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Morgenmagazin vom Dienstag, 10. Dezember 2019

10.12.2019 | 06:57 Uhr |

Batterien in den iPhone 12 sollen größer werden +++ Apple kommt zur CES +++ Wearables-Markt wächst stark +++ Witherspoon, Anniston und Morning Show für Golden Globes nominiert +++ Pädo-Typ: Musk siegt in Verleumdungs-Prozess +++ Magic Leap One: AR-Brille bleibt weit hinter Erwartungen zurück +++ Bericht: China wirft Windows, westliche Software & Hardware raus

10. Dezember: Teuer Geld

Wir wünschen allseits Guten Morgen! Gleich nachher sehen wir bei Apple nach, was uns denn der neue Mac Pro kosten wird und wann wir ihn geliefert bekommen. Also, virtuell. Denn weder für unsere beruflichen noch für unsere privaten Zwecke benötigen wir eine derart leistungsstarke Maschine, selbst der iMac Pro ist eine Nummer drüber. Vermutlich werden wir uns aber in vier bis fünf Jahren dann den nächsten Mac Mini leisten, der die Maschine von heute in die Tasche steckt, aber vermutlich auch 2024 nicht einmal in Nuancen an den Mac Pro von heute hinkommen wird. Aber wir freuen uns auf das leichte Schaudern, wenn wir sehen, was denn die Maximalausstattung ohne Monitor denn kosten würde. Das kommt dann in die Größenordnung eines Mittelklassewagens.

Apple wird zwar nur überschaubar viele Exemplare des Mac Pro verkaufen, weswegen es sich das Unternehmen auch leisten kann, ihn in Austin, Texas zu fertigen: Hunderttausende Saisonarbeiter, die in kurzer Zeit Abermillionen von Geräten zusammenbauen, sind in diesem Fall nicht benötigt. Ohne den Mac Pro 2019 in Aktion gesehen zu haben, die Einschätzung sei aber erlaubt, dass Apple den Mac neu erfunden hat.

Der 10. Dezember steht im Kalender nicht nur als Todestag von Alfred Nobel (daher heute auch die Preisverleihungen in Stockholm und Oslo), sondern auch als Geburtstag von Ada Lovelace, verheiratete Lady Byron, der sich heute zum 204ten Mal jährt. Lovelace-Byron gebührt der Ruhm, die erste Programmiererin der Informatikgeschichte gewesen zu sein, ihrer Arbeit mit Charles Babbage an dessen Analytic Engine wegen. Der erste Computer der Welt konnte aber so nicht gebaut werden, es fehlte an feinmechanischen Methoden und Kenntnissen und nicht zuletzt am Geld. Funktioniert hätte die Maschine aber, trotz ihrer Schwächen und Grenzen. Halbleiter, auf denen die Computerrevolution aufbaut, sollten erst gut hundert Jahre nach Lovelaces frühen Tod im Jahr 1852 zu Transistoren verarbeitet werden - die ersten Röhrencomputer wie Konrad Zuses Z-Maschinen aus den 1940ern greifen auf die Arbeit von Lovelace und Babbage zurück.

Immer wieder hat es Projekte gegeben, in denen die von Babbage konstruierte und von Lovelade mit Programmen versehene Maschine nachgebaut werden sollte. Ein derartiges Einzelstück wäre dann aber noch teurer als der Mac Pro in Höchstausstattung. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Mehr Power: Die iPhones von 2020, vermutlich iPhone 12 genannt, werden aller Voraussicht nach mit einem 5G-Funkchip ausgestattet sein, einer Komponente, die wieder etwas mehr Energie benötigt. Dazu wird Apple aber die Batterie wieder größer machen und damit mehr Ladung bereitstellen, berichtet die koreanische Publikation The Elec. Das sei durch spezielle Schutzmodul-Paketre möglich, die mehr Platz im Inneren der iPhone 12 ließen. Der Zulieferer ITM Semiconductor bereite gerade eine Fabrik vor, in der man pro Monat bis zu 110 Millionen dieser Module wird fertigen können. Gegen Ende des Jahres soll sie in Betrieb gehen. ITM liefert auch Module für die Airpods Pro.

Auftritt : Apples Mantra: "We don't believe in trade shows" hatte Folgen. Die Macworld Expo ist Geschichte, die Cebit auch, hatte es aber aus verständlichen Gründen länger ohne Apple aushalten können. Bleibt die CES, auf der der Mac-Hersteller auch schon seit Jahrzehnten nicht mehr aufgetaucht ist - lediglich als Schatten oder als Inserent großflächiger Werbeplakete, welche den Datenschutz des iPhones lobten. Dem will Apple im kommenden Jahr noch etwas mehr Nachdruck verleihen und tritt wieder in persona auf der Consumer-Messe in Las Vegas auf: Apples Direktorin für Privatsphäre Jane Horvath wird laut CES-Porgramm am 7. Januar auf dem "Chief Privacy Officer Roundtable" sprechen. Neue Produkte wird Apple also nicht vorstellen, sein Anliegen nach Datensicherheit und Schutz der Privatsphäre der Kunden aber an prominenter Stelle vortragen. Neben Horvath nehmen laut Bloomberg Vertreter von Facebook und Procter & Gamble teil, dazu ein leitender Beamter der Federal Trade Commission (FTC).

Verschoben : Die Sparkassen halten nach wie vor an dem Termin 2019 für die Einführung von Apple Pay fest, wenn auch nicht mehr lange Zeit bleibt. Die Volks- und Raiffeisenbanken, die ebenso noch in diesem Jahr ihren Kunden Apple Pay bieten wollten, müssen nun den Start auf das neue Jahr verschieben, wie die Pressestelle des Bundesverbands der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) twittert. Technische Probleme hätten die Implementierung verschoben, genauere Hintergründe sind nicht bekannt. Ebenso wenig nennt der der BVR einen konkreten Termin.

Nominiert: Die Golden Globes sind nach den Oscars der zweitwichtigste Preis für Filmproduktionen, die heutzutage kaum mehr im Kino laufen, dafür aber von Streamingportalen finanziert und publiziert wurden. Während Netflix mit der Produktion "Roma" sogar bereits einen Oscar für den besten fremdsprachigen Film gewinnen konnte, ist Apple noch neu im Geschäft, steigt aber gleich mit drei Nominierungen ein. Alle drei beziehen sich auf "The Morning Show": Jennifer Aniston und Reese Witherspoon sind in der Kategorie "Beste Shauspielerin" nominiert, die komplette Sendung steht auf der Shortlist der besten dramatischen TV-Serie. Dort ist aber starke Konkurrenz zu erwarten, von "The Corwn", "Big Little Lies", "Killing Eve" und "Succession". Die Darstellerinnen Olivia Coleman ("The Crown"), Nicole Kidman ("Big Little Lies") und Jodi Corner ("Killing Eve") könnten den ersten Golden Globe für Cupertino noch verhindern.

Kritik : Die Krim scheint russisch zu sein - so lange man in Russland Apples Karten- oder Wetter-App nutzt. Diese willkürliche Grenzziehung mag russischen Gesetzen entsprechen, hat aber Kritik ausgelöst. Nun hat sich eine Gruppe von Abgeordneten des Europa-Parlaments in einem Brief an Apple gewandt und gefordert, die Krim wieder mit völkerrechtlich gültigen Grenzen darzustellen:  "Unsere Botschaft ist klar: Kein Land kann sich über die internationale Rechtsstaatlichkeit stellen. Daher ist es alarmierend, dass private Unternehmen wie Apple bereit sind, diese Gesetze zu untergraben, um die Beziehungen zur Russischen Föderation aufrechtzuerhalten".

Neue Serie : In der letzten Woche ist die Serie "Truth Be Told" angelaufen, über eine Star-Journalistin, deren Artikel im Jahr 1999 dazu beitrugen, dass ein junger Mann wegen des Moders an seinem Nachbarn lebenslang hinter Gitter musste. Der Hauptfigur Poppy Parnell kommen fast 20 Jahre lang später Zweifel, an denen sie die Hörer ihres populären Podcasts teilnehmen und lässt und ihnen über den Fortschritt ihrer neuen Recherchen berichtet. Macht sie dabei aber - der Wahrheit auf der Spur - noch mehr Fehler, in dem sie sich von Spekulation zu Spekulation hangelt? Leif Johnson sieht auch noch andere Schwächen in "Truth Be Told" als solche im Umgang mit der Wahrheit und nicht ausreichend geklärten Fakten. Die Serie entwickelt sich wie üblich erst langsam und nimmt erst gegen Ende der dritten Folge Fahrt auf, erneut spielen Apple-Geräte eine Rolle. Vor allem beschleunigt ein nicht entsperrtes iPhone (also wirklich!) die Handlung, die sonst nach zwei Folgen schon hätte zu Ende sein können. Die gesamte Story hätte man wohl besser in einem Film erzählt, meint Johnson, der "Truth Be Told" für bisher den schwächsten Beitrag von Apple TV+ hält. Wirklich schlecht ist die Serie indes nicht, was auch an den Leistungen der Schauspieler liegt.

Zuwachs : Nach Zahlen der Marktforscher von IDC hat Apple im dritten Kalenderquartal 29,5 Millionen Wearables verkauft, was gegenüber den 10 Millionen aus dem gleichen Zeitraum des Vorjahres einen mehr als deutlichen Zuwachs bedeutet. Apple ist der weltweit größte Wearables-Verkäufer und sollte dank der neuen Airpods Pro und der vergünstigten Apple Watch Series 3 die Spitzenposition auch weiter halten. Der Marktanteil Apples betrage nach den Schätzungen von IDC rund 35 Prozent, Xiaomi und Samsung folgen mit 15 respektive 10 Prozent mit deutlichem Abstand. Apple selbst nennt keine Stückzahlen, der Bereich Wearables, Home and Accessories brachte im Septemberquartal aber einen Rekordumsatz von 6,5 Milliarden US-Dollar.

Weitere Nachrichten:

Pädo-Typ: Musk siegt in Verleumdungs-Prozess

Ein US-Gericht hat Elon Musk von dem Vorwurf der Verleumdung freigesprochen, wie The Verge berichtet. Elon Musks Kommentar: "Mein Glaube an die Menschheit ist wiederhergestellt."

Als im Sommer 2018 12 Mitglieder einer Jugendfußball-Mannschaft mit ihrem Trainer in einer Höhle in Thailand von eindringenden Wassermassen überrascht und eingeschlossen wurden, wollte sich auch Elon Musk an der Rettung der Jungen beteiligen. Sein Raumfahrtunternehmen Space X baute in Rekordzeit ein Mini-U-Boot namens „Wild Boar“ (Wildschwein), das dann auch zur Höhle transportiert wurde. Dort wurde es aber nicht eingesetzt, die Rettung gelang Tauchern auf konventionellem Weg, wobei ein Retter ums Leben kam.

Ein an der Rettungsaktion beteiligter Taucher, der Brite Vernon Unsworth, hatte Musks U-Boot als PR-Stunt kritisiert und ihm gesagt, er könne sich "sein U-Boot dahin schieben, wo es weh tut" (“stick his sub where it hurts”). Musk rastete daraufhin aus und bezeichnete den Briten via Twitter als "pedo guy" ("Pädo Typ"). Unsworth verklagte daraufhin Musk wegen Verleumdung, Musk hatte sich zuvor bereits für seine missglückte Wortwahl entschuldigt und die beleidigenden Tweets gelöscht.

Der Rechtsanwalt von Unsworth hatte insgesamt 190 Millionen US-Dollar an Schadenersatz beziehungsweise Schmerzensgeld verlangt.
Die Jury des Gerichts stellte fest, dass Musks Tweet keine Verleumdung sei. Musk müsse also kein Schmerzensgeld an Unsworth zahlen. Die Jury begründete ihrer Entscheidung unter anderem damit, dass Leser des Tweets gar nicht wissen konnten, dass damit Unsworth gemeint war.

Musk hatte dagegen argumentiert, dass er Unsworth nicht als tatsächlichen Pädophilen hinstellen wollte, sondern dass das von ihm verwendete „Pädo-Typ“ einfach nur eine gängige Beleidigung gewesen sein. Ohne konkreten Bezug zu Kindesmissbrauch. Zudem betont Musk, dass er zu dem Zeitpunkt, als er seinen beleidigenden Tweet abgeschickt habe, nicht gewusst habe, dass Unsworth an der Rettungsaktion beteiligt gewesen war.

Beim Verlassen sagte der erleichterte Musk: "Mein Glaube an die Menschheit ist wiederhergestellt."

Magic Leap One: AR-Brille bleibt weit hinter Erwartungen zurück

Ein Jahr nach dem Release bleibt die Augmented-Reality-Brille Magic Leap One weit hinter den Erwartungen zurück. Laut einem aktuellen Bericht von The Information hat das Startup Magic Leap in den ersten zwölf Monaten nach Veröffentlichung der Magic Leap One im August 2018 nur rund 6.000 Einheiten verkauft. CEO Rony Abovitz wollte in diesem Zeitraum eigentlich rund 100.000 Einheiten verkaufen.

Der fehlende Zuspruch bei den Endverbrauchern könnte unter anderem am Preis der Magic Leap One liegen. Die Augmented-Reality-Brille kostet in der Creators Edition stattliche 2.295 US-Dollar. Auch die Anwendungs-Möglichkeiten von Augmented Reality sind im Vergleich zu Virtual Reality – das sich vor allem im Games-Sektor durchsetzen konnte – begrenzt.

Um die ausbleibenden Einnahmen abzufedern hat Magic Leap in den vergangenen Monaten gerüchteweise zahlreiche Mitarbeiter entlassen, darunter auch CFO Scott Henry und den SVP of Creative Strategy John Gaeta. Es bleibt unklar, wie viele Mitarbeiter noch in der Magic-Leap-Zentrale in Florida beschäftigt sind. Hinter verschlossenen Türen hatte Magic Leap in den letzten Monaten auch mit der Entwicklung einer neuen AR-Brille begonnen – der Magic Leap Two. Die Hardware sollte ein vereinfachtes Design, ein weiteres Sehfeld und 5G-Konnektivität bieten. Dem Bericht von The Information zufolge ist der Release der zweiten Brille durch die aktuellen Absatzschwierigkeiten nun möglicherweise aber noch „Jahre entfernt“. Magic Leap hat sich bezüglich des Berichts bereits zu Wort gemeldet und bezeichnet den Artikel als „voller Ungenauigkeiten und falscher Behauptungen“. Korrekturen bietet das Startup jedoch nicht an.

Bericht: China wirft Windows, westliche Software & Hardware raus

China wirft bis 2022 Windows, sonstige westliche Software und aus dem Westen stammende Hardware aus allen seinen Behörden und öffentlichen Einrichtungen raus. Und ersetzt alle bisher von Westfirmen gelieferten Komponenten durch in China entwickelte Hardware und Software (Betriebssystem, Anwendungsprogramme, Office, Tools, Sicherheitssoftware). Zumindest soll das der Plan der Regierung der Volksrepublik China sein, wie zdnet berichtet. China hat dieses überaus ambitionierte Vorhaben bisher nicht bestätigt.

Der Austausch der in den von chinesischen Behörden genutzten Hardware und Software von Unternehmen aus westlichen Staaten durch Eigenentwicklungen von Unternehmen der Volksrepublik China soll in atemberaubenden drei Jahren über die Bühne gehen.
„3-5-2“ lautet angeblich intern der Plan. Das bedeutet: Im ersten Jahr, also 2020, sollen 30 Prozent der Software und/oder Hardware durch chinesische Produkte ersetzt werden. Im Jahr 2021 werden weitere 50 Prozent ersetzt und im Jahr 2022 sollen die restlichen 20 Prozent umgestellt werden. Dann sollen Chinas Behörden und öffentliche Einrichtungen komplett ohne Windows, Anwendungsprogramme und Hardware aus dem Westen auskommen. Laut Spiegel Online müssten 20 bis 30 Millionen Rechner umgerüstet beziehungsweise ersetzt werden.

Chinas Regierung habe die entsprechende Anweisung bereits im Frühjahr 2019 verschickt, sie sei aber geheim gehalten worden. Doch dann berichtete die Financial Times erstmals darüber. Die Zeitung will von Mitarbeitern einer Cyber-Sicherheitsfirma davon erfahren haben. Diese wiederum hätten davon durch ihre Kunden in chinesischen Regierungsstellen erfahren.

US-Unternehmen wie Microsoft, HP oder Dell dürften zu den Hauptverlieren gehören. Lenovo und Huawei dagegen dürften massiv profitieren. Und vielleicht anfangs sogar überfordert damit sein ausreichend Hardware heranzuschaffen. Da in den Rechnern ja auch überwiegend nicht-chinesische Komponenten wie Prozessoren, Hauptplatinen, Grafikchips etc. verbaut werden. Müssten diese Einzelkomponenten ebenfalls alle durch chinesische Eigenentwicklungen ersetzt werden, dann hat China bis 2022 eine Herkulesaufgabe vor sich.

Für nichtstaatliche Unternehmen in China soll die neue Anweisung nicht gelten. Diese dürfen also auch weiterhin Hardware und Software aus dem Westen nutzen.

Bereits im Frühjahr 2019 wurde bekannt, dass das chinesische Militär das Windows-Betriebssystem durch ein chinesisches Betriebssystem ersetzen soll. Dabei soll es sich um eine Eigenentwicklung handeln. Damit will China vermeiden, dass US-Geheimdienste mit ihren Hackertools die chinesischen Militärrechner unterwandern können.

Für den chinesischen Markt stellt Canonical in Zusammenarbeit mit der Regierung der Volksrepublik China mit Ubuntu Kylin schon seit längerer Zeit eine speziell angepasste Ubuntu-Version zur Verfügung.  Sie müssen Chinesisch beherrschen, um Kylin installieren und bedienen zu können.

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