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Morgenmagazin vom Dienstag, 14. Mai 2019

14.05.2019 | 07:00 Uhr |

Updates: macOS 10.14.5, iOS 12.3 +++ Apple TV Channels starten auf iPhone, iPad und Apple TV +++ Apple-Aktie stürzt nach Eskalation im Handelsstreit ab, Supreme Court lässt Sammelklagen zu +++ Anrufe und SMS ins EU-Ausland ab 15.5. günstiger +++ Teslas E-Autos bestellen selbstständig(!) Ersatzteile und rufen Abschleppwagen +++ Amazon testet Roboter, die 700 Pakete pro Stunde packen

14. Mai: Holy Shit

Wir wünschen allseits Guten Morgen. Um mal mit einer Legende aufzuräumen: Es gibt keine Eisheiligen. Gewiss, dieser Tage stehen die Herren Mamertus, Pankratius, Servatius  und Bonifatius sowie die „kalte Sophie“ im Kalender. Aber der 24. Februar etwa ist dem Heiligen Matthias gewidmet, dessen Ehrentag die meisten Leute auf die kalte Schulter nehmen.

Trotz der aktuellen Wetterlage, die sich just ab Donnerstag wieder in Richtung höherer Temperaturen bewegen wird, gibt es aber definitiv kein Wetterphänomen Mitte Mai, das den Oberbegriff „Eisheilige“ rechtfertigen würde. Boden- oder gar Luftfrost kann zwar Anfang bis Mitte Mai noch vorkommen, selbst am Ende des Monats. Ist aber recht selten, die Frostwahrscheinlichkeit sinkt eher kontinuierlich vom 1. bis zum 31. Mai. Erschwerend hinzu kommt, dass die vier Herren und die Dame zu Zeiten des julianischen Kalenders in den Heiligenstand erhoben wurden - man müsste sich dann eher das Wetter zum Ende Mai hin ansehen. Wer also darauf besteht, seine frostempfindlichen Pflanzen erst „nach den Eisheiligen“ in den Garten oder auf den Balkon zu stellen, müsste an sich fast bis zum Juni warten.

Dennoch hatte die Eisheiligen-Regel wohl einst ihren Sinn, vermutlich während einer mittelalterlichen Kälteperiode aufgestellt. Da wären dann Frostlagen bis weit in den Mai hinein wahrscheinlicher gewesen als heute und die Landwirte taten gut daran, mit der Aussaat zu warten, bis sich die kalte Sophie verabschiedete.

Einen Scheinheiligen haben wir heute im Kalender der Apple-Welt stehen. Na gut, heilig gesprochen ist er nicht, wird er auch nie. Die erste Bedingung dafür hat er erfüllt, das Ableben. Wunder werden ihm posthum aber nicht zugesprochen, auch zu Lebzeiten erledigte er keine Wunderdinge, obwohl er dafür konzipiert war, schier Unmögliches möglich zu machen: Apples ersten und einziger Tack-Server, der Xserve. Am 14. Mai 2002 vorgestellt, sollte er sich für Rechenzentren qualifizieren und dort mit Maschinen konkurrieren, die etwa von HP und IBM herstellt waren und auf denen Linux als Betriebssystem lief. Es gab zu Zeiten der Xserve-Premiere, damals noch mit G5-Prozessor, in der Tat einige Installationen von Serverfarmen mit Macs. Rund 1000 Power Macs G5 schaltete etwa die Universität von Virginia zu einem Cluster zusammen. Mit dem eine Höheneinheit messendem Xserve sollte man in den Serverschränken Platz sparen, respektive noch mehr davon unterbringen können. Virginia stellte dann auch auf Xserve um und später auch noch auf die Intel-Variante des Apple-Server, aber besonders erfolgreich wurde das Business nicht.

Klar, nicht einmal Apple selbst baute sich Rechenzentren mit abertausenden Xserves auf. Auch heute noch verlässt sich der Mac-Hersteller für das Hosting seiner Services noch sehr auf Amazon, Microsoft und Google, eigene Serverfarmen werden es zwar immer mehr, aber auch da wird man in den Schränken kein Apple-Produkt finden.

Der Xserve war zwar ein wunderschönes Gerät, so dass einige wenige Apple-Fans sich sogar einen in ihre Privaträume als Fileserver stellten. Doch dafür reicht selbst ein älterer Mac Mini völlig aus. Apple hat auch längst beinahe alle Server-Komponenten aus seinem Mac-Betriebssystem entfernt. Zwar kann man immer noch Macs - der Mini bietet sich dafür ja an - zu Clustern verknüpfen, aber im High-End überlässt Apple das lieber den Profis. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Updates : Am gestrigen Abend hat Apple seine beiden wichtigsten Betriebssysteme aktualisiert, dabei Fehler bereinigt, Sicherheitslücken geschlossen und auch ein paar neue Funktionen integriert, die längst angekündigt waren. macOS 10.14.5 kommt nun mit AirPlay 2, Bilder, Musik und Videos kann man nun vom Mac aus auf kompatible Geräte wie einige Smart-TVs streamen. Bei den behobenen Fehlern handelte es sich um solche in Apple News+, wo man nun Magazinen auch folgen kann, oder verbesserte Audio-Latenz auf dem Macbook Pro. iOS 12.3 bringt mit der neuen TV-App nun die Apple TV Channels, die Apple bei seinem Special Event "It's showtime" Ende März angekündigt hatte. Ebenso bekommt das Apple TV mit tvOS 12.3 diese Erweiterung, der Mac muss noch bis Herbst auf die TV-App warten – dann sollte auch Apple TV+ an den Start gehen. iOS 12.3 bekommt in Sachen AirPlay 2 einige Verbesserungen beim Interface, die die Unterstützung von SmartTVs von Drittherstellern berücksichtigen.

Total lokal: Google hat letzte Woche auf seiner Entwicklerkonferenz die Latte in Sachen digitaler Assistent sehr hoch gelegt. Beeindruckend war nicht nur, wie schnell der Google Assistant zwölf völlig unterschiedliche Kommandos in einem Zug ausführen konnte, ohne stets neu aufgerufen zu werden, sondern wie Google es geschafft hat, die dahinter liegende KI auf das Pixel 3 zu bringen. Anstatt 100 GB auf Google Servern einzusetzen, hat Google nach eigenen Angaben die Software auf ein Volumen von 50 MB geschrumpft. Viele Aufgaben erledigt der Assistent somit auch offline - und wird völlig unabhängig von der Geschwindigkeit der Internetverbindung. Auch Apple hat in den letzten Jahren viel von der künstlichen Intelligenz auf das iPhone verlegt, während Google sich vor allem auf das Sammeln von Daten kapriziert hat. Doch auch Apple analysiert die Daten seiner Kunden, verspricht aber mit der Differential Privacy sie zu anonymisieren und zu randomisieren - nun scheint auch Google den Datenschutz als wichtig erachtet zu haben. Nun ist aber Apple am Zug und man darf gespannt sein, was der Konzern in Sachen KI auf der WWDC ab 3. Juni zu erzählen hat. Gute Gelegenheit für einen Auftritt  des neuen Senior Vice President of Machine Learning John Giannandrea, den Apple von Google abgeworben hatte.

Abwärts : Der an Schärfe zunehmende Handelskonflikt zwischen China und den USA hat nun auch Auswirkungen auf den Kurs der Apple-Aktie. Am Montag eröffnete das Papier den Handel mit einem Sechswochentief - bis Handelsschluss fiel AAPL um 11,46 US-Dollar auf 185,72 US-Dollar zurück, im nachbörslichen Handel noch weiter. Einen zweiten Grund für den Kursrückgang machen Analysten der Wall Street in der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes aus, eine Sammelklge wegen angeblicher Monopolstellung des App Stores zuzulassen. Mit der Entscheidung von 5 zu 4 Stimmen bestätigt der Supreme Court damit ein Urteil einer niedrigeren Instanz. Damit ist der Ausgang des Hauptverfahrens aber noch lange nicht gewiss. Die Kläger können nun aber von Apple Schadensersatz für die vom App-Store-Anbieter einbehaltenen Gebühren verlangen. Apples Argumentation, die auch von der US-Regierung gestützt wird, zielt darauf ab, dass man lediglich als Agent für App-Entwickler agiere, welche die Preise für ihre Programme selbst festlegen.

Erhöht: Noch sind das iPhone und andere in China gebaute Smartphones, Tablets, Desktops und Laptops von den Strafzöllen der Trump-Regierung noch nicht direkt betroffen, doch das könnte sich ändern. Auf einzelne Komponenten gelten bereits höhere Steuersätze, etwa auf Ladegeräte, für deren Einfuhr Apple seit September bereits 10 Prozent Zoll zahlen muss. Noch hat sich das nicht in höheren Preisen niedergeschlagen, die Margen für derartiges Zubehör sind ohnehin recht hoch. Doch gelten seit Freitag nun Einfuhrzölle in Höhe von 25 Prozent - und das wird wohl auch eine Weile so bleiben, da auch China an der Zollschraube gedreht hat und für diverse US-Produkte um insgesamt 60 Milliarden US-Dollar erhöht hat. Der Streit könnte weiter eskalieren und die Ausnahmen für iPhone und Co unter Umständen nicht mehr lange bestehen - Preiserhöhungen wären irgendwann zwangsläufig.

Gewöhnungsbedürftig : Drei Kameras an der Rückseite der kommenden iPhones - das scheint gesetzt. Nur noch nicht, wie sie angeordnet sind. Die Platte, hinter der die Objektive und der LED-Blitz angeordnet sind, dürfte quadratisch sein, die drei Kameras darin aber im Dreiceck angeordnet, der Blitz irgendwie dazwischen. Sieht komisch aus, zumindest in einigen Renderings - und mehr als solche hat man von der Kameraanordnung auch noch nicht gesehen. Wie 9to5Mac erklärt, könnte das Dreieck von Objektiven aber durchaus sinnvoll geben. Denn so hätte die Kamera sowohl horizontal auch als vertikal eine Parallaxe, um die Raumtiefe besser vermessen zu können. Zudem ist es ohnehin nur ein kleineres Problem, wie die Objektive angeordnet sind, man wird sie ohnehin nur bei genauem Hinschauen erkennen können, immer abhängig vom Winkel, in dem man auf die Rückseite des iPhones schaut. Eher fällt ist Gewicht, dass auch beim iPhone 2019 die Objektivplatte aus der Rückseite herausragt. Aber das hat technische Gründe: Die Anordnung der Linsen kann eine gewisse Mindestdicke nicht unterschreiten, andere Komponenten hat Apple dagegen über die Jahre hinweg immer flacher bekommen.

Weitere Nachrichten:

Anrufe und SMS ins EU-Ausland ab 15.5. günstiger

Telefongespräche in das europäische Ausland dürfen ab dem 15. Mai 2019 nur noch maximal 19 Cent pro Minute kosten. Für SMS-Nachrichten ins EU-Ausland dürfen Anbieter nur noch maximal sechs Cent pro Nachricht verlangen. Die entsprechende Entscheidung hatte das EU-Parlament im November 2018 beschlossen und die Änderung tritt nun am 15. Mai 2019 offiziell und damit in allen Ländern der Europäischen Union in Kraft.

Hinzu kommt noch die im jeweiligen Land geltende Mehrwertsteuer: Wer also aus Deutschland ein Telefongespräch in das EU-Ausland führt, der zahlt maximal 22,61 Cent pro Minute für ein Telefongespräch und maximal 7,14 Cent pro SMS. Die automatische Umstellung auf die neu regulierten Tarife erfolgt allerdings erst Mitte Juli 2019 bei den Providern.

Im Sommer 2017 hatte das EU-Parlament bereits die Roaming-Gebühren abgeschafft . Mit der ab dem 15. Mai 2019 eingeführten Obergrenze für Telefongespräche und SMS-Nachrichten ins EU-Ausland sollen nun auch diese Preise drastisch sinken.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) begrüßt die neuen EU-weiten Preisobergrenzen in einer Mitteilung am Montag. Mit der neuen Regelung werde der europäische Binnenmarkt weiter gestärkt. "Überteuerte Anrufe und SMS aus dem deutschen Netz ins EU-Ausland gehören bald der Vergangenheit an“, so Susanne Blohm, Referentin des Teams Digitales und Medien beim vzbv. Die vzbv verweist dabei auch auf eine Untersuchung des Marktwächters Digitale Welt aus dem Jahr 2018, laut der die Anbieter im deutschen Netz für Anrufe ins europäische Ausland bis zu 1,49 Euro pro Minute verlangten.

Im Vorfeld hatte das EU-Parlament sogar eine völlige Abschaffung der Extra-Gebühr für EU-Auslandsgespräche in Betracht gezogen. Dies hatte auch die vzbv unterstützt. Mit den europäischen Mitgliedsstaaten hat sich das Europa-Parlament dann aber schließlich im Juni 2018 auf eine Obergrenze von 19 Cent pro Minute und 6 Cent pro SMS (jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer) geeinigt. "Die neue Regelung ist zwar ein Kompromiss, da Inlandskosten für Gespräche immer noch günstiger sein können. Wegen der teilweise hohen Kostenersparnis ist die Regelung für Verbraucher aber grundsätzlich positiv zu bewerten“, erklärt Blohm.

Teslas E-Autos bestellen selbstständig(!) Ersatzteile und rufen Abschleppwagen

Tesla hat vor kurzem offensichtlich ein Software-Update an Model S, Model X und Model 3 ausgeliefert, mit dem die Elektro-Autos selbstständig und ohne Zutun des Fahrers einen Fehler diagnostizieren und die für die Reparatur erforderlichen Ersatzeile schon mal selber vorbestellen . Das berichtet drivetribe.com.

Auf dem großen Touchscreen des Tesla erscheint bei Bedarf anscheinend eine Meldung mit der Überschrift „Service Anforderung“. In dem darunter stehenden Text wird dem Fahrer erklärt, dass das Fahrzeug eine „unerwartete Lage“ entdeckt habe in Zusammenhang mit einem bestimmten System (das genannt wird). Ein Ersatzteil sei bereits zum bevorzugten Tesla-Service-Center unterwegs. Der Tesla fordert jetzt den Fahrer auf, über seine Tesla-App oder sein Tesla-Konto einen Service-Termin auszumachen. Der Fahrer muss das Ganze aber noch bestätigen.

Der Tesla soll also tatsächlich selbst in der Lage sein, die Ursache für ein Problem zu identifizieren und die dafür nötige Abhilfe zu ermitteln. Es geht also nicht darum, dass der Tesla nur zum Beispiel eine sinkende Leistung des Elektromotors meldet, sondern das Fahrzeug soll den Grund für den Leistungsverlust erkennen und die entsprechende Gegenmaßnahme einleiten können.

Der Abschleppwagen kommt automatisch: Das ist aber noch nicht alles. Entdeckt der Tesla während der Fahrt ein gravierendes Problem, das zu einer Panne führen kann, dann ruft er automatisch einen Abschleppwagen und einen Mietwagen. Flapsig formuliert: Während der Tesla-Fahrer noch mit seinem Tesla unterwegs ist, folgt ihm bereits der Abschleppwagen... Aber auch hier hat der Fahrer die Möglichkeit, das Herbeirufen des Abschleppwagens noch zu stoppen.

Amazon testet Roboter, die 700 Pakete pro Stunde packen

Der Online-Versandgigant Amazon testet in den USA den Einsatz von Pack-Robotern, die in der Zukunft die Mitarbeiter in den Lagern ersetzen könnten. Einem exklusiven Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, der auf anonymen Quellen innerhalb Amazons basiert, stammen die Pack-Roboter von dem italienischen Hersteller CMC, tragen den Namen "Cartonwrap" und wurden speziell für die Bedürfnisse von Amazon entwickelt. Die Kosten sollen bei um die 1 Million US-Dollar pro Pack-Roboter liegen und seien testweise in ersten Amazon-Lagern im Einsatz. Jeder Pack-Roboter, so heißt es, mache 24 Arbeitsplätze überflüssig.

Die Pack-Roboter sind dem Bericht zufolge in der Lage, bis zu 700 Bestellungen pro Stunde abzuarbeiten und die entsprechenden Pakete versandbereit "auszuspucken". Damit seien die Roboter etwa vier bis fünf Mal schneller als ein Mensch bei der gleichen Tätigkeit.

Für die Bedienung der Maschine seien drei Menschen notwendig: Eine Person, die die von den Kunden bestellten Waren in die Maschine lädt, eine weitere Person die der Maschine die für das Packen der Pakete benötigte Pappe und den Kleber nachlädt und eine Person, die bei technischen Problemen eingreift und diese löst.

Gegenüber Reuters bestätigte eine Amazon-Sprecherin, dass die Pack-Roboter getestet werden. "Wir testen diese neue Technologie mit dem Ziel, die Sicherheit zu erhöhen, die Lieferzeiten zu verkürzen und die Effizienz in unserem gesamten Netzwerk zu steigern", so die Sprecherin in einer Mail an Reuters. Das eingesparte Geld, so betont es die Amazon-Sprecherin, werde in neue Dienste für die Kunden und für die Schaffung neuer Arbeitsplätze investiert.

Eine der Quellen von Reuters betonte auch, dass es Amazon nicht darum gehe, Pakete schneller zu packen, sondern darum, die Effizienz zu steigern und Geld zu sparen. Die betroffenen Mitarbeiter könnten eine Weiterbildung erhalten und technisch anspruchsvollere Aufgaben übernehmen.

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