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4.11.21: Warten ist zwecklos, Fitness auf Deutsch

04.11.2021 | 07:10 Uhr | Peter Müller

Warum man nicht auf den M2 warten muss +++ Erster exklusiver Apple-Podcast "Hooked" +++ Federighi warnt EU vor Sideloading +++ Fitness+ bald mit deutschen Trainerstimmen? +++ Whatsapp & Instagram erhalten neue Namen +++ Mond: Internet-Anbindung durch Satelliten geplant +++ Nintendo-Hacker muss 4,5 Mio. Dollar Strafe zahlen

4. November: Obst auf den Teigfladen

Macwelt wünscht einen guten Morgen! Wie die Ananas auf die Pizza kam? Oh - das ist eine lange Geschichte, die angeblich an einem 4. November beginnt. Warum diese Geschichte aber überhaupt der Erzählung wert ist? Kaum eine Speise ruft derartige Kontroversen hervor wie Pizza Hawaii - außer vielleicht ideologische Fragen über vegane Ernährung und deren provokatives Gegenteil des Grillens und Verzehrens kompletter Rinderhälften.

Dass etwa Rosenkohl spaltet, hat vermutlich mit frühkindlicher Geschmacksprägung zu tun. So manche Mundflora macht den Sprossenkohl extrem bitter, was vor allem jungen Leckermäulern zuwider ist. Ob ein Jägerschnitzel eine panierte und gebratene Jagdwurst ist oder eher ein unpaniertes Schweineschnitzel mit Champignonrahmsauce, ist eine Frage der Provenienz der Speisenkarte, ebenso wie die "richtige" Bezeichnung eines mit süßem und fruchtigem Brotaufstrich gefüllten Schmalzgebäcks hier mal "Krapfen" lautet, dort dann "Berliner" oder gar "Pfannkuchen". Alles erklärbar.

Aber bei der Pizza Hawaii hört der Spaß für manche auf. Obst gehöre nicht auf die Pizza, Ananas schon gleich gar nicht. Nun ja, streng genommen sind Tomaten auch Obst und noch strenger genommen gehören auf eine Pizza Margherita daneben nur Käse und Basilikum, auf die Marinara nicht einmal Käse, sondern nur Basilikum neben die Tomaten. Und andere Genießer schätzen nicht nur die Hawaii mit Schinken und Ananas, sondern auch ihre etwas italienischer daher kommende Schwester mit Birne und Gorgonzola auf der Teig-Tomaten-Basis.

Nicht nur die Tomate kommt aus der "Neuen Welt", die der Seefahrer Christoph Kolumbus für das Europa an der Schwelle zur Neuzeit entdeckte, respektive wieder entdeckte, sondern auch die Ananas. Im Gegensatz zur Tomate ist sogar das Datum des ersten Aufeinandertreffens der Kulturen bekannt. Am 4. November 1493 erreichte Kolumbus' zweite Expedition die karibische Insel, die heute als Guadeloupe bekannt ist und zu Frankreich gehört. Dort schenkten ihm Einheimische die süß-saure Frucht, von der der Genueser sofort die Idee hatte, sie mit den gebackenen Teigfladen seiner Heimat zu verbinden.

Letzteres ist natürlich Unsinn, die Tomate, der "Goldapfel" kam erst später auf italienische Speisepläne, die Pizza selbst ist noch viel später in Neapel und nicht in Genua zur Welt gekommen. Von der Pizza Hawaii kennt man zwar nicht das genaue Geburtsdatum, es ist nur bekannt, dass sie in Toronto im Jahr 1962 erfunden wurde.

Das scheint nach einem Quellenstudium ebenso gesichert zu sein wie die Begegnung des Genuesers mit der Ananas, aber Skepsis ist immer angebracht, solange sich nicht mehrere unabhängige Quellen bestätigen. Oder ein Experiment reproduzierbar ist und die vorhergesagten Ergebnisse liefert. Skepsis ist in der Tat der Motor des wissenschaftlichen Fortschritts und darf nicht mit Verschwörungsglaube verwechselt werden. Denn genau das geht den Anhängern von Q-Anon und anderen Leerdenkerbewegungen ab: Die Skepsis an den Aussagen derjenigen, denen sie blindwütig folgen. Im Zweifel nachfragen, überprüfen, ob eine Theorie plausibel ist und halbwegs korrekte Vorhersagen macht. Wenn das nicht der Fall ist und man immer mehr Annahmen treffen muss, damit die Realität mit dem Vorurteil übereinstimmt, ist es keine Theorie, sondern ein Mythos oder gar eine Lüge. Am Tag der Skeptiker, dem 4. November, würden wir so mancher Hohlbirne etwas mehr Skepsis wünschen. Derweil belegen wir unsere Pizza Gorgonzola eben lieber mit schmackhaften Birnen, frisch vom Baum.

Lesetipps für den Donnerstag

Die Zukunft ist jetzt: M1, M1 Pro, M1 Max – die Nomenklatur der SoCs des Apple Silicon sieht so aus, als würde Apple klar zwischen an Endverbraucher orientierten Chips unterscheiden und solchen für Profis. Die  Zahl indes lässt darauf schließen, dass Apple hier die Generationen benennt, wie bisher bei den A-Chips für das iPhone mit A15 Bionic in der 13er-Reihe. Schon bald, so heißt es in der Gerüchteküche, stehe der M2 auf dem Plan, für die erste Hälfte 2022 – das ist ja schon bald. Roman Loyola beruhigt nun die Verunsicherten, die angesichts einer kommenden Generation auf eine Neuanschaffung heute verzichten wollen und stattdessen lieber warten. Zunächst werde es wohl einen M2 geben, für das Macbook Air etwa. Dieser sollte gegenüber dem M1 etwa einen solchen Schub bringen wie der A15 gegenüber dem A14: Ein bisschen mehr CPU-Leistung (etwa zehn Prozent) und noch ein bisschen mehr Zuwachs bei der GPU, etwa 20 Prozent im Score. Bis aber die Profi-Chips M2 Pro und M2 Max und vielleicht noch weitere Varianten, wird noch etwas Zeit vergehen. Bis dahin steht ohnehin das nächste Upgrade an.

Schnell geteilt: iOS 15 bringt nur wenige spektakuläre Neuerungen, dafür einige kleine Optimierungen, die das Leben besser machen. Das Teilen von Inhalten ist nun dank Siri wesentlich leichter geworden. Anstatt immer mühselig nach dem Teilen-Menü zu suchen, kann man jederzeit sagen: "Siri, teile das mit [Name]" - der Name muss dabei nicht einer der gespeicherten Kontakte sein, Siri kann diesen auch anhand der Kommunikationshistorie in diversen Apps aufspüren. Vor dem Versenden fragt Siri aber natürlich nach, ob der Inhalt wirklich geteilt werden soll, ob es sich also um den richtigen Thomas oder die korrekte Stephanie handelt …

Ba-Banküberfall : Apple hat in dieser Woche seinen ersten exklusiven Podcast gestartet, der sich – wie könnte es bei diesem Medium anders sein – um ein wahres Verbrechen dreht. Erzählt wird in mehreren Folgen die wahre Geschichte des ehemaligen Boeing-Ingenieurs Tony Hathaway, der zu einem der fleißigsten Bankräuber der USA wurde, um seine Sucht nach dem verschreibungspflichtigen Schmerzmittel Oxycontin zu finanzieren. Apple veröffentlicht neue Folgen des Podcasts "Hooked" immer mittwochs in seiner Podcast-App und im RSS-Feed, erzählt wird die Geschichte vom Journalisten Josh Dean. Interessanter Weise firmiert "Hooked" als "Apple TV+ Original Podcast", ist aber völlig unabhängig von Apples TV-Streamingdienst.

Gefahr: Apples Softwarechef Craig Federighi hat erklärt, dass der von der EU-Kommission vorgeschlagene Digital Markets Act (DMA) schwere Folgen für das iOS-Ökosystem haben werde. Das dadurch erlaubte "Sideloading", also die Installation von Software aus anderen Quellen als dem App Store, führe zu einer Flut von nicht geprüfter Software und Malware, die die Sicherheit des Systems gefährde. Die EU habe sich in der Vergangenheit doch stets durch Fortschrittlichkeit ausgezeichnet, lobt Federighi und meint damit etwa den  strengen Datenschutz, der DMA sei aber ein klarer Rückschritt. Nicht nur Einzelpersonen würden gefährdet, sondern auch Unternehmen und Behörden. Als Kronzeuge seiner Anklage führt Federighi Googles weit offeneres System Android an, verschweigt aber macOS, das seit jeher auf „Sideloading“ setzt und neben dem Mac App Store noch andere Quellen für Software zulässt.

Quäl dich, du Sau!: Fitness+ ist seit gestern in Deutschland und 15 weiteren neuen Ländern verfügbar, nach wie vor im originalen Englisch. Die Anweisungen der Trainer sind aber recht leicht verständlich, da nicht sonderlich kompliziert. Zudem werden sie durch Untertitel in mehreren Sprachen unterstützt, auch Deutsch ist dabei. Apples Vice President of Fitness Technologies Jay Blahnik hat nun angedeutet, dass es die Trainings bald auch in anderen Sprachen als Englisch geben könnte. Wir bestehen dann aber darauf, beim Fahrradtraining die Stimme von Udo Bölts zur, äh, Motivation zu hören.

Weitere Nachrichten:

Whatsapp & Instagram erhalten neue Namen

Facebook hat mit dem Rebranding seiner Plattformen und Apps begonnen. Beta-Nutzer der Whatsapp- und Instagram-Apps haben die Änderungen zum Teil schon erhalten.

Nach Informationen von WABetaInfo prangt in der Whatsapp Version 2.21.220.21 auf dem Splashscreens nun das Meta-Logo und die bekannte Fußzeile "from Facebook" wurde durch das neue "from Meta" ersetzt - sowohl auf dem Startbildschirm als auch im Einstellungsmenü. Die Änderungen betreffen dabei die Betaversionen für iOS sowie Android. Und auch die ersten Nutzer der Beta-Version von Instagram berichten von dem Rebranding.

Dass die Änderung nun schon in der Beta-Version verfügbar ist, kann davon ausgegangen werden, dass der Messaging-Riese das neue Branding recht schnell auch in die offiziellen Versionen der Apps für alle Nutzer bereitstellen wird.

Die Namensänderung betrifft dabei den Dachkonzern, ähnliche wie Google und Alphabet. Der Dienst Facebook behält also weiterhin seinen Namen. Mehr dazu lesen Sie in unserem ausführlichen Artikel zum Thema hier:

Das Name-Rebranding des Facebook-Konzerns stößt dabei nicht nur auf Gegenliebe - das Netz spottet über Facebook und Mark Zuckerberg. Quittiert wird die Umbenennung mit zahlreichen Memes:

Mond: Internet-Anbindung durch Satelliten geplant

Für die Zukunft sind wieder mehrere Mondmissionen geplant, eine Herausforderung dabei bleibt die Kommunikation mit der Erde. Genau diesem Problem will sich die in Augsburg ansässige Firma Rocket Factory annehmen. Der deutsche Raketenhersteller will schon Ende 2023 damit beginnen, den Mond durch insgesamt acht Kleinsatelliten an das hiesige Internet anzubinden. Dabei kooperiert Rocket Factory mit dem spanisch-deutschen Unternehmen Plus Ultra Space Outposts.

Anfang 2024 soll der erste Satellit seinen Weg zum Mond antreten. Zuvor werde der Satellit mit dem Startsystem RFA One in eine geostationäre Transferbahn gebracht. Dann steht noch der eigenständige Weg zur Mondumlaufbahn an. Letztlich sollen die acht Kleinsatelliten als Verbund namens „Harmony“ in einer Höhe von 1.000 Kilometern über der Mondoberfläche kreisen. Durch die interne Vernetzung seien Datenverbindung mit bis zu 100 Mbit pro Sekunde möglich. Dieses Netz soll künftige Mondmissionen vereinfachen, beispielsweise bei Landungen oder der Navigation auf der Mondoberfläche. Dabei können sich die Betreiber wohl über viele Kunden freuen, denn es seien für dieses Jahrzehnt über 140 Mondmissionen geplant.

Rocket Factory interessiert sich zudem für die geplante Startplattform in der Nordsee. Von hier aus sollen Raumfahrtmissionen vor der Küste Deutschlands starten können. Noch fehlt dem Unternehmen aber eine funktionierende Rakete. Erst im Juli konnte das für den Antrieb genutzte Triebwerk für acht Sekunden betrieben werden. Die US-Raumfahrtagentur NASA will 2024 ebenfalls wieder zum Mond aufbrechen und dort mittelfristig eine dauerhafte Präsenz beginnen. Dafür soll der Netzausrüster Nokia auf dem Mond ein LTE-Netz aufbauen .

Nintendo-Hacker muss 4,5 Mio. Dollar Strafe zahlen

In dieser Woche hat sich der kanadische Hacker Gary Bowser in mehreren Anklagepunkten schuldig befunden und gibt damit zu, technische Kopierschutzmaßnahmen auf Nintendo-Konsolen umgangen zu haben und Geräte zu deren Umgehung verkauft zu haben. Dafür muss Bowser nun 4,5 Millionen US-Dollar Strafe zahlen. Dem 51-Jährigen drohen außerdem bis zu zehn Jahre Haft.

Bowser und die Hacker-Gruppe Team Xecuter hat Nintendo bereits seit mehreren Jahren im Visier. Die Gruppe soll Modchips für Konsolen entwickelt und verkauft haben, die das Abspielen von raubkopierten Spielen ermöglichen. Bowser hat eingeräumt, seit 2013 mit Team Xecuter zusammengearbeitet zu haben. Damit habe er „wissentlich und vorsätzlich an einem cyberkriminellen Unternehmen teilgenommen, das führende Spielkonsolen gehackt hat“. Zur Hardware der Hacker gehören unter anderem Stargate, Trueblue Mini, Classic2Magic, SX und Gateway 3DS.

Bowser gab zu, an der Entwicklung, Herstellung, der Vermarktung und dem Verkauf dieser Hardware beteiligt gewesen zu sein. Team Xecuter habe an dem Verkauf mindestens zehn Millionen US-Dollar verdient. Rund 320.000 US-Dollar davon habe Bowser im Jahr bei Team Xecuter eingenommen.

Im vergangenen Jahr hatte die US-Regierung Anklage gegen Bowser und weitere Mitglieder der Hacker-Gruppe erhoben. Bowser wurde in der Dominikanischen Republik verhaftet und in die USA abgeschoben. Sein Kollege Max Louarn wurde in Kanada gefasst. Er wartet noch auf seine Auslieferung. Der dritte Angeklagte Yuanning Chen ist noch auf freiem Fuß.

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