1462709

Montag, 28. September

28.09.2009 | 00:00 Uhr

AT&T: Google Voice verletzt Netzneutralität +++ Verizon verzichtet wohl auf den Palm Pre +++ Lesegeräte treiben Markt für E-Books an +++ Xtreme Mac bringt Ladegeräte für iPhone und iPod Touch +++ Diffuse Wahlprognosen auf Twitter +++ US-Richter stoppt vorerst Googles Bücher-Deal +++ Hansenet wieder in schwarzen Zahlen +++ AAPL verliert leicht

Morgenmagazin: Sonnenaufgang III
Vergrößern Morgenmagazin: Sonnenaufgang III

AT&T: Google Voice verletzt Netzneutralität

AT&T hat am Freitag Google bezichtigt, mit Google Voice die Richtlinien von FCC Für Netzneutralität zu verletzen. In einem Brief an die US-Kommunikationsbehörde behauptet AT&T, dass Googles Anwendung sowohl gegen die bestehenden Internet-Richtlinien als auch gegen die vorgeschlagenen gesetzlichen Regelungen verstößt, indem Google Voice vorsätzlich eine Reihe von Rufnummern blockiert, um Google Geld zu sparen. Das Verhalten diskriminiert andere Netzbetreiber wie AT&T, die gesetzlich verpflichtete sind, alle Anrufe zuzulassen.

Google besteht in seiner Antwort darauf, als Online-Dienst nicht diesen Regeln zu unterliegen. Im Gegensatz zu AT&T oder VoIP-Diensten wie Skype sei Google Voice lediglich ein Routing-Dienst, der alle Anrufe in beide Richtungen über eine zentrale Nummer von Google abwickelt. Diese Nummer wiederum benutzt für die Anrufe Internetverbindung und ist billiger für den Kunden, als die ausschließliche Nutzung von herkömmlichen Telefonleitungen.

Die Absicht der Klage von AT&T ist klar. Die gesetzliche Regelung der Netzneutralität durch FCC für Netzwerkbetreiber ist nicht in ihrem Interesse. Mit dem Fall von Google Voice soll FCC nun zum Einlenken bewegt werden oder auch alle Online-Dienste den gleichen Auflagen und den Kontrollen von FCC für fairen Wettbewerb unterliegen. Damit hätten Netzwerkbetreiber wie AT&T dann die gesetzliche Handhabe, Dienste wie VoIP oder ähnliche zukünftige Entwicklungen wegen unfairem Wettbewerbsvorteil zu blockieren.

Bisher hat FCC den Empfang von AT&Ts Brief bestätigt, aber noch keine Stellung genommen.

Verizon verzichtet wohl auf den Palm Pre

Verizon hat seine Pläne für den Palm Pre angeblich auf Eis gelegt. Ursprünglich hatte Verizons CEO Lowell McAdam verkündet, dass Anfang nächsten Jahres nach Auslaufen des Exklusiv-Vertrags von Palm mit dem Netzwerkbetreiber Sprint dann auch Verizon das erste Web-OS-basierte Smartphone von Palm anbieten wird. Auch das Wall Street Journal bestätigte noch vor kurzem, dass ab Januar 2010 Palm Pre mit Verträgen mit Verizon verfügbar sein soll.

Nach Insider-Informationen von The Street sieht dies mittlerweile aber gar nicht mehr danach aus. Seit der Markteinführung vor vier Monaten wurden weniger als eine Million Geräte verkauft und Verizon soll nun zögern, sein Geld in den Palm Pre zu investieren. Vielmehr ist Verizon zunehmend an den neuen Blackberry -Angeboten von Research in Motion (RIM) und Android -basierten Smartphone-Entwicklungen von Motorola interessiert. Für diesen Herbst arbeitet Verizon derzeit mit Hochdruck an der Einführung von HTCs Android -basierten Mobiltelefonen Imagio - und möglicherweise auch Predato .

Außerdem hat Verizon im Juli eine eigene App-Entwickler-Konferenz gehalten und ausdrücklich sein Interesse bekunden, Standard-Formate für plattformunabhängige Apps für Verizons Online-Dienst VCast Store zu unterstützen. Palms Beschränkung auf den Palm-Store passen nicht in dieses Konzept.

Palm hat am letzten Donnerstag eine Zusammenarbeit mit dem internationalen Netzbetreiber O2 angekündigt, wonach ab Oktober der Palm Pre nach England, Irland und Deutschland kommen wird. Bisher war der Palm Pre nur in den USA und Canada verfügbar. Laut einer Pressemitteilung in den USA behauptet Palm an einer Zusammenarbeit mit mehreren Netzbetreiber für die zweite Hälfte von 2010 zu arbeiten. Auch wenn Palm jede Stellungnahme zu dem Bericht von The Street verweigert, besteht immer noch eine Chance, dass Verizon das Smartphone Palm Pre in 2010 anbieten wird, höchstwahrscheinlich aber nur mit geringem Werbeaufwand und niedrigen Umsatzerwartungen.

Lesegeräte treiben Markt für E-Books an

Marktforscher sehen in den USA für 2010 hohe Umsätze für elektronische Textbücher voraus. Demnach sollen dann ab Hebst 2011 auch zunehmend Mittel- und Oberstufen von Schulen auf e-Bücher und deren Lesegeräte umsteigen.

Derzeit sind in den USA nur zwei Lesegeräte auf dem Markt: Den Sony Reader über den Netzbetreiber AT&T und Amazons Kindle über Sprint Nextel Inc. Aber das wird sich schnell ändern. Bereits im Oktober wird Irex mit Irex DR800SG , einem Lesegerät mit 8,1-Zoll Bildschirm und drahtloser Anbindung via den Netzbetreiber Verizon, in den Markt einsteigen. Ab Anfang 2010 wird das Gerät auch in Europa Angeboten und mit einem Preis von zirka 400 US-Dollar werden Lesegeräte dann auch für Schüler erschwinglich.

Die Nachfrage wird sich in nur einem Jahr fast verdreifachen

Allen Weiner, ein Analyst bei Gartner Inc., erwartet, dass eine ganze Reihe von namhaften Herstellern in den E-Lesegerät-Markt einsteigen wird. Neben einem möglichen Apple-Tablet, das für Februar erwartet wird, soll auch Google innerhalb der nächsten zwei Jahre ein Lesegerät anbieten. Vinita Jakhanwal, ein Marktforscher von iSuppli, berichtet, dass Plastic Logic ein Lesegerät für den US-Markt plant, und vor allem asiatische Hersteller weltweit neue Geräte anbieten werden. Bei fallenden Preisen der Fertigungsteile erwartet Jakhanwal, dass in drei Jahren der Preis unter die magische Grenze von 99 US-Dollar sinken soll. Weltweit sollen nach Schätzung von iSuppli in 2009 zirka fünf Millionen und in 2010 zwischen 13 und 14 Millionen Lesegeräte für E-Bücher verkauft werden.

Format und Eigentumsrecht für Inhalte sind noch umstritten

Laut Weiner konnten sich die zwanzig großen Verlaghäuser in den USA aber bisher noch nicht auf ein Format einigen. Während einige den offenen Standard ePub für möglichst viele Plattformen anstreben, legen sich andere mit eigenen Formaten für exklusive Lesegeräte wie den Kindle fest. Umstritten ist bisher auch noch, ob E-Bücher auch zur Ausleihe verfügbar sein sollen, und ob und wie Käufer ihre E-Bücher weiterverkaufen können.

Letztendlich haben aber auch die Buchläden in Schulen und Universitäten ein Wörtchen mitzureden. Deren Haupteinnahmequelle sind die Schüler und Studenten und ein Umstieg auf E-Bücher setzt eine Umstrukturierung zum Online-Buchverkauf voraus.

Der Vorteil für Verlage im E-Buchbereich wären Angebote, Texte mit Updates aktuell zu halten oder Videoschnipsel oder weiteres interaktives Material einbauen zu können. Weiner sieht auch die Möglichkeit, ähnlich wie beim Modell für Drucken-Nur-auf-Anforderung (print on demand) könnten bei Bedarf Auszüge der E-Bücher gedruckt werden.

1462709