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Donnerstag, 15. Januar

15.01.2009 | 00:00 Uhr

Steve Jobs nimmt Auszeit für Behandlung: Krankheit ernsthafter +++ Reaktionen auf Jobs’ Auszeit: Zuversicht und Skepsis +++ Juristen: Klagen gegen Apple möglich +++ Snow Leopard soll mit "Marble"-Oberfläche kommen +++ Georgetown will den Apple Store so nicht +++ Motorola streicht nach Quartalsverlust weitere 4000 Stellen +++ Telekom-Prozess geht weiter - Anwälte mit Unterlagen unzufrieden

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Steve Jobs nimmt Auszeit für Behandlung: Krankheit ernsthafter

Seine Aufgaben übernehme solange der für das laufende Geschäft verantwortliche Top-Manager (Chief Operating Officer) Tim Cook. In wichtige strategische Entscheidungen werde Jobs jedoch auch während seiner Abwesenheit eingebunden sein. Der Aufsichtsrat des Unternehmens unterstütze den Plan, erklärt Jobs in seinem Schreiben.

Seine gesundheitlichen Probleme seien «komplexer als ursprünglich gedacht», schrieb Jobs in der von Apple nach US-Börsenschluss veröffentlichten Mitteilung. Die Apple-Aktie fiel nachbörslich in einer ersten Reaktion um mehr als zehn Prozent. Jobs gilt wie kaum ein anderer US-Manager als Motor und Garant des Erfolgs seines Konzerns. Apples Siegeszug in den vergangenen Jahren mit Produkten wie dem iPod und dem iPhone wird zu einem Großteil Jobs zugeschrieben.

Erst in der vergangenen Woche war Jobs in einem offenen Brief Gerüchten über schwere gesundheitliche Probleme entgegengetreten. Sein deutlicher Gewichtsverlust in den vergangenen Monaten gehe auf eine Hormonstörung zurück, die sich relativ einfach behandeln lasse, sagte der Apple-Mitgründer damals.

Vor gut vier Jahren war der Manager an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt, hatte sich danach aber wieder vollständig erholen können. Die nun angekündigte Auszeit heizte umgehend Spekulationen über eine neue ernsthafte Krankheit an. Jobs will nach eigenen Angaben während seiner medizinischen Behandlung in den nächsten Monaten in wesentliche strategische Fragen des Unternehmen eingebunden bleiben. Der Verwaltungsrat des Konzerns unterstütze dies uneingeschränkt. Jobs schrieb, das öffentliche Interesse an seinem Gesundheitszustand sei nicht nur für ihn und seine Familie, sondern für Apple insgesamt belastend. Details zu seiner Erkrankung gab er nicht bekannt.

Die immer wieder aufkeimenden Spekulationen um Jobs' Gesundheit hatten den Kurs der Apple-Aktie in den vergangenen Monaten immer wieder stark belastet. Sie lösten zudem eine Diskussion aus, ob Apple die Aktionäre angemessen über die Lage informiert. Vergangene Woche hatte bereits Vizepräsident Phil Schiller zur großen Enttäuschung vieler Apple-Fans den Unternehmenschef auf der Messe Macworld Expo in San Francisco vertreten. (dpa)

Reaktionen auf Jobs’ Auszeit: Zuversicht und Skepsis

Tim Bajarin von Creative Strategies hält die Meldung zwar für eine schlechte Nachricht für Apple, glaubt aber nicht, dass dem Unternehmen daraus kurzfristig Nachteile erwachsen werden. Alle Produkte, die Apple in den nächsten 18 Monaten veröffentlichen werden, trügen noch die Handschrift von Steve Jobs Führung.

Auch Michael Gartenberg von Jupitermedia befürchtet keine negativen Auswirkungen auf die Produktentwicklung bei Apple: "So sehr wir Steve Jobs mit Apple identifizieren, er sitzt nicht nachts alleine in der Garage und bringt die Produkte auf eigene Faust heraus." Apple sei bezüglich des Tagesgeschäfts weiter in guten Händen. Als Tim Cook Jobs wegen seiner Krebsoperation im Jahr 2004 vertreten hatte, habe er das gut gemacht und es gebe keinen Grund anzunehmen, er würde es nicht wieder gut machen.

Etwas skeptischer zeigt sich Roger Kay von Endpoint Technologies: "Steve Jobs ist für Apples Geschäft wichtiger als es andere CEOs sind. Er verkörpert Apple. Er ist Apple." Tim Cook sieht er als nüchternen Verwalter, der dafür sorge, dass "die Züge zur richtigen Zeit abfahren." Ein kreatives Genie, das wisse, "wie der Zug in fünf Jahren" aussehe, sei der COO hingegen nicht.

Von unschätzbarem Wert seien vor allem Jobs’ Fähigkeiten bei Verhandlungen mit anderen Firmen, merkt Andy Hargreaves von Pacific Crest Securities an. Zu seinen unbestreitbaren Verdiensten habe es gehört, AT&T zur iPhone-Partnerschaft zu überreden oder die Musikindustrie von der Zukunft im Internet zu überzeugen.

Die Apple-Aktie war gestern an der Nasdaq bis Börsenschluss um 2,71 Prozent auf 85,33 US-Dollar gefallen, im nachbörslichen Handel gab das Papier um fast acht Prozent nach. "Wall Street hat nach Ehrlichkeit gefragt und sie bekommen", kommentiert Tim Bajarin die Reaktionen der Händler.

Juristen: Klagen gegen Apple möglich

Steve Jobs’ gesundheitliche Probleme könnten auch rechtliche Auswirkungen auf Apple haben, meinen einigen Juristen. Die gestrige Ankündigung einer längeren Auszeit des Apple-CEO kommt nur neun Tage, nachdem Jobs seine gesundheitlichen Probleme herunter gespielt hatte. Anleger hatten Apple schon vor viereinhalb Jahren kritisiert, als Jobs überraschend von seiner Krebsoperation berichtete. Erst vor einem Jahr wurde bekannt, dass Jobs von seiner Erkrankung schon ein Jahr länger wusste.

Apple bewege sich jedoch in einer Grauzone, erklärt der Analyst Ahsok Kumar von der Investmentbank Collins Stewart LLC der Nachrichtenagentur Reuters. Es sei schwer die Grenze zu ziehen zwischen Privatem und der finanziellen Verantwortung, die Jobs für Firma und Investoren trage. Jons sei für Apple wichtiger als sogar Michael Dell für Dell.

Klagen gegen Apple wegen vermeintlich falscher oder ungenügender Aussagen zu Jobs Gesundheit seien zwar möglich, aber die ersten ihrer Art, meint etwa der auf Zivilklagen spezialisierte Anwalt Steve Williams. Es handele sich einerseits um Jobs privateste Sphäre, auf der anderen Seite verkörpere Jobs das Unternehmen.

Keine Gesetze verletzt sieht das ehemalige Mitglied der Börsenaufsicht Joseph Grundfest, außer in dem Fall, wenn informierte Mitarbeiter angesichts der Gesundheit des CEOs Aktienhandel betrieben hätten. Anwälten traut Grundfest prinzipiell alles zu, kenne aber persönlich keine Möglichkeit für eine Schadensersatzklage.

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