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Morgenmagazin vom 10. Februar 2016

10.02.2016 | 07:12 Uhr | Peter Müller

Neue Klage wegen weniger iPhone-Speicher +++ tvOS 9.2 bringt Ausweitung für Siri +++ Fehlerhafter Updater gefährdet Mac-Apps +++ Intels Skylake-CPUs erhalten Anti-Übertaktungs-Update +++ Kickstarter feiert 100.000 finanzierte Projekte +++ Amazon stellt eigene Game-Engine vor +++ Angeblicher Hackerangriff auf das US-Justizministerium: 200 GB Daten erbeutet

10. Februar: Sechs auf einen Streich

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Heute vor einem Jahr schloss an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq die Apple-Aktie erstmals bei einem Kurs, der eine Marktkapitalisierung des Unternehmens in Höhe von mehr als 700 Milliarden US-Dollar bedeutete. Die 122,02 US-Dollar von damals waren aber nicht der bisherige Höhepunkt des Kurses von AAPL, dieser beträgt 132,54 US-Dollar, so hoch standen Anteilsscheine des Mac-Herstellers am 22. Mai. 775 Milliarden US-Dollar war Apple maximal wert - natürlich nur virtuell. In der vergangenen Woche machte dann die Nachricht die Runde, die Weltwirtschaft habe einen neuen Spitzenreiter - Googles Mutterkonzern Alphabet, der mit seinen Wachstumszahlen die Phantasie der Wall Street beflügelte und nun an Apple vorbeizog. Die Feuilletons und Wirtschaftsteile der Weltpresse überschlugen sich mit Analysen, was es bedeute, dass nun ein reines Serviceunternehmen das wertvollste der Welt sei und kein Hardwarehersteller mehr. Dabei haben viele übersehen - wir auch - dass Google den Spitzenplatz schon wieder hat räumen müssen, schon tags darauf fiel der Kurs wieder. Vom Spitzenwert von 764 US-Dollar für eine Alphabet-Aktie ging es schon wieder auf um die 680 US-Dollar zurück, der Gesamtwert ist wieder unter die 500 Milliarden US-Dollar gefallen, während Apple schon wieder mehr als die halbe Billion wert ist. Wir werden in den folgenden Tagen und Wochen die Situation weiter beobachten, es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Apple ist nicht mehr der solitäre Spitzenreiter in Sachen Börsenerfolg, Google aber auch noch nicht endgültig am Mac-Hersteller vorbeigezogen.

Wobei Mac-Hersteller zwar ein beliebtes und tradiertes Synonym ist, es aber nicht die ganze Wahrheit erzählt. Trotz solider Geschäft in seinem Kernmarkt basiert Apples Erfolg nun einmal auf dem enormen iPhone-Absatz. Diese Erfolgsgeschichte ist auch noch nicht auserzählt, angeblich eröffnet Apple in fünf Wochen mit einem iPhone 5SE oder 6C oder XY ein neues Kapitel der iPhone-Story. Hinzu kommen wohl ein neues iPad Air und ein paar Updates für Macs. Alles in allem kann man sich auf eine etwas längere Präsentation einstellen, die wohl an der Zwei-Stunden-Marke kratzen wird.

Ein Kessel Buntes also. Das ist aber nichts gegen den bunten Strauß an neuen Produkten, die Apple am 10. Februar 1993 vorstellte. Gleich sechs unterschiedliche Mac-Modelle in einer großen Preisvarianz stellte der Mac-Hersteller (damals passte das Synonym ja...) vor. Damals war der Mac-Hersteller in einer ähnlichen Drucksituation wie heute und musste liefern. Eine neue Prozessorplattform stand mit dem PowerPC bereit, und der langjährige Kassenschlager Apple II sollte im November des gleichen Jahres endgültig eingestellt werden. Der 10. Februar vor 23 Jahren brachte also den letzten großen Rundumschlag von 68k-Macs. Der Macintosh LC III setzte die populäre LC-Reihei (LC stand für low cost) fort, der Color Classic brachte der kompakten Form des Ur-Macintosh erstmals Farbe und war damit eine Art Zwischenstation auf dem Weg zum iMac, das Powerbook 165c der erste Mobilrechner Apples mit Farbbildschirm. Die Modelle Centris 610 und 650 versuchten ihrerseits eine Mittelklasse zwischen Low-End- und High-End-Macs zu definieren, in der der Quadra 800 das Angebot ergänzte. Ein bisschen viel auf einmal, der 10. Februar 1993 trug zu einem Modellwildwuchs bei Apple bei, den erst Steve Jobs nach seiner Rückkehr deutlich reduzierte. Immerhin hießen die Centris schon bald Quadra, was aber die Übersichtlichkeit nicht gerade steigerte. Aber die ist bei Apple heute auch nur noch gegeben, betrachtet man die Sparten Mac, iPad und iPhone getrennt voneinander. Farb- und Speicheroptionen mit einberechnet, kommt man schon jetzt auf mehrere Dutzend iPhones. Das 5SE, 6C oder XY wird die Auswahl nicht gerade leichter machen. Peter Müller

Lesetipps für den Mittwoch

10 GB sind keine 16 GB: Eine Verbraucherschutzorganisation in Belgien hat Apple wegen irreführender Angaben zum freien Speicher auf iPhones verklagt. Denn laut Klageschrift seien auf einem nominell 16 GB fassenden iPhone nur 10 GB Platz für Nutzerdaten, der Rest werde vom System und Apples vorinstallierten Apps belegt. Die Klage dürfte aber auf wackligen Beinen stehen, vor einem Jahr hatte Apple eine ähnliche Klage ereilt und einen Antrag auf Zurückweisung gestellt. Die Organisation Test-Aankoop räumt auch ein, dass andere Smartphonehersteller in gleicher Weise handelten, bei Apple sei jedoch die ausgewiesene Speicherkapazität ein wesentliches Kriterium für die Kaufentscheidung und müsse daher korrekt angegeben werden. Und zwar schon auf der Verpackung, Apple erklärt auf einer Website genau, was mit den Angaben für den Speicher gemeint ist. Darin erklärt Apple auch den Unterschied zwischen Binär- und Dezimalsystem. 1 GB sind zum Beispiel auf iPhone und iPad 1024 (2 10 ) Megabyte und somit 1.073.741.824 (2 30 ) Byte. So erklärt sich der Unterschied, wenn "ein Speichergerät mit einer Kapazität von 32 GB in einem Betriebssystem mit einer Kapazität von etwa 28 GB angezeigt wird, obwohl das Speichergerät wie angegeben über 32 Milliarden Byte (und nicht über 28 Milliarden Byte) verfügt", wie es auf der Apple-Website heißt.

Siri ausgeweitet: Dank des Apple TV 4 und der Siri Remote kann man mit seinem Fernsehapparat sprechen - dieser versteht aber längst nicht alles. Wie nun Macworld berichtet, haben Entwickler in der am Montag veröffentlichten neuen Beta-Fassung für tvOS 9.2 entdeckt, dass die Spracherkennung eine Ausweitung bekommt. Siri funktioniert dann auch bei Suchen im App Store, zudem lässt  sich mit Siris Hilfe diktieren, etwa Usernamen und Passworte für den Login bestimmter Apps.

Blutdruck messen und protokollieren : Withings stattet seine Health-Mate-App mit der kostenpflichtigen Erweiterung Hy-Result aus, mit der man seine Blutdruckwerte überwachen kann. Der In-app-Kauf kostet 5 US-Dollar und funktioniert automatisch mit dem 130 US-Dollar teuren Wireless Blodd Pressure Monitor von Withings, lässt sich aber auch in Verbindung mit jedem anderen Blutdruckmessgerät verwenden, da man die Werte von Hand eintragen kann. Um ein umfassendes Bild zu bekommen, muss man jedoch zunächst fünf Tage lang sechs mal am Tag messen und protokollieren.

Made for iPhone: Der Piper-Jaffray-Analyst Gene Munster hält es für möglich, dass Apple mit seinen jüngsten Firmenübernahmen und Einstellungen von Experten sich ernsthaft mit dem Thema Augmented Reality / Virtual Reality beschäftigt. Ziel der Entwicklungen bei Apple werde jedoch kein eigene AR/VR-Brille wie die Holo Lens von Microsoft sein, sondern eher ein Softwareframe, mit dessen Hilfe Dritthersteller ihre Brillen mit dem iPhone verknüpfen können. Das Konzept ähnle dem des Gütesiegels "Made for iPhone", mit dem Apple geeignete Peripherie auszeichnet. AR/VR-Brillen sehe Apple wie die Apple Watch als Zubehör und Erweiterung für Smartphones. Das Framework für AR und VR sollte laut Munster im Jahr 2018 marktreif sein.

Angriff statt Update: Arstechnica berichtet über einen Fehler im Sparkel-Framework, über das viele Apps für den Mac ihre Updates von einem Server beziehen. Eine fehlerhafte Implemantation verursache einen offenen Kanal über http, eine Man-in-the-Middle-Attacke könnte beim Udpate den Datenstrom abgreifen. Betroffene Apps sind unter anderem Camtasia oder uTorrent, die Entwickler des VLC Player haben die Lücke in der Anwendung bereits geschlossen.

Weitere Nachrichten:

Intels Skylake-CPUs erhalten Anti-Übertaktungs-Update

Die "Nicht-K" Skylake-CPUs von Intel ließen sich bisher übertakten. Über ein Microcode-Update wird diese Funktion nun deaktiviert. Das entsprechende BIOS-Update liefert Intel nun an die Hauptplatinen-Hersteller aus, wie das Unternehmen gegenüber unserer US-Schwesterpublikation PC-WORLD bestätigt hat.

In einem Statement an unsere Kollegen weist Intel darauf hin, dass die entsprechenden "Nicht-K" Skylake-CPUs im Gegensatz zu den teureren "K"-Skylake-CPUs nicht dafür geeignet seien, um übertaktet zu werden.

Im Dezember war aufgefallen, dass sich die günstigeren "Non-K"-Skylake-CPUs durch Veränderung der Bclock-Einstellung auf dem Chip mit einer höheren Geschwindigkeit betreiben lassen. Entsprechend groß war die Begeisterung bei den Overclockern, denn normalerweise gestattet Intel nur bei den teureren "K"-CPUs das Übertakten. Allerdings weist Intel auch bei den "K"-Skylake-CPUs darauf hin, dass die Intel-Garantie nicht bei einem Übertakten der CPU gilt.

Abzuwarten bleibt aber, ob und wie schnell die Hersteller ein entsprechendes BIOS-Update ausliefern werden.

Kickstarter feiert 100.000 finanzierte Projekte

Die Crowdfunding-Plattform Kickstarter hat mittlerweile 100.000 Projekte finanziert und interessante Zahlen veröffentlicht. Bei dem Jubiläumsprojekt handelt es sich um ein Fotografie-Vorhaben mit dem Titel „ Falklands/Malvinas: One War, all Wars “. Seit nunmehr sechs Jahren und neun Monaten lassen sich über Kickstarter private Investoren für ausgefallene Ideen finden. Die Macher der Seite nehmen sich die 100.000 Projekte zum Anlass, um den Nutzern 100 interessante Zahlen rund um Kickstarter zu präsentieren.

So ist die Anzahl der erfolgreich finanzierten Projekte etwas höher als die Anzahl der Erfinder dieser Projekte (86.101). Viele Macher nutzen die Plattform also für die Finanzierung mehrerer Ideen. Der Rekordhalter hat sogar schon 94 Projektideen erfolgreich via Kickstarter finanziert.

Die Unterstützer der Ideen stammen aus aller Welt. Das beliebteste Projekt wurde von Menschen aus 169 Nationen unterstützt. Für die erfolgreiche Finanzierung der 100.000 Projekte waren beachtliche 9.088.422 Unterstützer notwendig.

Amazon stellt eigene Game-Engine vor

Der Online-Versandhändler Amazon hat mit Lumberyard eine eigene Spiele-Engine vorgestellt, mit der sich einfache bis aufwendige Spiele für PC, Konsolen, Mobilgeräte und sogar VR-Helme realisieren lassen sollen. Der Download der Software ist kostenlos, Amazon will die Entwicklungskosten über kostenpflichtige Dienste wieder einspielen.

Lumberyard sei direkt mit der hauseigenen Cloud-Plattform Amazon Web Services sowie dem Videostreaming-Dienst Twitch verbunden. Verfügt ein Spiel etwa über einen Mehrspielermodus, so lässt sich die hierfür nötige Serverkapazität direkt bei Amazon erstehen. Auf Angebote von Google oder Microsoft dürfen Entwickler laut AGB nicht ausweichen.

Für den grafischen Unterbau verlässt sich Lumberyard auf Teile der CryEngine . Die Partikeleffekte oder Wasseranimationen sehen dadurch entsprechend schick aus. Inwieweit die Technik bei Entwicklern auf Akzeptanz stößt, muss sich aber noch zeigen.

Angeblicher Hackerangriff auf das US-Justizministerium: 200 GB Daten erbeutet

Bei einem Hackerangriff auf die Datenbank des US-amerikanischen Justizministeriums (Departement of Justice, DoJ) sollen insgesamt rund 200 GB an Daten heruntergeladen worden sein. Darunter befinden sich „Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und andere Informationen von rund 20.000 FBI- und 9.000 Homeland-Security-Mitarbeitern“, berichtet Motherboard.

Der Hacker soll sich demnach über das E-Mail-Konto eines Mitarbeiters Zugang zu der Datenbank verschafft und anschließend versucht haben, sich bei einem Webportal des Ministeriums anzumelden. Den für die Anmeldung notwendigen Token-Code „habe er nach einem Anruf bei der zuständigen Abteilung des Ministeriums erhalten“, woraufhin er sich einloggen konnte und auch Zugriff auf den Computer des Besitzers des gehackten E-Mail-Kontos hatte.

Hacker veröffentlichen Daten von 2.500 FBI-Mitarbeitern

„Ich hatte Zugang, konnte aber nicht das gesamte Terabyte nehmen“, sagte der Hacker. Dieser hatte somit unter anderem auch Zugang zu dem lokalen Intranet des Justizministeriums. So soll er aber Informationen über Dateien mit militärischem Hintergrund, sowie Kreditkartendaten einsehen können. Der Hacker stellte anschließend eine Liste mit Kontaktdaten von Mitarbeitern verschiedener Sicherheitsbehörden dem Blog Motherboard zur Verfügung, woraufhin der Hackerangriff überhaupt erst aufgeflogen sein soll. Darüber hinaus will der Hacker einen Teil der Informationen zu einem unbekannten Zeitpunkt im Internet veröffentlichen. Jedoch soll über ein pro-palästinensisches Twitter-Konto bereits „eine Liste mit Details von 9000 Heimatschutzmitarbeitern sowie Screenshots des gehackten Computers“ publik gemacht worden sein.

„Wir prüfen Berichte über die angebliche Veröffentlichung von Kontaktinformationen von Mitarbeitern des Department of Homeland Security“, erklärte ein Sprecher des Heimatschutzministeriums mit. „Wir nehmen diese Berichte sehr ernst, allerdings gibt es derzeit keine Hinweise auf einen Diebstahl vertraulicher oder persönlicher Informationen.“

 

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