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10.2.22: Einsam an der Spitze

10.02.2022 | 07:24 Uhr | Peter Müller

Samsung gibt fünf Jahre Software-Garantie für Galaxy S22 - Apple sollte nachziehen +++ IDC: Apple hält 72 Prozent Marktanteil bei High-End-Smartphones +++ Apple Classical für klassische Musik - Hinweise im Beta-Code +++ Neuer Rekord: DDR5-Arbeitsspeicher mit 4.779 MHz +++ Google: Zweifaktor-Authentifizierung erhöht Sicherheit deutlich

10. Februar: Riesenangebot

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Kaum zu glauben, es sind schon zehn Prozent des Jahres herum – an goldenen Nachmittagen wie denen in dieser Woche merkt man das auch daran, dass es merklich länger hell bleibt. Morgens leider immer noch nicht, vor den Fenstern des Kellerbüros ist es zu Zeiten des Morgenmagazins immer noch stockduster.  Wenig Erhellendes hat Apple bis dato zum Produktjahr 2022 beigetragen, erste Updates und seit dieser Woche auch zweite Beats der nächsten Aktualisierungen. Die sind indes voll interessanter Perspektiven, etwa auf den Schnellbezahldienst "Tap to Pay" oder das Entsperren des iPhones mit Maske - wir berichteten. Und dann ist erst gestern durchgesickert, dass Apple offenbar ein rOS oder realityOS in Vorbereitung hat. 

Das wird frühestens zur WWDC im Juni offiziell, angeblich aber steigt schon in weniger als vier Wochen die erste Keynote des Jahres mit einem iPhone, einem Mac und einem iPad, wenn es hochkommt. Da hatte Apple schon mal mehr auf einmal auf die Bühen geschafft, zu einem noch früheren Zeitpunkt des Jahres.

So erinnern wir uns gern an den bunten Strauß von neuen Produkten, die Apple am 10. Februar 1993 vorstellte – gleichzeitig überkommt uns in der Retrospektive ein gewisses Schaudern. Gleich sechs unterschiedliche Mac-Modelle in einer großen Preisvarianz stellte der Mac-Hersteller an jenem Spätwintertag vor - drei Wochen nach Amtsantritt einen gewissen Bill Clinton …

Zu jener Zeit war Apple in einer der größten Drucksituationen seiner Geschichte und musste dringend liefern. Eine neue Prozessorplattform stand mit dem PowerPC bereit, und der langjährige Kassenschlager Apple II sollte im November des gleichen Jahres endgültig eingestellt werden.

Jener 10. Februar 1993 brachte also den letzten großen Rundumschlag von 68k-Macs. Der Macintosh LC III setzte die populäre LC-Reihe (LC stand für low cost) fort, der Color Classic brachte der kompakten Form des Ur-Macintosh erstmals Farbe und war damit eine Art Zwischenstation auf dem Weg zum iMac, das Powerbook 165c war der erste Mobilrechner Apples mit Farbbildschirm. Die Modelle Centris 610 und 650 versuchten ihrerseits eine Mittelklasse zwischen Low-End- und High-End-Macs zu definieren, in der der Quadra 800 das Angebot ergänzte. Ein wenig viel auf einmal, der bunte Reigen trug zu einem Modellwildwuchs bei Apple bei, den erst Steve Jobs nach seiner Rückkehr deutlich reduzierte. Immerhin hießen die Centris schon bald Quadra, was aber die Übersichtlichkeit nicht gerade steigerte.

So gehörte es etwa vier Jahre später zu den ersten Maßnahmen von Steve Jobs, die Produktpalette auf das Wesentliche zu reduzieren - mit seiner Rückkehr begann aber auch die Abkehr von jenem PowerPC, der gerade erst auf der Bildfläche erschienen war. Bis zum Umstieg auf die Intel-Plattform sollte es dann aber doch noch ein paar Jahre dauern - in diesem Jahr wird Apple sich endgültig von der x86-Plattform verabschieden und komplett auf das eigene Silizium setzen. Nur wann genau das der Fall sein wird, können wir nur raten. Immerhin verbleiben noch fast 90 Prozent des Jahres.

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Vorteil verspielt: Apple ist dafür bekannt, seine iPhones länger mit Updates auszurüsten als es die Android-Konkurrenz vermag, so läuft etwa das iPhone 6s aus dem Jahr 2015 immer noch mit iOS 15. Für manche Android-Smartphones bekommt man hingegen nicht einmal die Nachfolgegeneration des Betriebssystems installiert. Das ändert Samsung nun mit dem in dieser Woche präsentierten Galaxy S22 und verspricht, fünf Jahre lang die One UI zu unterstützen und Android-Upgrades zu liefern. Ein weiteres Jahr noch soll es Sicherheitsupdates geben. Das lässt Samsung nicht nur mit Apple gleich, sondern in gewisser Weise sogar daran vorbeiziehen. Denn eine Garantie für die lange Unterstützung hat Apple nie gegeben. Es gibt auch Gegenbeispiele: Apple Watch Series 1 und 2 bekamen nur vier Jahre lang die aktuellen Softwareversionen.

Entdeckt: Es lohnt sich immer, den Code neuer Beta-Versionen Apples genauer anzusehen, oft finden sich Hinweise auf künftige Produkte und Services. So haben die Kollegen von 9to5Google in der Beta von Apple Music für  Android den Namen einer künftigen App entdeckt, die klassische Musik präsentieren soll: Apple Classical. Apple Music (der Streamingdienst) ist zwar voll von Klassik, schon der iTunes Music Store war gut damit ausgestattet, mit Apples Programmen Klassik zu hören, ist aber nicht immer ein Vergnügen. Die Struktur der Meta-Daten ist einfach nicht dafür optimiert, das bemerkt man etwa, wenn man Siri fragt, was da gerade spielt und sie zu ellenlangen Erklärungen ansetzt, man aber nur wissen wolle, ob es sich um den dritten Satz der fünften oder den ersten Satz der siebten Beethoven-Sinfonie handelt und welches Orchester da zugange ist. Letztes Jahr hatte Apple den Musikservice Primephonic übernommen, der sich auf klassische Musik spezialisiert hat, im September hatte dieser seine Pforten geschlossen.

Lukrativ: Apple hält im Premium-Bereich der Smartphones, also bei Geräten, die mehr als 800 US-Dollar kosten, einen globalen Marktanteil von 72 Prozent, ergeben die Analysen von IDC. Die Zahlen beziehen sich auf die ersten neun Monate des Jahres 2021, gegenüber dem Vergleichszeitraum im Jahr 2019 hat Apple um neun Prozentpunkte zugelegt. Gleichzeitig ist Samsung von 28 Prozent auf 18 Prozent gefallen. Es kam im vierten Kalenderquartal laut IDC aber noch besser für Apple, die iPhone-13-Reihe erwies sich als so begehrt, dass Apple im kompletten Markt von Samsung die Führung übernahm - ohne in unteren Preiskategorien vertreten zu sein.

Rant : Teslas Design-Chef Franz von Holzhausen findet Apples Design recht öde und vorhersagbar. Es gebe keine Innovationen mehr, stattdessen nur Iteration der gleichen Sachen, so könne man sich auf nichts von Apple freuen, beschwerte er sich im Interview mit Spike's Car Radio. Die Apple Watch verwende er zwar, aber nur "wegen des Fitness-Dings". Über Fitness hinaus sehe er keine Verwendungszwecke für die smarte Uhr.

Mit Zähnen und Klauen: Apple verspürt immer mehr Gegenwind für sein Festhalten an strengen Prinzipien des App Store. Jason Snell ist der Auffassung, dass sich der Rechtsstreit noch eine Weile lang hinziehen wird und Apple am Ende weiterhin sein Geld bekommen werde. Denn aus Sicht Cupertinos handele es sich nicht um Verwaltungsgebühren, nein, Entwickler schuldeten Apple Dank und monetäre Beiträge, dass das Unternehmen die iPhone-Plattform hegt und pflegt. Mit aller Macht werde Apple sich und seine Einnahmen verteidigen, könnte zu einem gewissen Entgegenkommen gezwungen werden, was die Angelegenheit App Store aber verkomplizieren würde.

url link https://www.macworld.com/article/609302/want-to-change-a-macs-drive-icon-some-limits-apply.html Grenzen: _blank Apple erlaubt, nicht nur die Symbole von Ordnern und Programmen (bis auf die eigenen) zu ändern, sondern auch die von externen Laufwerken. Das ist insbesondere dann hilfreich, wenn mehrere Platten am Mac hängen, so lassen sie sich besser unterscheiden. Es gibt aber Grenzen, zwei Formate bleiben bei ihrem Icon: ExFat- und Time-Machine-Volumes. Weitere Nachrichten:

Neuer Rekord: DDR5-Arbeitsspeicher mit 4.779 MHz

Erst vor wenigen Wochen konnte der Speicherhersteller G.Skill einen neuen Weltrekord bei der Taktung von DDR5-Arbeitsspeicher aufstellen. Unter Verwendung einer Flüssigstickstoff-Kühlung ließ sich der RAM auf 4.444 MHz übertakten. Nun hat der Extrem-Übertakter mit dem Namen „lupin_no_musume“ aus Hongkong diesen alten Wert noch einmal übertroffen. Er konnte die Frequenz des G.Skill-Speichers auf 4.779,7 MHz (DDR-9560) steigern. Dabei setzte der Bastler auf ein einzelnes Modul mit 16 GB Speicherkapazität.

Aus einem Eintrag auf Hwbot.org wird ersichtlich, dass dieser beeindruckende Wert auf einem Asus ROG Maximus Z690 APEX Mainboard erzielt wurde. Als Prozessor kam eine CPU der Alder Lake-Reihe von Intel zum Einsatz. Konkret handelte es sich dabei um das Flaggschiff Core i9-12900K. Der besagte Arbeitsspeicher stammt erneut von Hersteller G.Skill. Dieser DDR5-RAM namens Trident Z5 RGB wurde für den Rekord mit den Timings 127-120-120-120-127-2 betrieben.

Noch bleibt unklar, wie lange sich dieser Rekord aufrecht erhalten lässt. Noch liegt „lupin_no_musume“ aber noch deutlich vor dem Zweitplatzierten, der eine Taktung von 4.452,3 MHz erreichen konnte. Der dritte Platz kann immerhin noch 4.352,3 MHz vorweisen. Wer jetzt auf die Idee kommt, den besagten Arbeitsspeicher einfach in sein System zu packen und mit diesen Werten zu betreiben, dürfte schnell an Grenzen stoßen. Schließlich wurden diese Rekordwerte nur durch eine effiziente Kühlung mit flüssigem Stickstoff erreicht. In der Praxis bringen derart hohe Werte nur in Spezialbereichen Vorteile. Im Praxisbetrieb mit Office-Anwendungen und Spielen hingegen ist von den Rekordwerten kaum noch etwas zu merken.

Google: Zweifaktor-Authentifizierung erhöht Sicherheit deutlich

Eine Zweifaktor-Authentifizierung kann die Sicherheit von Logins in hohem Maße steigern. Zu diesem Ergebnis kommt der Suchmaschinenriese Google. Nachdem Google die Zweifaktor-Authentifizierung nun vier Monate lang standardmäßig für einen bestimmten Nutzerkreis aktiviert hat, sank die Anzahl gehackter Google-Konten um 50 Prozent . Im Oktober 2021 wurden die Pläne hierfür angekündigt, als Ergebnis mussten 150 Millionen Google-Nutzer und zwei Millionen Youtube-Produzenten im Rahmen eines Testlaufs ihre Konten mit einem zweiten Faktor absichern.

Dieser groß angelegte Probelauf zeige laut Google, wie stark sich eine bessere Absicherung des eigenen Accounts auf die Sicherheit auswirken kann. Die Zweifaktor-Authentifizierung, die Google „Two-factor Verification“ (2SV) nennt, stellt dabei eine der wichtigsten Säulen dar, um Internetkonten stärker zu sichern. Dies erfordert einen zweiten Bestandteil für den Login, beispielsweise eine SMS auf dem Smartphone oder einen kompatiblen Sicherheitsschlüssel im USB-Format.

Die Sicherheit dieser Technik werde jedoch noch stark von den Nutzern begrenzt. Schon im Jahr 2018 gab Google an, dass über 90 Prozent der Google-Mail-Konten noch nicht mit einer Zweifaktor-Authentifizierung geschützt wurden. Schon damals gab es Forderungen, dass Google diese Absicherung standardmäßig aktivieren müsse. Diesem Wunsch will der Suchmaschinenriese nun offenbar nachkommen.

Noch hätten viele Nutzer die Funktionsweise der Zweifaktor-Authentifizierung laut Google jedoch noch nicht verstanden. Durch Hilfe beim Anlegen eines Kontos mit Notfall-E-Mail und Telefonnummer wolle man Nutzer davor schützen, den Zugriff auf ihr eigenes Konto zu verlieren, nachdem die Zweifaktor-Authentifizierung aktiviert wurde. Der starke Rückgang von Kontenübernahmen dürfte Google dabei den Rücken stärken und das Feature mittelfristig beliebter machen.

 

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