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iPad Pro ist zu gut für iPadOS, nur macOS kann es retten

11.06.2021 | 10:30 Uhr |

Das iPad Pro ist ein seltsames Produkt bei Apple: Der Hersteller beschränkt sein Potential mit halb garen iPadOS-Funktionen.

Endlich bringt iPadOS 15 viele der Funktionen, auf die iPad-Nutzer geduldig gewartet haben: Homescreen-Widgets, App-Mediathek, besseres Multitasking, Schnellnotizen im Stil von Notizzetteln auf dem Mac und eine Safari-Tab-Leiste auf Desktop-Niveau, um nur einige zu nennen. Sobald das Update im Herbst auf die iPads ausgerollt wird, wird es dem Tablet eine dringend benötigte Überarbeitung geben, die es ein wenig moderner erscheinen lässt als jetzt.

Aber wenn Sie gerade eines der neuen 12,9-Zoll-iPads Pro gekauft haben, wird es nicht viel anders aussehen. Sicher, wenn Sie ganz doll daran glauben, sieht der neue Homescreen etwas mehr nach Mac aus. Die neue Multi-Fenster-Ablage macht Sie produktiver, indem sie systemweites Multitasking ermöglicht. Und die Tastaturnavigation und die erweiterten Tastenkombinationen geben dem Magic Keyboard ein wenig mehr Sinn.

macOS ist einfach leistungsfähiger

Aber im Kern ist es immer noch ein iPad, egal ob Sie 379 oder 3.079 Euro ausgeben. Nichts am M1-Prozessor des iPad Pro oder 16 GB RAM macht iPadOS 15 besser. Natürlich können Sie das gleiche Argument beim Mac anwenden. macOS 12 Monterey enthält einen Haufen cooler Funktionen für Profis wie Universal Control und Shortcuts, die Anwendern helfen werden, intelligenter und schneller zu arbeiten, aber es wird alles gleich funktionieren, egal ob Sie ein Macbook Air oder einen Mac Pro haben.

Es gibt jedoch einen Grund, warum die Leute Tausende für ein Macbook Pro oder einen Mac Pro ausgeben – Leistung. Wenn Sie mehr für einen Mac ausgeben, erhalten Sie mehr Leistung und mehr Geschwindigkeit, weshalb wir immer noch auf die High-End-Rechner von Apple warten. Es wird gemunkelt, dass sie viel mehr Kern- und Grafikleistung bringen, was den Mac-Anwendern, die bereit sind, Tausende für High-End-Rechner auszugeben, absolut zugutekommen wird.

Beim iPad ist das anders. Während das iPad Pro in Benchmarks sicherlich schneller ist als das Einsteiger-iPad und das iPad Air, fühlt es sich bei der Benutzung nicht ganz so schnell an. Wir haben das 12,9-Zoll-iPad Pro getestet , und im Vergleich zum 2020er-Modell oder dem iPad Air mit A14 fühlt es sich nicht allzu viel schneller an. Vielleicht öffnen sich Apps schneller, wenn man eine Stoppuhr verwendet, aber iPadOS hat sich noch nie langsam angefühlt, es sei denn, man verwendet extrem alte Hardware (und vielleicht nicht einmal dann).

Während iPadOS 15 also einige Fehler beim Multitasking und dem Homescreen behebt, tut es nichts, um das iPad Pro über ein etwas schnelleres iPad Air mit einem schöneren Bildschirm hinauszuheben. Und ich bin mir nicht sicher, ob Apples iPadOS-Updates das jemals tun werden.

Nichts für Power-User

Es gibt zwar nichts an macOS, das speziell für Profi-Anwender entwickelt wurde, aber das System ist vielseitig genug, um sich so anzufühlen. Dass macOS für Amateure einfach zu bedienen und für Profis leistungsfähig genug ist, verdankt es einer breiten Palette von Funktionen und der Flexibilität der Benutzeroberfläche.

Das ist bei iPadOS nicht wirklich der Fall. Während einige Power-User die Shortcuts auf erfinderische Art und Weise manipulieren und die Gesten und Tastaturkürzel voll ausnutzen, gibt es nicht wirklich einen Vorteil, ein höherwertiges Gerät zu kaufen, wenn es um die Benutzererfahrung geht. Funktionen wie 5G und Thunderbolt sind nett, aber sie wirken sich auf das Erlebnis nicht wirklich aus.

Wenn überhaupt, ist iPadOS 15 für Profis ein Rückschritt. Die neuen Multitasking-Funktionen ändern nicht wirklich die Art und Weise, wie das System mit mehreren Apps umgeht, sondern machen sie eher leichter zu entdecken und einfacher zu bedienen. In der Annahme, dass die alten Gesten immer noch funktionieren, werden iPad-Pro-Nutzer wahrscheinlich auf ihre Apps auf die alte Weise zugreifen und das Multitasking-Menü ganz vermeiden.

Ein Helfer, aber nicht der Star

Apple wirft den Pro-Nutzern mit der Möglichkeit, Apps in iPadOS 15 zu erstellen, einen Knochen zu, aber selbst das ist verwässert. Anstatt einer mobilen Version von Xcode erlaubt iPadOS 15 die App-Entwicklung in Swift Playgrounds. Damit ist angeblich der Zugriff auf eine "vollständige Bibliothek von UI-Komponenten" und eine direkte Einreichung der Apps in den App Store möglich, aber die meisten erfahrenen App-Entwickler, selbst diejenigen, die in Swift programmieren, werden wahrscheinlich bei Xcode auf dem Mac bleiben.

Und dann ist da noch Universal Control, das wahrscheinlich coolste Feature, das auf der WWDC vorgestellt wurde. Obwohl es technisch gesehen ein Mac-Feature ist, funktioniert es am besten, wenn es mit einem iPad verwendet wird, um Inhalte zwischen den Geräten zu verschieben und so zu arbeiten, als ob sie ein Multi-Monitor-Setup wären. Obwohl es technisch für die meisten iPads mit iOS 15 (Pad Air 3. Generation und neuer, iPad 6. Generation und neuer und iPad mini 5.)

Aber selbst wenn Universal Control auf das iPad Pro beschränkt wäre, behandelt es das Tablet immer noch als eine Art Begleitgerät. iPadOS 15 hätte echte Unterstützung für externe Monitore, einen Desktop-Modus für das Magic Keyboard, eine bessere Dateiverwaltung, Profi-Apps bringen können – alles, um die High-End-Funktionen und den Prozessor des neuen iPad Pro zu nutzen. Stattdessen bekamen wir einen Haufen von iOS-14-Funktionen.

Das Timing war perfekt für ein fulminantes Debüt des iPad Pro, aber stattdessen bleibt die Frage, für wen genau dieses großartige Gerät gemacht ist. Und leider habe ich das Gefühl, dass wir uns die gleiche Frage nächstes Jahr um diese Zeit stellen werden, wenn iPadOS 16 erscheint.

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