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Morgenmagazin vom 11. März 2016

11.03.2016 | 07:05 Uhr |

DoJ wirft Apple "zersetzende Rhetorik" vor +++ Special Event am 21. März bestätigt +++ Was gegen Trojaner hilft +++ Warum Apple Videos auf sich warten lassen wird +++ Vorsicht vor Facebook-Abzocke mit dem iPhone 7 +++ Google DeepMind besiegt Profi-Go-Spieler Lee Se-dol +++ Künstliche Intelligenz: Google-Roboter lernen voneinander +++ Wo Deutschland, Tokleau und die Niederlande vorne liegen

11. März: Der Fluch der Technik

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Eine der schwierigsten Disziplinen in Forschung und Technik ist die Technikfolgenabschätzung. Hätte der diese Woche verstorbene Ray Tomlinson geahnt, welche Mengen und Unmengen wir heute aus unseren elektronischen Posteingängen schöpfen müssen, bevor wir zum Arbeiten kommen, hätte er das @-Zeichen auf der Tastatur seines Computers lieber links liegen lassen und etwas sinnvolleres als die E-Mail erfunden. Oder Graham Bell, der gestern vor 140 Jahren mit seinem Assistenten Thomas Watson das erste Telefonat führte: Hätte er die schwarzen Schafe des Telefonmarketings schon vor Augen gehabt, er wäre gewiss zu anderen Forschungen übergegangen. Aber dann hätten womöglich andere die Technik erfunden und weiterentwickelt oder wenigstens den Ruhm abbekommen. Die Sache mit dem Fernsprechen lag ja ebenso in der Luft wie das Bedürfnis, von Computer zu Computer über das Telefon(sic!)-Netz erst Texte dann auch andere Daten zu verschicken. Und der Nutzen ist ebenso unbestritten. Was dann die Menschen daraus machen und wie sehr sie Nachteile unterschätzen oder zumindest billigend in Kauf nehmen, steht auf einem anderen Blatt.

So ist es auch kaum den damaligen politischen Entscheidungsträgern in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu verdenken, dass sie von der kontrollierten Nutzung der Energie, die aus Kernspaltung kam, so fasziniert waren. Welche Kräfte da entfesselt wurden, hatten in besonders schrecklich-eindrucksvoller Weise die Bomben auf Hiroshima und Nagasaki gezeigt. Doch zeigten die Wissenschaftler und Ingenieure, dass sich die Kettenreaktion auch prima kontrollieren ließe. Hält man bestimmte Sicherheitsvorkehrungen ein. Weil sonst...

Aber nichts sonst: Kernkraftwerke versprachen nach einer einmaligen Anschubfinanzierung billige Energie für schier unendliche Zeit. Kohle war in den Industriegebieten in Deutschland, England und anderswo immer schwieriger und damit teurer abzubauen, dass das Verbrennen fossiler Energieträger die Luft nicht gerade besser macht, war bekannt. Die Kernkraft somit ein Versprechen für unbegrenztes Wachstum – das sie nicht halten konnte, wie wir heute wissen.

Die Mär vom billigen Atomstrom ist ja längst zu Ende erzählt, die einst mit Kernkraftwerken reich gewordenen Unternehmen können längst nicht mehr garantieren, ob die für Abbau und Endlagerung der Abfälle zurückgestellten finanziellen Mittel ausreichen oder ob man nicht doch die Kinder, Enkel und Urenkel derjenigen dafür belangen muss, für die einst der Strom aus der Steckdose zu kommen schien. Diese Technikfolge hätte man aber schon in den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts abschätzen können, aber über den Aufbau der Atomwirtschaft entschieden meist Mandats- und Amtsträger, die von Physik keine Ahnung hatten.

Interessant, wie spät die Erkenntnis von der Unvermeidlichkeit des Atomausstiegs hierzulande auch erst Leute, die ausgewiesenermaßen von Physik Ahnung haben, ereilte. Erst das dritte schwerwiegende Ereignis setzte das Umdenken in Gang. Harrisburg 1979: Ist ja nicht ausgeartet, die amerikanischen Kollegen haben ihre Lehren gezogen. Tschernobyl 1986: Kann bei uns nicht passieren, war in der Sowjetunion bei dem Reaktortyp aber fast zwangsläufig. Erst Fukushima, am 11. März vor fünf Jahren zeigte, dass nicht die Technik das Problem ist, sondern der Mensch, der sie bedient, konzipiert und verantwortet. Dabei macht die menschliche Natur eben nicht vor Nationengrenzen halt. Der Mensch ist fehlbar in den USA, der Sowjetunion und in Japan. Unterschätzt dabei die Folgen kaputter Ventile, wagt zu kühne Experimente oder konzipiert einfach zu niedrige Schutzmauern, die Neun-Meter-Wellen dann eben nicht mehr stand halten. Da der Mensch auch in Deutschland fehlbar ist, ist es nur vernünftig, das Risiko so weit wie möglich zu minimieren. Das wird nicht mit noch so gründlichen Sicherheitsvorkehrungen funktionieren, sondern nur damit, darauf zu verzichten, eine Kernexplosion vorsichtig langsam ablaufen zu lassen.

Leider ist die Vernunft, die es braucht, um von der Kernkraft zu lassen, nicht überall hinreichend weit gediehen, es ist auch nicht auszuschließen, dass in wenigen Jahren eine neue Bundesregierung erneut den Ausstieg aus dem Ausstieg beschließen wird. Und so wird sich den finsteren GAU-Daten 28. März 1979, 26. April 1986 und 11. März 2011 noch das ein oder andere hinzu gesellen. Peter Müller

Lesetipps für den Freitag:

Johnny Appleseed: Ausschließlich pessimistisch wollen wir Sie aber nicht in den Freitag dieser Woche begleiten. Wenn wir wüssten, dass morgen die Welt untergeht, würden wir heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen. Der Spruch wird zwar Luther zugeschrieben, der womöglich größte freund von Apfelbäumen hat heute in den USA seinen Gedenktag: John Chapman, als auch Johnny Appleseed bekannt. In den Zeiten der Westexpansion der USA brachte er die Pioniere dazu, überall Apfelbäume zu pflanzen. Mit einem einfachen Hintergedanken: Die Obstbäume wachsen recht schnell und aus ihren Früchten lässt sich unkompliziert Alkohol gewinnen. Apfelwein ist leichter zu keltern als solcher aus Trauben oder gar Bier zu brauen. Chapman-Appleseed starb über 70 Jahre bevor in den USA die Prohibition einsetzte. Johnny Appleseed hatte seine Spuren auch in der Geschichte Apples hinterlassen, als Autor fiktiver Texte oder als einer der ersten Anrufer, der sich auf dem Display des iPhone bemerkbar machte .

Special Event: Seit gestern Abend steht der Termin 21. März für Apples nächste Produktvorstellung fest. Auch das Motto hat der Mac-Hersteller bekannt gegeben: "Let us loop you in". Darin nimmt Apple wahrscheinlich nicht nur Bezug auf die Adresse seines Hauptquartiers am Infinite Loop in Cupertino, wo das Event steigen wird, sondern vermutlich auch auf neue Apple-Watch-Armbänder. Wichtiger werden aber iPad Air 3 und vor allem das iPhone SE mit Vierzollbildschirm sein, die aller Voraussicht nach auf dem Plan stehen.

DoJ ist sauer, Apple entsetzt: Der Ton in der Auseinandersetzung zwischen Apple und dem FBI wird härter. In einer Eingabe an das mit dem Fall befasste Gericht reagiert das US-Justizministerium (Departement of Justice, DoJ) auf Apples Verteidigungsstrategie und beschreibt diese als "zersetzende Rhetorik". Anstatt der Anordnung des FBI zur Entsperrung des Attentäter-iPhones nachzukommen, habe Apple das zugrunde legende Gesetz als archaisch bezeichnet. Die Anordnung beziehe sich nur auf den angesprochenen Einzelfall, wenn Apple es nicht schaffe, an die Daten zu gelangen, ohne eine Art von Generalschlüssel zu programmieren, sei es die eigene Schuld des Unternehmens. Denn dieses hätte einen derartigen Schutz gar nicht erst programmieren müssen, dies sei wohl "aus Marketinggründen" geschehen. Apples Rechtsvorstand Bruce Sewell ist ob der Anschuldigungen entsetzt und meint, die Akte lese sich wie eine Anklage, in 30 Jahren in seinem Beruf hätte er nie eine derart hetzerische Schrift gelesen, die "offenbar jeden, der sie liest, tief beleidigen" solle.

Was gegen Trojaner zu tun ist: Die Ransomware KeRanger hat die Mac-Szene aufgeschreckt, es gibt für die Verbreitung von Malware auf dem Mac doch Mittel und Wege. Was neben den herkömmlichen Sicherheitseinstellungen zu tun ist? Unser Kollege Glenn Flesihman ist da ein wenig skeptisch, denn der Weg, den KeRanger über den Bittorrent-Clinet Transmission ging, ist ein recht perfider. Den Angreifern war es gelungen, ihre Malware in ein an sich sauberes Programm eines zertifizierten Entwicklern zu schmuggeln. Wenn das passiert, wäre es wohl auch ein leichtes, Checksummen zu manipulieren, so dass keinem System beim Download und beim Installieren auffällt, dass gegenüber dem Original Daten ausgetauscht wurden. Fleishmann rät daher als einzige Möglichkeit zu einem Abwarten. Gerade wenn kleinere Softwarehersteller ihre Projekte aktualisieren, sollte man nicht gleich die Updates installieren. Denn geschickt versteckte Malware lässt sich auch trotz aller nun gestiegener Vorsicht nicht sofort entdecken.

Apple Music für Videos: Warum kann man bei Streamingdiensten wie Apple Music oder Spotify 30 Millionen Songs im Rahmen seines Abos hören, bekommt bei Netflix aber nur ein eingeschränktes Angebot von Filmen? Könnte Apple mit einem allumfassenden Service daran etwas ändern? Vermutlich nicht, legt unser Kollege Kirk McElhearn dar. Zwar haben auch Musiker und ihre Verleger mit Streaming Schwierigkeiten, ihre Arbeit zu finanzieren, es gibt aber nur selten Fälle, bei denen neue Alben erst später oder gar nicht im Streamingangebot landen. In Hollywood ist das anders, die Filmindustrie kann sich nicht auf ein ähnliches Geschäftsmodell einlassen und ist darauf angewiesen, innerhalb der Verwertungskette Kino -> DVD/Bluray -> Pay-TV -> Free-TV -> Streamingdienst möglichst viel Umsatz herauszuholen. Der Grund ist banal: Die Produktion von Filmen kommt um Größenordnungen teurer als die von Musik. In Nuancen ändert sich das, denkt man etwa an die Eigenproduktionen von Netflix und Amazon wie "House of Cards" oder "The Man in the High Castle". Eine Art von Apple Music für TV und Filme wird es so schnell aber nicht geben.

Weitere Nachrichten:

Vorsicht vor Facebook-Abzocke mit dem iPhone 7

Mittlerweile hat jeder gelernt: Auf Facebook kann man so ohne Weiteres kein iPhone oder iPad gewinnen, hinter solchen verlockenden Versprechen verstecken sich meistens dubiose Unternehmen, die hinter den Nutzer-Daten her sind. Ob da jemals wirklich jemand glücklicher Besitzer eines neuen iPhone geworden ist, sei dahingestellt. Nun sind die Betreiber der Seiten auf einen neuen Trick gekommen: Jetzt wird im Facebook-Post nichts mehr verlost, sondern eine angeblich normale Webseite mit allen Nachrichten zu dem neuen iPhone 7 beworben. Wir haben uns einen olchen Fang-Posts angeschaut.

Die ursprüngliche Meldung stammt von der Facebook-Page "iPhone News", die deutschsprachige Seite hat den Link am 25. Februar erstmals veröffentlicht . Auf den ersten Blick sieht die Vorschau der Webseite wie jede andere aus: "Die ersten Bilder vom iPhone 7 wurden freigegeben! (FOTO)", damit dieses verlockende Versprechen glaubwürdiger aussieht, ist ein Konzept-Bild vom Designer Yasser Farahi hochgeladen. Klickt man auf den Facebook-Beitrag, gelangt man auf eine völlig andere Seite – keine Bilder vom iPhone 7, sondern ein Versprechen, das iPhone 7 nach der Anmeldung als Vorab-Tester zu bekommen. Dass die Webseite anders als die eigene Vorschau auf Facebook aussieht, ist einer technischen Besonderheit des sozialen Netzwerkes geschuldet. Postet der Nutzer einen Link im Browser, zieht sich Facebook eine Vorschau der Seite, gleichzeitig hat der Nutzer noch eine Chance, diese Vorschau zu ändern, um zum Beispiel ein neues Bild hochzuladen oder eine neue Überschrift zu verfassen. Die Webseite verspricht wohl jedem Nutzer, er würde ein iPhone 6S erhalten, dazu noch ein T-Shirt mit einem Apfel-Logo: " Als kleines "Dankeschön", können Sie ein iPhone 6s 16GB komplett kostenlos erhalten! Die Lagerbestände sind jedoch gering, handeln Sie schnell, handeln Sie JETZT!"

Angeblich prahlen mehrere Facebook-Nutzer unter dem Beitrag, sie hätten bereits das Smartphone mitsamt dem T-Shirt erhalten. Doch das, was nach den Facebook-Kommentaren aussieht, sind nur die fest-gecodeten Bilder und Überschriften, die den Facebook-Kommentaren nur sehr ähnlich sehen. Im Quellcode findet sich ebenfalls eine Webseite, die den Nutzer zu der Eingabemaske weiterleitet. Laut den Angaben von Domaintools gehört diese Webseite einem gewissen Tobias Lange aus Dortmund . Seine Firma TL Systems würde die Webseite verwalten, die Adresse der Firma verweist jedoch auf ein Einzelhaus in einem Dortmunder Vorort.

Hat man sich nun durch die vier einfachen Fragen durchgeklickt, gelangt man zu der Eingabe-Maske für die Adresse, E-Mail und andere persönliche Daten. In unserem Test sind wir auf der Webseite von desktop.my-prize.de gelandet, diese gehört wiederum der red lemon media GmbH aus Frankfurt. Die Firma ist bereits in der Vergangenheit durch die dreisten Internet-Aktionen bei der Datensammlung aufgefallen . Wir haben die Verantwortlichen der Firma um einen Kommentar zu der Aktion gebeten, sobald dieser vorliegt, werden wir die Nachricht entsprechen aktualisieren. 

Google DeepMind besiegt Profi-Go-Spieler Lee Se-dol

Update, 10. März 2016: Googles Deepmind-Software AlphaGo hat die zweite von insgesamt fünf Go-Partien gegen den südkoreanischen Go-Meister Lee Sedol gewonnen. Die Partie wurde erneut von Google auf Youtube live übertragen. Dieses Mal dauerte das Spiel knapp fünf Stunden. AlphaGo überraschte Sedol dabei vor allem mit unerwarteten Spielzügen. Die vollständige Partie können Sie hier auf Youtube sehen:

Ursprüngliche Meldung vom 9. März 2016

Go ist ein uraltes Strategie-Brettspiel, das ursprünglich aus China kommt, aber heute auch in Japan und Korea überaus beliebt ist. Gespielt wird mit weißen und schwarzen Steinen auf einem Spielfeld aus Rechtecken. Ziel ist es, die gegnerischen Steine möglichst großflächig zu umzingeln. Go gilt als deutlich komplexer als Schach. Unter anderem, weil es mehr spielbare Varianten gibt. Schon 1988 verlor der Internationale Meister David Levy gegen das Computer-Programm Deep Thought eine Schach-Partie. Im Go-Spiel hatten bislang noch die Menschen die Oberhand. Doch diese Bastion ist nun gefallen. Ein Google-Programm zwang einen Go-Meister in die Knie.

AlphaGo, so der Name des Programms, hat in Seoul, Süd-Korea, den Profi-Spieler Lee Se-dol im Go besiegt. Entwickelt wurde AlhpaGo von Google DeepMind. Diese Abteilung des Google-Imperiums hat sich auf die Programmierung künstlicher Intelligenz spezialisiert. Der besiegte Se-dol staunt: Ich hätte nicht damit gerechnet, zu verlieren. AlphaGo hat wirklich in einer ziemlich perfekten Art und Weise gespielt. Das berichtet The Verge . DeepMind-Gründer Demis Hassabis lobt derweil das Spiel von Se-dol und freut sich über das spannende Match. Das Go-Spiel zwischen Mensch und Maschine ist aber erst das erste von fünf. Für Lee geht es um mehr als Prestige – es lockt ein Preisgeld von 1 Million Dollar.

Lee zeigte sich nach dem Spiel schockiert, bereute seine Entscheidung, gegen die KI anzutreten, aber nicht. Stattdessen freue er sich auf das nächste Spiel und will vor allem bei der Eröffnung des nächsten Spiels punkten, um eine Chance auf den Sieg zu haben. Das nächste Spiel soll schon morgen stattfinden.

KI-Experten warnen vor intelligenten Maschinen

Künstliche Intelligenz: Google-Roboter lernen voneinander

Vier Google-Ingenieure haben ein Essay veröffentlicht, in dem sie beschreiben, wie sie 14 Roboter-Arme in einem künstlichen Neuronalen-Netz verbunden haben. Ziel ist, dass sie sich gegenseitig beibringen können, Gegenstände aufzuheben.

Der Ansatz der Wissenschaftler fußt darauf, dass die Roboter-Arme versuchen Gegenstände zu greifen, und erfolgreiche Greifvorgängen bei verschiedenen Zusammensetzungen der Objekte an die anderen Arme weitergeben. Diese sind dann bei ihren Aufgaben deutlich schneller erfolgreich, auch wenn die Gegenstände immer anders verteilt sind, und aus unbekannten Materialien bestehen.

Nach 800 000 Greifvorgängen hat jeder Arm angefangen eine eigene Strategie zu entwickeln, um so möglichst schnell erfolgreich zu sein. Manche habe die Gegenstände etwa zunächst am Boden ausgerichtet, bevor sie zugegriffen haben.

Konkret bedeutet das, dass die Roboter-Arme keine weiteren Instruktionen von Menschen benötigen, um ihr Aufgabe über die Zeit zu perfektionieren. Das unterscheidet sie zum Beispiel auch von AlphaGo dem Programm von Google DeepMind das den Go-Meister Lee Sedol besiegt hat , bei dem noch der Mensch gegen die Maschine antritt.

Wo Deutschland, Tokleau und die Niederlande vorne liegen

In einer von Nominet erstellten Grafik kann man sehen, wie die Weltkarte aussehen würde, wenn die Größe der einzelnen Länder sich nach der Verbreitung ihrer Top-Level-Domains richten würde. Ganz schnell wird deutlich: Die USA würde in dieser Welt keine wichtige Rolle spielen.
 
Aber nicht nur die USA sieht auf dieser Karte etwas missraten aus – jedoch sind nur die auf .us endenden Websites berücksichtigt und keine .com-, .net- oder .org-Adressen. Einige kleine Länder erscheinen in der Karte auf einmal riesig, manch große Länder dahingegen winzig. Die Größten in dieser neuen Welt sind China, Deutschland, die Niederland und Großbritannien. Und noch eine weitere große Landmasse ist auf dem Schaubild zu erkennen: die Domain .tk

 
Unter dieser nicht besonders bekannten Domain sind immerhin rund 31 Millionen Websites registriert. Sie gehört zu Tokleau, einer neuseeländischen Insel im Pazifik mit knapp 1.400 Einwohnern. Rein theoretisch würden also auf einen Bewohner rund 22.300 registrierte Webadressen kommen. Das entspricht aber nicht ganz den Tatsachen.
 
Denn im Jahr 2000 gründete der Niederländer Joost Zuurbier die sogenannte Freedom Registry, die es jedem Menschen auf der Erde erlaubt, eine .tk-Domain kostenlos zu benutzen. Das Unternehmen, welches nun besser unter dem Namen FreeNom bekannt ist, verteilt die Domains von ihrem Hauptquartier in den Niederlanden, sowie von London und Palo Alto aus, aber nicht auf der Insel Tokleau. Da die Domain frei verfügbar ist, melden sehr viele Nutzer eine Website an, welche später aber nie wieder genutzt wird. Zuurbiers Organisation nutzt dies zu ihrem Vorteil und platziert auf den ungenutzten Seiten Werbung. Ein Teil der Einnahmen kommt den Leuten auf der Insel zu Gute. Tatsächlich kam 2012 ein Sechstel des Bruttoinlandprodukts von den .tk-Domains.
 
 

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