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Montag, 19. Juli

19.07.2010 | 00:00 Uhr

Apple veröffentlicht Antennen-Messergebnisse +++ Analyst: Apple muss schneller auf Probleme reagieren +++ Konkurrenten sauer auf Apple-Chef +++ Google überarbeitet News-Seite nach Beschwerden +++ Mobile Me Kalender Beta wird kompatibel zu Outlook +++ Russland droht ausländischen Handyherstellern +++ Aigner wirft Facebook Gesetzesbruch vor +++ AAPL leicht im Minus

Morgenmagazin: Phlox
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Apple veröffentlicht Antennen-Messergebnisse

Wenige Minuten nach Ende der Pressekonferenz von Apple am letzten Freitag zur Erklärung und Behebung der iPhone 4 Antennen-Probleme hat Apple ein Streaming-Video der Konferenz auf seiner Webseite veröffentlicht. Zwar fehlt die abschließende Diskussion mit den Pressevertretern, aber zeigt ansonsten die gesamte Präsentation von Steve Jobs.

Zusätzlich zu dem Video hat Apple auch eine neue Seite über die Antennenleistung des iPhone 4 hochgeladen, die anschaulich den Verlust der Signalstärke verschiedener Smartphones je nach Handposition des Anwenders - inklusive dem iPhone 4 - darstellt. Die in der Abzeige verwendeten iPhone-Geräte 4 und 3GS nutzen beide die neue iOS-Version 4.0.1, die am letzten Donnerstag freigegeben wurde. Als Vergleichsmodelle setzt Apple drei Smartphones ein, die alle seit November 2009 auf dem Markt sind: Das Bold 9700 von Blackberry, das Droid Eris von HTC und das Omnia II von Samsung. Laut dem Bericht von Apple verlieren all diese Geräte der Konkurrenz bei entsprechenden Handpositionen zwischen drei und vier Signal-Balken, während im Vergleich das iPhone 3GS und iPhone 4 nur um jeweils zwei Balken der Empfangsanzeige absinkt.

Besonders faszinierend ist der Einblick, den Apple zum ersten Mal in seine Testlaboratorien gewährt, in denen Apple alle Bedingungen zur Beeinflussung der Antennen-Leistung getestet haben will. Apple verfügt über weltweit 17 völlig abgeschirmte Testräume, die direkt aus James Bond Filmen zu stammen scheinen. Zusätzlich berichtet Apple auch von den weltweit durchgeführten Tests in normaler Umgebung, die Szenarien wie Städte mit hoher Mobil-Telefonnutzung, Verhalten des Geräts bei verschiedenen Geschwindigkeiten und Gegenden unterschiedlicher Funknetzabdeckung umfassen. Apple ist sich sicher, fast alle echten Einsatzbedingungen getestet zu haben und hat dafür die Ergebnisse für Signal-Qualität, Unterbrechungen, Verbindungs-Aufbau und -Abbau und Übertragungsdauer aufgezeichnet. Apple bestätigt die Aussage von Steve Jobs, dass die Firma zirka 100 Millionen US-Dollar und tausende von Test-Stunden investierte, um das iPhone zu perfektionieren.

Analyst: Apple muss schneller auf Probleme reagieren

Mit einer Pressekonferenz und kostenlosen Bumper-Schutzhüllen hat Apple am letzten Freitag die Zweifel der Kunden in Sachen Antennen-Problem behoben, aber ein Analyst warnt, dass Apple viel schneller auf die Bedenken der Kunden reagieren muss, bevor solche Probleme eskalieren und außer Kontrolle geraten.

Nach der Marktfreigabe des iPhone 4 am 24. Juni in fünf Ländern berichteten Kunden innerhalb der ersten Woche schon von Empfangsproblemen und Schwankungen in der Anzeige der Signalstärke. Apple ließ sich aber drei Woche Zeit, bevor am letzten Freitag eine zufrieden stellende Erklärung gegeben und Abhilfe vorgestellt wurde.

Die in letzter Minute überraschend angesetzte Pressekonferenz war absolut untypisch für Apple, aber ist normalerweise ein guter Zug, berichten Marktforscher. Jedoch kam in diesem Fall die Maßnahme zu spät und wenn Apple sofort nach den Problem-Berichten der Kunden reagiert hätte, wäre eine solche Konferenz unnötig.

Analysten erwarten, dass dieses Antenneproblem die Verkäufe des iPhone 4 nicht beeinträchtigen wird. Gleichzeitig warnen die Experten aber, dass die Erwartungen an Apple so hoch sind, dass auch kleinere Probleme die Kunden-Unzufriedenheit schnell hochkochen werden. Jeff Kagan, eine Analyst von drahtlosen Funknetzprodukten bestätigt, dass wahrscheinlich erst das mögliche Auftreten von weiteren Problemen beim iPhone 4 die Umsätze nachhaltig schädigen wird.

Jack Gold, ein leitender Marktforscher bei J. Gold Associations berichtet, dass Apples Angebot von kostenlosen Schutzhüllen eine vorteilhafte Entscheidung war. "Die Hüllen kosten Apple nicht viel und werden die Kunden zufrieden stellen.", sagt Gold und fügt aber warnend hinzu: "Der Zug von Apple wird die Wogen der Auseinandersetzung glätten - aber nicht ungeschehen machen oder gar völlig aus der Welt schaffen."

Apple hat in der Pressekonferenz die alleinige Schuld am Antennen-Problem übernommen. Gold erwartete, das auch die Firma AT&T in den USA einen Schuld-Anteil eingesteht, da der Netzwerkbetreiber das Problem mit einer billigen Schutzhülle genauso elegant hätte abschaffen können.

Apples Pressekonferenz hat allerdings einen Aspekt des Problems nicht angesprochen, bemängelt Gold. Der Marktforscher erwartete, dass auch der Einfluss des Antennen-Problems auf Datenverbindungen von Apple erläutert wird. "Datenverbindungen über ein Mobiltelefon sind weitaus schwieriger als Anrufe herzustellen. Sobald die Signalstärke nachlässt, verlangsamt sich der Datenaustausch.", erklärt Gold.

Auch wenn Steve Jobs die Schuld des Problems auf physikalische Grundlagen abwälzte und das Problem in anderen Smartphones nachstellen konnte, bleibt doch wenigstens das Nachspiel: Die Verbraucherorganisation Comsumer Reports hatte ursprünglich das iPhone 4 als eines der Top-Smartphones empfohlen, aber nach dem Testen der Antennenleistung diese Aussage offiziell wieder zurückgezogen . Immerhin gesteht auch dieser Beitrag ein, dass Apples Bumper-Schutzhülle dem Abschirmen der Antenne Abhilfe schaffen kann.

Konkurrenten sauer auf Apple-Chef

Der Ärger mit dem neuen iPhone 4 hört für Apple einfach nicht auf: Nun sind Konkurrenten sauer, nachdem Konzernchef Steve Jobs Empfangsprobleme auch bei ihren Mobiltelefonen anprangerte. So sprachen die Co-Chefs des BlackBerry-Anbieters Research In Motion von einem inakzeptablen Versuch, ihre Firma in das «selbstverschuldete Debakel» von Apple hineinzuziehen. Der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia giftete in einer Stellungnahme, bei ihm gehe Funktionalität vor Design.

Jobs hatte am Freitag einerseits Empfangsprobleme beim neuen iPhone eingeräumt, zugleich jedoch gesagt, auch bei Smartphones anderer Hersteller werde der Empfang schwächer, wenn die Geräte auf bestimmte Weise gehalten würden. Apple illustriert das auch noch mit Videos einiger Telefone von Research In Motion (RIM), Samsung und HTC.

RIM verwies im Gegenzug auf die Entscheidung von Apple, den äußeren Metall-Rahmen des iPhone 4 zur Antenne zu machen, als Grund für die Empfangsprobleme. Sie hätten solche Konstruktionen bei ihren BlackBerrys bewusst gemieden, hieß es in einer Erklärung der Co-Chefs Mike Lazaridis und Jim Balsillie, die in US-Medien veröffentlicht wurde. «Apple hat bestimmte Design-Entscheidungen getroffen und sollte die Verantwortung dafür übernehmen anstelle RIM und andere in die Situation hineinzuziehen.»

Nokia, der Weltmarktführer, der durch den Erfolg des iPhones in den vergangenen Jahren immer stärker unter Druck geraten ist, verwies auf die eigenen Stärken beim Antennen-Design. Nokia erforsche mit großem Aufwand, wie Menschen ein Telefon in verschiedenen Situationen halten und wie man durch den Aufbau der Antennen Empfangsprobleme verhindern könne, hieß es in einer Stellungnahme, die mehrere US-Blogs veröffentlichten.

Auch Motorola-Co-Chef Sanjay Jha sagte dem Technologie-Blog «Digits» zufolge, die Probleme mit äußeren Antennen seien bekannt. HTC, Hersteller vor allem von Telefonen mit Googles Betriebssystem Android und Microsofts Windows Mobile, bestritt Jobs Behauptung, alle Mobiltelefone wiesen grundsätzlich Schwachstellen beim Empfang auf, wenn man sie auf bestimmte Weise halte.

Apple ruft das iPhone 4 nicht zurück, wird künftig aber allen Käufern eine kostenlose Schutzhülle geben, die den äußeren Metallrahmen des Smartphones bedeckt.

Apple war in den vergangenen Wochen wegen der Berichte über Empfangsprobleme beim iPhone 4 - von US-Medien augenzwinkernd als «Antennagate» bezeichnet - immer mehr unter Druck geraten. Jobs wertete am Freitag die Berichte in den Medien und im Web als «völlig unverhältnismäßig», da sie sich nicht mit den Erfahrungen der Kunden deckten. Er wies auch einen Bericht der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg zurück, wonach ein ranghoher Ingenieur das Management bereits im vergangenen Jahr davor gewarnt habe, dass eine außenliegende Antenne die Empfangsleistung schwächen könnte. Das neueste Modell von Apples Erfolgshandy war am 24. Juni in den Handel gegangen und hatte sich seitdem drei Millionen Mal verkauft. Apple ging zugleich in eine PR-Offensive und zeigte einem knappen Dutzend ausgewählter US-Journalisten erstmals das hochgeheime und extrem teuer ausgestattete Labor, in dem an den Antennen-Design der Apple-Geräte gearbeitet wird. Die Führung machte Apple-Spezialist Ruben Caballero, der laut Bloomberg Jobs vor den Antennen-Problemen gewarnt haben soll. Er kommentierte den Bericht laut «New York Times» nicht. (dpa)

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