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Morgenmagazin vom Dienstag, 12. Januar 2021

12.01.2021 | 07:04 Uhr | Peter Müller

CES: Intel zeigt Hybrid-Chips Alder Like +++ TSMC wächst stärker als der Durchschnitt +++ Gartner: Apple verkauft 31 Prozent mehr Macs als 2019 +++ was Mini-LED bedeutet +++ +++ DAB+-Pflicht für Autoradio und stationäre Radios - aktueller Stand +++ OnePlus Band: OnePlus stellt ersten Fitness-Tracker vor +++ Cyberpunk 2077: Polnische Regierung überwacht Updates

12. Januar: Räder müssen rollen

Macwelt wünscht Guten Morgen! Nun also doch: Das Apple Car kommt. Oder auch nicht. Kaum vor 2024 oder sogar noch später. In der Gerüchteküche ist also wieder einiges los, kaum dass das neue Jahr begonnen hat. Über Apples "Project Titan" wird schon seit etwa 2015 gemunkelt, kurz nachdem Gene Munster aufgehört hat, von einem Fernsehapparat mit Apple Logo zu schwadronieren. Schon im Jahr 2020 werde man das iCar oder Apple Car auf den Straßen der Welt fahren sehen, posaunten damals die längst Lügen gestraften größten Optimisten heraus. Im Jahr 2020 hat man stattdessen erstmals seit langer Zeit insgesamt wieder weniger Autos auf den Straßen der Welt gesehen, das hatte aber andere Gründe. Immerhin: Eine Technologie, die für das autonome Fahrzeug entscheidend sein könnte, brachte Apple im vergangenen Jahr zur Marktreife: Das Lidar.

Noch profitieren lediglich iPad und iPhone in Sachen AR und Portraitfotografie von der Raumvermessung mittels Infrarotlaser, als  Sensor, der dem Gehirn des Fahrzeuges meldet, was denn da vor der Elektromotorhaube passiert, wird das Lidar eine der wesentlichen Technologien. Doch fehlt noch eine ganze Menge mehr, um einem Apple Car zum Durchbruch zu verhelfen.

Für die Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern dürfte ein lückenloses Ultraweitband-5G-Netz vonnöten sein, ob ein weitgehend autonomes Fahrzeug Akzeptanz bei den Kunden findet, wenn man außerhalb der Ballungszentren wieder selbst die Hand ans Steuer nehmen muss? Und dann ist da die Sache mit der Batterie: Wenn die Leute es gewohnt sind, mit einer Tankfüllung 700 Kilometer weit zu kommen oder im Stadtverkehr nur einmal die Woche an die Zapfsäule zu müssen, geben sie sich mit weniger nicht so schnell zufrieden.

Wie man hört, arbeitet Apple aber auch an bahnbrechenden Akkutechnologien, die enorme Reichweiten und kurze Ladezeiten ermöglichen. Vielleicht braucht es das aber nicht, denn E-Mobilisten "tanken" eben dann, wenn sie das Auto mal für eine halbe Stunde irgendwo stehen haben und dabei etwa den Einkauf erledigen, und nicht erst dann, wenn die Nadel der Benzinuhr den roten Bereich erreicht.

Apple, das aber so großen Wert auf Umweltfreundlichkeit legt, wird sich vor allem damit befassen müssen, dass die Produktion von E-Fahrzeugen – vor allem wegen der Batterie – noch so viel mehr CO 2 -Ausstoß bedeutet, dass sich der Stromer gegenüber dem Benziner erst in der Größenordnung von 50.000 Kilometern amortisieren wird. Den Wert zu senken, könnte das wesentliche Ziel von Apples Grundlagenforschung sein und nicht ein wie auch immer mit wem auch immer coproduziertes Auto. Obwohl: Wenn das Apfel-Logo wie ein Stern auf guten Straßen oder die Rolls-Royce-Motorhauben-Flügelfigur Emily dreidimensional hervorstünde, ginge das iCar weg wie warme Semmeln.

Lesetipps für den Dienstag:

Mini: Während die kühnsten Auguren also von einem Apple Car träumen und die weniger kühnen fest an eine AR/VR-Lösung von Apple glauben, geht das Tagesgeschäft in Cupertino ganz normal weiter, mit Produkt-Evolution statt großen Revolutionen. Der nächste inkrementelle Schritt für das iPad (Pro) soll ja schon bald darin bestehen, das Retina-Display auf die nächste Stufe zu heben. Eben nicht wie beim iPhone mit organischen LEDs (OLED), sondern mit Mini-LED. Die Pixel leuchten in Mini-LED-Displays nicht von selbst, da aber die einzelnen Pixel der Hintergrundbeleuchtung - wie der Name schon sagt - deutlich kleiner sind als die LEDs herkömmlicher Displays, können sie weit höhere Kontraste und Helligkeiten erreichen, fast wie OLEDs. Apple hat bereits eine Art von Mini-LED-Technologie im Einsatz, beim Pro Display XDR, das es immerhin auf 576 Beleuchtungseinheiten bringt - mehrere Tausend sollte es dann bei 32 Zoll dann schon sein. Was man über Mini-LED wissen muss und was Apple damit genau im iPad Pro von 2021 anfangen dürfte, hat Jason Cross auf Macworld näher erläutert.

Studie : Apple setzt gemeinsam mit dem Neurowissenschaftsunternehmen Biogen eine Studie auf, die mit Hilfe der Apple Watch bei deren Besitzern leichte kognitive Beeinträchtigungen ( Mild cognitive impairment , MCI) feststellen soll. An der auf mehrere Jahre angelegten Studie sollen jüngere und ältere Erwachsene teilnehmen, der Start soll noch 2021 erfolgen. Ziel könnte sein, Algorithmen zu entwickeln, die bei scheinbar gesunden Menschen erste Symptome von MCI diagnostizieren, um rechtzeitig mit passenden Maßnahmen dem kognitiven Schwund entgegen zu treten.

Boom: Der Chiphersteller TSMC (Taiwan Semiconductor Manufactoring Company) wird wenig überraschend nach Zahlen von Counterpoint Research im Jahr 2021 wegen der von Apple erteilten Aufträge für iPhone, iPad und nun auch Mac weit stärker wachsen als der Industriedurchschnitt. Schon 2020 war für die Chip-Industrie ein Jahr des Booms, mit einem Wachstum 23 Prozent auf ein Gesamtvolumen von 82 Milliarden US-Dollar. Im Jahr werde der Umsatz um weitere zwölf Prozent auf dann 92 Milliarden US-Dollar zulegen. TSMC selbst rechnet mit einem Plus zwischen 13 und 16 Prozent für sich. Dabei stützt sich der Hersteller auf einen technologischen Vorsprung, dank seiner Erfahrungen mit EUV-Lithographie (Extreme Ultra Violet) bringt TSMC den 7-nm- und den 5-nm-Fertigungsprozess weit früher als etwa die Konkurrenz von Samsung voran.

Austausch vor Versand : Die Ohrpolster der Airpods Max lassen sich leicht austauschen, was wohl auch der Grund dafür ist, dass sie nicht Teil eines Garantieaustausches von in der Garantiezeit defekten Geräten sind. Wie 9to5Mac berichtet, wurde der Airpods-Max-Käufer Damien Mann dazu aufgefordert, die Ohrpolster zu entfernen, bevor er einen defekten Kopfhörer zu Apple einsandte – die digitale Krone hatte bei seinem Modell den Dienst versagt. Das zurückgesandte Ersatzgerät kam dann ohne Ohrpolster - die Apple bekanntlich extra als Ersatzteil für den OverEar-Kopfhörer verkauft.

Zu spät : Intel lässt sich offenbar vom Design der ARM-Chips inspirieren, die Apple seit letztem Jahr auch in Macs einbaut. So verfügen die auf der virtuellen CES 2021 vorgestellten Chips der Alder-Lake-Family über mehrere Kerne, die auf maximale Performance ausgelegt sind und solche, die auf Effizienz getrimmt sind. Die High-Perfomance-Kerne sind dabei der Golden-Lake-Reihe entnommen, die für Effizienz der Gracemont-Familie. Gefertigt wird im 10-nm-Verfahren. Intel sieht Alder Lake als Grundlage für Desktops- und Mobilchips der Zukunft, Apple hat der Konzern als Kunden für CPUs aber verloren. Bereits von einem Jahr hatte Intel das Konzept des hybriden Chips in den Lakefield-Prozessoren vorgestellt. Erste Computer mit Alder-Lake-Prozessoren sollen in der zweiten Jahreshälfte 2021 auf den Markt kommen. Intel plant wohl auch den Einsatz der Alder-Lake-Chips über bisherige Anwendungesgebiete hinaus.

Zugelegt: Die Bilanz für sein erstes Quartal des Geschäftsjahres 2020/21 will Apple am 27. Januar vorlegen, Marktforscher wie IDC und Gartner legen schon jetzt ihre Berechnungen zu Stückzahlen vor - die Apple Ende des Monats nicht nennen wird. Hatte IDC bereits gute Zahlen in Sachen Mac berichtet, legt Gartner noch eines drauf: Im Vergleich zum Vorjahr hat der Mac demnach um 31 Prozent zugelegt. Im vierten Quartal 2020 erreichten die weltweiten PC-Verkäufe 79,4 Millionen Stück, was einem Plus von 10,7 Prozent entspricht - der Bedarf an digitalem Equipment ist während der Pandemie enorm gestiegen. Insgesamt haben die Hersteller im Jahr 2020 mit 275 Millionen Einheiten 4,8 Prozent mehr als 2019 verkauft. Besonders Apple hat stark zugelegt und im vierte Quartal 6,9 Millionen Macs verkauft - im Vorjahr waren es noch 5,3 Millionen, jetzt als 31 Prozent mehr. Für Apple spielt aber nicht nur die gestiegene Nachfrage nach Rechner für das Home Office und das Home Schooling eine Rolle, seit November gibt es die ersten Macs mit Apple Silicon, sie in Sachen Preis/Leistungsverhältnis deutliche Verbesserungen bringen und auf die so manche Käufer eigens gewartet haben dürften. Mit einem Marktanteil von soliden 8,7 Prozent ist Apple weiterhin hinter Lenovo, HP und Dell die Nummer vier im PC-Markt, liegt nun aber deutlich vor Acer (6,0 Prozent) und Asus (5,8 Prozent)

Weitere Nachrichten:

DAB+-Pflicht für Autoradio und stationäre Radios - aktueller Stand

Seit dem 21. Dezember 2020 müssen Autoradios ab Werk in Neuwagen (PKWs, Kleinbusse/Vans, Wohnmobile, Krankenwagen, Rettungsfahrzeuge und Busse) in Deutschland den Empfang und die Wiedergabe von digital-terrestrischem Radio, also DAB+, ermöglichen. Diese DAB+-Funktionalität muss der Automobilhersteller ab dem 21.12. kostenlos anbieten. Der DAB+-Tuner dürfte dabei in der Regel den ohnehin vorhandenen UKW-Empfang ergänzen. Optional kann das Autoradio auch noch Webradio unterstützen, muss das aber nicht. Nur die DAB+-Unterstützung ist gesetzlich vorgeschrieben.

„Die Digitalradiopflicht gilt für alle Radios, die den Programm- bzw. Sendernamen anzeigen können. Radios, die nur den Frequenzbereich und die Frequenz anzeigen können, fallen nicht unter die Digitalradiopflicht. Dabei spielt die Größe des Displays keine Rolle. Von der Pflicht zum digitalen Empfang ausgenommen sind außerdem Bausätze für Funkanlagen und Geräte, die Teil einer Funkanlage des Amateurfunkdienstes sind“, wie die Interessengemeinschaft Digitalradio Büro Deutschland erklärt. 

Gebrauchtfahrzeuge unterliegen nicht der Pflicht, zum Empfang von digital terrestrischem Hörfunk ausgerüstet sein bzw. nachgerüstet zu werden. Das gilt auch für Fahrzeuge mit einer Tageszulassung, die vor dem Stichtag 21.12.2020 liegt. Werden sie nach diesem Stichtag zugelassen, gilt die Digitalradiopflicht aber, wie Digitalradio Büro Deutschland betont.

Bei stationären und allen anderen Radios sieht die Sache etwas anders aus. Hier verlangt das Gesetz, dass Radios zum Beispiel für zu Hause neben UKW ab dem 21.12.2020 mindestens einen digitalen Empfangsweg bieten müssen. Dieser kann aber auch IP-Radio, also Webradio sein. Der Einbau eines DAB+-Empfängers ist somit nicht zwangsläufig erforderlich. Diese Regelung für stationäre Radios etc. gilt übrigens auch für Autoradios, die nicht ab Werk im Fahrzeug verbaut sind (Autoradios im After-Sales-Markt)!

Wichtig für Käufer: Wenn Sie nach dem 21.12.2020 zu einem Radio-Händler gehen, werden Sie dort vermutlich durchaus noch Auto-Radios ohne DAB+ als Neugeräte angeboten bekommen. Denn für den Stichtag 21.12.2020 gilt diese Regelung: „So lange das Produkt/Radio vor dem Stichtag in der Europäischen Union, z.B. beim Importeur, Groß- oder Internethandel, in Verkehr gebracht wurde, darf es auch nach dem 21. Dezember 2020 weiter abverkauft werden.“

Privatkunden dürfen natürlich auch weiterhin reine UKW-Autoradios kaufen und in ihre Autos einbauen.

OnePlus Band: OnePlus stellt ersten Fitness-Tracker vor

Nach Smartphones, TV-Geräten und kabellosen Bluetooth-Kopfhörern, wagt sich OnePlus nun auch auf den Fitness-Tracker-Markt. Mit dem OnePlus Band hat der chinesische Elektronik-Hersteller in dieser Woche sein erstes Fitness-Wearable vorgestellt . Das OnePlus Band überwacht den Herzschlag sowie den Sauerstoffgehalt im Blut. Ebenfalls an Bord sind Schlaf- und Fitness-Tracking. Mit einer Akku-Ladung soll das Armband bis zu zwei Wochen durchhalten.

Das OnePlus Band erkennt 13 unterschiedliche sportliche Aktivitäten. Das Gadget kann außerdem in Verbindung mit einem Android-Smartphone genutzt werden, um Benachrichtigungen anzuzeigen, die Musikwiedergabe zu steuern oder die Smartphone-Kamera auszulösen. Der integrierte rechteckige OLED-Bildschirm misst 1,1 Zoll und löst mit 126 x 294 Pixeln auf. Zur weiteren Ausstattung gehören eine IP68-Zertifizierung und ein Akku mit 1.000 mAh.

Zum Launch am 13. Januar in Indien ist das OnePlus Band nur mit der Android-App OnePlus Health kompatibel. Eine iOS-Version soll später folgen. Das OnePlus Band kostet 2.499 Indische Rupien (umgerechnet rund 28 Euro). Wann und ob das OnePlus Band in Europa erscheinen wird, ist bislang noch nicht bekannt.

Cyberpunk 2077: Polnische Regierung überwacht Updates

Neben zahlreichen unzufriedenen PlayStation-4- und Xbox-One-Besitzern sowie klagenden Aktionären sieht sich Entwickler CD Projekt Red nun auch noch mit dem Polnische Amt für Wettbewerb und Verbraucherschutz (UOKiK) konfrontiert. Die Regierungsbehörde will künftig überwachen , in welchem Umfang und mit welcher Regelmäßigkeit das Studio Patches und Updates für "Cyberpunk 2077" auf Konsolen veröffentlicht. 

Laut der UOKiK-Sprecherin Małgorzata Cieloch soll CD Projekt Red gegenüber der Behörde erklären, was beim Launch von "Cyberpunk 2077" auf PlayStation 4 und Xbox One schief gelaufen ist und wie das Unternehmen das Spiel auf diesen Plattformen durch Updates reparieren will. UOKiK will außerdem prüfen, wie CD Projekt Red mit unzufriedenen Kunden umgeht, die ihr Geld zurückfordern. Sollte die Behörde mit der Arbeit des Entwicklers nicht zufrieden sein, könnte das Studio zu einer saftigen Geldstrafe in Höhe von zehn Prozent seiner Jahreseinnahmen verdonnert werden. Selbst mit den 13 Millionen verkauften Spielen zum Launch von "Cyberpunk 2077" wäre das für das Unternehmen ein hoher Preis.

Der Launch von "Cyberpunk 2077" endete für das Unternehmen in einem Fiasko. Während PC-, PS5- und Xbox-Series-X- nicht allzu viele Gründe für Beschwerden hatten, war der Open-World-Titel auf PlayStation 4 und Xbox One durch Bugs und Performance-Probleme nahezu unspielbar . Verbraucherschützer, Investoren und enttäuschte Gamer werfen dem Unternehmen vor, Kunden absichtlich in die Irre geführt zu haben. CD Projekt Red startete daraufhin ein Rückerstattungsprogramm. In Sonys PlayStation Store ist der Titel mittlerweile nicht mehr erhältlich . Der Entwickler versucht inzwischen weiterhin, die gröbsten Bugs und Fehler mit Updates zu beheben.

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