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Morgenmagazin vom Dienstag, 16. August 2016

16.08.2016 | 06:57 Uhr |

Nächste Beta-Runde für macOS und iOS +++ Twitter will NFL auf Apple TV bringen +++ Siri auf dem Mac: Das kann noch besser werden +++ Microsoft kauft Live-Streaming-Dienst Beam +++ Epson zeigt Datenbrille auf der IFA +++ Linux-Lücke bedroht alle Internetnutzer +++ Wem gehört der beruflich genutzte Xing-Account? +++

16. August: We're caught in a trap

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Auf in eine verkürzte Woche! Also, für diejenigen, die gestern genießen durften, in überwiegend katholischen Gegenden zu leben und daher an Mariä Himmelfahrt frei zu haben. War der Feiertag letztes Jahr ein Samstag und daher sehr unpraktisch, hat er uns nun das Wochenende verlängert, das sogar so etwas Ähnliches wie Sommer zurück brachte. Recht viel mehr als einen Altweibersommer, der aber nichts mit in die Jahre gekommenen Damen zu tun hat, sondern eher mit den nun dank Morgentau sichtbareren Spinnennetzen, werden wir aber kaum noch bekommen. Es sei denn, es zieht uns für den Rest der Ferien nochmals in den Süden…

Wenigstens könnte sich die Wetterlage dieser Tage ein wenig stabilisieren. Die Bauernregeln für Mitte August und die darauf folgenden Wochen spiegeln das wider. Wenn es an Mariä Himmelfahrt oder dem heutigen Sankt Rochus trocken und warm ist, erfreut das den Landwirt. Vor allem Winzer hoffen nun darauf, dass die Trauben in ihren Weinbergen nach einem höchst durchwachsenen Frühjahr und Sommer wenigstens im Spätsommer und Herbst noch ein bisschen Sonne einfangen, St. Urban möge helfen.

Der Heilige des heutigen Tages, Sankt Rochus, war von der katholischen Kirche indes nie heilig gesprochen worden, seine Zuständigkeit gilt Haustieren und Pestkranken. Letztere haben von der Fortschritt der Medizin deutlich mehr profitiert…

Musikfreunde gedenken heute aber eines anderen Heiligen, der bisher auch noch nicht offiziell als solcher gekürt wurde. Der Heilige St. Elvis ging heute vor 39 Jahren in die Ewigkeit ein, gilt aber auch heute noch in vielen Kreisen als Nothelfer in Beziehungskrisen. Wenn gar nichts mehr geht, sollten „Suspicious Minds“ oder „Love Me Tender“ wieder auf die Sprünge helfen.  Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag

Neue Betas: Apple veröffentlicht neue Vorabversionen für seine kommenden Betriebssysteme in höherer Frequenz als in den vergangenen Jahren. Für Entwickler liegen mittlerweile die sechsten Betas von iOS 10, macOS Sierra, tvOS 10 und watchOS 3 vor, für Teilnehmer des Public-Beta-Programms sind das die jeweils fünften Fassungen. Anders als zuletzt bringt Apple auch praktisch zeitgleich neue Ausgaben heraus, lediglich die allerersten Betas waren Entwicklern vorbehalten, seither bekommt das Publikum spätestens einen Tag nach den registrierten Developern Einblick, vor einem Jahr hingegen standen acht Entwicklerversionen vier Public Betas gegenüber. Ob Apple das bisherige Tempo beibehält, lässt sich schwer sagen, vor Mitte September sollte aber keines der Updates fertig zur Veröffentlichung sein.

Zwischengröße: Apple plant für das nächste Jahr angeblich eine weitere Größe für das iPad Pro ein, laut KGI-Analyst Ming-Chi Kuo soll ein 10,5-Gerät auf dem Plan stehen. Vom iPad Pro mit 12,9-Zoll-Bildschirm werde es eine zweite Generation geben, auch das 9,7-Zoll-Modell soll im Angebot verbleiben. Im Jahr 2018 stehe dann eine "Revolution" an, das iPad bekomme dann einen flexiblen AMOLED-Bildschirm und einen völlig neuen Formfaktor.

Live-Programm: Twitter will Football der NFL auf das Apple TV bringen. Der Konzern der die Streamingrechte für die Donnerstagsspiele ersteigert hat, sucht nun nach Möglichkeiten zur Verbreitung. Dabei habe Twitter ein Auge auf das Apple TV geworfen, berichtet die New York Times. Unklar sei jedoch, worüber Twitter noch mit Apple verhandle, eigentlich könnte das Unternehmen seine App einfach in den App Store für das Apple TV einreichen. Vermutlich verlangt Twitter jedoch eine bevorzugte Platzierung im App Store.

Allerlei Zubehör : Die Sommerferien neigen sich dem Ende entgegen, das neue Schuljahr oder das neue Semester stehen bevor. Unsere Kollegen der Macworld haben jede Menge Gadgets gesammelt, die in keinem Studierzimmer fehlen dürfen.

Weitere Nachrichten:

Siri auf dem Mac: Das kann noch besser werden

Für den durchschnittlichen Apple-Nutzer ist Siri ein wunderbares Spielzeug. Ganz leicht kann man sich per Sprachbefehl unter anderem die aktuelle Uhrzeit oder den Wetterbericht vorlesen, einen Wecker stellen oder sogar eine App öffnen lassen. Diese einfachen Aufgaben erledigt Siri ohne Probleme, doch komplexere Aufgaben kann der Assistent immer noch nicht ohne Weiteres bewältigen.

Apple selbst bewirbt Siri als ein phänomenales Werkzeug, mit dem das Leben einfacher werden soll und das iPhone in einen persönlichen Butler verwandelt. Über die Standardfragen hinaus wirkt Siri jedoch des öfteren sehr schnell ratlos und sucht stattdessen im Internet nach einer passenden Antwortmöglichkeit.

Siri ist eines dieser Features, welches in der Apple-Werbung toll aussieht, sich in der Realität aber oftmals als weniger praktisch herausstellt. Ohne Zweifel ist das Hand-Off-Feature gerade beim Autofahren sehr nützlich. Mit „Hey Siri“ kann man den Sprachassistenten „aufwecken“ und bestimmte Befehle erteilen, wie zum Beispiel das Lösen einfacher Mathematikaufgaben. „Hey Siri. Wie viel sind 15 Prozent von 35 Euro?“ - „Das sind 5,25.“

Kompliziertere Matheaufgaben sind mit Siri in der Form noch nicht möglich. Wenn man beispielsweise Siri darum bitte, die Hypothenuse eines Dreiecks zu berechnen, scheitert Siri bereits an der Worterkennung „Hypothenuse“. Diverse Suchvorschläge nach „Hypo Team Muse“ oder „Hi Putin Nose“ zeigen recht schnell: Die Deutsche Siri bietet sehr viel Verbesserungspotential. Auf Englisch versteht Siri zwar die Aufgabe, allerdings sucht sie auch hier über das Internet nach einer Antwort.


In bestimmten Fällen ist sich Siri um eine witzige Antwort jedoch auch nicht zu schade. Siri bietet viele lustige Antworten, fragt man sie beispielsweise: „Was ist drei geteilt durch null?“, antwortet sie:

Derzeit finden die Olympischen Sommerspiele statt, doch auch hierzu kann Siri kaum Informationen liefern. In der englischen Version zeigt Siri zumindest noch ein Sportereignis an, in der deutschen Version versteht Siri überhaupt nichts. Neben teils lustigen Suchvorschlägen für das Internet spielt Siri auch gerne mal den einen oder anderen Song ab - und alles auf die Frage : „Hey Siri! Wer tritt heute bei den Olympischen Spielen an?“ oder „Was steht heute bei den Olympischen Spielen an?“

Darüber hinaus zeigt Siri noch einige Schwächen bezüglich der Lokalisierung des aktuellen Standortes. Wenn man Siri fragt, welche Filme derzeit in der Nähe gespielt werden oder wo man in der Nähe ein Bier trinken gehen kann, zeigt Siri dem Anwender teilweise meilenweit entfernte Vorschläge. Dabei wäre das nächste Kino oder die nächste Bar oder das nächste Restaurant nur wenige Minuten entfernt.

Solange Siri bei teils recht einfachen Fragen immer noch keine eindeutigen Antworten liefern kann, verzichten viele generell auf die Dienste des Sprachassistenten. Doch vielleicht überarbeitet Apple Siri ja mit den kommenden  Updates für iOS und macOS. Solange müssen wir uns in manchen Fällen aber notgedrungen mit Siris Unwissenheit herumschlagen.

Microsoft kauft Live-Streaming-Dienst Beam

Microsoft kündigt heute die Übernahme des Game-Streaming-Service Beam an. Das in Seattle ansässige Unternehmen hat seinen Dienst im Januar aufgenommen. Der Twitch-Konkurrent gibt Spielern die Möglichkeit, Live-Streams von Spielen anzuschauen und gemeinsam mit ihren Streaming-Idolen zu spielen.

Über Beam können Spieler beispielsweise Herausforderungen für Streamer starten oder deren Waffen-Setup verändern. Entwickler haben zudem die Möglichkeit, spezielle Button-Layouts zu entwerfen, die Zuschauern das Mitspielen ermöglichen. Im Gegensatz zu Konkurrent Twitch ist die Eingabeverzögerung bei Beam wesentlich geringer.

Wie viel Microsoft für die Beam-Übernahme zahlt ist unklar. Ebenso ist derzeit noch nicht bekannt, was der Redmonder Konzern mit dem Dienst vorhat. Die Entwickler können für den weiteren Ausbau von Beam künftig auf Microsofts Xbox-Abteilung zurückgreifen.

Twitch hat Social-Eating-Kanal eröffnet

Epson zeigt Datenbrille auf der IFA

Epson bringt bereits die dritte Generation der Datenbrille "Moverio" auf den Markt. Auf der IFA in Berlin vom 2. Bis 7. September wird der japanische Hersteller das Augmented-Reality-Gerät am Epson-Stand in Halle 21, Stand 103 erstmals in Deutschland zeigen.

Die neue Brille ist rund 20 Prozent leichter als ihre Vorgängerversion und soll dank Si-OLED Technologie ein helleres Bild mit höherer Auflösung (1.280 x 720 Pixel) bieten. Trotz weiter verbesserter Leistung der Augmented Reality Brille hält der eingebaute Akku nach Epson-Angaben bis zu sechs Stunden. Die neue Brille ist außerdem mit einer Fünf-Megapixel- Kamera ausgerüstet, verfügt über ein GPS-System und einen Beschleunigungsmesser (Rotation, Translation). Dank des Android Betriebssystems 5.1 ist die neue Brille auch zu vielen modernen Apps kompatibel.

Lesetipp: Nützliche App-Grundausstattung für Android-Smartphones

Heimkino und Drucker

Im Heimkinobereich zeigt Epson seine Bandbreite an 4K-Projektoren. Zu diesem Zweck hat Epson auf seinem Stand ein Kino mit 40 Plätzen aufgebaut, in dem sich an High-End-Heimkino-Interessierte sich ein Bild der neuen Lichtboliden machen können. Daneben stehen in einem realen Wohnmilieus nachempfundenen Raumszenario auch die kleinen, mobilen Full HD Projektoren der EH-TW und EB Serien in Kino- und Spieleinstallationen bereit.

Für die an Druck-, Scan- und Kopierlösungen Interessierten zeigt Epson seine Range der neuen Expression-Home- und Expression-Premium-Geräte für zu Hause. Zusätzlich ist auch der erst kürzlich vorgestellte Epson EcoTank ET-3600 am Stand vertreten.

Für Epson ist die IFA nicht nur eine Möglichkeit sich den Endkunden zu präsentieren. Auch Händler können so Anregungen für das Weihnachtsgeschäft bekommen. "Für uns ist die IFA der Startschuss für das Jahresendgeschäft", erklärt der neue Epson-Marketing-Leiter Jörn von Ahlen. Die Messe habe "einen sehr hohen Stellenwert". Deshalb zeige man in Berlin das gesamte Produktspektrum für den Consumer-Markt

Linux-Lücke bedroht alle Internetnutzer

Im Transmission Control Protocol (TCP) von Linux wurde eine Sicherheitslücke entdeckt , die alle Nutzer gefährdet, auch wenn sie Linux auf ihrem Rechner gar nicht verwenden. Die auf der USENIX-Konferenz von der University of California at Riverside präsentierte Schwachstelle ermöglicht es Angreifern, die Internetkommunikation aus der Ferne zu übernehmen. Dadurch lassen sich Attacken starten, die die Onlineaktivitäten des Nutzers verfolgen oder sich in Verbindungen einklinken. Auch Unterhaltungen über das Tor-Netzwerk seien so angreifbar.

Da Linux auf unzähligen Internet-Servern, Android-Smartphones und vielen anderen Geräten wie Routern zum Einsatz kommt, ist das potenzielle Bedrohungsszenario nach Ansicht der Forscher sehr groß. TCP wird auf unterschiedlichen Betriebssystem dazu genutzt, um Datenpakete von einem Ort zum anderen zu transportieren. Bei einer E-Mail-Konversation zerteilt TCP die verschickten Texte beispielsweise in Datenpakete, aus denen sich beim Empfänger die Nachricht wieder herstellen lässt.

Die einzelnen Pakete werden anhand einer einmaligen Zahlenfolge identifiziert. Erraten lässt sich diese Zahlenfolge normalerweise nicht. Die neue Sicherheitslücke kann jedoch über eine Schnittstelle namens „Side Channels“ unter Linux in die TCP-Kommunikation eingreifen, dazu sind lediglich die IP-Adressen beider Seiten nötig.

Sogar verschlüsselte HTTPS-Verbindungen könnten Hacker so beenden. Der Angriff dauert nach Angaben der Forscher meist nur eine Minute, die Erfolgsquote liegt bei 90 Prozent. Spezialhardware sei ebenfalls nicht nötig. Neue Linux-Versionen werden entsprechende Patches erhalten. Neben Linux-Privatanwendern sollten natürlich auch Server-Betreiber ihr Betriebssystem so schnell wie möglich aktualisieren.

Wem gehört der beruflich genutzte Xing-Account?

Ein Beispiel aus dem heutigen Geschäftsalltag: V. arbeitet als Vertriebsmitarbeiter im Bereich Sales und Marketing. Er ist jung und im Web sozial gut vernetzt. Für seine Firma vertreibt er ein Produkt und die dazugehörenden Folgelieferungen. Er akquiriert sehr erfolgreich im Kreis seiner Bekannten und sonstigen (Internet-)Kontakte und regelt seine gesamten diesbezüglichen Kundenkontakte über seinen Xing-Account.

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Um die Folgelieferungen immer rechtzeitig anzubieten und zu verkaufen, hat V. sich Wiedervorlagen in seinem Outlook-Kalender im Büro notiert. Dabei hat er jeweils die Namen der Kontakte eingetragen.

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Da V. kein nachvertragliches Wettbewerbsverbot in seinem Arbeitsvertrag hat, wechselt er irgendwann zu einem Konkurrenten. Sein Nachfolger übernimmt seinen Kalender und kann mit den namentlich bezeichneten Wiedervorlagen nichts anfangen. Der Umsatz bricht ein.

Das Problem: Kann die Firma von V. die betreffenden Xing-Daten herausfordern? Wem gehören die Daten?

In diesem Zusammenhang gilt zunächst der Grundsatz, dass ein Arbeitnehmer die Informationen, die bei ordnungsgemäßer Organisation für die Tätigkeit notwendig sind, auch am Arbeitsplatz hinterlassen muss und diese nicht bewusst unterschlagen oder beseitigen darf.

Hätte V. also eine "normale" Kundenkartei in seinem Schreibtisch hinterlassen oder auf seinem Dienst-PC gespeichert, wäre die Frage klar zu beantworten. Selbstverständlich dürfte dann der Arbeitgeber diese nutzen und hätte auch Anspruch auf Herausgabe, für den Fall, dass V. die Kundendatei mitgenommen hat.

Was gilt im Bereich von sozialen Netzwerken?

Für die Beantwortung der Frage, ob der Arbeitgeber den gesamten Account oder auch nur einzelne Kundendaten herausverlangen kann, stellt sich zunächst die zentrale Frage, wem der Xing-Account selbst "gehört".

Dafür sind verschiedene Parameter maßgeblich:

Die verschiedenen Varianten des Xing-Accounts

a) Rein privater Account
Handelt es sich um ein Account mit rein privatem Charakter (kein Corporate Design), mit der privaten E-Mail-Anschrift, der privaten Adresse, der auch privat bezahlt wird, dürfte der Fall eindeutig sein. V.dürfte in dieser Situation seinen Account selbstverständlich behalten und weiter nutzen, müsste allerdings die Informationen, die bei ordnungsgemäßer Organisation für die weitere Tätigkeit notwendig sind, dem ehemaligen Arbeitgeber zur Verfügung stellen. Es könnten also verschiedene (Kunden-)informationen herausverlangt werden.

Zwischenstand: Die für die ordnungsgemäße Abwicklung erforderlichen Informationen insbesondere die Kontaktdaten hat V. an die alte Firma herauszugeben.

Noch ein Zwischenstand: Jedenfalls muss V. auch in diesem Fall dem Arbeitgeber keinen direkten Zugang oder Zugriff auf seinen Account gewähren.

b) Rein dienstlicher Account

Handelt es sich jedoch um einen rein dienstlichen Account, den der Arbeitgeber auch bezahlt müsste V. den Account, auch wenn er zwischenzeitlich seine privaten Kontakte hierüber organisiert wohl komplett herausgeben. Unter datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten müsste dem Mitarbeiter möglicherweise die Gelegenheit gegeben werden, rein private Kontakte und Korrespondenz zu löschen.

c) Mischformen

Mischformen der obigen Kriterien sind allerdings deutlich schwieriger einzuordnen. Eine Variante wäre, dass es sich zwar um einen privaten Account (E-Mail-Adresse, Anschrift ) handelt, aber der Arbeitgeber bezahlt. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass zwar die Arbeitgeber E-Mail-Anschrift angegeben, aber die private Adresse etc. Weitere Mischformen sind denkbar, deren Beurteilung sich an den oben dargestellten Kriterien zu orientieren hätte.

Eine Pflicht zur Herausgabe des gesamten Accounts wird man in den meisten dieser Fälle wohl nicht begründen können. Insbesondere der Grundsatz, dass die Informationen, die bei ordnungsgemäßer Organisation für die weitere Tätigkeit des Arbeitgebers notwendig sind auch am Arbeitsplatz hinterlassen werden müssen, spricht allerdings dafür, dass auch nach deutschem Recht in den allermeisten Fällen ein Anspruch des Arbeitgebers auf Herausgabe der im jeweiligen Social Network Profil gespeicherten Kundendaten und gegebenenfalls auch entsprechender Korrespondenz besteht.

Nutzung der Sozialen Medien während der Arbeitszeit?

Die Nutzung von Social Medie während der Arbeitszeit stellt sich – auch unabhängig von den obigen Fragen – als schwieriges Thema dar.

Legt man die herrschende Rechtsprechung zugrunde, darf ein Mitarbeiter – vorbehaltlicher ausdrücklich anderslautender Regeln oder nachweislicher Duldung im Unternehmen – private Kontakte grundsätzlich nur über einen privaten Account und natürlich auch nur in seiner privater Zeit pflegen. Private Kontakte während der Arbeitszeit über Social Networks oder andere Internetmedien wären ein sogenannter "Arbeitszeitbetrug" und könnten gegebenenfalls mit den entsprechenden arbeitsrechtlichen Konsequenzen sanktioniert werden.

Ein ganz anderes Problem ist die Zulässigkeit entsprechender Kontrollmaßnahmen durch den Arbeitgeber. Auf diese Frage, die maßgeblich davon abhängt, inwieweit der Arbeitgeber die Nutzung von E-Mails oder Internet zu privaten Zwecken freigegeben hat oder auch nur duldet, soll hier nicht näher eingegangen werden.

Wer darf die Kontakte künftig nutzen?

In allen Varianten ist deutlich geworden, dass jedenfalls der ehemalige Arbeitgeber von V. die Kontaktdaten beanspruchen kann und diese selbstverständlich auch künftig in ihrer vertrieblichen Tätigkeit nutzen darf.

Weiterhin stellt sich aber die Frage, ob auch V. selbst im Rahmen seiner weiteren beruflichen Tätigkeit die Kontakte, die er über diesen Account aufgrund seiner Tätigkeit geknüpft hat, nutzen darf.

Klar ist zunächst, dass V. nach Überlassung des Accounts oder der darin enthaltenen Kundendaten sicherlich keine ausdrückliche Kopie der Kundendaten mitnehmen dürfte. Dies ist im Zusammenhang mit Kundenkarteien ausdrücklich für unzulässig erklärt worden. Er dürfte aber wohl – sofern wie im obigen Fall kein Wettbewerbsverbot nach Vertragsende besteht – all die Kontakte, die er noch "auswendig" kennt, selbstverständlich nutzen. Selbstverständlich dürfte er auch seine privaten Kontakte weiterhin nutzen. Das gemeinhin verwendete, tatsächlich natürlich etwas etwas illusorische Bild in diesem Zusammenhang ist, dass der Mitarbeiter all die Kundeninformationen weiternutzen dürfte, die er auch im Kopf hat.

Komplexer würde diese Thematik dann noch einmal, wenn ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot bestünde. Dann könnte sich die Kontaktaufnahme mit ehemaligen Kunden über Xing & Co sogar als Verstoß gegenüber dem mit dem Arbeitgeber vereinbarten Wettbewerbsverbots darstellen. Dies könnte gravierende Folgen nach sich ziehen.

Was hilft?

Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist es daher bereits aus Transparenzgesichtspunkten sinnvoll und fast schon zwingend, vorher Klarheit zu schaffen und klare vertragliche Regelungen zu treffen. Dies gilt auch und gerade hinsichtlich der Weiternutzung beruflich eingesetzter Accounts, aber auch der auf diesem Wege erworbenen (Kunden-)Daten. Denkbar sind insoweit einzelvertraglich Regelungen oder aber – was sich insbesondere in größeren Unternehmen empfiehlt – klare Angaben in sogenannten Social Media Guidelines.

Der dienstliche Einsatz von Sozialen Netzwerken und anderen modernen Internetmedien macht im allgemeinen nur Probleme, wenn eine unklare Gemengelage vorliegt. Es sollte klar geregelt werden, wer, was, wann und wie jeweils nutzen darf. Dabei kann es aber nicht so sein, dass die Nutzer Sozialer Medien mit dem Ende ihres Arbeitsverhältnisses auch ihre "elektronische Identität" beim Arbeitgeber hinterlassen müssen.

Vorzugswürdig scheint eine interessengerechte (aber ausdrückliche) Regelung, die eindeutig festschreibt, was und welche Informationen bei der Beendigung des Arbeitsverhältnisse herausgegeben werden müssen. Dabei sind insbesondere die oben schon angedeuteten und von der Rechtsprechung bestätigten Interessen des Arbeitgebers miteinzubeziehen, dass die Informationen, die bei ordnungsgemäßer Organisation für die weitere Tätigkeit notwendig sind auch am Arbeitsplatz hinterlassen oder herausgegeben werden müssen.

Zusammenfassung

Die eingangs aufgeworfene Frage, ob das rechtliche Instrumentarium noch passt oder zu altbacken oder verstaubt ist, kann einfach beantwortet werden: Das Arbeitsrecht passt weitgehend, es ist nur auf gänzlich neue Sachverhalte anzuwenden. Bei vielen Problemen bedarf es nicht zwingend neuer gesetzlicher Regelungen.

Die abstrakt generell gefassten arbeitsrechtlichen Normen sind nur mit den bisherigen Wertungen und Maßstäben auf die neuen Sachverhalte anzuwenden. Neue gesetzliche Regelungen sind in aller Regeln nicht erforderlich. Sie unterliegen im Übrigen der Gefahr von situativen Modegesetzen, die einen kurzfristigen technischen und stimmungsmäßigen Sachstand wiedergeben und dabei die erforderliche Abstraktheit vermissen lassen.

Arbeitgeber wie Arbeitnehmer tun allerdings gut daran hinsichtlich der neu auftretenden und unbestreitbaren Probleme saubere, einzelvertragliche oder kollektivvertragliche Regelungen im Arbeitsvertrag oder auch in ergänzenden Social Media Guidelines zu treffen. Dabei sollte der Gefahr widerstanden werden hier nur "warme Worte" mit Apellen und Erläuterungen zur Massenwirkung des Internets niederzulegen, sondern hier sind arbeitsrechtlich klare und relevante Ansagen gefragt.

Weitere Infos: Birte Keppler ist Fachanwältin für Arbeitsrecht in Stuttgart und Dozentin bei der Rechtsanwaltskammer für Rechtsfachwirte/-innen.
Kontakt:
Tel: 0711 228 54 50
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