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27.4.22: Form und Funktion

27.04.2022 | 07:28 Uhr | Peter Müller

Ecken des iPhone 14 Pro sollen noch runder werden +++ Apple verspricht Firmwareupdate für Studio Display in macOS 12.4 +++ Facebook weiß nicht, wie es Daten verwertet +++ Vorwurf widerlegt: Apple profitiert nicht von ATT +++ Dritte Beta von iOS 15.5 veröffentlicht

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Design oder nicht sein, das ist hier die … Oh, entschuldigen Sie den Kalauer zu solch früher Stunde. Aber heute müssen wir Design reden, am Welttag des Designs und dem Welttag der Grafikerinnen und Grafiker. Nicht von ungefähr waren und sind diese Kernzielgruppe der Apple-Produkte, spätestens seit Anbeginn des Mac. Das liegt nicht daran, dass Apple mit der Vision von Steve Jobs einen besonderen Schwerpunkt auf das Design von Hard- und Software gelegt hat und somit Gleiches zu Gleichem kommt, sondern eher daran, dass der Mac seit jeher das Werkzeug der Wahl für Gestalter ist. Erneut betont das Apple mit dem Mac Studio, der aber nicht nur in Grafik- und Design-Studios seinen Einsatzzweck findet, sondern auch in einigen Tonstudios, denen von Videoproduzenten und selbst Architekturbüros.

Der Grund für die lange Tradition seit 1984 ist eher simpel: Grafiker, Designer, Gestalter waren die ersten, die den Weg der Digitalisierung in ihren Berufen beschritten. Das Versprechen des Computers ist hier klar ersichtlich: Keine analoge Ausschneiderei und Kleberei mehr, Optimierungen mit einem Mausklick erledigt und aus all den Optionen der Gestaltung am Bildschirm die beste schnell ausgesucht. Dafür brauchte es von Anfang an weit mehr Rechenleistung als etwa für Serienbriefe oder Tabellenkalkulationen, weshalb Kreative nach der besten Hardware verlangten. Und die gab es nun mal bei Apple.

Das ist an sich immer noch der Fall, obwohl Apple im ersten Dutzend iPhone-Jahres viele Kreative verärgert und mit Sicherheit zahlreiche Kunden verloren hat, die ihre Workflows nicht an neue Schnittstellen und komplett auf den Kopf gestellte neue Software anpassen wollten und konnten. Ein Computer, vor allem ein vergleichbar teuer, muss auf dem Schreibtisch des Profis von Anfang an Geld verdienen, nicht nur bis er sich amortisiert hat, sondern auch noch weit darüber hinaus. Massive Änderungen an Hardware und Software sind dabei ebenso kontraproduktiv wie überhaupt keine Innovation mehr. Umso mehr freuen sich Kreative von heute über die M-Ära, wenn sie nicht schon längst Apple den Rücken gekehrt haben.

Was für Gestalter ärgerlich war, die ihre ersten digitalen Arbeiten an Performas, Quadras oder gar dem legendär teuren Macintosh IIfx erledigten, ist für Apple aber wirtschaftlich konsequent und lukrativ. Wenn junge Leute ihre ersten Erfahrungen mit Ton- oder Videoschnitt an iMac und iPad mit Garageband und iMovie machen, warum sollen dann Logic Pro und Final Cut Pro ganz anders aussehen und eine neue Einarbeitung erforderlich machen, wenn man sich einen Mac Studio zulegt, um mit diesem Geld zu verdienen? Wer weiß, wie die Software und deren Anforderungen an die Hardware aussehen, wenn diese Generation von Kreativen zu den alten Hasen gehört und der Nachwuchs dann schon an ganz andere Techniken gewohnt ist?

Doch gilt es vor allem bei der Gestaltung von Bild, Film, Ton und Seiten aller Art Grundprinzipien zu beachten. Hier kann die Technik allenfalls unterstützend eingreifen, noch so schöne Templates kann man gründlich verhunzen, wenn man nicht damit umzugehen weiß. So ist nicht gleich jeder ein Grafiker oder Designer, wenn er mit Pages, Numbers oder Keynote einigermaßen umgehen kann und niemand ein Toningenieur, der mit Garageband herumdudelt, iMovie allein macht keinen Proficutter. Design oder nicht sein: Richtige Gestaltung will gelernt sein.

Lesetipps für den Mittwoch

Form folgt Funktion: Wenn das so weiter geht mit den Gerüchten zum iPhone 14 (Pro) können wir uns am Abend des 13. September (vermuteter Termin) gelassen zurücklehnen und uns einfach all unsere voreiligen Schlüsse bestätigen lassen, Überraschungen gibt es allenfalls im Detail. Ein weiteres Detail über die Form des iPhone 14 Pro kursiert nun durch die Gerüchteküchen der Welt: Da der Kamera-Buckel der Pro-Modelle etwas größer wird, wolle Apple auch die Form der abgerundeten Ecken des Gehäuses ein wenig anpassen, iPhone 14 Pro und Pro Max werden also etwas runder als die 13er-Modelle. Womöglich können wir dieses Gerücht noch nicht am 13. September (vermutlich) bestätigen, sondern erst, wenn wir die neuen in den Händen halten, denn die Änderung ist eher marginal. Womöglich so marginal, dass sie nicht einmal der Erwähnung auf der Keynote wert sein wird. Eher ein neuer, respektive wiedergekehrter Farbton: Angeblich will Apple das Lila in das iPhone 14 von Anfang an bringen, das es beim 12er erst ein halbes Jahr später nachzog.

Besser: Apples Studio Display hat für seinen Preis ab 1.749 Euro eine enttäuschend schlechte Kamera. Immerhin löst die Ultraweitwinkeloptik mit 12 Megapixel auf, was die Funktion Center Stage ermöglicht, die man schon vom iPad kennt. Nur ist die Bildqualität bisher schlechter als die des Tablets. Das hat Apple zu ändern versprochen, mit "Software". Konkret bestätigt hat der Hersteller nun, dass macOS 12.4 mit einem Firmwareupdate für das Studio-Display komme, schon die dritte Beta enthalte "Verfeinerungen der Studio Display-Kameraeinstellung, einschließlich verbesserter Rauschunterdrückung, Kontrast und Bildausschnitt".

Eigentor: Man sollte die Leute, die Regeln aufstellen, daran messen, ob sie diese auch selbst einhalten. Das gilt nicht nur für Elon "Free Speech" Musk, der gern mal kritische Journalisten von Fabrikeröffnungen in Brandenburg auslädt, sondern auch für Apple, das beschlossen hat, alte und nicht mehr aktualisierte Apps aus dem App Store zu entfernen. Insbesondere Spieleentwickler protestieren dagegen, manche Klassiker sind eben fertig entwickelt und können auch noch Jahre nach dem letzten Update Freude bereiten, ohne den Gamern gefährlich zu werden. Einen solchen Fall hat Apple selbst entwickelt, das Pokerspiel "Texas Hold'em", in dem einige Apple-Topmanager als Avatare am Tisch Platz nehmen, hat sein letztes Update im Oktober 2019 bekommen. Wir sind also gespannt, ob Apple sein eigenes Spiel nochmals aktualisiert und das dann alle zwei Jahre wieder, ob es aus dem App Store fliegt oder ob Apples Regeln für alle gleich gelten, aber man sich selbst eben als gleicher denn gleich betrachtet.

Widerlegt: An die Ad Tracking Transparency (ATT) halten sich freilich auch Apples Apps, davon sollen aber die Kunden profitieren und nicht Apple selbst. Facebooks Mutter Meta, der nach eigenen Angaben im Jahr 2022 insgesamt 10 Milliarden US-Dollar an Einnahmen aus auf Trackingdaten basierender Werbung entgehen, hat jedoch behauptet, dass Apple das Geschäft mit targeted Ads an sich reiße. Sollte der Vorwurf stimmen, wäre das ein Fall für das Kartellamt, eine von Apple finanzierte und von der Columbia Business School ausgeführte Studie zeigt jedoch das Gegenteil und straft Facebook somit Lügen. "Ich finde die Behauptung, dass Apple durch ATT anderen Unternehmen Milliarden von Werbedollar entzogen hat, nicht ausreichend belegt", schreibt Professor Kinshuk Jerath in seiner Veröffentlichung. Facebook stellt heute Abend seine Bilanz für das Märzquartal vor, Apple die seinige am Donnerstag.

Keine Ahnung: So bleibt Faebook schon in der Beweispflicht, dass es wirklich ATT ist, das eine Umsatzeinbuße von wirklich 10 Milliarden US-Dollar bedeute. Aber das könnte schwierig werden, wie ein von Engadget entdecktes internes Paper zeigt: Facebook kann offenbar nicht genau sagen, was es mit den von Usern gesammelten Daten anstellt. Regulatoren wollen aber genau wissen, was mit Daten passiert und wie Facebook dem geforderten Schutz der Privatsphäre nachkommt, das ist aber offenbar schwierig. "Wir haben kein angemessenes Maß an Kontrolle und Erklärbarkeit darüber, wie unsere Systeme Daten verwenden, und können daher keine kontrollierten Richtlinienänderungen oder externe Zusagen wie "wir werden X Daten nicht für Y Zwecke verwenden" machen. Und doch ist es genau das, was die Aufsichtsbehörden von uns erwarten, was unser Risiko von Fehlern und falschen Darstellungen erhöht", heißt es in dem Papier. Facebook sammle Daten aus vielerlei Quellen und konsolidiere sie in einer Weise, die eine Rückverfolgung nicht mehr möglich mache.

Dritte Fassung: Apple hat gestern Abend die dritte Developer Preview von iOS 15.5 veröffentlicht, die Public Beta 3 sollte noch heute folgen. Bisher sind keine Änderungen gegenüber der zweiten Vorabversion des Updates bekannt, generell bekommt iOS 15.5 auch nur einige Tweeks bei Apple Pay, dem iTunes-Konto und SportsKit, zudem gibt es Hinweise auf Apple Classical. Die finale Version sollte noch vor der WWDC kommen, die am 6. Juni beginnt und einen ersten Blick auf den Nachfolger iOS 16 gewährt.

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