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Montag, 27. April

27.04.2009 | 00:00 Uhr

Apple streicht Stellen im Retail Store +++ iPhone hält 1,5 Prozent des Weltmarkts +++ FBI hält Hype um Conficker für gefährlich +++ Russen als Retter für Qimonda Dresden im Gespräch +++ Vodafone plant eigene Musik-Flatrate für Handys +++ Facebook-Nutzer sollen Recht auf Daten behalten +++ AAPL verliert an Wert

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Apple streicht Stellen im Retail Store

Apples Finanzbericht für das zweite Quartal (Ende Dezember bis Ende Februar) seines Geschäftsjahres 2008/2009 sieht gut aus. Abgesehen von ein paar Ausrutschern kann Apple sein bisher erfolgreichstes Quartal außerhalb der Ferien- und Feiertags-Saison vermelden.

Dennoch gibt es Anzeichen, dass auch Apple in der Rezession seine Ausgaben kürzt. Apples Quartalsbericht 10-Q, den alle Aktiengesellschaften der Börsenaufsichtsbehörde zur Kontrolle des Wertpapierhandels vorlegen müssen, enthält unter der Rubrik "Vollzeit Beschäftigte im Retail-Bereich" zum Ende des Quartals lediglich 14.000 Angestellte . Im letzten Quartalsbericht zu Ende Dezember waren hier noch 15.600 Angestellte verzeichnet.

Etliche Vollzeitstellen könnten in Teilzeit umgewandelt worden sein, aber bei einem Rückgang von über zehn Prozent der Verkäufer in den Apple Stores ist es wahrscheinlich, dass jede Menge Kündigungen ausgesprochen wurden. Das passt dann auch zu anderen Zahlen in diesem Bericht, wie zum Beispiel einer einzigen Neueröffnung eines Apple Stores in diesem Quartal, vergleichen mit vier in den drei Monat vorher. Apples Finanzchef Peter Oppenheimer sagt für die zweite Hälfte von Apple Steuerjahr die Eröffnung von 25 Apple Stores voraus, die Hälfte davon außerhalb der USA. In Apples Steuerjahr 2008 hingegen wurden insgesamt 50 Apple Läden eröffnet. Auch der Umsatz ging zurück deutlich: Von durchschnittlich 8,5 Millionen US-Dollar pro Apple Store im gleichen Quartal des letzten Steuerjahres auf nun 7 Millionen US-Dollar in diesem Finanzbericht.

Droht die Schließung von Apple Stores?

Die Apple Stores kosten Apple jede Menge. Die Mehrkosten entstehen nicht nur durch das notwendige Verkaufs-Personal, sondern mit Langzeit-Investitionen in Miete, Kauf, Umbau, Instandhaltung und Nebenkosten. In einer Rezession ist damit der Retail-Bereich besonders anfällig für Verluste.

Die Apple Läden waren bisher ein enormer Erfolg für Apple und durch Anwerben von Millionen von Kunden erzeugten sie beträchtliche Umsätze. Apple ist sich aber des Risikos in der Rezession bewusst und formuliert in seinem Bericht: "Apple würde durch das Schließen von mehren Retail Store beträchtliche Verluste einfahren und damit nachteilig die finanzielle Situation und Betriebsfähigkeit beeinflussen."

Fakt ist, dass Apple hat seit der Einführung vor acht Jahren noch keinen einzigen Apple Store geschlossen hat - stattdessen hat Apple nun Personal-Kürzungen vorgenommen, um die Kosten zu senken. Dennoch ist es nicht mehr unvorstellbar, dass der Verlauf der Wirtschaftskrise Apple zum Schließen von Apple Stores zwingt.

iPhone hält 1,5 Prozent des Weltmarkts

Die Analysten der Marktforschungsfirma ABI Research schätzen, dass Apple trotz Wirtschaftskrise mit seinem iPhone bereits 1,5 Prozent des Weltmarktes erobert hat. Laut einem Bericht in Electronista hat der kalifornische Hersteller im ersten Quartal 2009 3,79 Millionen iPhones verkauft und somit seinen Marktanteil seit Ende 2008 von 1,1 auf 1,5 Prozent angehoben.

Während Apple zulegte, haben andere Firmen signifikante Verluste zu vermelden. Der Marktführer Nokia ist auf 36,2 Prozent zurückgefallen und Sony Ericsson hält jetzt nur noch 5,6 Prozent.

Dennoch schätzen die Marktforscher von ABI Research, dass im Vergleich zur Konkurrenz Apples Wachstum eher bescheiden ausgefallen ist. Research in Motion (RIM) hat seinen Marktanteil auf drei Prozent ausgebaut, nicht zuletzt dank starker Nachfrage nach den neuen Blackberry-Modellen Bold und Curve 8900 . Auch die koreanischen Mobiltelefonhersteller LG und Samsung konnten ihre Anteile auf 8,8 bzw. 17,8 Prozent erweitern. LGs Erfolg basiert neben seinen Modellen Cookie und Viewty auf dem erst Anfang März eingeführten Arena , das im ersten Monat gleich Zwei-Millionen-Mal über die Ladentheke ging.

Die Analysten sind sich einig, dass mit dem Erfolg des App Stores eigentlich höhere iPhone G3-Verkaufszahlen zu erwarten waren. "Trotz der Beliebtheit des iPhones hat die zunehmende Konkurrenz mit Touchscreens und großer Modellvielfalt die Nachfrage nach Apples Smartphone in Grenzen gehalten", vermutet der leitende Direktor von Abi Research, Kevin Burden.

Neue optimistisch korrigierte Prognosen

Nun setzen die Analysten auf die erwartete Erweiterung der iPhone-Palette im zweiten Halbjahr von 2009 und erwarten dann ein stärkeres Wachstum von Apple. Aber die Konkurrenz schläft nicht. Trotz einem Einbruch von 19 Prozent in seinen Gesamt-Verkaufszahlen kann Nokia mit seinem 5800 Xpress Music Zuwachs vermelden und wird jetzt im Sommer sein neues Flagschiff-Modell N97 in den Handel bringen. Sony Ericsson hat momentan nur sein XPERIA X1 zu bieten, wird aber in der zweiten Jahreshälfte sein Angebot mit den Idou verstärken.

In ihrer Zusammenfassung geben die Marktforscher zu, dass mit Gesamtverkaufszahlen von 258 Millionen Geräte sich der Mobiltelefonmarkt im ersten Quartal stärker als erwartet entwickelt hat. Die Verkäufe im Frühjahr werden ihrer Schätzung nach gegenüber den extrem hohen Zahlen im Vorjahr leicht zurückgehen, aber im Sommer wieder anziehen. Die Analysten haben jetzt ihre Vorhersage für rückläufige Verkäufe im zweiten Quartal 2009 von ursprünglich 8,4 auf nur 8 Prozent korrigiert.

FBI hält Hype um Conficker für gefährlich

Der Medienrummel um den Computerwurm Conficker zum 1. April lenkte die Aufmerksamkeit vieler Leute von anderen Bedrohungen durch das Internet ab, berichtet Shawn Henry, der Vertreter des Direktors für Cyber-Sicherheit des FBIs.

Auf der RSA Sicherheits-Konferenz in San Francisco hat Henry am letzten Donnerstag gewarnt, dass "Duzende von Conficker-ähnlichen Bedrohungen auf ihre Opfer lauern. ... Während die Berichte in den Medien die Leute für die Gefahren erfolgreich geschärft hat, konzentrieren sich viele nun auf nur einen einzigen Aspekt der Bedrohungen, wie zum Beispiel nur auf Conficker. Dass von denen nun keiner auf andere Gefahren achtet ist mindestens so bedrohlich wie Conficker selbst."

Die Netzwerkgröße des Conficker-Wurms, der größten Wurm-Attacke seit sechs Jahren, wird auf bis zu vier Millionen gehackte Computer geschätzt. Der Computer-Wurm nutzte eine mittlerweile behobene Sicherheitslücke im Betriebssystem Microsoft Windows aus, um die Sicherheitsmaßnahmen auf den PCs auszuhebeln und der Kontrolle von Hackern zu überlassen. "Wenn dank Conficker jeder Windows-Anwender sein Betriebssystem und die Antivirus-Software auf den neusten Stand gebracht hat, kann die Auswirkung von Conficker durchaus als positiv gewertet werden. Aber es ist lächerlich, sich nur auf Conficker zu konzentrieren, denn er ist nur das Symptom eines viel größeren Problems", nimmt Paul Ferguson, ein Marktforscher von Trend Micro, Stellung.

Während dank des vorhergesagten Internet-Zusammenbruchs aufgrund eines Updates des Conficker-Wurms jetzt jeder von Conficker spricht, werden andere Botnets , gefälschte Antivirus-Software und Phishing-Attacken sträflich ignoriert. "Die Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit ist lobenswert, aber die Leute müssen sich des gesamten Spektrums der Gefahren bewusst werden", beharrt Henry.

Das der 1. April ohne einen Internet-GAU verstrich, erzeugt nun bei vielen Anwendern fälschlicherweise das Gefühl von Sicherheit. Die nächste Warnung könnte nun von vielen schlichtweg als übertrieben oder überflüssig ignoriert werden. Für Sicherheitsexperten ist die Aussicht erschreckend, welche Auswirkungen dies auf die Sicherheitsvorkehrungen haben wird, wenn man bedenkt, dass sich Leute buchstäblich sicher fühlen, weil Conficker NICHT das Internet zerstört hat.

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