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Montag, 12. Oktober

12.10.2009 | 06:00 Uhr

Minister lobt Apple für Austritt aus der Handelskammer +++ Nvdia verschärft Patentstreit mit Intel +++ O2 und E-Plus in der Klemme +++ Schäuble für mehr Regeln im Internet +++ Adobe bringt Photoshop.com auf das iPhone +++ Leichte Verbesserungen bei der iDisk +++ Sicherheitslücke: Adobe Acrobat Reader aktualisieren +++ AAPL beendet Woche positiv

Morgenmagazin: Bergbach
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Minister lobt Apple für Austritt aus der Handelskammer

Im Gegensatz zum Vorsitzenden der US-Handelskammer Chamber of Commerce Thomas Donohue gibt es jede Menge Leute, die Apples Austritt als Schritt in die richtige Richtung sehen. Zum Beispiel hat der US-Energieminister und Nobelpreisträger Stephen Chu Apples Entscheidung rückhaltlos begrüßt und hofft laut Berichten des San Jose Business Journals auf weitere Nachahmer.

Donohue beharrt hingegen darauf, dass Apple die Umweltschutz-Diskussion absichtlich missverstand und sich jetzt auf politische Machtspielchen verlegt. "Mehrere Mitglieder der Handelskammer haben sich bereits beschwert, dass verschiedene Umweltschutz-Organisationen Druck auf sie ausüben und letztendlich die Handleskammer zum Umdenken bewegen wollen", berichtet Donohue.

Nvdia verschärft Patentstreit mit Intel

Nvidia hat nun offiziell die Entwicklung an neuen Chipsätzen, die mit Mikroprozessoren von Intel arbeiten sollen, auf Eis gelegt. Schuld daran seien "unfaire Geschäfts-Strategien von Intel" , berichtete Nvidia am letzten Donnerstag in einer Pressemitteilung.

Damit geht ein Patentstreit zwischen Nvidia und Intel in die nächste Runde. Seit 2004 beschuldigen sich beide Parteien, gegen einen Chip-Lizenzvertrag zu verstoßen. Im Februar hat Intel eine Gerichtsanordnung angefordert, wonach Nvidia die angeblich unlizensierte Produktion von Chips einstellen soll, die Intels Nehalem -basierten Bus betreffen, der die CPU mit dem RAM verbindet. Nvidia behauptet im März in einer Gegenklage , dass der geschlossene Lizenzvertrag zwischen den beiden Firmen auch den Bus umfasst.

Ein Pressesprecher von Nvidia hat nun berichtet, dass Intel "mit unhaltbaren Behauptungen Nvidia die Entwicklung von Chips für zukünftige CPUs" zu untersagen versucht. Bis zur Klärung des Rechtsstreites sei jetzt aber jede Entwicklung erst einmal auf Eis gelegt.

Ist der Rechtstreit mit Intel für Nvidia Grund oder Vorwand?

Chuck Mulloy, ein Pressesprecher bei Intel, berichtet hingegen seine Version: Die Unstimmigkeiten über die Auslegung des Lizenzvertrages haben einen Punkt erreicht, an dem ein Gericht zur Lösung hinzugezogen werden muss, beharrt Mulloy und fügt hinzu, dass seiner Ansicht nach Nvidias Einstellung der Entwicklung auf völlig anderen Gründen basiert.

In der Tat sehen zum Beispiel die Marktforscher bei Mercury Research den finanziellen Gewinn dieses Schrittes. Dean McCarron, der Chef-Analyst, erwartet, dass alle Ersparnisse durch Beenden der Forschung und Entwicklung in diesem Bereich bei Nvidia nun in die Haupteinnahmebereiche wie Graphikchips umgeleitet wird. Eine solche Strategie würde sofort in gesteigerten Gewinn umgesetzt werden. Außerdem betont McCarron, dass kaum eine größere Umstellung der Technologien ohne Austausch von Rechtsklagen verläuft. So lagen sich vor einigen Jahren Intel und Via presseweit in den Haaren, um dann schließlich am Tag der ersten Verhandlung alle Klagen fallen zu lassen. Erfahrungsgemäß werden die Klagen meist wenige Monate nach der Einführung von neuen Busen beigelegt.

Hat Nvidia mit einer Neuentwicklung von Chipsätzen für Intels Nehalem Zukunft?

Chipsätze für CPUs spielen eine immer kleinere Rolle, da Intel mehr und mehr Komponenten direkt in die CPU einbaut, erklärt McCarron. Eine der größten Umstellungen von Intel in der Nehalem-Architektur ist die Integration von Speicher in die CPU und somit das Weglassen eines Front-Side-Busses.

Ein Pressesprecher bei Nvidia hingegen betont, dass Nvidia die Produktion von Chipsätzen für die Nehalem-Prozessoren, die noch den Front-Side-Bus verwenden, fortsetzen wird und in diesem Marktsegment noch auf Jahre hinaus eine Zukunft sieht.

O2 und E-Plus in der Klemme

Auf die Bundesnetzagentur sind Thorsten Dirks und Markus Haas in diesen Tagen nicht gut zu sprechen. Die Geschäftsführer der beiden Mobilfunkbetreiber von E-Plus (Düsseldorf) und 02 Telefónica (München) fühlen sich vom Präsidenten der Behörde, Matthias Kurth, ignoriert: Er "hat sich gegen den Wettbewerb im Mobilfunk entschieden", schimpft Dirks und spricht von einem schädlichen Signal. Es geht um die größte Auktion von Funkfrequenzen, die die Bundesnetzagentur jemals durchgeführt hat. Neben E-Plus und 02 Telefónica stehen auch die beiden Marktführer T-Mobile und Vodafone in den Startlöchern.

An diesem Montag stellt Kurth im Beirat der Bundesnetzagentur seine Entscheidung über die Details der Frequenzversteigerung vor, die Anfang 2010 starten soll. Große Änderungen an seinen Plänen werden nicht erwartet - und damit ist eine Klage der kleinen Anbieter sicher. "Sollte die Bundesnetzagentur ihre Vorschläge nicht nachbessern, sind wir gezwungen, diese rechtlich überprüfen zu lassen", sagt 02-Regulierungschef Haas. Und bei E-Plus heißt es: «Wir werden mit einer Klage die Interessen des Wettbewerbs vertreten".

Umstritten sind bei der geplanten Auktion vor allem die Regeln in dem Bietprozess. Dabei stehen vor allem die Funkfrequenzen aus dem Bereich 800 Megahertz im Mittelpunkt. Die begehrten Spektren, die auch als digitale Dividende bezeichnet werden, sind durch die Umstellung des Rundfunks auf die Digitaltechnik frei geworden. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen sie genutzt werden, um die letzten weiße Flecken bei der Versorgung von Haushalten mit schnellen Internetzugängen auf dem Lande zu beseitigen.

Vor wenigen Tagen hatte Kurth durchblicken lassen, dass die Behörde zwar für die Marktführer T-Mobile und Vodafone die Anzahl der Spektren begrenzen wird. Aber nicht in dem von E-Plus und 02 geforderten Ausmaß. Konsequenz: Ein Unternehmen wird bei der Auktion um die digitale Dividende nicht zum Zuge kommen, weil das Frequenzvolumen nicht für alle vier ausreicht. Und hier liegt des Pudels Kern.

Immer wieder haben E-Plus und 02 in den vergangenen Wochen darauf hingewiesen, dass die Versteigerung die einmalige Chance biete, durch eine gleichmäßigere Verteilung von Frequenzen den Wettbewerb in der Branche zu fördern. Dabei wurden Vorschläge unterbreitet, wie die Ausstattung der vier deutschen Mobilfunkfunker mit Frequenzen fair aufgeteilt werden kann. Und jetzt bekommen sie Unterstützung aus Brüssel.

EU-Kommissarin Viviane Reding beklagte in einem Schreiben an Kurth die "eindeutige Diskrepanz" im Versteigerungsverfahren zu Lasten von E-Plus und 02. Sie schlug unter anderem vor, dass T-Mobile und Vodafone einen Teil ihrer Frequenzen an ihre "kleine" Konkurrenz abgeben. Auch eine weitere Beschränkung der Bietrechte in der jetzt anstehenden Auktion sei denkbar. Genau das fordern E-Plus und O2 schon seit längerem.

"Das Thema ist durch", glaubt indes ein Vodafone-Sprecher, eine weitere Begrenzung von Bietrechten in der Auktion werde es nicht geben. Und wenn doch, dann kommt das nach Ansicht der Branchenführer einem Auktionsausschluss gleich. «Dann kann man auch gleich auf die Versteigerung verzichten», sagt ein Telekom-Manager. Und Frequenzen abgeben, kommt erst recht nicht in Frage. Denn gerade bei Vodafone und T-Mobile ist das mobile Internet inzwischen in Schwung gekommen: "Unser Datenwachstum in den Netzen ist brutal", heißt es. (dpa)

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