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Morgenmagazin vom Dienstag, 16. Februar 2016

16.02.2016 | 06:53 Uhr |

iPhones von Verdächtigen: Apple will vor Gericht Klarheit +++ So streicht Apple 90 Prozent der Gewinne ein +++ 11 coole VR-Anwendungen +++ Google stellt Picasa ein +++ Kanye West: Pleite trotz Tidal-Erfolg +++ Macbook Pro 2011: Wenn die Grafikkarte streikt +++ ThingMaker - Mattel bietet 3D-Drucker für Kinder an +++

16. Februar: Big in Japan

Das Macwelt-Morgenmagazin wünscht einen Guten Morgen! Allmählich steigt die Spannung: Stimmt das mit dem Special Event am 15. März, also in vier Wochen? Wenn ja, müsste Apple irgendwann Einladungen an die Weltpresse verschicken. Stimmt das dann auch mit dem iPhone 5SE oder 6C, dem iPad Air 3 und der Apple Watch 2? Auch hier ist die Lage nicht eindeutig, zwar tauchen immer mehr valide Hinweise darauf auf, aber die Ungewissheit bleibt. Vermutlich wissen wir erst mehr, wenn Apple die Einladungen zu dem Event verschickt hat, aus dem Motto und der Schmuckgrafik wird man so einige Rückschlüsse ziehen können.

Im 21sten Jahrhundert sind Messen ein Auslaufmodell geworden, Apple nimmt längst an keiner mehr teil und betrachtet seine weltweit über 400 Stores als weitaus besser geeignete Dauerausstellungen. So ist es längst Vergangenheit, dass die Szene der Eröffnung einer Messe schon weit im Voraus entgegen fieberte und auf spektakuläre Neuerungen Apples wartete. Die Termine waren ja lange im Vorfeld bekannt. Vor allem vier Messen waren entscheidend: Die beiden US-Macworlds im Sommer und Winter an der Ost- und der Westküste, die Apple Expo im spätsommerlichen Paris und die größte reine Mac-Messe, die Macworld Expo in Tokyo. Ende der 90er war Japan für Apple der wichtigste Markt außerhalb der USA, als China gerade einmal die wirtschaftliche Öffnung soweit voran getrieben hatte, um der Welt als Werkbank für IT-Produkte zu dienen.

Apple hatte immer auf der Macworld Anfang Januar in San Francisco einige Neuerungen zurück gehalten, um das Publikum in Japan nicht zu enttäuschen. So auch im Jahre 2000, als die Keynote der Macworld Tokio auf den 16. Februar fiel und Steve Jobs eine neue Variante des Powerbooks G3 zeigte. Dieses war erstmals mit einer Firewire-Schnittstelle und Airport ausgestattet, jene drahtlose Verbindung, die im iBook ein gutes halbes Jahr zuvor in New York Premiere gefeiert hatte. Der besondere Cloud des Pismo - so der Codename - war aber das herausnehmbare DVD-Laufwerk an dessen Stelle man entweder ein Leermodul oder viel sinnvoller einen zweiten Akku stecken konnte. Das Gehäuse war ansonsten mit dem des Vorgängers mit Codenamen Lombard identisch, man musste schon auf die Buchsen an der Gehäuserückseite schauen, ob man das neuere oder etwas ältere Modell vor sich hatte.

Das Powerbook G3 Pismo - benannt nach einer Stadt in Kalifornien - war das letzte seiner Art, ein gutes Jahr später stellte Apple das Powerbook auf den G4-Prozessor um und steckte den Rechner in ein elegantes Gehäuse aus Titan, auf dem der Apfel auch richtig rum stand, wenn der Laptop aufgeklappt war. Dieses Designprinzip besteht bis heute fort, elegantes Metallgehäuse und Logo in der korrekten Orientierung. Nur das mit dem optionalen zweiten Akku hat Apple aufgegeben, heutzutage sind die Batterien noch dazu fest verlötet und quasi nicht mehr austauschbar. Die Macworld Expo Tokio, die am 16. Februar auch noch das iBook SE mit dezent grauer Optik und leicht schnellere PowerMacs G4 brachte, hat es nicht mehr lange durchgehalten, mit der Ausgabe von 2002 war Schluss.

Apple wird nicht mehr auf Messen zurückkehren und stattdessen auf eigene Events setzen. Deren genauen Termine muss man erraten. Aber der Tipp mit dem 15. März wird so schlecht nicht sein. Peter Müller

Lesetipps für den Dienstag:

11 coole VR-Anwendungen: Noch sind Apples Äußerungen zum Thema Virtual Reality (VR) recht zurückhaltend, das Unternehmen scheint jedoch Expertise in der Technologie aufzubauen. Was Virtual Reality bedeutet und welche sinnvollen Anwendungen es heute schon gibt - vielleicht wird das doch Apples nächstes großes Ding.

Nichts Neues: Apple steigt mit einer Show von und mit Dr. Dre in das TV-Geschäft ein, lautete die spektakuläre Nachricht vom Freitag. Die gar nicht so spektakulär ist, wie Recode erinnert, denn Apple hat schon zuvor exklusive Videoinhalte für Apple Music produziert oder zumindest finanziert. Da sei zunächst der Konzertfilm von Taylor Swifts 1989-Tour genannt, der im Dezember exklusiv bei Apple Music lief. Oder das Video "Hotline Bling" des Rappers Drake, das im Oktober letzten Jahres zuerst bei Apple Music lief - den Musikfilm hatte Apple finanziert. Eine Dr.Dre-Show ist also nichts weiter als der allmähliche Ausbau des Konzepts. Bis Apple wirklich in das TV-Geschäft einsteigt, wird noch Zeit vergehen.

Stabiler Preis: Apple streicht 90 Prozent aller Gewinne im Smartphone-Markt ein, wobei der Marktanteil Apples deutlich geringer ist. Warum das so ist, erklärt ein Blick auf den durchschnittlich erlösten Preises für iPhones. Dieser liegt seit 2010 stabil um die 700 US-Dollar, während der für Android-Smartphones von 440 US-Dollar im Jahr 2010 auf 215 US-Dollar im vergangenen Jahr gefallen ist. Sprich: Apple muss nicht an der Preisschraube drehen, um seine iPhones verkaufen zu können, sondern kann an seiner Hochpreispolitik festhalten, die kräftige Margen einbringt.

Klarheit: Apple will ein Gericht in New York feststellen lassen, unter welchen Umständen die Polizei den Hersteller dazu zwingen kann, beim Entsperren von iPhones der Verdächtigen von Straftaten zu helfen. Konkret geht es um einen Fall eines iPhone 5S, das Apple auf eine Anordnung der Behörden knacken soll. Die Strafverfolger beziehen sich dabei auf den All Writs Act, mehrere ähnliche Fälle sind bei Apple anhängig.

Genehmigungsverfahren : Apple muss auf Anordnung einer irischen Baubehörde mehr Pläne über das geplante Rechenzentrum in Cork offenlegen in das der Mac-Hersteller rund 850 Millionen Euro investieren will. Vor allem soll Apple mehr zu seinen Gründen für die Ortswahl offen legen und wie es auf erneuerbare Energien und umweltschonende Materialien zu setzen gedenkt. Ebenso steht die Frage im Raum, ob gefährdete Arten von dem Neubau betroffen sein könnten.

Weitere Nachrichten

Google stellt Picasa ein

Google empfiehlt Anwendern schon länger die kostenlose Web-Anwendung Google Photos für Foto-Verwaltung und -Bearbeitung. Das immer noch recht bekannte Picasa hat Google bereits vor einiger Zeit aufs Abstellgleis geschoben. Jetzt teilte Google in einem Blogeintrag mit, dass es Picasa ganz einstellen wolle.
 
Google wolle sich ganz auf ein Foto-Tool für Mobile-Geräte und Desktop-Rechner konzentrieren, so die Begründung. Und das sei nun einmal Google Photos.
 
 
Anwendern, die immer noch Picasa für die Verwaltung ihrer Foto-Schätze verwenden, lässt Google aber die Wahl. Aus Googles Sicht die Ideallösung: Wer seine Fotos bisher mit den Picasa Web-Alben verwaltet, soll sich einfach bei Google Photos anmelden. Dort findet er dann automatisch alle seine Fotos und Videos von Picasa wieder.
 
Wer dagegen Google Photos nicht verwenden möchte oder aber den Zugriff auf bestimmte Informationen aus Picasa benötigt, wie Tags und Kommentare, soll von Google aber immerhin die Möglichkeit bekommen, auch weiterhin auf seine Picasa-Web-Album-Daten zugreifen zu können. Damit sollen sich Inhalte aus den Picasa Web Alben anschauen, herunterladen und löschen lassen. Neue Alben wird man damit aber nicht mehr erstellen können und ebenso lassen sich bestehende Alben nicht mehr bearbeiten und organisieren.
 
Alle Picasa-Web-Album-Nutzer bekommen außerdem noch eine Galgenfrist, Google will die Änderungen erst am 1. Mai 2016 ausrollen.
 
Bereits am 15. März stellt Google dagegen die Unterstützung für die Picasa-Desktop-Anwendung ein, die Sie sich derzeit noch hier herunterladen können. Das Desktop-Programm wird Google zufolge zwar auch noch nach dem 15.3.2016 funktionieren, Google wird das Tool aber nicht mehr weiter entwickeln und auch keine Updates dafür mehr veröffentlichen. Wer zu Google Photos wechseln möchte, kann für den Upload seiner Fotos und Videos aus der Desktop-Anwendung von Picasa den Uploader verwenden.  
 
Entwickler wiederum müssen sich darauf einstellen, dass Google auch einige der Funktionen der Picasa API einstellt. Hierzu gibt Google einige Informationen.
 
Tipp: Wie Sie Google Photos optimal nutzen, verraten wir Ihnen hier. Und wir zeigen Ihnen die zehn wichtigsten Tipps für die perfekte Bildbearbeitung mit Freeware.

Letztendlich handelt es sich bei Google Photos um die erweiterte Version des Fotospeichers des als Facebook-Konkurrenten gescheiterten Google+. Alle Fotos, die Sie bei Google+ gespeichert haben, stehen automatisch auch bei Google Photos zur Verfügung. Die App „Fotos“ von Google für iOS und Android können Sie so konfigurieren, dass diese automatisch alle Fotos vom Smartphone auf Google Photos hochlädt. Damit vermeiden Sie den Verlust Ihrer Fotos, falls das Smartphone ausfallen sollte.

Kanye West: Pleite trotz Tidal-Erfolg

Kanye West hat in dieser Woche sein mittlerweile siebtes Studio-Album veröffentlicht . „The Life of Pablo“ feiert sein Debüt über die Streaming-Plattform Tidal. Dieser Exklusiv-Release verhilft Tidal zu neuer Beliebtheit. Mit dem Album-Release schafft es die App auf Platz eins der iOS-Charts.

Wie gut sich das Album verkaufen wird, bleibt abzuwarten. Auf die Einnahmen ist Kanye West offensichtlich dringend angewiesen, denn er steht eigenen Angaben zufolge mit ganzen 47 Millionen US-Dollar in den Miesen.

Aus seinen finanziellen Schwierigkeiten macht Kanye West kein Geheimnis. Über seinen Twitter-Kanal schnorrte er zuletzt öffentlich Larry Page und Mark Zuckerberg nach Unterstützung an. Ob die beiden dem Rapper etwas zugesteckt haben, ist nicht bekannt.

Macbook Pro 2011: Wenn die Grafikkarte streikt

Zunächst ist es nur eine plötzliche kleine Verfärbung des Bildschirms, vielleicht ein Stich ins Magenta. Dann kommt es zur Bildung von Streifen und Klötzchen und sporadischen Abstürzen. Nach kurzer Zeit lässt sich der Rechner nicht mehr oder nur noch mit einem schwarzen oder weißem Bildschirm starten: Schon seit einiger Zeit häufen sich im Apple-Support-Forum , zahlreichen Blogs und Mac-Foren die Berichte über Probleme mit der dedizierten Grafikkarte der 2011er Macbook Pro mit 15- und 17-Zoll-Bildschirm , also Geräten der Baureihe Modell 8,1 und 8,2 (A1286 und A1297) mit AMD-Radeon-Grafikchips. Der Fehler tritt zwar nicht zwangsläufig bei jedem Gerät auf, doch wenn er auftritt, ist er außerordentlich unangenehm: Das Macbook Pro wird de facto unbenutzbar, eine Reparatur scheint nur durch den Austausch oder die Reparatur des Logicboards möglich, was hohe Kosten nach sich zieht

"Zuerst gab es willkürlich Abstürze, die ich auf Parallels und ein Update der Thunderbolt Display-Firmware geschoben habe", berichtet etwa Macwelt-Leser Benjamin Toussaint. "Die Abstürze traten dann aber gehäuft und in immer kürzeren Abständen auf. Das Macbook lief ganz normal, nach 10 bis 20 Minuten wurde der Bildschirm schwarz oder zeigte quer gestreifte Balken. Hin und wieder war, vor allem auf dem angeschlossenen Thunderbolt-Display, der Desktop intakt, aber so verschoben, als hätte man eine Litfasssäule zur Hälfte weitergedreht. Beim Neustart blieb der Rechner direkt danach mit weißem Bildschirm hängen, fuhr aber nach einigen Minuten Wartezeit wieder normal hoch und funktionierte wieder etwa 20 Minuten lang." An sinnvolles Arbeiten ist unter diesen Bedingungen natürlich nicht zu denken. Toussaint vermutete einen Hardware-Fehler und brachte das Gerät im Apple-Store in Köln zur Reparatur, wo bei dem drei Jahre alten Gerät das Logicboard getauscht wurde. "Auf den 460 Euro werde ich wohl sitzen bleiben", so Toussaint.

Und er ist längst nicht der einzige Macbook-Pro-Besitzer mit einem 2011er-Modell, der über solche Probleme klagt: Foren-Nutzerin Martina B. etwa berichtet, dass sie das Macbook-Pro- Logicboard gleich drei Mal tauschen ließ. Der Fehler trat bei ihr auch nach dem Tausch des Boards binnen kürzester Zeit wieder auf, und auch viele andere Leser und Macbook-Nutzer im Internet berichten von ähnlichen Schwierigkeiten und hohen Reparaturkosten bei Apple selbst oder einem Service-Provider, da der Fehler zumeist deutlich nach Ablauf der standardmäßig einjährigen Apple-Garantie auftritt – und nicht selten sogar erst nach Ablauf des dreijährigen Apple-Care-Schutzes, den längst nicht jeder hat. Das Problem äußert sich mit zunehmender Heftigkeit durch Verfärbungen, Darstellungsfehler und Abstürze, bis letztlich der Rechner komplett den Dienst versagt. Die Fehlerbeschreibungen unterscheiden sich oft erheblich, gemein haben sie jedoch, dass vor allem Geräte aus dem Jahr 2011 betroffen sind.

Schuld an dem Fehler ist der dedizierte Grafikchip des Macbook Pro: Er stirbt bei betroffenen Geräten schlicht und einfach den Hitzetod , eine Folge eines fatalen Zusammenspiels dreier Faktoren, die Jan Petermann, Chef des Reparatur-Dienstleisters Smartmod gegenüber Macwelt benennt: Einerseits sei der von Apple verbaute Grafik-Chip von AMD fehlerhaft , sein Hitzemanagement funktioniere nicht richtig. Das sei aber so lange kein Problem, wie eine ausreichende Kühlung des Chips gewährleistet sei. Hier kommt das zweite Problem zum Tragen: Einerseits seien Apples Macbooks durch das schlanke Design in Sachen Wärmeabfuhr ohnehin auf Kante genäht, andererseits gebe es aber auch Verarbeitungsfehler: "Uns fällt immer wieder auf, dass bei der Produktion viel zu viel Wärmeleitpaste aufgetragen wurde, was eine Ableitung der Hitze verschlechtert. Außerdem sind die Kühlrippen und die Kühlauslässe recht klein dimensioniert, was bedeutet, dass sich die heiße Luft staut und nicht schnell genug entweichen kann", erklärt Petermann.

Dadurch käme es häufig zum dritten Problem: Durch eine "unsachgemäße" Benutzung – etwa den Betrieb im Bett oder anderen sehr staubigen Umgebungen – kommt es zu einer zusätzlichen Verschmutzung des Kühlsystems oder einer (zeitweisen) Verstopfung der Lüftungsschlitze, was den Hitzestress erhöht. Die Folge ist Heißlaufen des Grafikchips, die laut Petermann zu einem hitzebedingten Bruch von Lötstellen führt. Dieser zieht seinerseits den geschilderten Fehler nach sich. Abhängig von der konkret gebrochenen Lötstelle – die AMD-Grafikchips besitzen rund 1 000 Stück – tritt der Fehler heftiger oder schwächer, häufiger oder seltener auf und zeigt sich in zahlreichen Facetten. Eine dauerhafte Abhilfe bringt nach Ansicht des Smartmod-Chefs nur ein eine Reinigung des Geräts samt Korrektur des Kühlsystems und Austausch des fehlerhaften Grafikchips. 

Auf einer Support-Seite stellt Apple allen betroffenen Nutzern eine Abhilfe in Aussicht.

Auf das Problem angesprochen, gibt sich Apple wie immer zurückhaltend, eine Antwort auf unsere Anfrage steht zur Drucklegung noch aus. Ein Austausch- oder Kulanzprogramm ist seitens Apple jedoch derzeit – anders als es bei einigen älteren Macbook-Modellen der Fall war – nicht geplant. Fatal für betroffene Nutzer ist in diesem Zusammenhang natürlich die Tatsache, dass die Probleme erst nach geraumer Zeit und zumeist nach Ablauf der Garantie auftreten. Rufen betroffene Nutzer beim Apple-Support an, werden sie von Apple mit den üblichen Tricks – PRAM-Reset, SMC-Reset, Neuinstallation des Betriebssystems – abgespeist, doch das ist Arbeitsaufwand ohne Nutzen, wie auch Deutschlands größter Apple-Servicepartner Gravis bestätigt: "Der Fehler ist uns bekannt. Auch an uns sind bereits mehrere Kunden herangetreten. Der Fehler ist leider nicht durch ‘einfache Tricks‘ zu beheben, wie zum Beispiel durch einen Reboot oder die Neuinstallation des Betriebssystems. Das Gerät muss repariert und die Hauptplatine ausgetauscht werden", erklärt Carsten Brandt, Sprecher von Gravis.

Über Fallzahlen oder den Prozentsatz betroffener Geräte könne er jedoch keine Angaben machen. Allerdings wären Probleme mit den Macbooks kein neues Thema für Apple: Der thermische Stau als Folge der Entscheidung, extrem leistungsstarke Hardware in ein derart schlankes Gehäuse wie beim Macbook Pro zu pressen, führte bereits in der Vergangenheit zu technischen Schwierigkeiten mit Lötstellen. Auch einige ältere Macbook Pro-Baureihen waren von Problemen dieser Art betroffen, die Häufung bei der 2011er-Serie deutet jedoch auf einen Serienfehler hin, dessen Ursache nicht nur in mangelnder Gerätepflege zu suchen ist.

In ihrer Hilflosigkeit und konfrontiert mit den hohen Reparaturkosten, die oft keine langfristige Abhilfe schaffen, greifen viele Nutzer zur Selbsthilfe – oft mit fatalen Folgen: Im Internet kursieren etwa Tricks, in denen dazu geraten wird, das Logicboard des Macbook Pro auszubauen und zu backen, also im Backofen auf eine Temperatur von 200° C zu bringen. Das soll die gebrochenen Lötstellen reparieren, da sich das Lot aufheize, schmelze und die Kontakte wieder schließe. Grundsätzlich kein schlechte Idee, allerdings oft mit fatalen Folgen. Jan Petermann rät dringend von dieser Methode ab: "Ein Reworkprozess bei modernen Boards muss in einem sehr engen Prozessfenster stattfinden: Das Lot schmilzt erst bei etwa 220° C, heißer als 250° C darf die Baugruppe aber nicht werden. Die Backofen-Methode kann bei dieser Temperatur also nicht funktionieren , stellt man den Ofen heißer ein, beschädigt man mit allergrößter Wahrscheinlich das Board irreparabel." Abgesehen davon besteht natürlich auch die Gefahr, das Board bei unsachgemäßem Aus- und Einbau zu beschädigen.

Wesentlich sinnvoller ist es, das Board des Macbook beim Auftreten des Fehlers austauschen oder reparieren zu lassen. Grundsätzlich empfiehlt sich bei allen Macbooks der 2011er-Baureihe – auch wenn der Fehler noch nicht aufgetreten ist – die Installation des kleinen Tools Gfx Cardstatus , um im Fall der Fälle eine Datensicherung durchführen zu können: Gfx Cardstatus erlaubt die manuelle Deaktivierung der eingebauten dedizierten Grafikkarte, stattdessen wird die Chipsatz-Grafik – im Fall der betroffenen Macbooks die Intel HD3000 – verwendet. Allerdings wird erst im laufenden Betrieb umgeschaltet, da das Tool natürlich erst auf Betriebssystem-Ebene greift. Eine dauerhafte Lösung ist damit nicht möglich, wie Macwelt-Leser Björn Scholz berichtet: "Das funktioniert ein paar Tage, dann friert der Rechner wie vorher auch wieder ein." Wenn er denn bei schwerer Symptomatik überhaupt startet, denn beim Systemstart werden natürlich beide Grafikeinheiten einer Prüfung unterzogen.

Merkt das Macbook beim Selbsttest, dass etwas mit der Grafikkarte nicht stimmt, fährt es möglicherweise gar nicht hoch. Allerdings tritt der Grafikkartenfehler nach Berichten vieler Anwender im Netz in der Regel schleichend auf, ein Totalausfall des Macbook mit dem ersten Auftreten des Fehlers ist vergleichsweise unwahrscheinlich. Scholz hat trotzdem eine Lösung, und zwar in Form einer selbstgebauten Linux-Distribution , die nur die Intel-Chipsatzgrafik des Macbook Pro anspricht. Nichtsdestotrotz sollte jeder Nutzer eines Macs – egal, ob es sich um betroffene Macbook Pro oder eine andere Baureihe handelt – jederzeit ein aktuelles Time Machine-Backup zur Hand haben. Nur so können im Fall der Fälle die Daten schnell auf ein Ersatz- oder Austauschgerät übertragen werden.

Besitzer eines 2011er Macbook Pro, bei dem der Fehler noch nicht aufgetreten ist, sitzen im Zweifelsfall auf einer tickenden Zeitbombe . Allerdings gibt es Möglichkeiten, den Tod der Grafikkarte zu vermeiden oder herauszuzögern: Es ist ratsam, das Macbook regelmäßig zu reinigen, insbesondere die Lüftungsschlitze am Display-Scharnier und die Lüfter im Gerät sind neuralgische Punkte und verstauben schnell. Eine Reinigung mit Druckluft ist hier das Mittel der Wahl, wobei sich die Lüfter dabei allerdings nicht drehen dürfen, da es sonst zu Überspannungen kommen kann, die ihrerseits Schäden verursachen. Sinnvoll ist zudem, das Book nicht auf weichen Oberflächen wie Bett und Couch zu betreiben und von Staub fernzuhalten. Eine externe Kühlung – etwa über Stand-Lösungen wie den mStand von Raindesign – empfiehlt sich ebenfalls.

Wer auf die dedizierte Grafikkarte verzichten kann, sollte sie zudem prophylaktisch mit Gfx Cardstatus deaktivieren, da viele schlecht programmierte und ältere Programme dafür sorgen, dass der AMD-Grafikprozessor intensiv genutzt wird, ohne dass er wirklich benötigt wird. Auch auf grafikintensive Spiele sollten Besitzer der betroffenen Baureihe verzichten. So überlebt das Book möglicherweise noch bis zur nächsten Neuanschaffung, eine grundsätzliche Vermeidung des Fehlers ist jedoch nicht möglich, er kann bei der betroffenen Baureihe jederzeit auftreten. Benjamin Toussaint jedenfalls wird auf seinen Reparaturkosten erst einmal sitzenbleiben und ist von Apple enttäuscht: "Apple gibt viel Geld für Marketing aus und will das Mysterium um die eigenen Produkte pflegen. Aber das Unternehmen ist gerade dabei, sich eine Menge überzeugter Kunden zu vergraulen. Und das mit einem Fehler, den Apple eigentlich seinen Zulieferern anlasten könnte." Denn der fehlerhafte Grafikchip kam schließlich von AMD.

ThingMaker - Mattel bietet 3D-Drucker für Kinder an

Mit dem ThingMaker hat Spielzeughersteller Mattel einen 3D-Drucker für Kinder im Angebot. Im Preis von 299,99 US-Dollar ist eine App für iOS und Android enthalten, mit der sich Vorlagen für neue Figuren und Zubehörteile auswählen und drahtlos an den Drucker schicken lassen. In der App finden sich bereits Dutzende Blaupausen von Ringen, Ketten, Dinosauriern oder Skeletten.

Die Kinder können aber auch eigene Figuren erstellen, die mit dem Stecksystem kompatibel sind. Mattel peilt junge Kunden ab 13 Jahren an. Die Zielgruppe erfordert einige Sicherheitsmaßnahmen. So schließt sich die Tür des Druckers automatisch, wenn er in Betrieb ist. Der Druckkopf wird zudem nach hinten eingeklappt, um Verbrennungen vorzubeugen.

Laut Mattel ist der ThingMaker mit Standard-Filament kompatibel. Der Hersteller will jedoch auch eigene Materialien in knalligen Farben auf den Markt bringen. Mit einer 1-Kilogramm-Spule soll der Drucker bis zu 20 Figuren, 30 Schmuckteile oder 100 Ringe drucken können. Die Auslieferung des für Kinder gedachten 3D-Druckers soll erst im Herbst erfolgen. Vorbestellungen für den ThingMaker werden aber noch heute über Amazon möglich sein.

Mattel verfolgt mit dem 3D-Drucker eine langfristige Strategie: Das preisgünstige Gerät soll es Kindern ermöglichen, sich neues Zubehör für ihre Barbie oder ihre Hot-Wheels-Sammlung auszudrucken. Konkrete Pläne dafür liegen zwar noch nicht vor. Aslan Appleman, Senior Director bei Mattel, beschreibt das Konzept des Druckers gegenüber USA Today aber sehr treffend: „Es ist fast magisch, dem Druckvorgang zuzuschauen. Doch für größere Ausdrucke empfiehlt es sich, den Druck über Nacht zu starten und mit einem brandneuen Spielzeug aufzuwachen.“

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