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Morgenmagazin vom Montag, 29. Februar 2016

29.02.2016 | 07:02 Uhr |

Apples Verteidigung im Detail +++ Samsung muss wengier zahlen +++ Special Event angeblich in die Karwoche verschoben +++ iPhone SE ohne Generationsnummer +++ Was taugen Siri, Cortana und Google Now? +++ Amazon verkauft Artikel exklusiv an Prime-Mitglieder +++ iPhone 7 könnte mit 256 GB Speicher kommen +++ Update fĂŒr Apple TV 3 schließt Jailbreak-Bugs

29. Februar: Ein Tag wie kaum ein anderer

Das Macwelt-Morgenmagazin wĂŒnscht einen Guten Morgen! Was geschah denn am 29. Februar 1900? Na, genau das gleiche wie am 29. Februar 1700 und das gleiche was am 29. Februar 2100 passieren wird: Nichts!  Okay, wir erkennen ein Muster


Aber gut, warum konnte dann Friedrich Merz am 29. Februar 2000 zum Vorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion und damit nominell zum OppositionsfĂŒhrer im Bundestag gewĂ€hlt werden? Und auch wenn kein wichtiges geschichtliches Ereignis fĂŒr den 29. Februar 1500 im Kalender steht - es hat ihn gegeben. Der spĂ€tere Kaiser Karl V - Luthers Widersacher - wurde fĂŒnf Tage zuvor geboren, immerhin.

Des RĂ€tsels Lösung, warum es in einigen durch vier ohne Rest teilbaren Jahren keinen 29. Februar gibt und dann wieder doch,  ist natĂŒrlich die gregorianische Kalenderreform von 1582. Die Römer hatten gut 1600 Jahre zuvor schon entdeckt, dass ein Jahr etwa einen viertel Tag lĂ€nger ist als 365 Tage und deshalb alle vier Jahre hinter dem letzten Tag des römischen Jahres noch einen allerletzten hinzugefĂŒgt - eben den 29. Februar. Dieser war nötig, damit nicht irgendwann der FrĂŒhlingsanfang auf den 1. Januar fĂ€llt, so viel Ordnung muss sein. Nun ist das tropische Jahr - also die Zeit, welche die Erde fĂŒr eine Runde um die Sonne benötigt – 365,24219 Jahre lang. Immer noch kĂŒrzer als das Jahr im julianischen Kalender, der FrĂŒhlingsanfang wĂ€re irgendwann dann doch auf den 1. Januar gefallen. In der Tat hatte sich der Fehler seit CĂ€sars Zeiten schon auf 10 Tage hochgerechnet, weswegen im Jahr 1582 die Kalenderreform des Papstes Gregor XIII griff: Auf den 4. Oktober sollte der 15. Oktober folgen. Und damit sich die Notwendigkeit nicht schon wieder so bald ergibt, gilt seit jeher die Formel fĂŒr die LĂ€nge des gregorianischen Jahres: 365 + 1/4 - 3/400. Das macht dann 365,2425 und kommt dem tatsĂ€chlichen Wert recht nahe. Also mĂŒssen in vierhundert Jahren die Schalttage ausfallen, jeweils zu den vollen Jahrhunderten, wenn sich diese nicht ohne Rest durch 400 teilen lassen. Also war das Jahr 2000 ein Schaltjahr und Friedrich Merz wurde nach dessen RĂŒcktritt als Nachfolger von Wolfgang SchĂ€uble zum Fraktionsvorsitzenden gewĂ€hlt. Das Jahr 1900 war kein Schaltjahr, ebenso wenig wie die Jahre 1700 und 1800, im Februar 1500 gab es aber sehr wohl einen 29. Februar - das war ja vor der Kalenderreform.

Die Umstellung von julianischen auf gregorianischen Kalender geschah allerdings nicht weltweit gleichzeitig, so haben wir eine der vielen wunderbaren Szenen in Umberto Ecos „Das Focualt’sche Pendel“ der Kalenderverwirrung zu verdanken. Die Verschwörungstheoretiker rĂ€tseln darĂŒber, warum die Franzosen die EnglĂ€nder bei der Übergabe des Templer-Geheimnisses verpasst haben könnten, die um zehn Tage divergierenden Kalender wĂ€re schuld gewesen. Russland respektive die Sowjetunion stellte erst im 20sten Jahrhundert um, das ist auch der Grund dafĂŒr, warum in Moskau die Parade zur Oktoberrevolution immer am 5. November stattfand.

Aber auch das Königreich Schweden stellte erst spĂ€ter auf den gregorianischen Kalender um, der Beschluss erging im Jahr 1700, als der 29. Februar erstmals ausfiel. der ursprĂŒngliche Plan war, keine weiteren neuen Tage zu ĂŒberspringen, sondern neun mal den 29. Februar auszulassen, damit alles wieder passte. So lang hĂ€tte der schwedische Kalender also weder zum gregorianischen noch zum julianischen Kalender gepasst. Die unsinnige Reform kassierte König Karl XII spĂ€ter wider, ĂŒberflĂŒssiger Weise waren die Schalttage 29. Februar 1704 und 1708 nicht ausgefallen, es war also nur ein Tag wieder aufzuholen, um zum julianischen Kalender zu passen. Das war in Schweden dann der zusĂ€tzliche Schalttag 30. Februar 1712, im gregorianischen Kalender der 11. MĂ€rz 1712.  Den Wechsel zum neueren und genaueren Kalender verzog Schweden schließlich im Jahr 1753. Alter Schwede!

Sollten Sie also heute Geburtstag haben und darauf hinweisen, dass sie ja nur ein Viertel so alt seien, wie die einen Tag vor oder nach Ihnen Geborenen: Herzlichen GlĂŒckwunsch! Sie teilen Ihren Ehrentag mit allerhand Prominenz, etwa der Architekt Leo von Klenze (*1784), der Komponist Gioachino Rossini (* 1792) oder der Schriftsteller Martin Suter (*1948).  Peter MĂŒller

Lesetipp fĂŒr den Montag

Apples Einlassung im Detail: Apple hatte sich vergangenen Donnerstag mit juristischen Argumenten gegen die Anordnung im San-Bernardino-Fall an das zustĂ€ndige Gericht gewandt. Dabei beruft sich der Konzern auf sein Recht auf freie MeinungsĂ€ußerung und wehrt sich dagegen, zum verlĂ€ngerten Arm des Gesetzes zu werden. Apple hat aber auch einige Details zur DurchfĂŒhrbarkeit genannt. "GovtOS" mĂŒssten demnach zehn Apple-Ingenieure ĂŒber vier  Wochen programmieren, Apple mĂŒsste auch danach eine Hacking-Abteilung in seinem Haus unterhalten. GovtOS wĂ€re vergleichbar mit einer tödlichen Droge, die ein Pharma-Unternehmen entwickeln mĂŒsste, heißt es weiter zum Vergleich.

Patente verloren: Der Rechtsstreit mit dem FBI könnte sich ĂŒber Jahre hinziehen, Apple ist vermutlich bereit, bis zum Supreme Court zu gehen. In einem anderen langjĂ€hrigen Verfahren hat Apple am Freitag indes eine Niederlage erlitten, ein Berufungsgericht erklĂ€rte zwei Apple-Patente fĂŒr ungĂŒltig. Samsung bleibt daher eine Zahlung in Höhe von 120 Millionen US-Dollar an Apple erspart. Eines der beiden nun fĂŒr ungĂŒltig erklĂ€rten Patente ist das "Slide to unlock". Der Rechtsstreit ist aber noch lange nicht zu Ende, Samsung hatte Apple im vergangenen Dezember unter Vorbehalt eine Zahlung in Höhe von 548 Millionen US-Dollar angeboten.

Eine Woche spĂ€ter: Dass Apple am 15. MĂ€rz ein Special Event zur Vorstellung neuer Produkte wĂŒrde abhalten wollen, ist bisher trotz aller Hinweise nur Spekulation und nicht bestĂ€tigt. Die jĂŒngste Wendung des Falls sieht aber nun vor, Apple werde erst eine Woche spĂ€ter mit iPhone 5SE und iPad Air 3 an die Öffentlichkeit gehen, am 22. MĂ€rz. Wie Apple Insider berichtet, sollen sich Mitarbeiter des Unternehmens die Tage rund um den 22. MĂ€rz fĂŒr ein Event freihalten. Am gleichen Tag soll auch vor einem Bundesgericht eine Anhörung in Sachen Apple vs. FBI stattfinden, der 22. MĂ€rz 2015 könnte also ein wichtiger Tag in der Geschichte Apples werden. Ob aber Apple tatsĂ€chlich in der Karwoche prĂ€sentieren und am Karfreitag die neuen Produkte in den Handel bringen möchte sei dahingestellt. In den USA ist das kein arbeitsfreier Tag, in Deutschland mĂŒssten die Apple Stores sich dann am Karsamstag auf den Ansturm der KĂ€ufer einstellen. Womöglich verlegt Apple der Erstverkaufstag der neuen Produkte auch in den USA gleich auf den Samstag, seinerzeit war der Erstverkaufstag des iPad, der 3. April 2010, ebenfalls der Karsamstag.

Namen sind Schall und Rauch: iPhone 6C, iPhone 5SE - beide Namen fĂŒr das kommende Vierzöller passen irgendwie nicht. Das neue Modell soll eine Art Zwischending zwischen iPhone 5S und iPhone 6S sein, was GehĂ€use und Technik betrifft, die 5 im Namen wĂŒrde ebenso verwirren können wie die Reminiszenz an das iPhone 5C. 9to5Mac hat daher vorgeschlagen, Apple werde das Vierzöller nur iPhone SE nennen und somit aus der Generationenfrage herausnehmen. Die Reihe könnte Apple dann auch außerhalb des etablierten Produktzyklus pflegen können.

FĂŒnf Lehren vom MWC: Apple hat zwar erneut auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona durch Abwesenheit geglĂ€nzt, doch sollten sich auch Verantwortliche des iPhone-Herstellers nach Trends umgesehen haben. Die ein oder andere Erkenntnis könnte Apple dabei gewonnen haben, etwa ĂŒber wasserdichte Smartphones oder solche mit Erweiterungsmodulen. Fortschritte in der Akkutechnik sollte Apple sich auf alle FĂ€lle zu Nutzen machen und sich durch den Trend zu smarteren Kopfhörern in seiner Entscheidung bestĂ€tigt sehen, kĂŒnftig auf die 3,5-Zoll-Kopfhörerbuchse zu verzichten. Beeindruckt sollte Apple auch von den scharfen AMOLED-Displays sein, die Galaxy S7 und Galaxy S7 Edge zeigen.

Starker Tobak: Der Analyst Trip Chowdhry von Global Equities Research hĂ€lt Apple-CEO Tim Cook und seinen Finanzchef Luca Maestri fĂŒr Trottel, berichtet Fortune. Chowdry hĂ€lt die Entwicklung der Apple-Aktie fĂŒr katastrophal und schlĂ€gt vor, Tim Cook durch den ehemaligen Hardware-Chef Jon Rubinstein zu ersetzen und anstatt Luca Maestri seinen VorvorgĂ€nger Fred Anderson aus dem Ruhestand zu holen. In seiner Charakterisierung der Apple-FĂŒhrungsspitze zitiert Chowdry den verstorbenen Apple-GrĂŒnder Steve Jobs, der ĂŒber die Personalauswahl durchschnittlicher Firmen einmal gesagt hat: "Ein Trottel bekommt einen anderen Trottel zur Seite gestellt. Bald ist man von Trotteln nur so umgeben. Das nennt man dann Trottel-Explosion." Chowdry ĂŒbersieht in seiner Argumentation jedoch neben den von ihm aufgefĂŒhrten Ausgaben fĂŒr AktienrĂŒckkĂ€ufe und Dividenden Apples enormes Barvermögen und macht auch keine konkreten VorschlĂ€ge, wie Cook und Maestri anders mit den Apple-Finanzen verfahren sollten.

Weitere Nachrichten:

Was taugen Siri, Cortana und Google Now?

„Sag Siri einfach, was es machen soll. Siri versteht, was du sagst, weiß, was du meinst, und spricht sogar mit dir“. So, wie Apple fĂŒr sein smartes „Speech Interpretation and Recognition Interface“ wirbt, so bezeichnet Microsoft sein Pendant Cortana als „neue lernfĂ€hige persönliche Assistentin“. Da kann Google nicht hinten anstehen : „Die richtigen Informationen zur richtigen Zeit. Mit Google Now bleiben Sie ĂŒber alles auf dem Laufenden, was Sie interessiert“, verspricht das Unternehmen.

Der Tenor ist bei allen drei großen IT-Konzernen derselbe: Die persönlichen Assistenten sollen das Leben einfacher machen.

Was steckt hinter den digitalen persönlichen Assistenten?

Aber stimmt das ĂŒberhaupt? Was leisten Siri, Cortana und Google Now wirklich? Wie funktionieren die digitalen Assistenten und woher bekommen sie die persönlichen Informationen ĂŒber ihre Nutzer? Drohen eventuell Gefahren durch die Preisgabe dieser Daten, und welche Auswirkungen ergeben sich durch ihre Nutzung? Das sind nur einige der Fragen, denen wir in diesem Überblick nachgehen.

RĂŒckblende: Software fĂŒr Spracherkennung existiert schon seit den 1990er-Jahren, doch ihre QualitĂ€t war enttĂ€uschend. Zwar funktionierte im Prinzip das Diktieren am PC, praxistauglich aber war die Erkennung nicht. In der Folge sind die meisten Programmhersteller wieder vom Markt verschwunden, und bis auf wenige Nischen wie in der Medizin und der Justiz hat sich Diktier-Software nie wirklich durchgesetzt. Eine funktionierende Spracherkennung aber ist essentielle Voraussetzung fĂŒr digitale Assistenten: Wenn der Assistent nicht versteht, was der Benutzer von ihm möchte, kann er natĂŒrlich auch keine ordentliche Antwort geben.

In der Zwischenzeit aber haben sich Voraussetzung und Funktionsweise völlig geĂ€ndert. Arbeitete die Sprach-Software frĂŒher auf einem einzelnen PC, lĂ€uft sie heute in der Cloud. Einzige Voraussetzung ist also eine ausreichend schnelle Verbindung, die Rechenpower fĂŒr die Sprachanalyse selbst ist dann praktisch unbegrenzt. Wie leistungsfĂ€hig solche ins Internet ausgelagerten Anwendungen bereits sind, illustriert Skype . Der Dienst ermöglicht TelefongesprĂ€che mit Übersetzung praktisch in Echtzeit. Aktuell unterstĂŒtzt er Englisch, Spanisch, Französisch, Deutsch, Italienisch und Mandarin, weitere Sprachen sollen folgen. Der Schreib-/Chat-Modus verarbeitet sogar ĂŒber 50 Sprachen, ebenso der Online-Übersetzer von Google .

Big Data und fast unbegrenzte Rechenpower in der Cloud

Auf kĂŒnstliche Intelligenz setzt Google auch bei der Datenanalyse von Google Inbox und Google Photos . Das Mailprogramm gruppiert eingehende Nachrichten automatisch und hebt wichtige Infos hervor, ohne dass man eine Mail erst öffnen muss. Zudem werden die Termin-und Aufgabenverwaltung automatisiert.

Was die Inbox fĂŒr Mails ist, ist Google Photos fĂŒr Bilder und Videos. Die Android-und Web-App durchsucht die eigenen Aufnahmen nach Stichwörtern, ohne dass man zuvor Stichworte vergeben muss. Google erkennt also die Inhalte der Bilder automatisch und ordnet ihnen dann Tags zu. Das funktioniert auch fĂŒr Personen und Gesichter.

Über die Performance aus der Cloud hinaus benötigen die digitalen Helfer weitere Informationen, wenn sie wirklich persönliche Hilfen darstellen sollen. Sonst kann der Nutzer zwar sein Smartphone mit Navigiere mich zum Ort X anweisen, doch inzwischen leisten Google Now und Co. lĂ€ngst mehr: Beispielsweise erinnern sie in AbhĂ€ngigkeit der Verkehrslage daran, rechtzeitig zum Termin am Ort X aufzubrechen. Damit der Assistent dies eigenstĂ€ndig erkennt, muss er aber Einblick in den Kalender des Nutzers haben und dem eingetragenen Termin einen Ort zuordnen können. Zusammen mit den Verkehrsinfos in Echtzeit wissen Apple und Google dann, wann man tatsĂ€chlich aufbrechen muss.

Dieses Beispiel verdeutlicht, dass die digitalen Helfer sowohl auf allgemeine als auch auf persönliche Daten zugreifen mĂŒssen. Dazu zĂ€hlen unter anderem E-Mails, Termine, Kontakte und Adressen, den Such-und Browserverlauf, den Aufenthaltsort und Ähnliches. Im neuen Android 6 geht Google sogar noch einen Schritt weiter: „Now on Tap“ heißt die Erweiterung auf alle Apps, die den Inhalt der aktiven Applikation oder Webseite analysiert. Egal, ob man gerade Musik abspielt, das Kinoprogramm liest oder sich per Chat mit Freunden unterhĂ€lt, Google ermöglicht jeweils kontextspezifische Informationen. Tippt man den Home-Button kurz an und hĂ€lt ihn anschließend gedrĂŒckt, zeigt das MobilgerĂ€t die passenden Einzelheiten. Auch kann man unspezifisch Wann hat das Restaurant geöffnet? fragen, wenn zuvor von einem bestimmten Lokal die Rede war.

Bei den proaktiven Funktionen hinkte Siri bisher hinter Google her, doch mit iOS 9 hat Apple nun aufgeholt. Der neue „Proactive Assistent“ koordiniert App-Inhalte, Termine und Orte. So versucht Apple bei einem ankommenden Anruf ohne sichtbare Rufnummer anhand der letzten Chats und Mails den möglichen Anrufer mit einer Einblendung wie „Vielleicht: Hermann Maier“ zu identifizieren. Und „Siri Suggestions“ schlĂ€gt in der neuen Spotlight-Suche Informationen, Apps oder Kontakte vor, die zu Aufenthaltsort, Uhrzeit oder den persönlichen Vorlieben passen könnten. Insgesamt hat Siri gegenĂŒber iOS 8 deutlich zugelegt und arbeitet jetzt viel stĂ€rker personalisiert.

Persönliche Ansprache an Cortana, Google Now und Siri

Musste man frĂŒher zum Diktieren zahlreiche Anweisungen an das Spracherkennungsprogramm auswendig lernen, lassen sich die aktuellen Assistenten auf natĂŒrliche Art und Weise wie eine Person ansprechen: Wie komme ich am schnellsten zum MĂŒnchner Hauptbahnhof? Brauche ich morgen einen Regenschirm? Wo ist die nĂ€chste Pizzeria? Oder: Wieviel schwedische Kronen sind 100 Euro? Solche Fragen an das Smartphone sind draußen im hellen Sonnenlicht oder im Auto beziehungsweise auf dem Fahrrad natĂŒrlich sehr viel schneller ausgesprochen als eingetippt.

Soweit das Prinzip. Die Spracherkennung funktioniert meist ausgesprochen gut. Die gesprochenen Antworten sind letztlich nur die Weiterentwicklung der Tatsache, dass sich Google bei der gewöhnlichen Websuche ohnehin schon bei rund 20 Prozent aller Anfragen festlegt und das Ergebnis selbst prÀsentiert. Trefferlisten stören da mehr. Das Gleiche versuchen die digitalen Helfer, indem sie Fragen mit einer Sprachantwort erwidern.

Doch hĂ€ufig erscheint eben auch nur eine Trefferliste, der Wikipedia-Eintrag, eine Karte oder Ähnliches. FĂŒr Detailinfos muss man dann weiter auf den Touchscreen drĂŒcken, doch selbst hier ist man mit Assistent schneller am Ziel als ohne. Mitunter fallen die Antworten etwas kurios aus – man kann es auch unsinnig nennen. So antwortete Siri auf die richtig erkannte Frage Wann fĂ€hrt der nĂ€chste Zug von MĂŒnchen nach Augsburg? mit „Ich weiß nicht genau, wie es mit der Mannschaft ‚FC Bayern MĂŒnchen‘ aussieht.“

Über Suchanfragen hinaus helfen Cortana, Google Now und Siri bei der Bedienung des Smartphones, zum Beispiel mit Befehlen wie Öffne PC Welt.de, Starte die App GMX Mail, Rufe Heike an, Schalte in den Flugmodus oder Schreibe eine SMS an Alberto. Dazu gehören auch so alltĂ€gliche Dinge wie das Stellen des Weckers, das Anlegen eines Termins, einer Notiz: Erinnere mich ĂŒbermorgen daran, die WĂ€sche abzuholen. Als praktisch erweist sich die natĂŒrliche Spracheingabe zudem bei der Zieleingabe in der Navi-App.

Siehe auch: Magst du Apple? 59 freche Cortana-Antworten

Digitale Assistenten und Datenschutz

SelbstverstĂ€ndlich fallen bei jeder Internetsuche Daten an, praktisch jede Webseite setzt Cookies, und selbst ohne lassen sich fast alle Online-Nutzer ĂŒber individuelle Fingerprints ihrer Browser identifizieren. Und doch stellen die digitalen Sprachassistenten eine neue Stufe hinsichtlich des Sammelns von Daten dar – sogar in zweifacher Hinsicht.

Zum einen horchen die GerĂ€te permanent in den Raum, schließlich schalten sie ja erst nach Befehlen wie Hey 
, Okay 
 oder Alexa ihre Hauptfunktion ein. Anders als bei der benutzerinitiierten Websuche oder App-und Programmbedienung lauschen die Assistenten zumindest potenziell immer. Bei der Mikrofon-Lautsprecher-Kombination Echo stellt dies geradezu die Kernfunktion dar: „Amazon Echo is always on 
“ – so wirbt der US-Handelsriese. Was mit all den durch die Assistenten aufgezeichneten Daten letztlich passiert, entzieht sich der Kenntnis der Nutzer.

Zum anderen verrĂ€t die menschliche Stimme noch viel mehr, als manchem lieb sein dĂŒrfte: Wer leicht hustet, bekommt zukĂŒnftig nebenbei gleich die passenden Medikamente angeboten. Und diejenigen mit chronischem Husten mĂŒssen vielleicht bald mehr fĂŒr ihre Krankenversicherung bezahlen.

Noch etwas zum Schluss: Wussten Sie, dass sich bereits mehrere hundert Fernsehermodelle per Sprache steuern lassen? Schauen Sie doch mal, ob Ihr TV-GerĂ€t dabei ist und Ihr Wohnzimmer „abhört“ ...

Fazit: Kein „besser als“, doch Cortana erfordert mehr Eingriffe

Insgesamt funktionieren solche Aktionsbefehle gut, die MobilgerĂ€te reagieren fast immer mit sinnvollen Dialogen, BestĂ€tigungen, RĂŒckfragen oder Hinweisen (etwa: „Ich habe Alberto nicht in Deinen Kontakten gefunden“) und starten gegebenenfalls die passende App. Weniger zufriedenstellend stellt sich dagegen die Bedienung der Musik-Apps dar: Das Abspielen eines bestimmten Songs oder Interpreten mag noch funktionieren, bei Standardaktionen wie „lauter“ oder „leiser“ scheitern die Systeme aber bereits.

Cortana, Google Now und Siri nach Punkten zu vergleichen macht allein schon deshalb wenig Sinn, weil die Helfer zum Teil an eine Plattform gebunden sind. Abseits des Desktops lĂ€sst sich nur der Assistent von Google unter Android und iOS nutzen. Wer ein MobilgerĂ€t mit Windows Phone oder Android besitzt, ist auf Cortana respektive Google festgelegt. Nur mit dem iPhone oder iPad lĂ€sst sich komfortabel zwischen den Helfern von Apple und Google wechseln. Allein die StĂ€rke oder SchwĂ€che eines der Assistenten stellt aber keinen Grund fĂŒr einen Systemwechsel dar. Die Grenzen werden auch durchlĂ€ssiger, da Cortana als Betaversion nun auch unter Android verfĂŒgbar ist.

Ansonsten hat jedes System seine StĂ€rken und SchwĂ€chen. Insgesamt muss da der Microsoft-Assistent derzeit etwas hĂ€ufiger passen als die Helfer von Apple und Google, und so fĂ€llt Cortana derzeit in der deutschen Fassungen gegenĂŒber Google Now und Siri zurĂŒck. Störend ist hier ferner, dass man Cortana mit einem auf Deutsch eingestelltem Windows Phone nicht einfach durch Umstellen der Spracherkennung auf Englisch nutzen und damit die FunktionsfĂŒlle erweitern kann. Schließlich kann die Internetsuche ĂŒber Bing nicht mit der von Google mithalten.

Unter praktischen Gesichtspunkten fehlt zudem die Möglichkeit, den Assistenten auf dem Smartphone per Sprache wie mit Okay Google oder Hey Siri zu starten. Derzeit bleibt dem Anwender nur die Möglichkeit, Cortana per Fingertipp auf die App zu starten. „Hey Cortana“ funktioniert bisher nur in Windows 10 fĂŒr den Desktop. Andererseits horcht Microsoft somit auch nicht stĂ€ndig in den Raum hinein, wie Apple und Google dies zwangslĂ€ufig tun mĂŒssen. Wer weiß schon wirklich, welche UmgebungsgerĂ€usche die Firmen auswerten oder gar aufzeichnen!

Die Nase vorn hatte Google bisher bei der App-ĂŒbergreifenden Analyse: Google Now ließ sich bereits lĂ€ngere Zeit gut als Helfer im Alltag einsetzen. Als Beispiel seien nochmals die Koordination von Terminen mit Ortsangaben, aktuellem Aufenthaltsort und der Verkehrslage in Echtzeit genannt. Mit „Tap on Now“ weitet der Suchmaschinenkonzern sein Kontextkonzept unter Android 6 sogar aus, allerdings verfĂŒgt der „Proactive Assistant“ in iOS 9 nun ĂŒber Ă€hnliche Funktionen. Bei der natĂŒrlichen Sprachsuche gilt im Übrigen auf allen Systemen: Kann der Assistent mit der Frage nichts anfangen, hilft oft schon eine nur leicht modifizierte Form.

Ausblick: Home Automation, Online-Shopping und mehr

Noch gelten digitale Assistenten und Sprachsteuerung vielfach mehr als „nette Spielerei“ denn als nĂŒtzliche Funktion. Wer aber einmal die „natĂŒrliche Abneigungsschwelle“ ĂŒberwunden hat, weiß die Spracherkennung und -steuerung zu schĂ€tzen. In der Praxis funktioniert sie ziemlich zuverlĂ€ssig und insbesondere im Auto lassen sich damit Dinge erledigen, die man ohne Siri und Co. wĂ€hrend der Fahrt einfach ĂŒberhaupt nicht machen könnte. Experten prognostizieren deshalb, dass schon in wenigen Jahren ein betrĂ€chtlicher Teil der Fahrzeugfunktionen durch Sprach-und Gestensteuerung bedient wird.

Auch in anderen Bereichen wie dem intelligenten Zuhause ist Sprachsteuerung auf dem Vormarsch, zum Beispiel die aufs Wort gehorchenden Nest-Thermostate. Ein weiteres Einsatzgebiet hat Amazon im vergangenen Jahr mit der Assistenten-Hardware Echo fĂŒrs Wohnzimmer eröffnet – vorallerst allerdings nur in den USA. Echo hört auf den Zuruf Alexa und agiert als stationĂ€rer Helfer daheim, der prinzipiell alle Fragen beantworten und selbstverstĂ€ndlich Bestellungen bei Amazon aufnehmen kann. Zusammen mit Cortana im neuen Desktop-Betriebssystem von Microsoft und Google Now im Chrome-Browser fĂŒr den PC verdeutlicht Echo, dass sich digitale Assistenten kĂŒnftig keineswegs auf MobilgerĂ€te beschrĂ€nken.

Mit dem zunehmenden Einsatz geht die Frage nach der Hoheit ĂŒber die Daten einher. So wie sich aktuell die Autokonzerne Gedanken machen mĂŒssen, wie weit sie die beim Fahren anfallenden Daten an IT-Konzerne wie Apple oder Google abgeben, werden Cortana und Co. die digitale Welt insgesamt weitreichend verĂ€ndern – nicht zuletzt das traditionelle GeschĂ€ftsmodell von Google selbst. Denn wenn Siri gleich eine zufriedenstellende Antwort gibt, braucht man keine Suchtreffer – und sieht damit auch keine herkömmliche Online-Werbung mehr. Selbst Apps sind in Gefahr, sobald die Assistenten mehr und mehr deren Aufgaben ĂŒbernehmen.

Ach ja, ein großer Internet-und IT-Konzern mit mehr als einer Milliarde Nutzern wurde noch gar nicht erwĂ€hnt: Facebook. Offiziell ist noch nichts bestĂ€tigt, doch es verdichten sich die Hinweise, dass auch das soziale Netzwerk an einem persönlichen Assistenten („Moneypenny“) arbeitet.

„Wow, aber ...“ - Kommentar vom Autor

Chapeau! Was die digitalen Assistenten leisten, ist wirklich erstaunlich. Da gibt es erstens nichts wegzudiskutieren und zweitens zahlreiche nĂŒtzliche Anwendungsszenarien, zum Beispiel im Auto. Dennoch behalte ich meine Grundskepsis gegenĂŒber Cortana, Google Now und Siri bei.

Meistens brauche ich sie schlicht nicht, und damit das auch so bleibt, verzichte ich im Alltag auf die digitalen Helfer. So habe ich meine Termine (ĂŒberwiegend) im Kopf und schaue aus GrĂŒnden der Übersicht mitunter sogar auf eine Landkarte – obwohl ich weiß, dass mich das Navi sicher und schnell zum Ziel bringt. Man muss nicht gleich vor digitaler Demenz oder Amnesie warnen, doch der stĂ€ndige Gebrauch der digitalen Helfer schafft eben doch AbhĂ€ngigkeit.

Amazon verkauft Artikel exklusiv an Prime-Mitglieder

Wie der Spiegel berichtet, verkauft der  Amazon bestimmte Artikel nicht mehr an alle Kunden. Demnach sollen Amazon-Prime-Kunden exklusiven Zugriff auf reservierte Produkte haben, wie beispielsweise eine Logitech-Tastatur, eine Panasonic-Kompaktkamera und ein 64-GB-USB-Stick von SanDisk. In einer Infobox wird dem Kunden mitgeteilt: „Dieser, von Amazon.de verkaufte Artikel ist derzeit ausschließlich fĂŒr Prime-Mitglieder reserviert.“

Amazon – ein Online-Gigant. Blick hinter die Kulissen.

Prime-Mitglieder haben darĂŒber hinaus fĂŒr 49 Euro im Jahr unbegrenzten gratis Premiumversand, unbegrenztes Streaming von Filmen und Serien mit Prime Video und Zugang zu ĂŒber eine Million Songs mit Prime Music. Mit dem Vorbehalten exklusiver Artikel versucht Amazon, diesen Service fĂŒr die Kunden attraktiver zu gestalten. Erste Maßnahmen ergriff das Unternehmen bereits Mitte 2014, als der Mindestbestellwert fĂŒr versandkostenfreie Lieferungen erhöht wurde,

Kunden, die den Amazon-Prime-Service nicht nutzen, können die Artikel trotzdem bestellen, mĂŒssen dafĂŒr jedoch die Artikel von DrittverkĂ€ufern wĂ€hlen, welche ebenfalls auf Amazon angeboten werden. „Das Sortiment an ’exklusiv fĂŒr Prime-Mitglieder’ erhĂ€ltlichen Artikeln kann sich jederzeit Ă€ndern. Auch die Anzahl der angebotenen ’exklusiv fĂŒr Prime-Mitglieder’ erhĂ€ltlichen Produkte variiert stetig, sodass wir hier keine genauen Zahlen nennen können“, gibt Amazon bekannt.

iPhone 7 könnte mit 256 GB Speicher kommen

Am Donnerstag hat Samsung einen neuen Speicherchip mit bis zu 256 GB Speicherplatz fĂŒr MobilgerĂ€te vorgestellt. Dies berichtet Turn On . Der Universal Flash Storage-Chip wĂŒrde demnach die aktuell grĂ¶ĂŸten KapazitĂ€ten der iPhone-Modelle bei weitem ĂŒbersteigen. Der grĂ¶ĂŸte Speicherplatz des iPhones lag bisher bei 128 GB.
 
Dank der Neuentwicklung sollen „die 256-GB-Chips auch die Performance einer SATA-basierten SSD fĂŒr den PC ĂŒbertreffen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Herstellers. Demnach soll der neue Flash-Speicher fast doppelt so schnell sein, wie eine Solid-State-Disk und dreimal so schnell wie die aktuelle High-Performance-microSD-Karten. So  lassen sich mit dem Chip Datenmengen mit bis zu 850 MB/s ĂŒbertragen, wobei auch die sequenzielle Schreibgeschwindigkeit bis zu 260 MB/s betrĂ€gt.

Update fĂŒr Apple TV 3 schließt Jailbreak-Bugs

In der Nacht vom Donnerstag auf Freitag hat Apple etwas ĂŒberraschend ein Update gebracht, dabei bediente der Hersteller nicht die neuesten GerĂ€te, sondern hat in in seiner Produktgeschichte etwas zurĂŒck geschaut. Da staubte nĂ€mlich noch das Apple TV der dritten Generation vor sich hin, das nun aber eine aktualisierte Version des Apple TV OS mit der Versionsnummer 7.2.1 erhalten hat. Neue Funktionen wird man vergeblich suchen, dafĂŒr hat der Entwickler mehrere SicherheitslĂŒcken gestopft. Rund sechzig Bugs und Schlupflöcher sind auf der Update-Seite aufgelistet, sehr viele sind im Webkit geschlossen, aber auch im Kernel und in anderen Bereichen des Apple TV OS. Im Grunde genommen hat damit Apple nur alte Hausaufgaben erledigt, denn einige der erst gestern geschlossenen Fehler des Apple TV 3 hatte Apple auf iPhone und iPad schon mit  iOS 8.4.1 im August letzten Jahres angegangen. Besonders prominent sind Bugs , die das Jaibreak von dem TaiG Team unter iOS 8.3 möglich gemacht hatten.

Das neue Update ist unter den Einstellungen direkt auf dem Apple TV 3 zu finden.

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