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Morgenmagazin vom Dienstag, 12. Mai 2020

12.05.2020 | 07:04 Uhr | Peter Müller

Sicherheitslücke in Thunderbolt: So schützen Sie sich +++ Apple-OverEar Airpods Studio soll 349 US-Dollar kosten +++ Dank iPhone: American Idol geht von daheim weiter +++ Twitch Roulette findet einsame Streamer +++ BSI warnt Nutzer vor Samsung-Handys wegen ernster Sicherheitslücke +++ BER Bausimulator: Kostenloses Postillon-Spiel für iOS und Android +++ Apple VP Greg Joswiak: Darum sind Airpods so erfolgreich +++

12. Mai: Pflege für alle

Macwelt wünscht Guten Morgen! Die letzten Wochen und Monate hat man gesehen, welche Berufe wirklich wichtig sind. Friseure und Fußpfleger sollte man zwar nicht gering schätzen, aber zur Not kommt man auch mit einer Hippiefrisur aus der Krise heraus. Spargel ist lecker, aber ein Jahr kann man auch darauf verzichten - gleichwohl das landwirtschafltiche Betriebe in ihrer Existenz bedroht, wenn die Erntehelfer fehlen. Aber wenn es nicht ausreichend Pfleger gibt, die auch in der Lage sind, eine komplexe Beatmungsmaschine zu bedienen, ist mehr als die Existenz eines Betriebes bedroht, sondern das Leben selbst.

Abends auf dem Balkon stehen und Pfleger und Pflegerinnen beklatschen – kann man machen. Ihnen einmalige Boni zahlen – aber ja doch. Was aber wirklcih wichtig wäre: Eine dauerhaft höhere Wertschätzung, auch in Euro und Cent. Und nicht nur an einem Tag wie heute.

Der 12. Mai ist der Tag der Pflege, das Datum ist nicht zufällig gewählt,  erinnert es doch an die heute vor 200 Jahren in Florenz geborene Florence Nightingale, die Begründerin der modernen Krankenpflege. Auch ein zweiter auf den 12. Mai gesetzter Gedenktag geht auf Nightingale zurück: Der Internationale Tag des Chronischen Erschöpfungssyndroms. Ob nun Florence Nightingale genau an dem als CFS oder CFIDS bezeichneten ominösen Syndromt litt oder aus dem Krimkrieg 1855 eine andere langwierige Krankheit mitbrachte, lässt sich nicht klären. Ihr Gesundheitszustand bleib jedoch nach ihrem 35sten Lebensjahr bis zu ihrem Tod im Jahr 1910 schlecht. Es trifft anscheinend immer die Falschen - an Nightingales Schicksal erkennt man aber auch, dass Krankheiten Langzeitfolgen haben können, selbst wenn man einen Infekt mehr oder minder unbeschadet überstanden meinte. Bleiben wir also lieber in den eigenen vier Wänden und versuchen uns weiter an der Ausrottung des Virus.

Lesetipps für den Dienstag

Endergebnis: Letzte Woche hatte unser Macworld-Kollege Roman Loyala bereits erste Benchmarks aus seinem Test des Macbook Pro 13 Zoll veröffentlicht, jetzt liegt das Gesamtergebnis vor. Sein Fazit: Profis können sich die Anschaffung durchaus überlegen, sofern ihr Macbook Pro älter als zwei Jahre ist. Die Zuwächse der CPU-Performance und noch mehr der Grafik seien Grund genug. Alle anderen können viel von einem neuen Macbook Pro erwarten, wenn sie mit vier Jahre oder älteren Maschinen hantieren, besonders die Tastatur wird Endverbraucher begeistern. Irgendwie erscheint Loyola aber das Thema Macbook in der derzeitigen Form auserzählt, vielleicht schon im kommenden Jahr könnte ein ARM-Laptop neuen Schwung in Apples Mobilrechner bringen.

Lücke mit Tücke: Wie der Sicherheitsforscher Björn Ruytenberg von der Universität von Eindhoven herausgefunden hat, bestehen in Thunderbolt 2 und Thunderbolt 3 insgesamt sieben Sicherheitslücken, die Angreifern mit manipulierter Thunderboltperipherie Zugriff auf den Computer ermöglichen, auch wenn er im Ruhezustand ist. Mac-Anwender müssen sich aber nur bedingt sorgen, denn nur zwei der Lücken treffen auch macOS - alle sieben jedoch wenn sie auf ihrem Mac Linux laufen lassen oder Windows via Bootcamp. Die Angreifer müssen auch physischen Zugriff auf den Rechner haben, wenn er ausgeschaltet ist, haben sie auch keine Chance mehr. Macworld erklärt mehr zu den Sicherheitslücken und gibt Tipps, wie man sich schützen kann: Den Rechner eben nie unbeaufsichtigt lassen und immer nur eigene Thunderbolt-Peripherie einsetzen.

Netzabdeckung : WiFi-Calling ist ein probates Hilfsmittel, bei schlechten Mobilfunknetzen immer noch telefonieren zu können - besonders innerhalb von Gebäuden hilfreich. Doch kann man nicht einfach auf das heimische WLAN ausweichen, um einen Anruf zu tätigen oder entgegen zu nehmen, nicht nur das iPhone muss mitspielen, auch der Provider muss die Option anbieten. Wie man sieht, ob WiFI-Calling eingeschaltet ist und aktiv, erklärt Glenn Fleishman im Detail.

Auf die Ohren: Apple will nicht nur die vor fünf Jahren aufgekaufte Marke Beats und deren Produkte weiterführen, sondern angeblich auch einen OverWar-Kopfhörer unter dem eigenen Markennamen bald auf den Markt bringen. AirPods Studio soll der OverEar laut des Leakers Jon Prosser heißen und für 349 US-Dollar demnächst in den Handel kommen. Wie schon die AirPods Pro sollen die AirPods Studio mit einer aktiven Geräuschunterdrückung (ANC) kommen, "Hey Siri!" ist natürlich auch an Bord. Interessantes Gimmick: Der Apple-Kopfhörer soll erkennen, wie herum er getragen wird und daher die Kanäle auf den Ohrmuscheln wechseln können - eine eindeutige Kennzeichnung von rechts und links wäre dann nicht notwendig.

Say goodbye to Hollywood: Alle haben sie Pause, Fabriken, Gastronomie und Unterhaltungsindustrie. Während die Produktion von – sagen wir einmal – Elektroautos von daheim nicht funktioniert und Hotels bis auf Ausnahmen leer stehen, können sich Restaurants mit takeaway behlefen – und die Unterhaltungsindustrie mit digitaler Technik für den Endverbraucher. Auch Apple musste Produktionen wie die der zweiten Staffeln von "For All Mankind" oder "The Morning Show" anhalten, die Wiederaufnahme ist ungewiss. Aber die ABC-Show  "American Idol" geht nun weiter - aus dem heimischen Studios oder Wohnzimmern der Gesangskandidaten und der Jury. Apple stellt dabei jeweils Gerätschaften zur Verfügung, das Setup besteht je aus drei iPhone 11 Pro, einem Tripod und einer Lampe, berichtet TechCrunch. Apple freut sich, zur Fortführung der Sendung beitragen zu können: "Wir wissen, dass sich die Menschen auf ihre Lieblingssendungen verlassen, während sie zu Hause bleiben, und wir freuen uns, mit dem Team von American Idol ein Teil dieses Prozesses zu sein. iPhone bietet eine einzigartige Lösung, um Videos in Broadcast-Qualität zu liefern, die man in der Hand hält, während das Produktionspersonal und die On-Air-Talente zu Hause sicher sind." American Idol ist gewissermaßen das Original von "DSDS" - nur brachte das in der Tat Stars wie Kelly Clarkson hervor. Aber wenn in der Jury ein Lionel Richie sitzt und kein Dieter Bohlen, darf man auch höhere Qualität erwarten.

Weitere Nachrichten:

Twitch Roulette findet einsame Streamer

Die Streaming-Plattform Twitch wird von den Streamern dominiert, die täglich mehrere tausend Zuschauer unterhalten. Doch ähnlich wie bei YouTube gibt es noch viele andere Streamer, die regelmäßig eine Übertragung starten, dabei aber nur wenige bis gar keine Zuschauer haben. Ihnen will der neue Web-Dienst Twitch Roulette eine Chance geben.

Auf twitchroulette.net findet sich lediglich eine Auswahlbox, in der sich Nutzer ein Spiel aussuchen können, zu dem sie einen Stream auf Twitch sehen möchten. Anschließend fehlt nur noch der Klick auf den „Spin The Wheel“-Button. Nun sucht Twitch Roulette nur nach Streamern, die gerade einen Twitch-Stream zum ausgewählten Spiel gestartet haben, dabei aber gar keine Zuschauer haben. Twitch Roulette präsentiert einen von ihnen als Suchergebnis. Nutzer können sich hier sofort auf seinen Livestream aufschalten und sich im Stream-Chat unterhalten. Gefällt der Twitch-Channel nicht, lädt der „Spin the Wheel“-Button am rechten oberen Bildschirmrand zu weiteren Zufallsfunden ein. Möglicherweise hilft Twitch Roulette ja dem ein oder anderen einsamen Streamer, mehr Zuschauer zu finden und Nutzern auf der Suche nach neuen interessanten Streamern.

BSI warnt Nutzer vor Samsung-Handys wegen ernster Sicherheitslücke

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie warnt vor einer Schwachstelle in Samsung-Smartphones mit Android. Die Sicherheitslücke können Angreifer ausnutzen, um beliebigen Programmcode aus der Ferne auf dem Smartphone auszuführen. Betroffen sind Samsung-Smartphones mit Android, die seit zirka Ende 2014 verkauft wurden.

Der Angreifer muss hierzu speziell präparierte MMS (Multimedia Messaging Service) an das Smartphone schicken und einen Buffer Overflow verursachen. Der Besitzer des Samsung-Android-Smartphones muss auf die MMS nicht reagieren, es ist also keine Nutzeraktion erforderlich, um die Schwachstelle ausnutzen zu können.

Hierzu muss ein Angreifer allerdings eine sehr große Anzahl von speziell präparierten MMS an das Samsung-Smartphone schicken. Von bis zu 300 derartigen MMS ist die Rede; im Durchschnitt sind wohl 100 MMS erforderlich. Der Besitzer des Samsung-Smartphones bekommt von der MMS-Lawine aber unter Umständen nichts mit, weil der Angreifer den Benachrichtigungston für die MMS offensichtlich abschalten kann. Sie finden hier eine ausführliche Beschreibung der als kritisch eingestuften und als CVE-2020-8899 bezeichneten Sicherheitslücke .

Samsung stellt aber bereits ein Sicherheitsupdate bereit, das diese Lücke beseitigt. Dieses Sicherheitsupdate, datiert vom Mai 2020,  sollte umgehend installiert werden; Samsung hat hier eine Beschreibung des Updates veröffentlicht. Darin wird die Lücke als SVE-2020-16747 bezeichnet. Sie können in den Einstellungen des Androiden nachschauen, ob das Sicherheitsupdate vom Mai 2020 bereits installiert ist.

Problematisch bleibt die Lage aber für ältere Samsung-Smartphones, die keine Sicherheitsupdates mehr erhalten. Wer ein derart altes Android-Smartphone besitzt und das Sicherheitsupdate nicht mehr oder noch nicht bekommt, sollte den automatischen MMS-Empfang in den Einstellungen des Smartphones abschalten.

Die Lücke entdeckte der Sicherheitsforscher Mateusz Jurczyk. Er arbeitet für Google Project Zero.

BER Bausimulator: Kostenloses Postillon-Spiel für iOS und Android

Die Satire-Webseite "Der Postillon" ist primär für witzige Artikel bekannt, die Politik und Gesellschaft auf die Schippe nehmen. Nun steht mit dem BER Bausimulator das erste offizielle Postillon-Handyspiel zum kostenlosen Download für iOS und Android bereit. Darin muss der Spieler die Rolle des BER-Bauchefs übernehmen und von Grund auf einen Flughafen errichten. Dadurch lässt sich hautnah miterleben, warum es auf der bekanntesten Dauerbaustelle Deutschlands immer wieder zu Verzögerungen gekommen ist. Dazu werden immer wieder neue Mängel eingestreut, die der Spieler beheben muss.

Die Entwickler des BER Bausimulators versprechen ein „frustrierendes Erlebnis“ und die Möglichkeit, genau wie der Staat jede Menge Geld zu versenken. Das eigentliche Spiel ist zwar kostenlos, mit In-Game-Käufen von 99 Cent bis zu 329,99 Euro kann jedoch auch echtes Geld investiert werden. In den Kommentaren ist zu lesen, dass die Bezahl-Fassung im Gegensatz zur Version mit Werbeanzeigen nicht so häufig Lösungen vorschlägt. Entsprechend sei die Bezahl-Version deutlich schwieriger. Die Macher versprechen als Gegenleistung für die Eröffnung des Flughafens im Spiel Nacktbilder von Scarlett Johannson und Ryan Gosling. Außerdem habe man den heiligen Gral gefunden, dessen Koordinaten dem Spieler bei einer Eröffnung vor 2030 mitgeteilt würden.

 

Apple VP Greg Joswiak: Darum sind Airpods so erfolgreich

Mit den allseits beliebten Airpods hat Apple einen Überraschungshit gelandet, den anscheinend auch den Cupertino selbst überraschte. Vor allem im Weihnachtsgeschäft ein Renner, sorgten die Kopfhörer bereits 2018 für einen Umsatz von vermutlich 3,3 Milliarden Euro, 2019 waren es nach Schätzungen von Marktforschern schon 7,3 Milliarden – mehr als das Doppelte. Eigentlich waren die 2016 erstmals vorgestellten Ohrhörer vor allem als Zubehör zum iPhone positioniert. Gegenüber "Wired" hat Greg Joswiak jetzt versucht, den Erfolg zu erklären. Schon kurz nach der Vorstellung hätten sich die Airpods aber verbreitet wie ein „Flächenbrand“ – viel besser, als sie jemals erwartet hatten.

Als einen Grund für den Erfolg macht "Wired" dem für Apple relativ niedrigen Preis aus, untypisch für Apple. Bei den meist jungen Käufern wurde die ungewöhnliche Trageweise zum Statement. Auf Twitter machten sich anfangs viele über das Design der Airpods lustig, sie entwickelten sich aber schnell zum Statussymbol bei jüngeren Kunden. Das Erscheinen kam auch zu einem günstigen Zeitpunkt: Einer Epoche, in der jeder ein Smartphone besitzt und intensiv nutzt.

Es war aber wohl kein Zufallserfolg: Laut Joswiak habe Apple schon seit vielen Jahren stark auf drahtlose Geräte gesetzt: Schließlich hätten sie mit dem iPhone ein großartiges Gerät ohne jedes Kabel gehabt. Plötzlich habe es seltsam gewirkt, wenn man jemand sein iPhone mit einem kabelgebunden Kopfhörer benutzte. Ein weiterer Grund für den Erfolg sind die Erfahrungen mit den Earpods, den Kopfhörern, die jedem iPhone beiliegen – aktuell als Lightning-Version. Apple hatte zusammen mit der Universität Stanford lange nach der optimalen Form für die Ohrstecker gesucht und hunderte 3D-Scans von Ohren ausgewertet. 2009 erschienen dann verbesserte Earpods mit einer neuen Passform – die fast allen Nutzern zugleich passen und gut klingen sollten. Auch die ersten Airpods hatten noch Ohrstecker mit diesem speziellen Design, das den meisten Käufer gut passte. Bei den neuen Airpods Pro hatte Apple diese Forschung fortgesetzt, um das bekannte neue Design zu entwickeln – das nun mit Hilfe von drei Aufsätzen für den Großteil der Bevölkerung passen soll.

Es gibt aber auch Kritikpunkte: So sind die Akkus der Airpods nicht austauschbar, nach einer bestimmten Nutzungsdauer sind die teuren Ohrhörer nicht weiter verwendbar. Man kann sie zwar bei Apple austauschen lassen, die Airpods werden dann aber nicht repariert, sondern nur recycelt . Nach Meinung des Analysten Neil Cybart, könnte sich der Erfolg der Airpods aber noch ein ganzes Jahrzehnt fortsetzen. Schließlich dominiert Apple nicht nur den Markt für Ohrhörer, sondern dank der Apple Watch ebenso den für Smartwatches – vermutlich erscheinen in den nächsten Jahren außerdem die lang erwarteten Apple Glasses – eine AR-Brille von Apple. Als Folge könnte Apple mit seinen Wearables immer größere Anteile des menschlichen Körpers wirtschaftlich ausnutzen: Das Handgelenk, die Ohren und bald auch die Augen – mit Geräten, die aufeinander abgestimmt sind.

Fazit:

Der Erfolg der Airpods hat Apple offensichtlich selbst überrascht. Ein Grund für die große Beliebtheit war sicher das ausgereifte Design, aber nach unserer Einschätzung wohl auch die gute Kompatibilität mit iPhones. Mit immer mehr Wearables wie Apple Watch und kommenden Produkten wie Apples AR-Brille könnte sich dies auch langfristig als großer Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz erweisen. Gespannt sind wir außerdem, ob Apple seinen Erfolg auch mit Kopfhörern fortsetzen kann. Laut neuesten Gerüchten sollen ja bald ganz neue ohrumschließende Kopfhörer mit Bügeln erscheinen – Air Pods Studio für 349 Dollar. Damit könnten die Airpods noch viele weitere Nutzer in Studios und Wohnzimmern erschließen.

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