbt, die ganze Gruppe grün wird und das iMessage-Erlebnis beeinträchtigt. ( das hat ja nicht nur optische Gründe, denn grün steht auch für SMS, die kostenpflichtig sein könnten. Anm. d. Red. )

Der Analyst Ben Bajarin von Creative Strategies erzählte letzte Woche eine Anekdote über einen 16-jährigen Switcher, der sagte, dass er sein Pixel 2 speziell wegen der grünen Blasen aufgegeben habe. Wie er erklärte, war er es leid, aufgrund seines grünen Status aus Gruppenchats ausgeschlossen zu werden. Und das betrifft nicht nur Schüler: Laut New York Post ist es so schlimm geworden , dass einige iPhone-Nutzer nicht einmal in Betracht ziehen, sich mit jemandem zu einem Date zu treffen, der nicht mit blauen Blasen schreibt.

Zugegeben, das ist eine kleine Stichprobengröße und es ist genauso einfach, Leute zu finden, die nicht so oberflächlich sind, aber wenn es eine Conclusio daraus gibt, dann ist es, dass sich die Leute um ihren Status sorgen. Das ist kein Versehen. Apple unterscheidet iMessages von SMS-Nachrichten mit so stark unterschiedlichen Farben aus einem Grund: Um zu zeigen, wer von Ihren Freunden den guten Geschmack hat, ein Apple-Gerät zu kaufen ( Und um auf kostenpflichtige Dienste hinzuweisen, denn je nach Tarif sind früher oder später alle Frei-SMS aufgebraucht, Anm. d. Red. )

Die Rechnung geht nicht auf

Wenn die Aufnahme in den Club der blauen Blasen für Apple nicht Grund genug ist, iMessage für iOS gesperrt zu halten, dann rechnen Sie mal nach: Apple verdiente mehr als 30 Milliarden Dollar mit dem Verkauf von iOS-Geräten allein im letzten ( eher schwachen ) Quartal sowie weitere 11,5 Milliarden Dollar mit Dienstleistungen, von denen die überwiegende Mehrheit an genau diese Apple-Geräte gebunden ist.

iMessage ist ein Umsatzbringer für Apple, auch wenn es den Leuten nichts kostet, den Dienst zu benutzen.
Vergrößern iMessage ist ein Umsatzbringer für Apple, auch wenn es den Leuten nichts kostet, den Dienst zu benutzen.

Zugegeben, eine iMessage-App für Android wäre mit ziemlicher Sicherheit ein kostenpflichtiger Dienst, aber das rechnet sich immer noch nicht. Selbst wenn Apple erfolgreich 10 US-Dollar im Monat für einen plattformübergreifenden iMessage-Dienst verlangen könnte - keine Kleinigkeit, wenn WhatsApp, Facebook Messenger und Android Messages alle kostenlos sind - müsste es große Massen an Abonnenten gewinnen, um den unvermeidlichen Verlust von iPhone-Nutzern auszugleichen.

Etwas schnelle Mathematik: Wenn sich 10 Millionen Menschen für 10 US-Dollar im Monat für iMessage anmelden, würde das 300 Millionen US-Dollar pro Quartal einbringen. Bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis von etwa 750 US-Dollar entspricht das etwa 400.000 iPhones oder weniger als einem Prozent des Quartalsumsatzes. Wenn also die Verkäufe des iPhone nach der Einführung von iMessage für Android um mehr als ein Prozent sinken würden - eine ziemlich wahrscheinliche Konsequenz, die auf den obigen Anekdoten basiert - dann würde Apple tatsächlich Geld verlieren.

Das Experiment mit Apple Music

Aber selbst wenn Sie das ignorieren wollen und trotzdem hoffen, dass Apple die Welt schockieren und eines Tages eine iMessage-App für Android enthüllen wird, gibt es einen weiteren Grund, warum es nie passieren wird: Apple Music.

Nun könnte man die Existenz von Apple Music auf Android eben genau als Grund nehmen, warum Apple iMessage für Android entwickeln würde, aber ich sehe es anders. Apple Music for Android hat zwischen 10 Millionen und 50 Millionen Downloads, was wie eine ziemlich große Zahl aussieht. Aber wenn man bedenkt, dass Deezer und YouTube Music jeweils mehr als 100 Millionen Downloads haben und Spotify allein 500 Millionen Downloads misst, gibt das der Popularität von Apple Music eine etwas größere Perspektive. Außerdem hat es nur eine dreieinhalb Sterne Bewertung.

Natürlich ist Apple Music nicht iMessage, aber es liegt auf der Hand, dass Apple-Apps einfach nicht so beliebt auf Android sind. Apple würde einen der größten Vorteile des iPhone aufgeben und wahrscheinlich Geld für eine App verlieren, die wahrscheinlich hinter den Konkurrenten im Play Store zurückbleiben würde. Und obwohl Android sicherlich einen Messaging-Dienst wie den von Apple nutzen könnte, der tatsächlich funktioniert, gibt es keine Garantie dafür, dass er auf Android-Handys genauso nahtlos und zeitnah funktioniert wie auf Apples Geräten. Funktionen würden zweifellos zurückgehalten, Updates würden mit Verzögerung passieren, und letztendlich wäre es wahrscheinlich nicht besser als Allo oder eine der anderen Messaging-Apps - außer dass die Chats Ihrer iPhone-Freunde blau bleiben.

Ich denke, es ist sicher zu sagen, dass Apples iMessage für iOS gesperrt bleibt, solange das iPhone eine Sache ist, die Apple mit Gewinn verkauft. Auch wenn Sprechblasen ärgerlich grün werden.

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