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18.1.22: Spät und später

18.01.2022 | 07:13 Uhr | Peter Müller

Bloomberg: AR/VR-Brille kommt später - nicht vor 2023 im Handel +++ Irres Konzept für autonomes iCar +++ Macbook Pro M2 14'' im Anmarsch +++ Paypal-Nutzer aufgepasst: Neue Angriffe +++ BellaBot: Roboter fährt im Restaurant Essen an die Tische

18. Januar: Geldregen

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Nächste Woche am Donnerstag ist nach Börsenschluss in New York um 22 Uhr MEZ soweit und Apple legt die Bilanz für das erste Quartal seines Geschäftsjahres vor. Wenig deutet darauf hin, dass es sich nicht schon wieder um das beste Quartal in Apples Geschichte handelt. Seit fast zwanzig Jahren kennen die Zahlen bei Apple nur noch den Weg nach oben.

Sicher, zwischendrin hat es kleine Rückschritte gegeben, die waren aber in etwa so, als würde man von einem Gipfel auf ein Plateau absteigen, von dem aus nur noch höherer Gipfel erreicht werden. Die Zahlen, die Apple zu schlagen hat: 111,44 Milliarden US-Dollar Umsatz, 28,76 Milliarden US-Dollar Gewinn.

Das klingt herausfordernd, vor allem weil Apple im Vorjahr das neue iPhone (damals die 12er-Reihe) erst im ersten Quartal in den Handel brachte, im letzten Jahr fiel das erste Verkaufswochenende Ende September noch in das letzte Quartal des Geschäftsjahres davor. Es fehlen in der Bilanz also nicht unwesentliche Verkäufe - das wird es bei den Zahlen Ende nächster Woche zu beachten geben.

Einen zwanzigprozentigen Zuwachse werden wir aber nicht sehen, selbst zehn Prozent mehr sollten kaum möglich sein - Apple kommt schon von einem sehr hohen Niveau. Die Macht der und die Irreführung durch die Zahlen: Am 18. Januar 2006 hatte Apple in seiner Bilanz ein plus von 20 Prozent bejubeln können, bei den Verkaufszahlen von Mac (1,254 Millionen) und iPod (14,04 Millionen). Recht viel mehr gab es seinerzeit bei Apple auch nicht zu kaufen, der neue Rekordumsatz betrug 5,75 Milliarden US-Dollar, als Gewinn waren 565 Millionen hängen geblieben. Aus heutigen Gipfelhöhen kaum noch zu sehen, die Talstation, von der es so steil aufwärts ging.

Macs verkauft Apple etwa um die fünf Millionen im Quartal, saisonal schwankend - Apple nennt nur noch Umsatzzahlen. Das iPad dürfte so auf die 15 Millionen Stück im Quartal kommen und iPhones waren es um die 80 Millionen, vielleicht ein paar weniger, die schon in das Septemberquartal eingingen. Nicht zu vergessen die Produktkategorie mit Apple Watch, Apple TV, Homepod und alle dem Zubehör und vor allem die Services. Da diese unabhängig von der Jahreszeit stets zulegen, könnten sie gar ein wenig von der iPhone-Lücke kompensieren, die keine wirkliche Lücke ist.

Lesetipps für den Dienstag

Verschwunden: In den iPhones 13 ist ein Feature verschwunden, das früher ab Werk auf allen iPhones eingeschaltet war - die Geräuschunterdrückung bei Telefonaten. Abschalten konnte man das über die Bedienungshilfen, aber seit dem letzten Herbst fehlt es den neuen Telefonen. Dabei handelt es sich nicht um einen Bug, Apple hat die Funktion absichtlich abgestellt, berichtet 9to5Mac. Warum das so ist, bleibt fraglich, womöglich verhindert eine Besonderheit der 13er-Modelle das Feature. Wer mit Geräuschunterdrückung telefonieren will, muss eben auf Airpos Pro oder Max zurückgreifen.

Zweite Generation: Nach dem Erscheinen der Macbook Pro M1 Max und Pro im vergangenen Herbst stellte sich die Frage, was den mit dem Macbook Pro M1 von 2020 passieren würde. Stellt Apple das Macbook zwischen den neuen Pros und dem Macbook Air einfach ein oder bekommt es einen Nachfolger? Letzteres behauptet der Leaker Dylandkt: Apple werde das Macbook Pro 13'' M1 durch ein Macbook Pro 14'' M2 ersetzen. Es soll also die zweite Generation von Apple Silicon erhalten, mit weniger Kernen und Speicher als die Chips in den neuen Pros. Der Preis soll deutlich unter dem des Macbook Pro 14'' M1 Pro (oder gar Max) liegen - Apple wird also auf einiges verzichten, womöglich auf das Liquid Retina XDR Display. Ziemlich sicher wird sich aber die Touchbar verabschieden.

Dauert noch: Kann man von Verspätung sprechen, wenn ein bisher nicht angekündigtes Produkt nicht zu dem Zeitpunkt erscheint, an dem es sich die Auguren wünschten, sondern eben – später? Der Plan klang zwar plausibel, dass Apple ein AR/VR-Headset zur WWDC im Juni zeigen und später im Jahr 2022 in den Handel bringen werde, aber natürlich hatte Apple selbst nie etwas zu einem kommenden Produkt gesagt oder gar einen Termin genannt. Eine Verspätung ist etwas anderes. Bloomberg berichtet dennoch nun davon, die Apple Glasses oder wie auch immer das Produkt heißen soll, "verspäte" sich. Apple habe bei der Entwicklung noch Probleme mit der Software, den Kameras und generell mit Überhitzung des Produkts. Von daher könne man den angeblichen Zeitplan nicht einhalten und werde das Gerät erst gegen Ende 2022 vorstellen und erst im kommenden Jahr in den Handel bringen. Dies würden mit der Sache vertraute Quellen den Bloomberg-Reportern Mark Gurman, Debby Wu und  Takashi Mochizuk verraten haben.

Ei, ei, ei: Eine kräftige "Verspätung" wird auch das Apple Car erhalten, respektive hat es bereits. Denn schon im Jahr 2015 kursierten erste Spekulationen um ein "Project Titan" bei Apple und dem ultimativen Ziel, im Jahr 2020 ein autonomes Elektrofahrzeug auf die Straße zu bringen. Im Jahr 2020 hatte die Welt ein anderes Thema, vor einem Jahr schließlich überschlugen sich rasch dementierte Berichte, Apple werde mit Hyundai bis 2025 ein iCar bauen. Die Wette gilt: Kommt das Ende der Pandemie vor dem Apple Car? Sehr wahrscheinlich, auch wenn Covid-19 noch ein paar unangenehme Überraschungen bringen wird. Die Sache ist auch reichlich komplex, von rechtlichen Aspekten des autonomen Fahrens mal ganz abgesehen. Ein Konzept für ein völlig autonomes Fahrerlebnis haben sich die Leute von Yanko Design nun ausgedacht, ihr Apple Car hat nicht einmal mehr ein Lenkrad. Sondern vier recht freistehende Räder, auf das sie zusammenhaltende Fahrgestell ist eine Ei-förmige Kabine mit zwei Sitzen montiert, die sich in 360 Grad drehen kann. Nach der Fahrt von A nach B begebe sich das Auto wieder selbstständig an seinen Parkplatz mit Ladestation zurück, so ähnlich, wie das heute autonome Staubsauger im Haushalt können. Ob Apple dieses Konzept so oder so ähnlich bis zum Ende der 20er umsetzen würde? Da wetten wir dagegen.

Rechenpower: Im Forschungszentrum Jülich ist ein neuer Quantencomputer in Betrieb gegangen, der mit 5000 Qbits als Quantenannealer höchst aufwendige Rechenoperationen unterstützt, wie sie etwa in der Klimaforschung anfallen. Die Anlage ist nach Angaben der Forschenden die größte außerhalb Nordamerikas. Um erschütterungsfrei arbeiten zu können - und das nicht weit vom Braunkohletagebau Hambach entfernt - benötigt die Jülicher Nutzer-Infrastruktur für Quantencomputing (JUNIQ) zwei eigens gebaute Fabrikhallen mit dämpfenden Fundamenten. Gebaut hat die Anlage die kanadische Firma D-Wave. Die besondere Neuerung: Jedes Qbit kann sich mit 15 anderen verbinden, beim Vorgänger D-Wave 2000Q waren nur sechs Verbindungen möglich. Die hohe Anzahol der Quantenbits sagt aber wenig über die Leistung des Rechners aus, IBMs Quantencomputer arbeitet mit nur einer dreistelligen Zahl, dabei kann aber jedes Qbit einzeln manipuliert werden, die tausende des Annealers nur im Ensemble.

Gesundheit: Seit der Series 6 kann die Apple Watch die Blutsauerstoffsättigung messen. Aus den Daten ergibt sich eine neue Metrik, die Cardio Fitness. Wie man diese auf der Uhr konfiguriert und welche Schlüsse man aus den Daten bezügllich seiner Gesundheit ziehen kann, erklärt 9to5Mac ausführlich.

Weitere Nachrichten:

Paypal-Nutzer aufgepasst: Neue Angriffe

Paypal-Kunden sind erneut ins Visier von Cybergangstern geraten, wie Verbraucherschützer warnen. Die betrügerischen Mails sind denkbar knapp gehalten.

In den aktuellen Phishingmails steht zu lesen, dass das Paypal-Konto angeblich eingeschränkt wurde, um die Transaktion zu schützen. Einen konkreten Grund für diese Einschränkung nennt die Mail nicht. Die Einschränkung bleibe aber so lange bestehen, bis der Empfänger der Mail sein Konto bestätigt habe, droht die Mail. Das könne man über den Link machen, der hinter einem blauen Button mit der Aufschrift „Bestätigen Sie Ihr Konto“ in der Mail hinterlegt ist. Es handelt sich dabei also um die altbekannte Betrugsmasche.

Interessant ist der Zusatz, dass der Überprüfungsprozess, der nach Eingabe der Nutzerdaten angeblich starten soll, 48 Stunden in Anspruch nehmen soll. Das sieht so aus, als wollten sich die Betrüger einen zeitlichen Vorsprung von zwei Tagen verschaffen, in denen das Opfer nicht misstrauisch werden soll.

Paypal-Nutzer sind immer wieder mal das Ziel von Phishing-Attacken. Insofern ist der neue Angriff nicht ungewöhnlich. Wie immer gibt es für diese Mail nur eine Antwort: Löschen Sie die Mail, ohne etwas darin anzuklicken.

BellaBot: Roboter fährt im Restaurant Essen an die Tische

Eine chinesische Restaurantkette findet wegen der Covid-19-Pandemie keine Bedienungen mehr. Deshalb bringen jetzt Roboter das Essen an die Tische. Das berichtet die britische Tageszeitung Daily Mai in ihrer Onlineausgabe. Die Servierroboter werden demnach seit November 2021 in der chinesischen Restaurantkette in den vier Filialen in Nordwest-England eingesetzt. Sie ersetzen dort Bedienungen, die den Restaurants wegen der Covid-10-Pandemie verloren gegangen beziehungsweise abgesprungen sind, unter anderem weil sie in Quarantäne gehen mussten/müssen.

In jeder der vier Filialen der Kette „The Chinese Buffet“ in Liverpool, St Helens, Bolton und Wigan kommt jeweils ein zirka 1,30 Meter hoher „ BellaBot “ zum Einsatz. Die Gäste setzen sich an einen der Tische und bestellen via App ihr Essen, das der BellaBot dann zu den Tischen fährt. Sobald der Roboter den Tisch erreicht, für den das Essen gedacht ist, fordert er die wartenden Gäste auf, sich ihr Essen aus den Fächern zu nehmen. Der Roboter besitzt also keine Arme, mit denen er den Gästen die Tablets auf den Tisch setzen kann.

Dabei kann der Roboter von der Küche so programmiert werden, dass er mehrere Tische auf einer Fahrt in der richtigen Reihenfolge mit den Gerichten versorgt. Das Fach, das für den jeweiligen Tisch gedacht ist, wird beim Erreichen des Tisches farblich markiert, damit die Gäste wissen, welches Tablet sie von Roboter nehmen sollen. Außerdem nennt der Roboter beim Erreichen eines Tisches die Tischnummer, für die die Gerichte gedacht sind.

Die fahrenden Roboter haben ein freundlich dreinschauenden virtuelles Gesicht, können über einen Touchscreen bedient werden und kosten rund 20.000 Euro pro Stück. Jeder selbstfahrende Roboter besitzt vier Staufächer zum Transportieren von insgesamt vier Tablets bei einer Fahrt.

Hindernisse umfährt der in China gefertigte Roboter selbstständig, hierzu nutzt er Laser und 3D-Sensoren. Hindernisse müssen mindestens zwei Zentimeter hoch sein, damit der Roboter sie erkennen und ihnen ausweichen kann. Hier gibt es eine ausführliche Herstellerbeschreibung.

Laut den Betreibern legt ein Roboter über 107 Kilometer in einer durchschnittlichen Woche zurück. Die Gäste seien überwiegend begeistert und die Restaurants konnten sogar neue Gäste gewinnen, die neugierig auf die Roboter waren. Mittlerweile übernehmen die Roboter auch Zusatzfunktionen: Feiert man beispielsweise einen Geburtstag im Restaurant, dann fährt der Roboter zum Tisch und singt „Happy Birthday“.

Dadurch, dass die Roboter das Servieren übernehmen, könne sich das Personal um die individuellen Wünsche der Gäste kümmern, wie die Restaurantbetreiber erklären.

Laut dem Bayerischen Rundfunk kommt dieser Roboter auch schon in Restaurants in Deutschland zum Einsatz.

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